Eurorack-Module
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18.04.2019

Modulare Synthesizer auf Erfolgskurs

Voll im Trend der Zeit: Das Eurorack

Warum sind modulare Systeme so erfolgreich?

Modulare Synthesizer gab es schon vor mehr als 40 Jahren. Der Preis, die Verfügbarkeit und natürlich die Komplexität schreckte viele Interessierte damals zurück. Auch hatten ursprüngliche Exemplare, wie z. B. der legendäre Moog Modular eine physikalische Größe, die sich erst im Laufe der Zeit reduzierte. Das Interesse der Anwenderschaft - und die daraus resultierende Nachfrage – ließen bald handlichere Formate entstehen, die obendrein in erschwinglicheren Preisbereichen lagen.

Als die Doepfer Musikelektronik GmbH 1996 mit dem ‚A-100‘ einen modularen Synthesizer einführte, dessen Baugröße auf den Standards der Labor- und Messtechnik basiert, wurde das kompakte Eurorackformat geboren, welches Drittanbietern ermöglichte ‚A-100‘ kompatible Module zu entwickeln und anzubieten. Seitdem hat der modulare Synthesizer im Eurorackformat bisher alle Rekorde in puncto Popularität geschlagen und ist zu einem dominierenden modularen Synthesizer-Format für Hardware geworden.

Quick Facts: Modularer Synthesizer

Was ist ein modularer Synthesizer?

Ein modularer Synthesizer ist ein elektronisches Musikinstrument, das aus einer Vielzahl unterschiedlicher – vorwiegend analoger - Module besteht, die in Abhängigkeit voneinander und in ihrer Zusammenstellung zum Erzeugen elektronischer Klänge verwendet werden. In der Vergangenheit noch riesige Konstruktionen, werden diese mit dem in 1996 von Doepfer Musikelektronik spezifizierten Eurorackformat in handliche und platzsparende Formate geschrumpft. Das Eurorackformat bietet auch den Vorteil, dass Dritthersteller mit eigenen Entwicklungen den wachsenden Markt beleben und die stetige Nachfrage nach Modulen decken.

Das Eurorackformat erobert den Markt

Heute, wo Synthesizer im DIY-Verfahren recht preisgünstig selbst gebaut werden können, zieht der Charme der vielen blinkenden LEDs und der unendlich vielen farbigen Patchkabel eines solchen Synthies immer wieder Neugierige an. Die Branche boomt. Mittlerweile bauen selbst kleine Firmen auf die enorme Marktnachfrage und trauen sich - finanziert durch Crowdfunding Projekte - wirklich innovative Produkte auf den Markt zu bringen. Die Auswahl ist zurzeit unglaublich groß und variantenreich. Große und alteingesessene Firmen wie Doepfer selbst und Intellijel bekamen dadurch in kürzester Zeit gleichwertige Konkurrenz durch Hersteller wie z. B.:

…  und viele mehr.

Naja, von Konkurrenz spricht man in diesem Umfeld nicht unbedingt. Jedes Modul ist anders aufgebaut und fügt sich somit eigenständig in das individuell gestaltete Modularsystem ein. Es soll ergänzen. Das ist zumindest der Plan! Und der Weg der eigenen Musikrichtung bestimmt die Auswahl der Module aus dem riesigen Topf des Marktportfolios.

Individualität ist alles

Heutzutage die Rolle des Musikproduzenten zu spielen ist so günstig wie noch nie. Jeder Hobbymusiker hat in diesen Zeiten die Möglichkeit im Wohn- oder Schlafzimmer auf höchstem Niveau Songs zu produzieren. Das überschwemmt wiederum den Musikmarkt und die Hörerschaft verliert den Überblick. Jetzt heißt es, aus der Masse mit ungewöhnlichen und guten Sounds sowie neuen Ideen herauszustechen. Aber das funktioniert nicht unbedingt mit bekannten und vielleicht auch langweiligen Presets aus einem virtuellen Klangerzeuger, der auf dem Rechner zu Hause installiert ist. Jetzt muss ein analoger Synthesizer her und der heiß ersehnte Signature Sound!

Aber auch diese Spielwiese scheint schon abgegrast zu sein. Denn die guten und bekannten Synthesizer à la Moog, Arp, Oberheim und Co. finden sich in jedem zweiten Top 50 Titel der iTunes Charts wieder. Warum also nicht einen eigenen Synthesizer für den einzigartigen Klang bauen? Dazu sind schon ein bisschen Theorie und handwerkliches Geschick mit dem Lötkolben vorausgesetzt. Bauteile zusammenstecken und loslegen wäre hier sicherlich einfacher, Musiker möchten ja schließlich musizieren! Und hier sind wir wieder beim Thema: Beim Modularsystem.

Die enormen Möglichkeiten des Euroracks

Gerade der modulare Aufbau eines Synthesizersystems birgt so viele Wege und Möglichkeiten, individuelle Wünsche zu berücksichtigen. Hier sollte man sich bereits im Vorfeld ein paar Gedanken machen, in welche Richtung das eigene musikalische Vorhaben gehen soll, wenn man sein eigenes modulares System plant. Inspiration lässt sich von überall herholen und Hilfen für die die Gestaltung des eigenen ersten Systems gibt es allemal. Grundsätzlich ist das ein sehr kreatives Thema, woran bereits Dieter Doepfer glaubte, als er 1979 seinen ersten Selbstbausynthesizer veröffentlichte. Was danach folgte, sollte jedem bekannt sein.

Hilfen und Unterstützung zum Synthesizer-Selbstbau (DIY) und Tipps zur Planung eines modularen Synthesizersystems gibt es in unseren Workshops:

Frei nach dem Motto: ‚Mit Spannungen ist alles möglich‘, wird Ausprobieren und Experimentieren bei Anwendern großgeschrieben. Einmal infiziert gibt es auch kein Zurück mehr. Warum auch? Wer Musik und Instrumente mag, und einmal einen eigenen Synthesizer, ob rein analog, digital oder alles bunt gemischt, gepatcht hat, wird automatisch in den Bann der bunt blinkenden LEDs gezogen. Sogar Neulinge spüren ziemlich schnell ein Erfolgserlebnis und als logische Konsequenz wird das erst aufgebaute Basissystem schon bald durch neue Modulen erweitert.

Sind Eurorackmodule teuer?

Durch das große Angebot an Modulen jeglicher Art und Couleur sind die Preise für die Neuanschaffungen weit gestreut, zum größten Teil aber recht human. So kostet ein kleines Basis-Set meist weniger als ein hochwertiger Synthesizer, der natürlich weitaus mehr Komponenten in einer Hardware vereint. Der große Vorteil des Modularsystems ist - ganz klar - dessen Erweiterbarkeit. Auch hier gibt es keine Grenzen, bis auf den Raum, denn Platz benötigen die die großen Ausführungen eines ausgewachsenen Systems ohne Frage.

Modulare Synthesizer sind flexibel

Anschließen lässt sich an ein Modularsystem alles, sofern die nötigen Schnittstellen-Module vorhanden sind. Diese sind aber im immer größer werdenden 'Modular' Markt zu haben. Ob MIDI, USB, iPhone oder iPad, es existieren sogar Bauteile, die über WLAN und Bluetooth mit dem Rechner kommunizieren. Somit ist auch eine Steuerung ausgehend von der DAW kein großes Problem. Hier gehen jedoch viele Besitzer eines Modularsystems eher puristisch an das Thema heran und produzieren ihre Songs komplett mit Sequenzer- und anderen Steuerungsmodulen.

Welchen Vorteil bietet ein modularer Synthesizer?

Je nach Zusammenstellung des Systems klingt auch das Ergebnis unikat. Niemand wird genau diesen Sound kopieren können, es sei denn, es werden dieselben Bauteile in der gleichen Reihenfolge genutzt und mit identischer Verkabelung verwendet. Ein System mit vielen Oszillatoren klingt schon fetter als ein einzelner monofoner Synthesizer.

Je nach Art der verwendeten Module ist sogar eine polyfone Spielweise möglich. Während des Sounddesigns lassen sich verschiedene Filter testen, Hüllkurven mit LFOs verknüpfen und den Sound durch verschiedene Effektmodule schicken. Vorher nur autark mit offenen Software-Synthesizer Systemen möglich, ist heute auch die Kommunikation der DAW mit einem analogen Modularsystem möglich. Digital meets Analog heißt das Zauberwort, was die Synergien beider Welten verschmelzen lässt, um neues Terrain zu erobern.

 

 

Schlusswort

Es ist also kein Wunder, dass die kleinen Eurorack-Bauteile in immer mehr Projekt- und Heimstudios zu finden sind und ausgewachsene Systeme in ausdrucksstarken Live-Performances eingesetzt werden. Denn diese garantieren tolle und individuelle Soundergebnisse, vereint mit einem hohen Spaßfaktor. Und genau darauf kommt es an!

Auch haben sich spezielle Veranstaltungen im Bereich des erfolgreichen Modularsynthesizer-Segments innerhalb kurzer Zeit zu echten Publikumsmagneten entwickelt. So ist z. B. die seit 2016 in Berlin veranstaltete SUPERBOOTH ein Mekka für Synthesizer-Liebhaber mit einer riesigen Resonanz und mit internationalem Charakter.

Das macht richtig Lust, oder?

Veröffentlicht am 18.04.2019

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