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Test
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15.12.2015

Praxis

Auspacken

Im Lieferumfang enthalten sind neben dem Controller ein USB-Kabel, ein 15-Volt-Netzteil, Sicherheitsanweisungen, Komplete Kontrol S Aufkleber sowie die Software-Installation-Card samt Download-Anweisungen und Seriennummern für Hard- und Software.

Installation

Falls noch nicht geschehen, sollte zunächst ein Native Instruments Account auf der Hersteller-Website angelegt werden, in dem der Controller registriert werden kann, woraufhin die Komplete Kontrol S Software und das Komplete Select Bundle zum Download bereitstehen. Mit dem Native Instruments Downloader wird die ausgewählte Software heruntergeladen und dann mit normalen Installationsroutinen installiert. Im Test enthielt der Downloader allerdings nicht die neueste Version 1.5.1, sondern eine ältere Version aus Zeiten, in denen die Plug-ins der Dritthersteller noch nicht steuerbar waren, sprich ohne NKS. Das Update befindet sich wie von Native Instruments gewohnt im Service Center und auf der Hersteller-Website unter „Updates und Treiber“. 

Workflow

Beim Komponieren oder Arrangieren eines Songs ist natürlich ein möglichst ununterbrochener Arbeitsfluss erfolgsentscheidend dafür, ob man ein „Mapping-Profi“ beim Zuweisen von Parametern wird oder einfach nur Musik machen darf. Im Grunde beginnt dies schon bei der Integration in die DAW, weshalb wir uns das doch einmal genau anschauen.

DAW-Integration

Die Kommunikation zwischen der DAW und dem Komplete Kontrol S erfolgt in Cubase (ab 7.5.1), Nuendo (ab 6.0.7) und Logic X (ab 10.0.7) über das Mackie Control Protokoll, für das in der DAW der I/O-Port „Komplete Kontrol DAW-1“ ausgewählt wird. Der Arpeggiator benötigt nicht, wie von den meisten Controller Keyboards gewohnt, eine zusätzliche MIDI-Clock der DAW, wodurch man sich diese Konfiguration schon einmal spart. Nachdem das Komplete Kontrol S als Mackie Controller eingerichtet ist, wird das Plug-in „Komplete Kontrol S“ in eine MIDI-Spur insertiert und schon kann mit dem Soundschrauben begonnen werden – das ist wirklich unkompliziert und muss nur einmal eingerichtet werden.

In Ableton Live (Version 9.1.4 vorausgesetzt) gestaltet sich die DAW-Integration etwas anders. Zunächst werden das MIDI-Remote-Script sowie die „Komplete Kontrol Instrument-Racks“ aus dem Ordner „Ableton Live 9.1.4“ installiert. Danach ist das Komplete Kontrol S in den Bedienoberflächen-Einstellungen zu finden und nutzt ebenfalls den Port „Komplete Kontrol DAW-1“. Native Instruments bieten zu den DAW-Integrationen genaue Schritt-für-Schritt-Anleitungen auf der eigenen Website.

Ist das Komplete Kontrol S einmal eingerichtet, kann die Komplete Kontrol Software in einem freien MIDI-Channel als Instrument-Plug-in insertiert werden. Klasse ist, dass sich die Komplete Kontrol Software in mehreren Instanzen, also in mehreren Instrument-Spuren, nutzen lässt. Dank der „automatischen Spur-Fokussierung“ ist die Hardware stets auf die Komplete Kontrol-Plug-in-Instanz zugewiesen, die in die derzeit ausgewählte Spur geladen ist. Die Navigation innerhalb der DAW erfolgt mit den Pfeiltasten auf dem Controller und auch die Transport-Buttons funktionieren tadellos, inklusive „Loop“ zum Setzen des Cycles, „Restart“ und auch „Count-In“ zum Einzählen in den Aufnahmemodus der DAW. Letztere sind jeweils per Shift-Taste erreichbar.

Automationen werden innerhalb einer DAW ganz einfach durch ein vorheriges Einstellen des Automationsmodus, etwa „Touch“ in Logic X aufgezeichnet, was hervorragend gut funktioniert!

Maschine-Integration

Die Integration des Komplete Kontrol S in Maschine gestaltet sich wie erhofft noch leichter als in einer DAW. Nach dem Start der Maschine Software ist wirklich keine weitere Konfiguration nötig. Ohne ins Handbuch zu schauen, startete ich die Maschine Software und betätigte den Browse-Button am Komplete Kontrol S, was wie in der DAW ein Schwebefenster aufruft, in dem alle meine Native Instruments Klangerzeuger darstellt werden.

Das ist grundsätzlich keine schlechte Sache, allerdings blockiert der Browser den Zugriff mit der Maus auf den Rest der Software und zwar so lange, bis der Browse-Button erneut betätigt wird, um ihn wieder auszublenden. Das ist etwas störend, da man so den Browser immer zuerst ausblenden muss, um den Rest der Maschine Software oder auch einer DAW mit der Maus steuern zu können, was manchmal auch beim Durchstöbern der Sounds vonnöten ist.

Plug-ins von Drittherstellern

Das Grundprinzip des Browsers ist Native Instruments-typisch sehr intuitiv. Software-Instrumente sind nach Namen inklusive Bildvorschau und Presets nach Attributen kategorisiert und auch das Vergeben eigener Attribute inklusive Favoriten ist möglich. Deshalb möchte ich natürlich meine Dritthersteller-Instrumente ebenso browsen, öffnen, tweaken und mit Usertags versehen können.

Gespannt möchte ich ein Dritthersteller-Plug-in öffnen, da taucht auch gleich die große Ernüchterung auf: Auf das Browsen und Öffnen von Dritthersteller-Plug-ins muss man am Controller leider verzichten, solange sie nicht den NKS unterstützen. Hier kann man nur mit der Maus unter „Plug-ins“ das jeweilige Instrument auswählen und laden. Das gilt demnach auch für die Presets – wäre ja auch zu schön gewesen.

Display und Übersichtlichkeit

Für einen Controller, der er sich zur Aufgabe gemacht hat, alle Plug-ins von Native Instruments und die der anderen Hersteller zu kontrollieren, fällt das Display durch seine LCD-Technik leider etwas „altbacken“ aus und eignet sich auch nicht besonders gut zur Übersicht im Workflow. Hier hat das AKAI Advance recht deutlich die Nase vorn. Nach dem Öffnen eines Plug-ins muss man die Parameter je nach Preset (teilweise) regelrecht „suchen gehen“. So blättert man sich durch die Seiten, die jeweils acht Parameter darstellen, und hofft, irgendwann den gesuchten Parameter zu finden.

Bei einem derart qualitativ ambitionierten Controller wäre eigentlich ein Display nach Art der Maschine MK2 oder idealerweise das der Maschine Studio angemessen gewesen. Diese bieten ebenfalls acht Endlos-Drehregler und nutzen ein sehr ähnliches Prinzip zur Steuerung. Mit einem hochauflösenden Farbdisplay, das neben den aktuellen Parametern auch die der weiteren Bänke darstellen könnte, wären diese mit den Pfeiltasten schnell erreichbar, wodurch ganz sicher eine bessere Übersichtlichkeit gewährleistet wäre. Es gibt allerdings die Möglichkeit, das Mapping in der Software selbst anzupassen, was praktisch ist, da das eigene oder angepasste Mapping gespeichert wird und in der nächsten Session direkt auf die eigenen Bedürfnisse angepasst geladen wird! Das eigene Mapping, verbunden mit den eigenen Attributen und den Favoriten-Presets im Native-Browser, macht die ganz Sache dann also wieder Workflow-tauglich. Nur können eben nicht alle Dritthersteller-Plug-ins im Browser sortiert werden, solange sie nicht den NKS unterstützen! Aber was nicht ist, kann ja noch werden ...

Smart Play und Arpeggiator

Mit Smart Play wird die Klaviatur zu einer Skalenklaviatur, wodurch neben Dur- und Moll-Tonarten auch Gypsy, Japanese, Blues, Flamenco und viele weitere Skalen ausgewählt werden können. Der Light Guide beleuchtet zudem nur die Tasten auf der Klaviatur, die zur ausgewählten Tonart gehören.

Die Chord Sets und der Harmonizer triggern einzeln gespielte Noten in ganze Akkorde. Dabei kann der Harmonizer Zwei-, Drei- und Vierklänge oder auch vorgefertigte Chord Sets triggern. Klasse ist hierbei, dass der Harmonizer und die Chord Sets innerhalb der Maschine Software die Akkorde auch aufzeichnen. In der DAW, etwa Logic X, werden die tatsächlich gespielten Noten als MIDI-Daten aufgenommen, doch beim Abspielen werden dennoch die Akkorde getriggert – am Ende zählt natürlich das klangliche Ergebnis. Eingriff in die Akkorde hat man demnach allerdings nur in der Pianorolle der Maschine Software, nicht aber in den DAWs.

Der Arpeggiator liefert in Verbindung mit den Akkorden im Handumdrehen komplexe Ergebisse. Zudem liefert der im Komplete Select Bundle enthaltene Synthesizer „Rounds“ erweiterte Arpeggiator-Presets, die nur mit dem Komplete Kontrol S gesteuert werden können, wodurch das volle Potenzial von Rounds also nur mit dem Komplete Kontrol S ausgeschöpft werden kann. Bleibt abzuwarten, ob auch weitere Hersteller die Arpeggio-Presets nutzen werden.

Innerhalb einer DAW funktionieren Smart Play und der Arpeggiator ebenfalls problemlos in mehreren Instanzen, was ich wirklich hervorragend finde, da die vielen Tonarten und Chord Sets im Scale-Mode eine äußerst inspirierende Wirkung zeigen und in gemeinsamer Nutzung mit dem Arpeggiator sehr flexibel einsetzbar sind. Klasse ist auch, dass diese beiden Features via MIDI-Out mit externen Hardware-Synthesizern einsetzbar sind, wodurch die altbewährten Geräte nun mit innovativen MIDI-Mustern versorgt werden können.

Software-Instrumente inklusive

Klangerzeuger liefert der Hersteller natürlich aus der eigenen Soundschmiede gleich mit, damit dem „Klangkontrollieren“ nichts mehr im Wege steht. So befinden sich sowohl altbewährte als auch neue, innovative Klangerzeuger im „Komplete Select“ Bundle, das Native Instruments zum Download bereitstellt. Als da wären: Massive, Prism, Monark, Drumlab, Scarbee Mark I, The Gentleman, West Africa, Vintage Organs und Retro Machines.

Hören wir doch mal rein, was unter Verwendung von Smart Play und Arpeggiator dabei so herauskommen kann. Spielt man eine zunächst einfache Tonabfolge, kann unter Verwendung des Harmonizers und besonders mit den Chord Sets daraus schon ein wesentlich interessanteres Ergebnis entstehen. Hört selbst:

Der Arpeggiator ist sehr vielseitig, besonders wenn er in Verbindung mit den Scales, dem Harmonizer und den Chord Sets genutzt wird. Aus einfachen, statischen Sounds entstehen so im Handumdrehen komplexe Muster.

Die Klangerzeuger aus der Komplete Selection haben wir in unserem Komplete Ultimate 10 Test ausführlich unter die Lupe genommen, in dem sich auch viele Klangbeispiele und Videos befinden.

Die Komplete Selection ist durch die sehr unterschiedlichen Klangerzeuger durchaus vielseitig einsetzbar und bietet mit dem Solid Bus Comp auch gleich eine Emulation eines SSL Bus Kompressors zur Dynamikbearbeitung. Wer schon im Besitz eines Komplete Kontrol S ist, erhält den aktuellen Inhalt des Komplete Select Bundles ebenfalls als Gratis-Download. Nach der Registrierung des Geräts steht zudem im Native Instruments Online Store ein 25-Euro-Gutschein bereit.

Audiobeispiele

Pro & Contra

  • Dritthersteller-Mappings durch NKS
  • NKS Presets nach Tags sortiert
  • Light Guide bietet gute Übersicht über Keyswitches, Splittings etc.
  • intuitive Bedienung
  • gute Maschine-Integration
  • beim Komplete Kontrol S88: hochwertige Fatar-Klaviatur mit Hammermechanik

  • unvorteilhaftes Display
  • Mappings, Browser und Light Guide nur durch NKS-Support
  • derzeit noch wenig NKS-unterstützte Dritthersteller-Plug-ins

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