Software
Test
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06.10.2020

Native Instruments Maschine+ Test

Stand-alone Groovebox Drum-Machine Sampler und Sequenzer

Maschine+ befreit sich von den Computer-Strippen und will auf die Bühnen der Welt!

Maschine+ wurde insgeheim schon lang erwartet – Native Instruments konnte das reale Geheimnis der neuen Stand-alone-Maschine aber ziemlich gut für sich behalten, denn zwischen dem kürzlichen Leak, einer schicken 1:1-Präsentation in den Kung Fu Studios und meinem Test lagen nur wenige Tage. 

Maschine+ ist nun ein voller Konkurrent zur MPC-Serie, deren Software MPC Beats es mittlerweile sogar kostenlos gibt. Und wenn dies auch kein echter Vergleich werden soll, wollen wir dennoch ein paar grundlegende Unterschiede ansprechen.

Details

What it is

Native Instruments Maschine+ ist die Stand-alone-Version der Maschine MK3 und somit Groovebox, Drum Machine, Sampler und Sequenzer in einem. Maschine+ unterscheidet sich kaum vom Workflow einer Maschine MK3 – abgesehen davon, dass man eben keinen Computer mehr braucht und dadurch auch auf die Unterstützung von großem Bildschirm, Maus und Tastatur verzichten muss – der alte „Controller-Workflow“ wird somit zum Diktat.

Einen Computer gibt es trotzdem, nur eben ins Gehäuse eingebettet. Und darauf läuft "Maschine OS“ bei 44,1 kHz auf einer Quadcore CPU, mit 4 GB Ram sowie 32 GB Flash-Speicher. Als zweiter Festspeicher dient ein SD-Card-Slot inklusive mitgelieferter 64 GB Micro-SD-Card und passendem Adapter – für Content und Co. versteht sich.

Solidere Hardware im Vergleich zur MK3

Formfaktor und Layout der neuen Maschine+ sind identisch zur MK3, lediglich winzige Unterschiede wie etwa der grün-rot-orangefarbene Power-Button (FILE/SAVE) und die zusätzliche CLIP Beschriftung unter PATTERN fallen auf. 

Die Displays sind ebenfalls gleich, weiterhin ohne Touch und soweit okay. Das Gehäuse ist nun aber aus Metall, solider sowie hochwertiger und mit 2,5 kg Gesamtgewicht gerade mal 300 g schwerer als die MK3. Die acht Encoder lassen sich wirklich einwandfrei und „smooth“ drehen, lediglich der 4D-Encoder wirkt etwas fragil. Pads und Taster sind identisch.

Ziemlich identische Anschlüsse

Audiomäßig gibt es rückseitig einen Line-Out, einen getrennt adressierbaren Kopfhörerausgang sowie einen Stereo-Line-In mit einfachem Preamp inklusive. Dazu kommen ein Pedal-Anschluss sowie drei Potis: einmal für Kopfhörer, einmal ein Stereo-Out sowie ein Input-Gain. Die Potis sind wie bei der MK3 auf der Rückseite platziert, was das Pegeln etwas umständlich gestaltet. Sie sind zudem leider nicht versenkbar – dafür ist der obligatorische Netzteilanschluss nun verriegelbar.

Zur Synchronisierung stehen ein DIN MIDI-I/O sowie USB-MIDI und Ableton Link zur Verfügung. Darüber hinaus kann Maschine+ als Controller mit integriertem 2-In/4-Out USB- Audiointerface bis 96 kHz verwendet werden – sie verhält sich also exakt wie eine MK3. Die bisher genannten Anschlüsse sind ebenfalls identisch.

Maschine+ bietet Erweiterungspotential

Eine Erweiterung mit MIDI-I/Os ist hier via USB-Typ-A möglich, wofür jedes Class-Compliant-MIDI-Interface funktionieren sollte. Maschine+ verfügt ferner über WLAN, worüber Ableton Link sowie auch die Registrierung bzw. Verbindung mit NI Access erfolgt- Damit kann der Content unkompliziert hinzugeladen werden.

Braucht man mehr Audio-I/Os, kann man an den USB aber auch EIN externes Audiointerface anschließen. Aktuell werden nur drei NI Interfaces unterstützt: Komplete Audio 1, Komplete Audio 2 und Komplete Audio 6 (mk2). Die interne Soundcard fällt bei der Nutzung externer Interfaces weg und eine Kombination von Interfaces scheint aktuell nicht möglich. Da die Plus intern bis zu acht Eingänge und 16 Audio-Anschlüssen handeln kann, sollte die Möglichkeit der Unterstützung von Interfaces anderer Hersteller bald folgen.

Gute Software, aber nicht viel Neues

Maschine+ kann als Stand-alone keine richtigen „VSTs“ laden, was bedientechnisch auch aber fragwürdig geworden wäre. Stattdessen kann man eine Art Presets ausgewählter NI Synths laden, die via Macro-Control mehr oder minder stark manipulierbar sind. Die Engine hinter dem Sound läuft dabei algorithmisch und kostet je nach Preset etwas an CPU.

Den hauseigenen Minimoog-Clone Monark kann man beispielsweise fast vollständig bedienen, alle Parameter wurden dabei über die acht Pages mit bis zu acht Encodern sinnvoll verteilt. Wenn man den Signalfluss stets vor dem inneren Auge hat, sollte es kein Problem sein, ganz eigene Sounds zu bauen. Alternativ muss man den Rechner bemühen und Presets „zurückspielen“. 

Mit den „abgespeckten“ Varianten von FM8, Massive, Reaktor, Monark und Prism sowie dem Bass-Synth und den Drum-Synths von Maschine kann man so bereits einiges selbst „erkurbeln“. Wer weiß, welcher Hersteller noch in Zukunft seine VSTs für Maschine+  verfügbar macht?!  

Die „Machines für externe Hardware“ (External MIDI) mit vorgemappten Encodern für neuere Drum Machines und Synths von Korg, Roland, Clavia, Moog, Elektron und Co. gibt es schon seit Maschine 2.6. Bei der jetzigen Stand-alone-Version kann man diese Funktion aber natürlich noch mehr ausreizen. Was ich mir jetzt noch wünschen würde: eine Art Auto-Sampler bzw. Sample-Robot für angeschlossene Klangerzeuger. Behringer-Presets findet man übrigens keine.

Hinzu kommen die bekannten „Brot und Butter“-Maschine-Effekte sowie Raum und Phasis. Die ganzen Sample-Instrumente darf man dabei natürlich nicht vergessen – als da wären: Retro Machines, Maschine Factory, Maschine+ Selection und die Expansions Deep Matter, Lilac Glare, Solar Breeze, True School sowie Velvet Lounge. Weitere „alte“ Kontakt-Instrumente sollen für Maschine+ umgemodelt werden, wann und in welchem Umfang, weiß ich nicht. 

Extras

Gutscheine für zwei zusätzliche Expansions gehören ebenfalls zum Lieferumfang. Neben dem Universal-Netzteil und einem USB-Kabel hat NI außerdem noch einen 6,3/3,5-Adapter für Kopfhörer oder Boomboxen in den Karton gepackt.

Audiobeispiele

Pro & Contra

  • vollständige Produktionsumgebung
  • ohne Computer verwendbar
  • via USB-A erweiterbar
  • schlanker Formfaktor
  • Content via WLAN

  • Synths nur eingeschränkt bedienbar
  • relativ wenige und alte Effekte

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