Gear_DJ-Controller Hersteller_Livid
Test
5
21.06.2013

Praxis

Verbinde ich den Controller mit meinem Mac, wird er im Nu als klassenkompatibles USB-Gerät erkannt und meldet sich zum Dienst. Der erste Weg führt mich zu Live 9. Es bedarf keines besonderen Ableton-Remote-Scripts, um mit dem Alias zu arbeiten. Und da nicht jeder Musiker gleich mit der Intention ins Studio geht, sich durch die Programmiersprache Python zu hangeln, ist es wohl wahrscheinlicher, das Ding einfach in einen freien USB-Port einzustöpseln und mit dem Mapping zu beginnen. Denn – das muss auch gesagt werden - fertige Konfigurationsdateien sind aktuell noch Mangelware. Also lade ich in Ableton ein vorhandenes oder neues Projekt und kann, nachdem ich meinen Testkandidaten als Controller festgelegt habe mittels Aktivierung der MIDI-Funktion mit der Zuweisung beginnen. Mit 15 Kanälen sind der Kreativität eigentlich kaum Grenzen gesetzt und ich kann neben Mixer- und Clipfunktionen auch die Steuerung von Ableton- und VST-Plugins konfigurieren oder einen Step-Sequencer kommandieren.

Die Bedienung der grafischen Benutzeroberfläche und die rückmeldende Beleuchtung der Buttons am Gerät funktioniert nach dem Mapping auf Anhieb. Ableton Live sendet an die LEDs folgende Werte: Clip-Trigger: 126, Clip-Play: 127, Clip-Loop: 1. Für die vorliegende Schaltzentrale bedeutet dies, dass ihre Lämpchen gelb beim Einstarten eines Clips illuminieren, grün beim einmaligen Abspielen und weiß im Loop. Ein eindeutiges Statement und ganz einfach über MIDI-Learn umzusetzen. Die Farbzustände der LEDs lassen sich via „System Exclusive Messages“ oder den Online-Editor ändern, dazu später mehr. Die Velocity-Map fürs Protokoll:

  • 000-000: OFF
  • 001-003: White
  • 004-007: Cyan
  • 008-015: Magenta
  • 016-031: Red
  • 032-063: Blue
  • 064-126:
  • Yellow 127-127: Green

Beim Mixen ist mir aufgefallen, dass die Ableton-Fader aufgrund des kurzen Regelwegs des Alias um einiges weniger filigran agieren als die meines VCM-600 von Vestax. Erschwerend kommt hinzu, dass die Kanal-Flachbahnregler zudem eine Deadzone von etwa drei Millimetern von jedem Endpunkt (Nord/Süd) zur Mitte hin aufweisen, was die effektiv nutzbare Länge auf 24 Millimeter reduziert. Die sanften Drehregler hingegen sind mit gummierten Potikappen ausgestattet und somit hinsichtlich des sich einstellenden Gefühls für die Steuerung eine wahre Freude. Warum die Kappen allerdings nicht weiter über die Bohrung reichen und die Platine vor Staubeintritt schützen, wie es bei den meisten Mixern und Controllern der Fall ist, weiß allein nur der Hersteller.

Weil ich während der Arbeit zwischen 15 Kanälen umschalten kann und dadurch die Anzahl der möglichen Steuerbefehle auf 630 ansteigt, bleibt es nicht bei einer Funktion pro Bedienelement, sondern man kann jedem Kanal eine neue Aufgabe zuweisen. Hier erweist sich der Einstell-Encoder in Kombination mit der Anzeige als kompetenter Lotse. Wichtig ist freilich, dass es während oder nach eines Umschaltvorgangs nicht zu Parametersprüngen kommt und alte Werte oder Fader/ Poti-Stellungen zunächst „abgeholt werden“, bevor die zu steuernde Kenngröße „reagiert“. Bedauerlicherweise ist das beim Alias nicht der Fall, so dass der Fader nach einem Channel-Switch direkt an die Position springt, die als Nächstes übermittelt wird. Das geht in meinen Augen gar nicht und schränkt die Verwendung ziemlich ein, weswegen ich einen halben Stern abziehen muss. Eine kleine Besonderheit kommt noch dem Encoder selbst zu, da er auf Tastendruck – das Display zeigt dann CC an - ebenfalls MIDI-Daten senden kann. In diesem Modus erfolgt natürlich keine Umschaltung der MIDI-Kanäle mehr.

Wer eine leichte und kompakte Steuerzentrale für den mobilen Einsatz sucht, der muss natürlich einige Zugeständnisse an die „Beinfreiheit“ oder besser gesagt Distanz der Bedienelemente zueinander machen. Das ist auch, neben den wackeligen Pitchfadern und den Parametersprüngen einer meiner Hauptkritikpunkte am Bedienkomforts des Alias, denn ich muss schon mit den Fingerspitzen arbeiten, will ich nicht ein benachbartes Poti berühren. Dieses zu verstellen ist aufgrund des hohen Drehwiderstandes zugegebenermaßen nicht so einfach, doch im Test ist mir durchaus schon mal ein benachbarter Fader am Mittelfinger mitgewandert. Bei meinem von mir sehr geschätzten VCM-600 mit seinen fast 30 Millimetern Abstand zwischen den Kappen (Alias 8 = 14mm) ist dies ganz anders. Nur dass der Japaner mindestens dreimal so groß ist, wie sein texanischer Kollege und längst nicht so einfach ins „Handgepäck“ passt, weswegen der Vergleich zugegebenermaßen hinkt. Doch wenn ich da so rüber schaue, fällt mir zudem auf, dass ich ebenfalls gern einen Crossfader zum Überblenden zwischen einzelnen Tracks und Gruppen oder für den Live-DJ-Act gesehen hätte, sowie einen weiteren Push-Encoder. Somit bleibt Alias 8 in erster Linie eine DAW-Mixer-Steuerung, die aufgrund direkt umschaltbarer MIDI-Kanäle eine Vielzahl an Steuerbefehlen in die digitale Audioworkstation pumpen kann und auch für die Fraktion der Lightjockeys zur Fernsteuerung von beispielsweise Arkaos oder Cell DNA interessant ist. Was jedoch eine klassische DJ-Software angeht, ist man mit dem Texaner weniger gut beraten.

Der Class compliant Treiber...

...ist ein sehr praktisches Feature, denn somit ist das MIDI-Pult auf jedem „x-beliebigen“ Rechnersystem von PC, MAC über Linux ohne zusätzlich zu installierende Treiber einsetzbar, aber eben auch in Kombination mit einem iPad zu verwenden, was derzeit mehr und mehr Bedeutung erlangt. In diesem Fall kommt ihr aber nicht um die Nutzung eines gepowerten Hubs herum, da eine direkte Verbindung mit dem ebenfalls benötigten Camera-Connection-Kit nicht möglich ist, weil dem Alias eine eigene Stromversorgung fehlt. Schade! Und doch kommen plötzlich hunderte Apps von FL-Studio Mobile über Cubasis oder Performer ins Spiel – zumindest wenn diese MIDI-Learn unterstützen oder ihr ein MIDI-Chart zur Verfügung habt, um die gesendeten Werte des Alias anzupassen. Was die grundsätzliche Bereitschaft des iPad angeht, mit dem Livid zu arbeiten: Nachstehend ein Screenshot der Software Turnado, die den US-Controller ohne Murren als Kommandozentrale annahm, sich via MIDI-Learn anlernen und als Effektsteuergerät nutzen lässt;  z.B. auch aus einer Audiobus-kompatiblen DJ-App heraus.

Controller-Funktionen

Leider hat Alias keinen eigenen Editor mit auf den Weg bekommen, sondern muss per System Exclusive Messages (SysEx-Dump) oder Online „umprogrammiert“ werden. Das könnte manchen Einsteiger unter Umständen verschrecken, der die Arbeitsweise der Tasten oder Knöpfe verändern will, um zum Beispiel aus einem absolut arbeitenden Encoder einen relativen zu machen. Oder um den von Haus aus implementierten „Momentary“-Status, bei welchem die Tasten einen Befehl senden, wenn sie gedrückt werden und einen Off-Befehl beim Loslassen übermitteln, gegen den „Toggle“-Modus, den klassischen Ein-/Ausschalter auszuwechseln. Solltet ihr zu diesem Personenkreis gehören, möchte ich euch die Website von Livid-Instruments wärmstens ans Herz legen, denn der Online-Editor ist nach Installation des Jazz-Plugins für den Browser ein gutes und übersichtliches Konfigurationstool. Zudem steht euch das Livid-Wicki mit Rat und Tat zur Seite, welches im Übrigen ein gedrucktes Handbuch kompetent und tagesaktuell ersetzt.

Pro & Contra

  • Übersichtliches, leicht zu adaptierendes Layout
  • Kompaktes Format
  • 15 volle Befehlsebenen per MIDI-Channel
  • Channel-Selektion an der Hardware durchzuführen
  • Modular erweiterbar
  • Robustes Gehäuse

  • Fehlender Pickup-Mode führt zu Parametersprüngen
  • Etwas enge Fader und EQ-Sektion
  • Wackelige Plastik-Channelfader
  • Kein Crossfader
  • Editor aktuell nur als Online-Version verfügbar

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