Test
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08.06.2018

Praxis

Design und Bedienbarkeit

Ohne große Anleitung steht das Ding auf meinem Schreibtisch und ist mit meinem Laptop verbunden. Hierfür muss ich nicht mal ins Handbuch schauen. Anfänger finden jedoch hier eine ziemlich einfache Schritt-für-Schritt-Anleitung, sowohl für das Audio- als auch das Video-Setup. Ich bin jedoch eher der intuitive Typ und der Marantz Turm erklärt sich mit seinem echt benutzerfreundlichem Design eigentlich fast von selbst. Mit Hilfe des Signallichts im Mikro sehe ich, ob ich „Auf Sendung“ bin, denn es blinkt rot, solange ich den Mikroknopf nicht angeschaltet habe und im „Mute Modus“ bin, ansonsten leuchtet es blau. Auch bei der Kamera gibt es eine Kontrollleuchte, die bei blau signalisiert, dass sie in Betrieb ist. Das ist ziemlich hilfreich. Das Mikrofon lässt sich mit dem Schwenkarm schnell in die gewünschte Position bringen und alle Steuerelemente kann ich easy und wenn nötig sogar mit links und nebenbei bedienen, da sich diese alle in guter Reichweite vorn auf meinem „Sendeturm“ befinden. Das Handling ist also super!

Sound

Da ich häufig Radiosendungen und Podcasts vorbereite, bin ich natürlich extrem neugierig, wie dieses System von Marantz klingt. Immerhin heißt es ja auch „Professional“. Über das USB-Kabel verbinde ich das Gerät zunächst mit meinem MacBook Pro, auf dem Mac OS El Capitan 10.11 läuft. Dann öffne ich Ableton Live, erstelle einen Audiotrack und da der Marantz Turret prompt in meinen Soundeinstellungen auftaucht, muss ich diesen nur noch als Soundquelle auswählen. Dann starte ich die ersten Aufnahmen und da ich mich in einer normalen Umgebung befinde, habe ich die Empfindlichkeit beim Kondensatormikrofon vorher auf 0 dB gestellt; -10 dB benötigt man, um die Gesamtmikrofonlautstärke zu reduzieren, immer dann, wenn der Klangeingang so laut ist, dass dadurch ein Teil der Audiosignalkette übersteuert wird.

Vom Ergebnis bin ich angenehm überrascht. Es klingt warm und alles, was ich sage, ist präzise und klar zu hören, die Lautstärke bleibt konstant. Allerdings empfinde ich die Aufnahme als etwas leise und da ich eine dunkle Stimme habe und durch mein Profi-Radioequipment natürlich total verwöhnt bin, als etwas zu dumpf. Das lässt sich aber problemlos im Ableton mit EQs und Compressor sowie etwas Raumhall optimieren. Wer da nicht so vorbelastete Öhrchen hat, wird mit dem Ergebnis mehr als zufrieden sein und bei vorproduzierten Podcasts lässt sich der Sound in jedem beliebigen Audioprogramm noch den eigenen Ansprüchen und Hörgewohnheiten anpassen.

Da ich wissen möchte, wie sich das Mikro beim Live-Einsatz verhält, bitte ich meinen Freund, mit mir über Skype und FaceTime zu kommunizieren. Bei beiden Anwendungen wird das Broadcasting-System automatisch erkannt, sowohl als Audio- als auch als Videoquelle und somit lässt sich der Marantz problemlos konfigurieren. Zum Vergleich nutze ich einmal das Laptop-interne Mikrofon und dann den Turret.

Die Reaktion meines Freunds: „Das ist ein Unterschied wie Tag und Nacht!“ Damit ich mich überzeugen kann, wechseln wir die Räume und Arbeitsplätze und nun präsentiert er mir die beiden Variationen. Tatsächlich, im Vergleich klingt das interne Mic, von dem ich bislang immer dachte, es sei ganz passabel, dünn und synthetisch. Mit dem Kondensatormikrofon vom Turret hingegen ist der Sound voll, warm und insgesamt viel klarer und irgendwie ausdrucksstärker. Transparent trifft es wohl ganz gut. Also top!

Ich bin gespannt, wie sich das Zusammenspiel aus Audio und Bild zeigt. Davon, dass die Kamera besser ist, als das, was da hinter der Minilinse von meinem Laptopdeckel agiert, kann ich ja eigentlich schon ausgehen. Aber schauen wir mal ...

Kamera

Ich möchte hierzu eine Audio-Videosequenz aufzeichnen und da Quicktime die einzige Software auf meinem Rechner ist, mit der das geht, nutze ich diese. Die Konfiguration ist ein wenig kniffliger, weil es bei Quicktime keine Voreinstellungen von Werk aus mehr ist und ich eine Weile brauche, um herauszufinden, wo ich von der internen auf eine externe Kamera wechseln kann. Als dieses Problem behoben ist und ich meine Aufnahme starte, höre ich schon über den Kopfhörer, dass ich hier erst mal mit Latenzen zu kämpfen habe.

Normalerweise lässt sich die Puffergröße in den Preferences der Software einstellen, bei Quicktime aber wie gesagt nicht. Mein Rechner ist ansonsten leistungsstark genug, so dass das Problem woanders liegen muss. Und hier kommt mir der Mix-Regler am Turret ins Spiel. Beim Aufnehmen drehe ich den Regler komplett auf Mic, um den Mix von nichtverarbeiteten Audiosignalen vom Mikrofon direkt an den Kopfhörerausgang zu erhöhen. Jetzt sind die Latenzen kaum noch wahrnehmbar. Also los, Aufnahme!

Das Ergebnis ist zunächst unabhängig vom Bild eine totale Verzerrung meiner Audiospur. Man versteht fast nichts von dem, was ich sage, denn ich klinge wie ein Roboter, der einen Rasierapparat verschluckt hat! Na prima, das geht ja gar nicht! Seltsam ist nur, dass es dieses Problem beim Skypen und der Übertragung mit FaceTime nicht gab. Die Lösung kostet mich einiges an Nerven und Zeit. Ich muss mein Betriebssystem ändern. Aber wie heißt es so schön: „Never change a running system?!“

Obwohl viele meiner Freunde mit El Capitan Probleme hatten, bei mir lief alles rund und daher ist das nun nach allen Versuchen, die letzte Option. Doch siehe da, nachdem ich nach gefühlten Ewigkeiten macOS High Sierra installiert habe, läuft plötzlich alles wie am Schnürchen.

Der Sound ist super, fast keine Latenzen ist mehr wahrzunehmen und das Bild ist gestochen scharf. Ich halte vorsichtshalber noch einmal ein Blatt mit Text vor die Linse und hier sehe ich, wie schnell Autokorrektur und Autofokus auch den kleinsten Text schon nach wenigen Sekunden der Unschärfe fein leserlich abbildet. Ich bin verblüfft! Und mit dem integrierten LED-Licht kann ich das Bild so ausleuchten, dass ich auch ohne vorher in die Maske zu müssen, ganz gut aussehe.

Hier habe ich für euch ein paar Eindrücke in Bild und Ton. Nicht erschrecken, der Funke von Blau unter meinem Auge ist nicht das Ergebnis des falschen Farbfilters, sondern der letzte optische Rest eines Fahrradunfalls ;) 

Im Vergleich zur internen Cam ist das Bild viel schärfer und mit dem Licht und dem passenden Filter lässt sich das, was im ersten Moment vielleicht etwas zu grob erscheint, schön weichzeichnen. Die Performance der Kamera ist also auch überzeugend!

Pro & Contra

  • Preis-Leistungs-Verhältnis
  • All-in-one-Lösung (Licht, Bild, Ton)
  • kompaktes Design
  • qualitativ hochwertig
  • handliche Größe
  • intuitive Bedienbarkeit
  • High-Speed-USB für schnelle Datenübertragung bei niedrigen Latenzen

  • Tower und Fußteil nicht trennbar

Gehört zu dieser Serie

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