Hersteller_NativeInstruments KC_Keyboard_Controller KC_komplex KC_DAW_Integration
Test
2
01.10.2014

Native Instruments Komplete Kontrol mit S25, S49 und S61 (S-Series) Test

MIDI-Keyboard mit Controller-Software für Komplete 9 und Komplete 10 (Ultimate)

Totale Kontrolle und Integration?

Native Instruments Komplete Kontrol mit S25, S49 und S61 im bonedo-Test – Nachdem Native Instruments vor vielen Jahren klammheimlich das grundsätzlich gute Konzept von KORE einstampfte, erlebt es nun mit KONTROL ein Revival um die acht Makro-Controls! Dass dabei die Library-Navigation von Maschine Studio mit den kleinen Thumbnails der NI-Produkte eingeführt wurde, überrascht nicht: Eine Vereinheitlichung der visuellen Navigation bringt durchaus Geschwindigkeitsvorteile mit sich. 

Das Ganze wurde zwar für das neue, uns allerdings noch nicht vorliegende Komplete 10 (Ultimate) optimiert, funktioniert aber auch schon größtenteils mit Komplete 9 (Ultimate) – und da ich dies besitze, schauen wir uns das Ganze doch schon mal jetzt etwas genauer an!

Details

Host im Host

Bei Komplete Kontrol handelt es sich um eine Zwischensoftware, eine Art Host im Host, für Native Instruments Software Produkte, die man am günstigsten im sogenannten Komplete Bundle zusätzlich erwirbt. Die Steuer-Software kann man nicht einzeln kaufen, auch weil sie allein relativ wenig Sinn macht: Man benötigt einen der passenden Hardware-Controller dazu. Mit einem Keyboard der S-Serie (S25, S49 oder S61) ergibt diese Software dann ein Bundle.

Die Software funktioniert auch stand-alone, sowohl mit Mac OSX (ab 10.8), als auch PC Windows (7 und 8) Systemen und bedient dabei folgende Schnittstellen: VST 64-Bit, AU 64-Bit, AAX 64-Bit und AAX 32-Bit (Windows only). 32-Bit Versionen werden also faktisch nicht mehr unterstützt.

Die Keyboards

Die Keyboards fassen sich allesamt sehr gut an, sind anschlagempfindlich, bieten Aftertouch und spielen sich dank Fatar-Markenklaviatur einwandfrei und auch relativ leise. Von den Features her sind alle Keyboardgrößen identisch und unterscheiden sich damit nur in ihrem Preis sowie der Tastenanzahl, wobei sich diese aus der Zahl nach dem S im Namen ergibt. Nur die Virtuosen unter uns müssen jetzt ganz stark sein, denn eine 88 Tasten Variante mit Hammermechanik gibt es leider (noch) nicht.

Die UVPs betragen stolze 499, 599, und 699 Euro und machen damit aus diesen Keyboards wahrlich keine Schnäppchen. Wer allerdings NIs Produkt-Politik kennt, weiß, dass es hier bestimmt bald Nachlässe, Bundles oder Dergleichen geben wird – spätestens wenn Mark 2 im Anflug ist.

Doch zurück zu den Fakten: Jedes der Keyboards wird per USB verbunden und benötigt aufgrund der vielen Displays und Blinklichter eine weitere Stromversorgung per mitgeliefertem Universal-Stecker-Netzteil (100 bis 240 Volt), dessen Kabel mit einer Länge von gerade einmal 1,5 Meter allerdings für meinen Geschmack leider etwas zu knapp ausgefallen ist. Gerade auf der Bühne sieht das unter Umständen ganz schön sch… schwierig aus. Andererseits schaut vielleicht keiner so genau hin, wenn das Keyboard erstmal richtig anfängt zu blinken!

Acht Encoder mit Displays

In der Mitte des Controllers befinden sich acht Encoder ohne Push-Funktion und LED-Kranz, dafür darunter aber acht schicke, ziemlich fein auflösende Displays, sodass die Klarnamen der ständig wechselnden Befehle sehr gut zu lesen sind. In den weiß-schwarzen „Negativ“-Displays wird aber auch der aktuelle Controller-Wert in Form eines Balkens dargestellt. Das Ganze sieht insgesamt sehr professionell und „erwachsen“ aus, was man etwa von einer Akai APC nicht unbedingt behaupten kann. Auf keinen Fall übersehen sollte man allerdings die kleinen, blau leuchten Pfeiltasten und ihr Display, jeweils links von den Encodern positioniert. Mit diesen Tasten kann man durch die Parameter-Pages blättern, wenn ein Instrument eben mehr als acht Parameter zu bieten hat. Hier wird außerdem der aktuelle Preset-Name angezeigt. Fader gibt es übrigens keine, was ich persönlich allerdings sehr gut finde. 

Eigener Browse-Encoder

Die rechte Seite des Gerätes ist hingegen dem Preset-Browsing gewidmet und bietet einen weiteren, etwas dickeren Encoder, der sogar über Push-Funktionalität verfügt. Außerdem gibt es noch sechs weitere, weiß hintergrundbeleuchtete Gummipad-Taster, sowie vier blau leuchtende Cursor-Taster. Wie bei allen bidirektional kommunizierenden Keyboards, leuchten die Tasten entsprechend nur, wenn ihre Funktion auch verfügbar ist. So muss man also nicht unbedingt zum Bildschirm blicken, welcher im Falle einer Bedienung in diesem Bereich aber zusätzlich eine vergrößerte Ansicht mit schicken Thumbnails bietet.

Die Taste BROWSE öffnet dabei Dialog. Mit dem Push-Encoder und/oder den vier Cursors wählt man sich dann durch die Unterkategorie bzw. Attribute, und mit ENTER/Push bestätigt man dann diese Auswahl. BACK hingegen befördert den Anwender natürlich in der Hierarchie eine Ebene nach oben. Ist man dann bei den Presets angelangt, kann man aber auch prima mit den zwei weißen Pfeiltasten (PRESET) zwischen den Sounds wechseln, wobei hier das Preset – im Gegensatz zu der Selektion mit dem Push-Encoder – bei der Auswahl sofort geladen wird. Somit macht Sound-Browsen endlich wieder Spass, da mann beide Hände an die Klaviatur legen kann, und nicht mehr mit der Maus verkrampft das 5*5 Pixel große Preset-Wechsel-Pfeilchen in der DAW anvisieren muss. Meine Herren aus Berlin: Das habt ihr wirklich ganz hervorragend gelöst!

SCALE und ARP Spielhilfen

Auf der linken Seite finden sich weitere illuminierte Gummitaster. Zum einem wären da unter der Rubrik PERFORM die Tastatur-Sonderfunktionen SCALE und ARP zu finden, mit denen sich zum einen verschiedene Scales auf die Klaviatur legen lassen oder eben der Arpeggiator bzw. Note-Repeat aktiviert wird.

Mit gleichzeitigem Drücken der SHIFT-Taste sowie SCALE oder ARP gelangt man wiederum in den EDIT MODE der entsprechenden Spielhilfen, wo sie dann mit den acht Encodern nach Lust und Laune umfangreich angepasst werden können. Das einzige Manko, das ich hier bisher finden konnte, ist die Tatsache, dass das Arpeggio nur intern verarbeitet wird und sich somit dessen generierte MIDI-Noten nicht aufnehmen lassen, was zugegebenermaßen doch etwas mehr als schade ist. Hoffentlich bessert NI da noch mit einem Update nach!

Scale wiederum ist eine Art "Deppenmodus", in dem „keine falschen Töne“ gespielt werden können, was mich, der über ein kleines Klaviatur-Handicap verfügt, äußerst freut. "Falsche Töne" werden einfach durch den nächst höheren und in der gewählten Scale vorhanden, "richtigen" Ton ersetzt, wobei dies durch den LIGHT GUIDE auch einwandfrei visualisiert wird.

Weiterhin bietet dieser Mode auch noch eine äußerst umfangreiche Chord-Funktion (Octave, 1-3, 1-5, 1-3-5, 1-4-5, 1-3-5-7, 1-4-7, Maj 1 bis 8, sowie Min 1 bis 8), die selbst gestandenen Komponisten zu neuen Kreativeinfällen verhelfen sollte.

Beleuchtete Klaviatur

Jede Taste der Klaviatur wird von einer Multicolor-LED begleitet, die im Falle der Scales beispielsweise den Grundton heller erscheinen lässt und bei ARP die erzeugten Noten visualisiert. Bei neueren, speziell von NI auf dieses LIGHT GUIDE genannte Feature angepassten Instrumenten werden über jeder Klaviatur-Taste entsprechend auch Drum-Zellen, Keyswitches, Phrasen und etc. farblich dargestellt. Dieses Feature bietet also weit mehr als eine Spielanleitung für Klaviaturnovizen.

Transport und DAW-Integration

Und weiter geht es mit der linken Seite, und zwar unter der Rubrik Transport. Diese bietet mit ihren sechs, farblich teils sehr passend beleuchteten Tasten keine Überraschungen und erklärt sich von selbst: LOOP, RWD, FFW, PLAY, REC und STOP. Cool ist allerdings, dass diese Funktionen teils DAW-spezifisch arbeiten und somit auch rudimentäre, automatisch zugewiesene Steuerungen der DAW möglich sind.

Beispielsweise kann man in Ableton Live, wenn kein Kontrol-Plug-In geöffnet bzw. im Focus ist, auch mit den Cursor-Tastern der Browser-Sektion durch Tracks von Live schalten. Viel mehr geht allerdings noch nicht, doch dazu später mehr im Praxis-Teil. Immerhin wird die selektierte Spur aber gleichzeitig mit scharf geschaltet, sodass Noten-Eingaben über das Keyboard bei dem in der Spur geladen Plug-In (sei es nun von NI oder nicht ) auch ankommen.

Etwas weiter unten, links neben der Klaviatur, bietet das NI-Keyboard auch noch zwei OCT+/- Taster zum Transponieren der Klaviatur, sowie Touchstrips, mit welchen die obligatorischen Pitch-Bend- und Modulation-Befehle ausgelöst werden können.

Anschlüsse

Kommen wir nun zu den Anschlüssen auf der Rückseite, wobei es hier gar nicht so viel zu erzählen gibt: Es findet sich ein Ein/Aus-Druckschalter, eine USB2.0-Buchse, der Netzteil-Anschluss, Klinkebuchsen für ein Sustain- und ein Expression-Pedal sowie ein MIDI-Duo und ein kleines Löchlein für ein Kensington-Lock zur Sicherung gegen Langfinger.

Last but not least noch einige harte Fakten über das S49, welches mir stellvertretend für die anderen beiden Keyboardgrößen zum Test überlassen wurde: Es wiegt 5,5 kg und misst 274,3 x 85,8 x 837 mm. In der Gestaltung erinnert es ganz klar an ein Native Instruments Produkt, und teilt sich somit mit Machine, Traktor und Co., den schwarzen High-Tech-Look mit ganz viel Hochglanz-Kunststoff, gebürstetem, schwarzen Alu und soliden, großen Gummifüßen.

Pro & Contra

  • umfangreiche Browse-Sektion
  • Logisches, funktionales und schickes Layout
  • acht Encoder mit dedizierten Displays zur Instrumenten-Bedienung
  • Fatar-Klaviatur mit Multicolor für Scales, Key-Switchtes, Zones, Arp und mehr
  • bidirektionale Kommunikation mit Komplete Kontrol Software ab Komplete 9, besser 10

  • keine Drum-Pads
  • (kein MIDI-Out der Spielhilfen)
  • (rudimentäre DAW-Steuerung)

Verwandte Artikel

User Kommentare

Zum Seitenanfang
ZUR STANDARD WEB-ANSICHT X