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Test
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13.12.2016

Mackie XR824 Test

Aktiver Studiomonitor

Ausgewogene, präzise Abhöre für wenig Geld

Mit mehreren Aktivmonitor-Modellreihen, vor allem mit der erfolgreichen HR-Serie, belegt Mackie nicht nur einen Stammplatz im Bereich Homerecording, sondern hat längst Einzug in Tonstudios gehalten. Ihre neusten Sprösslinge, die XR824 und die XR624, visieren nun ganz gezielt die professionellen Studios an. Für einen Test wurde uns das größere Modell, die XR824, zur Verfügung gestellt. Wie klingt sie, und wird sie dem Anspruch gerecht?

In Sachen Studio- und Bühnentechnik gilt Mackie in der Branche als eine Marke, die seit jeher erschwingliche Profitechnik zu einem verhältnismäßig günstigen Preis anbietet. Im mittleren Preissegment startete die Erfolgsgeschichte mit kleinen Mischpulten. Das 1202 bot verlässliche, störungsunanfällige Qualität, und mischte in den 90er Jahren auch meine Keyboard- und Synthesizer-Burg auf eine Stereosumme zusammen. Die 1997 erschienene "Mackie HUI" war sogar Wegweiser der inzwischen unverzichtbaren DAW-Controller. Ihr Protokoll "Mackie Control" findet selbst in Konkurrenzprodukten noch heute Verwendung. Die bestehende Boxenpalette, die von kleinen Multimediaboxen mit der Bezeichnung CR bis zu den teuersten Abhören der HR-Serie reicht, wurde nun um zwei XR-Boxen erweitert. Die beiden Modelle zielen auf den Einsatz in Rundfunk- und Tonstudios. Na dann werde ich jetzt mal genauer hinsehen und vor allem aber auch gut hinhören.

Die Front

Kevlar und Aluminium

Die Mackie XR824 ist eine aktive 2-Wege-Box. Das Gehäuse kommt in schicker, schwarzer Holzoptik, mit Maßen von 40 x 30 x 30 Zentimetern und einem Gewicht von knapp 16 Kilogramm. Als Treiber besitzt sie einen 8-Zoll-Tief- und einen 1-Zoll-Hochtöner, die beide jeweils mit einer eigenen Class-D-Endstufe besaftet werden. Class-D-Verstärker sind übrigens nicht etwa schlechter als Class-A-Verstärker, ganz im Gegenteil: sie zeichnen sich durch einen hohen Wirkungsgrad aus, und erzeugen dadurch eine vergleichbar niedrige Abwärme. Der Tieftöner wird mit 100 Watt Leistung, der Hochtöner mit 60 Watt versorgt.

Die Membran des 8-Zoll-Tieftöners besteht aus Kevlar. Die hohe Festigkeit dieses Materials führt dazu, dass die Membran eine sehr kurze Ausschwingzeit hat, wodurch die Wiedergabe von Impulsen und Transienten nicht allzu sehr verschleift und der Lautsprecher zudem eine recht präzise Basswiedergabe abliefert. Der kleine Hochtöner wurde aus Aluminium gefertigt. Damit sollten crispe Höhen keine Probleme darstellen, was später der Praxistest zeigen soll. Außerdem sitzt der Hochtonlautsprecher in einem sogenannten logarithmischen Waveguide. Dieses bewirkt eine gleichmäßige Abstrahlung der hohen Frequenzen, sodass die Bündelung des Schalls des Hochtöners sich der des größeren Tieftöners anpasst, was einen sanfteren Übergang der jeweiligen Übergangsfrequenzen bewirkt. Ausserdem sorgt es für einen ausgeglichenen Klang an den Übergangsfrequenzen der beiden Treiber.

LED

Die Front-LED ist nicht bloß eine einfache Power-Anzeige. Natürlich zeigt sie durch grünes Leuchten an, ob die Boxen eingeschaltet sind, was vor allem bei eingeschaltetem Auto On hilfreich ist. Ein sporadisches kurzes rotes Aufleuchten zeigt an, dass die lautesten Transienten des Eingangssignals die Grenzen der Endstufen erreichen. Es kann hierbei zu leichten Verzerrungen kommen, die Box funktioniert aber weiterhin. Sobald dieses rote Blinken sehr oft oder gar kontinuierlich auftritt, schalten sich die Endstufen aus, um die Box vor Schaden zu bewahren.

Die Rückseite

Power Mode

Wie bereits oben erwähnt besitzt die XR824 neben dem obligatorischen Power-Schalter einen Automatikmodus. Ist dieser auf Auto On geschaltet, schalten sich die Verstärker automatisch ein und aus, abhängig vom Eingangspegel. Dies funktioniert aber nicht wie ein schnelles Gate, sondern schaltet erst dann ab, wenn 15 Minuten lang weniger als -45 dBu am Eingang anlagen. Wunderbar; so kann man abends einfach aus dem Studio gehen, getrost die Boxen anlassen und am nächsten Tag schalten sie sich sozusagen automatisch an, sobald man weiterarbeitet. Der Schalter hierfür befindet sich rechts unterhalb der Bassreflex-Öffnung auf der Rückseite.

Klangkontrollen

Links neben dem Power-Mode-Schalter befindet sich der dreistufige HighFreq-Schalter. Mit ihm lassen sich die Höhen ab 10 Kilohertz entweder um 2 Dezibel anheben oder absenken. In der Mittelstellung findet keine Beeinflussung der Höhen statt. Diese Funktion kann hilfreich sein, wenn man feststellt, dass man entweder zu dumpf oder zu höhenlastig mischt. Hier könnte man also gegebenenfalls jeweils mit dem HighFreq-Schalter gegensteuern.

Der LowFreq-Schalter bietet die Möglichkeit einen Bass-Roll-Off einzuschalten. Bei der XR824 schaltet man hier zwischen 36 Hertz und 80 Hertz Grenzfrequenz um. Die Normalposition liefert quasi den vollen Frequenzumfang, schaltet man den Roll-off auf 80 Hertz, so simuliert man damit die Abhörsituation auf kleinen Boxen wie zum Beispiel TV-Lautsprecher.

Die interessanteste der Klangkontrollen wird über einen dreistufigen Schalter namens Acoustic Space bedient. Hier bietet man dem Kunden eine einfach und schnell zu bedienende Aufstellort-Kompensation. Ausgehend von drei möglichen Boxenpositionen hat man drei Varianten zur Auswahl: whole space, half space und quarter space. Es geht dabei jeweils um die Position der Boxen bezogen auf Zimmerwände. Whole space steht für frei im Raum stehende Boxen, half space soll bedeuten, dass die Abhören an einer Wand stehen, und quarter space soll dann benutzt werden, wenn die Boxen in den Ecken des Raumes stehen. Eines der größten Abhörprobleme in Studioräumen ist der Druckstau bei Bassfrequenzen sobald die Abhöre in der Nähe oder direkt an Wänden aufgestellt werden. Mit diesem einfachen Schalter senkt man die Bässe um 2 oder 4 Dezibel ab und kompensiert das Bassverhalten der XR824 je nach Aufstellungsort. Eine präzise Einmessung des Raumes mit einem System aus Messmikrofon und entsprechend arbeitenden Filtern kann dies nicht ersetzen, aber es merzt zumindest die offensichtlichen Bassprobleme von nahen Wänden aus.

Mit Hilfe des InputSensitivity-Schalters lässt sich die Eingangsempfindlichkeit der XR824 absenken, falls man nicht die vollen Maximalpegel der Box benötigt. Die Eingangsregelung hilft aber auch beispielsweise dann, wenn ein Mono-Signal nicht exakt aus der Phantommitte erklingt. Durch Absenken der zu lauten Box kann man hier für Ausgeglichenheit sorgen.

Die Audioeingänge der Box sind ausschließlich analog ausgelegt. Man hat hier keine Kombobuchsen verwendet, sondern XLR- und Klinkeneingänge als zwei separate Buchsen verbaut. Nur der Vollständigkeit wegen sei erwähnt, dass neben dem obligatorischen Stromanschluss und Schalter ein Spannungsumschalter spendiert wurde, um sie sowohl an 230 als auch an 110 Volt betreiben zu können.

Isolation-Pads

Pro Box werden zwei Schaumstoff-Pads mitgeliefert, mit deren Hilfe man die Boxen akustisch von der Stellfläche entkoppeln sollte. Dank unterschiedlicher Schrägen kann man die Box hiermit entweder waagerecht ausrichten oder in zwei verschiedenen Winkeln nach vorne kippen, um den Abstrahlwinkel an die Abhörposition anpassen zu können. Toll, dass diese Pads zum Lieferumfang gehören.

Pro & Contra

  • präziser Klang mit hervorragenden Transienten
  • Anpassung des Aufstellortes per Acoustic-Space-Funktion
  • Auto-Power-Funktion
  • sehr gutes Preis-Leistung-Verhältnis

  • kleiner Frequenzbuckel rund um etwa 250 Hertz

Gehört zu dieser Serie

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