Test
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11.12.2011

Mix Tech Lab MIDI Deck Test

Serato Wireless-MIDI iPad App

Wenn das iPad Serato rockt

Einige Leser bekommen bei dem Begriff “Lemur” sicherlich leuchtende Augen. Der 12”-Multitouch-Controller aus dem Hause Jazzmutant erblickte 2008 das Licht der Welt, um Studiobetreibern ein interessantes und zugegebenermaßen aufgrund des Preises von knapp 3000 Euro recht exklusives Eingabegerät zu offerieren. Der Hersteller hat die Fertigung mittlerweile eingestellt. Doch das Konzept lebt abgewandelt weiter, denn seit Einführung des iPads schießen Touch-Applikationen für Musiker und DJs wie Pilze aus dem Boden. Wen wundert es, sind die Kosten für das Apple-Tablet vergleichen mit dem Lemur doch eher gering.

Dass externe Bedienschnittstellen nicht nur im Studio ihren festen Platz haben, sondern auch bei Deejays hoch im Kurs stehen, lässt sich am Beispiel von Traktor und Serato gut verdeutlichen. Zu Beginn als reine Vinyl-Emulationen ausgelegt, werden sie im Zuge der ständigen Feature-Erweiterungen immer wieder mit neuen MIDI-Controllern beglückt. Allein Traktor kann für sich bis dato über zwei Dutzend maßgeschneiderte Controlettis verbuchen. Nun schickt sich auch das Touchpad an, den Anwendern als taktile Kommandozentrale zur Seite zu stehen und ruft große und kleine Softwareschmieden auf den Plan, ihre kreativen Ideen in Programm-Code umzusetzen. IOS-SDK statt Fräsmaschine, sensitive Felder statt Fader von Penny & Giles und am Ende zahlt der User einen Zehner für die App statt eine dreistellige Summe für die Hardware hinblättern zu müssen. Mein Testkandidat MIDI-Deck kostet aktuell 7,99 Euro und ist eine kabellose Fernbedienung für Serato Scratch Live 2.1. Zu den Hauptmerkmalen gehören Steueranweisungen für die Decks, Musikbibliothek, Effekte und Cuepoints, sowie kostenlose Updates. Ob das reicht, um den direkten Konkurrenten MIDI-to auszustechen?

DETAILS

Ehrlich gesagt hat mich der Anblick des Screens zunächst ein wenig erschlagen. Zwar sind einige der Funktionsgruppen farblich voneinander abgesetzt, aber es tummeln sich über 120 sensitive Felder auf der grafischen Benutzeroberfläche. Das ist bei einer Auflösung von 1024 x 768 Punkten und 132 ppi auf einem 9,7 Zoll-Screen eine stattliche Anzahl, daher sind einige nur ein paar Millimeter klein. Die Startseite ist in fünf Themengebiete aufgeteilt. Gut zugänglich an der linken Außenseite ist der Sampleplayer SP6 untergebracht. Er hat vier Bänke und sechs Pads im Gepäck. Erweiterte Funktionen, etwa für die Wiedergabemodi (Shot, Loop, etc...) oder die Lautstärke sind nicht implementiert. Im Zentrum zwischen den Decks sind die beiden Effekt-Racks untergebracht. Je drei virtuelle Potis und Schaltflächen dirigieren eben so viele Klangverbieger im Superknob-Modus mit einer Auflösung von 127 Schritten. Ein Auswahlmenü fehlt leider noch, soll aber bald nachgereicht werden.

Das Herzstück der App bilden die beiden Kreativabteilungen mit je zwei virtuellen Fadern, einem Drehregler und 47 Schaltflächen. Die Transportsteuerung sitzt im Süden, die Tempoabteilung rechts aussen. Cues finden sich auf dem linken Flügel wieder und die Schleifenfraktion nimmt die untere Basis ein. Hinzu kommen einige Goodies wie Instant-Double, Keycorrection, Reverse und Tempo-Tapper, die sich im Zentrum angesiedelt haben. Am oberen linken Bildschirmrand sind Deckselektor und Multi-Button-Speicher untergebracht sowie zwei Links zu den Popup-Seiten für Navigation und Settings.

Hinter der Schaltfläche “Navigation” verbergen sich allerlei nützliche Felder zur mauslosen Interaktion mit der Musikbibliothek und der Verzeichnisstruktur. Zum Beispiel ein angenehm großes Steuerkreuz mit vier Richtungstasten und Fokus-Tab, vier Schaltflächen für den Direktzugriff auf Files, Browse, History und Prepare, Load-Buttons für die Vorbereitungsliste und die Softwareplayer. Sie machen die Navigation im Datenbestand zum Spaziergang. In der oberen Spalte platzierten die Programmierer Schalter zum Wechsel zwischen horizontalen und vertikalen Layout-Vorlagen. Selbst die Browser-Views Sample, Grid und List können bequem von iPad aus aktiviert werden. Ferner besteht die Möglichkeit, Crates anzulegen – aber nicht, sie zu benennen. Settings öffnet das spartanische anmutende Konfigurationsmenü. Hier lassen sich die Screen-Ausrichtung angeben und die benötigten Daten für den Handshake mit dem Scratch-Live-Computer einpflegen.

Pro & Contra

  • Umfangreiche Kontroll-Features
  • Einsteigerfreundliches Setup
  • Umfangreiche Loop- und Cue-Features
  • Effiziente Navigationsseite

  • Enges Layout der Hauptseite
  • Umsetzung der Effektabteilung
  • Lücken in der Statusvisualisierung
  • Sporadische Abstürze der App
  • Teilweise „Doppelklicks“ nötig

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