Hersteller_Motu
Test
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21.06.2017

MOTU 8A AVB Test

USB-/TB-/AVB-Audiointerface

Sag mal „A“!

Die Audiointerfaces des amerikanischen Herstellers MOTU lassen sich via AVB unkompliziert kaskadieren oder direkt an den Rechner anschließen – alternativ zu USB 3 und Thunderbolt 2! Auf diesem Weg kann man ein Audiosetup mit bis zu 265 Kanälen bauen – inklusive Routing-Matrix, reichlich DSP-EQs, Kompressoren und weiteren Effekten.

Zwei Interfaces können unkompliziert mit nur einem Cat-5-Kabel verbunden werden, darüber hinaus wird ein Switch notwendig, der bis zu fünf Geräte miteinander kombinieren kann. Somit ergibt es auch Sinn, dass MOTU seine Produkte nach Funktionsgruppen konzipiert. Das 8A fungiert sozusagen als klassischer Achtfach-Analog-Wandler, was im übrigens auch der Name suggeriert, ausgestattet mit fast allen digitalen Schnittstellen, die der Markt momentan so hergibt: ADAT, USB 3 (USB 2) und Thunderbolt 2 (3 und 1). Fehlt eigentlich nur AES/EBU.

Details

AVB/USB3/Thunderbolt

Das 8A ist ein Audiointerface der AVB-Serie des amerikanischen Herstellers MOTU. Das Gerät ist zunächst ein Audiointerface mit USB-3.0- und Thunderbolt-2-Anschluss, das mit bis zu 24 Bit und 192 kHz auflöst.

Abwärtskompatibel ist das MOTU 8A mit USB 2 inklusive iOS sowie Thunderbolt 1 und 3. Einschränkungen gibt es dann aber hinsichtlich der maximalen Kanalanzahl, was wichtig ist, sollten weitere Interfaces hinzugefügt beziehungsweise via AVB kaskadiert werden.

Die amerikanische Großfamilie und der Dante-Clan

Das aktuelle AVB-Portfolio umfasst eine Unmenge an Interfaces. Bereits getestet habe ich das MOTU Ultraliter AVB, das MOTU 624 AVB sowie das 112D und das 24 AO: allesamt exzellente Interfaces, wobei sich das 624 und das 8A durch die neuste DAC-Generation „ESS Sabre32 Ultra“ auszeichnen.

AVB steht übrigens für „Audio Video Bridging“ und bezeichnet eine Reihe von Standards zur Übertragung von A/V-Daten über Netzwerke. Kurz gesagt werden viele Kanäle via simpler Netzwerkbuchse beziehungsweise Cat-5-Kabel übertragen. Übrigens: Man kann das Interface anstelle von USB oder Thunderbolt auch direkt per Netzwerkkabel mit einem Rechner verbinden. Der erste Vorteil wären dabei Kabel mit bis zu 100 m Länge!

Audionate Dante ist im Prinzip das Gleiche wie AVB, nur ist es kein Open-Source und wird auch von anderen Herstellern genutzt, wie beispielsweise AVID, Yamaha und Focusrite. Man kann sich das ein bisschen wie den Kampf zwischen VHS und Betamax oder HD-DVD und BlueRay vorstellen. Aber das nur am Rande.

Harte, analoge Fakten

Das MOTU 8A verfügt über acht analoge Ausgänge (max. 20 dBu) und acht analoge Eingänge (max. 24 dBu). Diese sind auf großer Klinke anliegend, sprich symmetrisch TRS 6,35 mm. Streng genommen sind es natürlich zehn analoge Ausgänge, da die Front noch einen Stereo-Kopfhörerausgang (max.80 mW) besitzt, der getrennt adressierbar ist.

Dank der neuen DAC-Generation erreichen die Ausgänge einen besonders hohen Rauschabstand, auf den die MOTU-Reklame gern hinweist. Hier sind die Infos: Der A-gewichtete Dynamikumfang beträgt für die Ausgänge 123 dB, für die Eingänge 117 dB und für den Kopfhörerausgang 108 dB. Der Rauschabstand (ungewichtet) beträgt indes -110 dB (THD+N) für die Lines, der HP wiederum kommt auf -100 dB.

Der Trim lässt sich selbstverständlich bei allen I/Os digital anpassen, die Outs dabei von -4 bis +20, die Ins von -96 bis +22.

Mittelhübsches Display, simple Bedienung

Die Front zieren fünf Taster (ID, Up, Down, Back und Select) und ein Display für die Stand-alone-Bedienung. Das funktioniert hier besser als beim 624, bei dem die Befehle Encodern zugeordnet sind, die hauptsächlich für den Gain zuständig sind. Richtig hübsch ist das Display aber auch hier nicht. Es erinnert mich wieder mal an ein Samsung-Wegwerf-Handy. Viel Erotik muss es aber auch gar nicht vermitteln, es reicht also vollkommen aus. Hinzu kommt ein Push-Encoder für den Kopfhörer-Ausgang, der anscheinend aber nicht so konfiguriert werden kann, dass er auch andere Outs regelt. Schade.  

Mächtige, browserbasierte DSP-Software

Am Gerät selbst kann man nur wenige Einstellungen vornehmen. Stand-alone funktioniert das 8A trotzdem, sodass man es auch am Rechner konfigurieren kann und wichtige Einstellungen als Presets speichern kann, um diese am Gerät zu laden. Das ist aber sicherlich nur theoretischer Natur, da man selbst in größten Setups alle Geräte komfortabel innerhalb eines Netzwerks über die browserbasierte Software konfigurieren und nutzen kann. Eine kleine App sorgt nur dafür, dass man die Interfaces nach Namen findet und nicht nach der IP-Adresse suchen muss. Für das iPad gibt es sogar eine eigenständige App, die der Browser-Version aber ziemlich identisch ist.

Und so gibt es eine Page für die Routings via Matrix und ein mächtiges, anpassbares 48-Kanal-Mischpult mit einem Low Cut, Gate, 4-Band-EQ, LA-2A-Style-Kompressor in jedem Kanal sowie sieben Auxe, drei Group-Sends und einen Reverb im Send-Verbund.

In den Ausgängen und Gruppen findet man außerdem noch einen Limiter und einen Leveler. Ebenfalls schön: Der EQ und der Kompressor verfügen über große grafische Bedienmodi, allerdings lassen sich in diesen unverständlicherweise nicht alle Werte via Maus anpassen. Man möge bitte nachbessern.

Verschiedenes

Es ist zu erwähnen, dass der ADAT I/O auch TOSLink, also optisches S/PDIF, beherrscht. Auf einen MIDI I/O muss man aber verzichten. Mit 1 kg ist das MOTU 8A auch relativ leicht. Die Maße betragen 22 x 17,75 x 4,5 cm, was einer HE und halber Rackbreite entspricht. Dank mitgelieferten Rackohren lassen sich somit zwei halbe Geräte zu einer 19-Zoll-Unit verbinden.

Zum Lieferumfang gehört ferner ein Netzteil (100 bis 240 Volt), die DAW-Software Audiodesk sowie ein USB-3.0-Kabel, ein englischsprachiges Handbuch und die deutsche Kurzanleitung. Ein kurzes Cat-5-Kabel zum Verbinden zweier Units wäre wünschenswert gewesen. And last but not least: Das Netzteil ist zwingend zum Betrieb notwendig, wer gehofft hat, das 8A mit Bus-Power betreiben zu können, wird enttäuscht.

Audiobeispiele

Pro & Contra

  • AVB-Interface
  • einfache Bedienung
  • USB 3 und Thunderbolt
  • viele EQs und Kompressoren
  • Wireless-Steuerung via WLAN/iPad

  • Update nur über Netzwerk
  • Effekt-Reihenfolge nicht änderbar
  • Grafik-Mode nicht vollständig mit Maus bedienbar

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