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Test
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04.03.2014

Miktek C5 Test

Kleinmembran-Kondensatormikrofone

“Wir brauchen Bass?” – “Ach ja?”

Im großen bonedo-Testmarathon der Kleinmembran-Kondenser ist auch das Nierenmikrofon C5 der amerikanischen Firma Miktek einem ausführlichen Review unterzogen worden. Miktek mögen hierzulande – im Epizentrum der Kondensatormikrofone – nur einen Außenseiterstatus innehaben, in den USA sind sie jedoch recht bekannt und sehr beliebt. Diese Beliebtheit bezieht sich in erster Linie auf die Großmembran-Kondensatormikrofone CV4 und C7, doch bietet der Hersteller der Mikrofone mit dem markanten Corporate-Design auch Drum- und Live-Vocal-Mikros an – und eben die vorliegenden Kleinmembran-Kondensatormikros. 

Miktek behaupten im Manual zum C5, dass es viele Mikros gibt, die ziemlich gut seien, aber da der Käufer/Interessent ja wohl offenbar zur Elite der Engineers gehört, denen “recht gut” eben nicht gut genug sei... Einfach gesprochen, sei das der Grund, weshalb Miktek Mikrofone bauen. Nun, vornehme Zurückhaltung ist nicht das, was dem Klischee des amerikanischen Unternehmers entspricht, allerdings muss man auch zugestehen, dass Nashville, die Heimat des Unternehmens Miktek, sehr, sehr gute Tontechniker beheimatet – unabhängig davon, ob man Country nun mag oder eher verabscheut. Dennoch ist es ja typisch deutsch, so eine Aussage kurz sacken zu lassen und dann zu sagen “Nun, das wollen wir jetzt mal überprüfen”. Und genau das hat euer Herr Schwarzer (“Mavridis” auf Deutsch) für euch getan.

Details

AMI-AÜ

Ich beginne die Beschreibung mit einer Besonderheit, genau genommen dem Ausgangsübertrager. Während amerikanische Mikrofone sich nicht selten einen amerikanischen Jensen-Transformer leisten, kommt im C5 der T5 von AMI/TAB-Funkenwerk zum Einsatz. Das in Oahu, Hawaii ansässige Unternehmen steht insgesamt sehr in deutscher Tradition, nicht zuletzt, da Gründer Oliver Archut einst für AEG/Telefunken tätig war (und dort auch die Aufgabe hatte, Siemens V72 zu verschrotten(!) – was er glücklicherweise sein ließ). Vor dem Ausgangsübertrager wird vom Kapselsignal eine Schaltung durchlaufen, die mit einem Feldeffekttransistor arbeitet.

Nierenkapsel

Ein C5 ist ein sehr kosmopolitisches Mikrofon. Die Kapsel stammt sehr wahrscheinlich aus China, der Übertrager aus den USA, weitere Teile ebenfalls aus Asien, den USA und auch Europa. Sollte der Metallbau aus Fernost sein, hat man verblüffend ordentlich gearbeitet, weshalb ich sogar eher auf die USA tippe. Deutsche Präzision à la Gefell oder Schoeps ist das aber nicht, denn von hier ist man noch feinere, gleichmäßigere Oberflächen gewohnt. Die angesprochene Kapsel namens MK5a verfügt über eine Membran, deren schwingender Anteil ein halbes Zoll Durchmesser besitzt. Als Trägermaterial wird eine fünf Mikrometer dicke Mylarfolie verwendet, die mit einem halben Mikron Gold bedampft ist. Diese Goldschicht ist eine der beiden Kondensatorelektroden. Das Pickup-Pattern ist so eingestellt, dass sich eine Nierenform ergibt – wie sich diese über den Frequenzgang verhält, erfährt man nicht. Es ist aber davon auszugehen, dass die Off-Axis-Rejection oberhalb von 5 kHz noch ausreichend hoch und die Nierenform weiter stabil sind.

Kein linearer Frequenzgang

Der Frequenzgang ist besonders: Von  3 kHz abwärts gibt es eine zunehmende Dämpfung, auf dem Weg hinunter bis 20 Hz werden aber nur etwa 3 dB verloren. Wirklich auffällig ist aber, was sich weiter oben im Standard-Frequenzgang, aber auch in den individuellen Graphen der beiden C5 zeigt: Einem Einbruch zwischen 5 und 10 kHz folgt eine deutliche Überhöhung um die 12 kHz, was sicher enorme Auswirkungen auf den Klang haben wird. Mit technischen Angaben geizt die Literatur des phantomgespeisten Schallwandlers, so erfährt man nur, dass der maximale Schalldruckpegel mit 126 dB(SPL) angegeben ist, aber nicht, ob für 0,5 oder 1% THD+N. Bei 1% wäre der Wert nicht sonderlich hoch, zumal das C5 kein Pad besitzt. “17 dB” als Angabe des Ersatzgeräuschpegels lassen die Angabe des Messverfahrens vermissen, also ob es sich um die Messung nach CCIR oder nach A-Filterung handelt. Die Empfindlichkeit ist ordentlich und liegt bei knapp 24 mV/Pa (32,4 dB re 1V/Pa). 

Gut verpackt, ordentlich ausgestattet

Die silbernen Mikrofone werden unter der Voraussetzung, dass man ein Matched-Pair ersteht, in einem umfangreich dimensionierten Metallkoffer geliefert, in dessen Inneren sich zwei elastische Halter, Windschütze, eine Stereoschiene und eine Holzbox befinden. Diese Kiste wiederum beinhaltet zwei einfache Clip-Halter und die beiden C5-Mikrofone.

Audiobeispiele

Pro & Contra

  • Auflösung
  • Geschwindigkeit
  • guter Counterpart zu anderen Mikrofonen

  • Höhenanhebung klingt unnatürlich und anstrengend

Gehört zu dieser Serie

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