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22.05.2020

Mix-Fehler beim Konzert erkennen und vermeiden

FoH-Workshop: Tipps für einen aufgeräumten Mix beim Live-Gig

Herzlich willkommen zum vierten und letzten Teil des Mix Monster Workshops. In den Teilen 1-3 dieses Workshops ging es um die theoretische und praktische Erweiterung der persönlichen Mix-Fähigkeiten. Mit neuen Mixtricks ausgestattet geht es jetzt zu neuen, größeren Gigs. Ihr wisst ja sicher: Wenn die Hallen größer werden, sind die Sound- und Technikprobleme für den FOH-Mann oder Bandtechniker nicht zwangsläufig kleiner.

Oftmals trifft man auf unbekanntes Terrain, vor allem wenn man mit einem Support Act einen bekannten Headliner unterstützt. Auch mit neuen Mix-Tricks im Gepäck geht der Job nicht immer reibungslos über die Bühne.

Wie man auch unter erschwerten Bedingungen ein ordentliches Ergebnis abliefern kann, zeigt der vierte Mix Monster Workshop.

 

 

 

 

Großraumbüro

Die von dir betreute Band darf als Support Act auf Tour gehen? Glückwunsch! Jetzt ist es an dir, einen ordentlichen Mix abzuliefern. Das Gemeine ist: Für die Musiker bleibt die Situation gleich. Bis auf die Tatsache, dass mehr Platz für die Backline auf einer größeren Bühne als im Club zur Verfügung steht. Die Musikanten schnappen sich ihre Instrumente und spielen wie gewohnt auf. Für dich als Tontechniker ist die Faktenlage jedoch eine völlig andere, und ich habe im Laufe der Jahre so einige Beispiele erlebt, bei denen der Übergang von der Clubbühne in die große Halle oder Festival in Punkto Mix nicht immer gut funktioniert hat.

Was ist das Problem?

Ein Clubmix ist immer eine Mischung aus PA-Sound und Backline Spill Over. Ist der Club wirklich klein, dann füllt der Tontechniker den Band-Sound nur etwas auf. Eine Snare oder Becken sind meist schon so laut, dass man diese erst gar nicht über die PA zu schicken braucht. In einer großen Halle ist die Sachlage eine völlig andere. Von der Bühne hört man nicht mehr viel und man erfährt eine Freiheit im Mix, die man im Club so oft vermisst hat.

Leser unserer Mix Monster Workshops haben allerdings den Vorteil, dass sie bereits (wie in den vorherigen Mix Monster Workshops vorgestellt) eine komplette Mixszene anhand eines virtuellen Soundchecks zu Hause vorbereitet habt. Falls nicht, dann solltet ihr das unbedingt vor dem Tourstart nachholen.

Bassalarm

Professionelle Tour-PAs sind in der Regel nach der größten Location der Tour dimensioniert und dementsprechend kraftvoll. Das gilt auch für den Bassbereich. Eine üppige Bassausstattung bedeutet allerdings nicht, dass man diese auch zwingend nutzten muss! Der Zeitgeist manifestiert sich zwar in Aussagen wie „kick drum is the new lead vocal“.

Oftmals ist schlichtweg zu viel „Bass“ im Mix. Wer wenig Erfahrungen mit großen Tour-Systemen besitzt, der kann schnell der Verlockung erliegen im Bassbereich zu viel Gas zu geben. Es kann für die Definition durchaus hilfreich sein, bei der Bassdrum oder dem E-Bass einen Lowcut-Filter zu aktivieren, um den Bassbereich zu definieren. Ansonsten läuft man Gefahr, einen undifferenzierten Mix abzuliefern. Wer den Frequenzkeller nicht gezielt aufräumen kann, der läuft zudem fast zwangsläufig in die nächste Falle.

Laut ist out

Wenn der Mix einfach nicht klingen will, weil er nicht aufgeräumt genug ist, dann sind unerfahrene Tonkollegen schnell verführt, Definition über mehr Lautstärke erzwingen zu wollen. Überraschung: Das funktioniert in den seltensten Fällen. Oftmals wird der Sound in einer großen Halle noch schwammiger, da noch mehr Reflexionen erzeugt werden. Daher ist es gerade bei großen Gigs hilfreich, ein gut sichtbares SPL Meter am Mischpult zu platzieren und sich schon beim Aufbau des Mixes (also während des Soundchecks) genügend Headroom zu lassen.

Wenn die Kick Drum schon mit -18 dBFS (analog 0 dB) aus der Summe auf die PA geht, dann darf man sich nicht wundern, wenn für die Gesänge kein Headroom mehr zur Verfügung steht. Dazu einige Quick-Tipps. Nutzt die DCA-Gruppen eures Mixers! Weist den DCAs Instrumentengruppen zu (z. B. Drums, Bass, Gitarren, Keyboards, Backing Vocals und Lead Vocals). Die Instrumenten-DCAs parkt ihr auf -6 dB, die Backing-Vocal-DCA auf -3 dB und die Lead-Vocal-DCA auf 0 dB. Mit dieser Voreinstellung solltet ihr keine Probleme haben, die Gesänge stets über die Band zubekommen.

Wer noch mehr Kontrolle benötigt, kann folgendes ausprobieren: Zusätzlich zu den DCAs legt ihr zwei Stereo-Subgruppen an. Subgruppe 1 enthält alle Band-Signale, während die Gesänge in Subgruppe 2 auflaufen. In beiden Subgruppen werkelt ein Buskompressor, der Pegelspitzen im Bereich von zwei, drei abkappt. Das verdichtet den Mix, und lässt diesen nicht zu laut werden. Gibt die Band an manchen Stellen richtig Gas, dann wird sie über den Kompressor in Subgruppe 1 ausgebremst.

Die Gesänge können unabhängig von den Instrumenten auf die Summe laufen und werden nicht durch die Instrumente in ihrer Dynamik eingeschränkt. Genau das würde passieren, wenn man schlichtweg nur einen Kompressor in der Mischpultsumme insertiert.

Wer einen Act betreut, bei dem der Gesang höchste Priorität besitzt, der kann den Subgruppen-Kompressor der Band (Instrumenten-Subgruppe) auch via Sidechain mit den Lead Vocals triggern. Immer wenn gesungen wird, drückt der Kompressor die Instrumente ein, zwei dB weg.

Eine tontechnische Zwangsräumung aufgrund Eigenbedarfes. Eine einfache, elegante Lösung, um den Gesang stets im Fokus zu halten.

Line-Check

Ein weiterer Unterschied zwischen Club-Gig und Groß-Gig ist die Tatsache, dass man in einer Arena nicht einfach vom FoH zur Bühne laufen kann, um dort eine Line oder ein Mikrofon zu checken, weil es damit ein Problem gibt. Als Support Act hat man in der Regel nicht den Luxus einen Monitortechniker oder Backliner zu haben, die auf Intercom-Hilferufe vom FoH reagieren.

Daher solltet ihr immer einen Line Check vor dem Gig durchführen. Nichts ist peinlicher, als während des Gigs auf die Bühne krabbeln zu müssen, um dort ein Kabel, eine DI-Box oder ein Mikrofon auszutauschen.

Stichwort Mikrofon: Auf Festivals oder Support-Act-Slots hat es sich bewährt, als Tontechniker sich als erste Amtshandlung auf der Bühne um die Verkabelung zu kümmern. Dazu zählt auch das richtige Ausrichten der Mikrofone und vor allem das Festziehen der Stative und Mikroklemmen. Es kommt nicht sonderlich gut, wenn man vergessen hat, die Overhead -Stative festzuziehen und man aus der Entfernung dabei zusehen kann, wie sich ein Overhead-Mikrofon während des Gigs durch die Erdanziehungskraft unaufhaltsam dem Beckenwald des Drummers nähert.

Als Bandtechniker tragt ihr die Verantwortung für die Mikrofonierung. Bei Festivals kontrolliert ihr zudem, ob sich alle Stative/Mikrofone am rechten Platz befinden, falls die Backline mittels Roll-Riser auf die Bühne geschoben wird. Nicht selten verschiebt sich dabei ein Stativ/Mikro. Bei voll ausgefahren Mikrofonstativen mit langem Galgen darf man diese auch mal gezielt anschubsen, um deren sicheren Stand zu überprüfen. Schwere Mikrofone (z. B. EV E20) an langen Galgen können eine instabile Konstruktion darstellen, die man besser auf ihre Standfestigkeit hin überprüft.

Standfestigkeit ist nicht nur für Mikrofone und Stative wichtig. Das Gleiche gilt für eure Gesundheit. Auf Tour zu sein, ist stets eine körperliche Herausforderung. Vor allem, wenn Infektionen und Erkältungen im Tourbus durchgereicht werden. Viel kann man da nicht tun. Nutzt ihr keine eigenen Gesangsmikrofone, dann solltet ihr die gestellten Schallwandler vor dem Soundcheck mit einem Desinfektionstuch abwischen, bevor ihr sie nutzt.

Bei Tontechnikern schlägt sich eine Erkältung schnell auf die Ohren nieder. Falls ihr euch nicht ersetzten lassen könnt oder wollt, dann solltet ihr zumindest öfters zum SPL Meter schauen und bedenken, dass bei einer fetten Erkältung fast immer die Hörfähigkeit leidet. In der Regel klingt alles dumpfer und indirekter. Das Gehirn ist in der Lage, das zum Teil zu kompensieren. Dennoch fahren erkältete Kollegen einen teilweise unnötig lauten, mittenlastigen (2–4 kHz) Mix.

Ein SPL Meter samt RTA kann da Hilfestellung leisten. Orientiert euch einfach an den Werten vom Anfang der Tour, als ihr noch gesund wart. Auf Tour gilt es einen konstanten Sound abzuliefern. Doch Schlafentzug und Dauerbeschallung führen nicht selten dazu, dass die durchschnittliche Lautstärke während einer Tour langsam, aber stetig zunimmt. Auch in hier hilft das Abgleichen mit dem SPL Meter.

Veröffentlicht am 22.05.2020

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