Test
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29.04.2020

Ludwig 14x6,5 Super Brass / Super COB Snares Test

Snares aus Messing

Alles super?

Mit dem vernickelten und polierten Messingkessel und der komplett vernickelten Hardware ist einer unserer Testkandidaten, die Super COB (Chrome over Brass) Snare, ein echter Hingucker. Hiervon unterscheidet sich das Schwestermodell, die Super Brass, einzig durch den im Naturton lackierten Messingkessel, welcher ihr einen minimal schlichteren Look beschert. Beide Snares sind Wiederauflagen der Super-Ludwigs, wie sie im 1960er Katalog zu bestaunen sind. Neben den heute vorliegenden Modellen in 14“ x 6,5“ gibt es – wie damals auch – noch je ein 14“ x 5“ großes Pendant. Ob die hierzulande knapp 1000 bzw. 900 Euro teuren Trommeln ihren Preis wert sind, erfahrt ihr hier.

Details

Vor der Markteinführung der Ludwig Supraphonic Snare aus nahtlosen Aluminium, die bis heute zu den meist produzierten Modellen weltweit gehört, hatte Ludwig bereits ab 1930 mit einteiligen, nahtlosen Messingkesseln Erfahrungen gesammelt. Diese lösten nach der Firmenübernahme durch Conn den in der Innensicke verbundenen zweiteiligen Kessel ab, der das Aushängeschild der ersten Black Beauty Generation war. Nahtlose Kessel werden bei der Produktion am Stück in eine zylindrische Form gezogen, hinterher wird die Innensicke zur Stabilisierung eingebracht, ebenso wird der Kessel an den Außenseiten nach innen gefalzt. Weitere bekannte Vertreter dieser Bauweise sind zum Beispiel die Vintage Ferromangan-Snares von Sonor. Auch Yamaha hatte eine Zeit lang nahtlose Signature-Snares, wie zum Beispiel das Manu Katché Modell, im Portfolio, fertigte aber auch viele Standardmodelle nahtlos. Heute produziert der serbische Hersteller Oriollo Drums nahtlose Metallkessel aus diversen Legierungen.

Auf den Spuren der Vorfahren

Die modernen Super-Ludwigs kommen den Vorfahren aus den Jahren 1958-1960 erstaunlich nahe, in ein paar Details unterscheiden sie sich aber doch. Im Gegensatz zu den modernen Kesseln waren die ersten Super-Ludwigs noch mit „crimped“ Snarebeds ausgestattet, außerdem sind die heutigen Modelle mit viel starreren Spannreifen und einer zeitgemäßen Teppichabhebung ausgerüstet. Auch von gummiunterlegten Bauteilen konnte seinerzeit keine Rede sein. Und auch wenn die Trommeln keinen „Heavy Brass Shell“ haben, – die Messung ergibt eine Wandstärke von einem Millimeter – bin ich beim Auspacken doch recht erstaunt, wie massig die circa fünfeinhalb Kilogramm schweren Trommeln wirken. An den Snares ist auch einiges an Hardware verschraubt: zehn Imperial Lugs, die noch relativ neue P88AC Abhebung samt passendem Butt End und 2,3 Millimeter starke, dreifach geflanschte Spannreifen. Alle Anbauteile sind, wie eingangs erwähnt, vernickelt und poliert, und das gilt sogar für die zweifach unterlegten Spannschrauben. So wirken die Trommeln durchaus nobel. 

Auf der Unterseite wird es dann etwas nüchterner. Hier herrscht weiterhin Dienst nach Vorschrift, was bedeutet, dass Ludwig auch bei diesen Edelsnares seinen allergünstigsten Taiwan-Teppich aus Stahl samt Plastikbändern verbaut. Bei den Fellen setzt Ludwig als wohl eine der wenigen Firmen weltweit (in der hiesigen Herstellerlandschaft ist mir jedenfalls keine andere Firma bekannt) auf Felle aus eigener Produktion. Die Weather Master Felle sind einlagig und beschichtet, im Vergleich zu einem handelsüblichen Remo Ambassador zeichnen sie sich durch eine dünner wirkende Folie und weniger Grundspannung im nicht aufgespannten Zustand aus. Das Weather Master Resonanzfell ist handelsüblich unbeschichtet.

Die Inspektion der nicht polierten Innenseiten ergibt, dass in beiden Kesseln einige Unsauberkeiten wie dunkle Flecken und Kratzer hinterlassen wurden. Ein Lichtblick ist dagegen das Strainersystem aus der Atlas-Reihe. Der Hebel der Abhebung läuft butterweich und die Rasterung der Teppichfeineinstellung am Rädchen läuft in gut abgesetzten Stufen.

Video

Audiobeispiele

Pro & Contra

  • gute Verarbeitung (Ausnahme siehe Contra)
  • ordentlich Durchsetzungskraft
  • breite Sounds mit crisper Teppichansprache
  • schicke Optik
  • sehr gute Teppichabhebung

  • unausgewogene Klänge in tiefen Lagen
  • kleine Unsauberkeiten im Kesselinneren
  • hohe Anschaffungspreise

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