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Test
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04.04.2012

Livid Instruments Code Test

Rotary MIDI-Controller

Eine Büchse voller Knöpfe

Wenn es um das Thema DAW-Controller mit anspruchsvollem Hardwaredesign geht, fällt oftmals der Name Livid Instruments. Ob Ohm, Block oder Code, die Fangemeinde der in Austin Texas gefertigten Silberkisten wächst stetig. Und keine Frage: Auch Code lässt Schrauber-Herzen höher schlagen, denn der frei programmierbare Rotary-MIDI-Controller vereint 32 Push-Encoder und 13 Taster in einem kompakten, holzgefassten Alu-Case und scheint wie geschaffen für die stilvolle Performance mit Ableton, Reason, Traktor und Konsorten. Eine klassische Buttonmatrix im Launchpad oder APC-Stil sucht man hier allerdings vergebens, auch sind keinerlei Fader zu finden. Statt dessen blicke ich auf eine Ansammlung von Knöpfen, aufgereiht wie die Sturmtruppen in Star-Wars.

Der Kandidat kommt mit einer nicht gerade budgetschonenden Preisempfehlung von 515 Euro. Als nahezu reine Drehbank ist er ein Nischenprodukt. Doch genau das untermauert seine Existenzberechtigung, denn dadurch spricht er exakt die Klientel an, die nach eben einer solchen Schraubkonsole bisher vergeblich Ausschau gehalten hat. Ob das jedoch reicht, um sich gegen APC, Remote und Konsorten durchzusetzen?

DETAILS

Zunächst ein paar Worte zur Verarbeitungsqualität, denn die ist wirklich prima. Die Platine steckt in einem übersichtlichen, klar strukturierten eloxierten Aluminiumgehäuse mit Mahagoni-Verkleidung. Auf einer Seite ist in bester Wildwest-Manier LIVID eingebrannt (das Kistchen kommt schließlich aus Texas). An der gefalzten Rückseite wurden etwas futuristischer die Lettern CODE ausgefräst. Bis auf diese beiden Worte sehe ich keinerlei weitere Beschriftungen. Alles wirkt hochwertig und ist fest verschraubt. Ich habe ganz und gar nicht den Eindruck, dass man dieses Gerät schon nach einigen Jahren des rauen Bühnen- und Kanzeleinsatzes in den Ruhestand schicken müsste.

Die „Potiwumme“ bringt ein Kampfgewicht von gerade mal 900 Gramm auf die Waage, was in Anbetracht der verwendeten Materialien in Ordnung ist und weniger Ballast im Rucksack hervorruft, als eine Liter-Tüte Milch. Code ist 51 Millimeter hoch. Auf seiner 152 x 279 Millimetern großen Bedienoberfläche tummeln sich 13 Tasten sowie 32 Drehregler.  

Vier Buttons bilden die linke Vertikale, acht Buttons unten eine Horizontale. Ein etwas größerer Taster verbindet die Reihen. Dazwischen sitzen vier Mal acht Potis - der Aufbau ist schnell erklärt, das Weglassen von Beschriftungen unter Berücksichtigung der sehr individuellen Verwendung sicher vernünftig . Addiere ich die Push-Funktion der Regler dazu, komme ich auf 45 Schaltbefehle oder insgesamt 77 MIDI-Messages, womit auch komplexere Aufgaben bei der Parameterkontrolle einer Soft- oder Hardware bewältigt werden sollten.

Interessanterweise finden wir die Schnittstellen zum Informationsaustausch mit der Außenwelt nicht an der Hinterseite, sondern links in einer Aussparung der Holzverkleidung. Ein USB-Port Typ-B dient zur Spannungsversorgung und bidirektionalen Kommunikation mit dem PC. Netzteilspeisung ist nicht vorgesehen. Der Rechnerverbund ist hier natürlich quasi Pflicht. Zwei fünfpolige DIN-MIDI I/Os sprechen auf Wunsch externe MIDI-Hardware an. Fürs Protokoll: der innere MIDI-Port ist Out, der äußere In. Eine Betriebssoftware in Form einer DAW oder DJ-App fehlt gänzlich. Handbücher oder Manuals auf CD kann ich im Karton nicht ausmachen. Doch die amerikanische Kommandozentrale ist im Grunde selbsterklärend und auf der Website gibt’s im Bedarfsfall ausreichend Informationen in Form eines englischsprachigen Wikis. Auch stehen hier Downloads für Drittherstellersoftware bereit. Wo wir uns gerade auf der Homepage befinden, laden wir doch gleich mal den Code-Editor und den Preset-Selector sowie ein Python-Script zur Fernsteuerung von Ableton Live herunter.

Editoren

Der Code-Editor öffnet ein Fenster, das schematisch die Bedienoberfläche der Steuerhardware abbildet. Dort lassen sich unter anderem MIDI-Kanäle und Messages für Buttons, Knobs und LEDs definieren, Belegungen in einer Tabelle auslesen oder auch die Präzision der Encoder inklusive eines Shift-Tempos festlegen. Wobei Erwähnung finden sollte, dass sich die Intensität der LEDs nicht festlegen lässt, sehr wohl aber ob sie an, aus, blinkend oder schnellblinkend sind. Ein Quick-Assign-Panel dient zum manuellen Einhacken der Kommandos. Der MIDI-Spy liest Daten am Port der Wahl aus. Im Code-Editor getroffene Einstellungen können als Preset (maximal 32 Stück) abgespeichert, benannt und zum Austausch mit anderen Usern exportiert werden. Die Steuerdatei ist nach Fertigstellung auf die Konsole zu laden, denn CODE selbst kann lediglich eine verwalten.

Ein Tool, um eigene Konfigurationen schnell durchzuschalten, ist der Preset-Selector. Er bedient sämtliche zum Testzeitpunkt erhältliche Livid-Controller. Positiv zu erwähnen ist die Implementierung einer MIDI-Learn-Funktion, um den Wechsel per Hardware (Taste, Encoder) durchzuführen.

Pro & Contra

  • Übersichtliches Layout
  • Verarbeitungsqualität
  • Kompakt und leicht
  • Präzise Encoder mit Button-Funktion
  • Offenes Konzept
  • Inklusive umfangreicher Editoren-Software
  • Keine Treiber erforderlich

  • Preset-Inhalte noch nicht vollständig ausgereift
  • Keine zweite Befehlsebene (Hardware-Shift)
  • Keine RGB-LEDs
  • Geringer Abstand zwischen den Drehreglern
  • Kein Einschaltknopf
  • Preis

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