Software
Test
10
08.09.2020

Native Instruments Maschine+

Stand-alone-Groovebox

Produktpräsentation 1:1 mit Kabuki in den Kung Fu Studios Berlin / Maschine als Hardware - endlich Standalone!

Heute erst geleaked, zeigen wir euch bereits unsere ersten Eindrücke, die wir in einer äußerst persönlichen Produktpräsentation - einen Tag vor dem offiziellen Release – von der neuen NI Maschine+ gewinnen konnten.

Geladen hat NI dabei in die Kung Fu Studios Berlin, um, mit einem äußerst beachtlichen Setup und im netten 1:1 mit Kabuki, alle ersten Fragen rund um die heiß erwartete neue Maschine+ zu beantworten.

Und ja, die Gerüchte waren richtig: Maschine+ ist nicht mehr nur ein Controller sondern nun eine vollständige autarke Produktionsumgebung, ähnlich zur MPC und ihren neusten Inkarnationen.

Der richtige Test folgt, sobald wir ein Testgerät erhalten!

Details

Back on track

Irgendwie blubbern schon seit geraumer Zeit Gerüchte um eine Standalone-Version von Maschine durch das Netz, offizielle Statements gab es aber noch keine. Und sowieso war ein wenig unklar, wo die Reise von Native Instruments, nach den letzten – sagen wir mal "Produkt-politisch etwas diffusen" – Jahren hin gehen soll. Der Turnaround, so scheint es jedenfalls, steht an und NI zielt wieder auf Pro-User. Gefeiert wird das mit einem besonders tollen Einstand: NI Maschine+. 

Ein tolles Stück Hardware

Das Layout der neuen Maschine+ ähnelt der MK3 bis auf winzige Ausnahmen, wie etwa die Doppelbeschriftung "Clips", ziemlich exakt. Aber natürlich sind es die Dinge unter der Haube, die aufhorchen lassen. Trotzdem fällt mir beim ersten Kontakt auf: Das ist der selbe alte Kasten, aber irgendwie deutlich geiler verarbeitet.

Man setzt nun auf ein solides Metallgehäuse und richtig gute Encoder. Sie fühlen sich hochwertig metallisch an und drehen sich besonders smooth. Sie vermitteln ein absoluts luxuriöse Drehgefühl, das hat mich überrascht! Das Display bleibt gleich und Touch gibt es weiterhin nicht - braucht es meiner Einschätzung nach auch nicht.

Das Gewicht wurde nicht sonderlich größer als beim Controller – soweit mich mein Muscle-Memory nicht täuscht. Der Formfaktor ist ohnehin top. Ja, das Ding nimmt man gern auf Reisen mit! Einen eingebauten Akku gibt es allerdings nicht.

Standalone inklusive best of NI Synths und Kontakt

Der Workflow scheint gleich zur Desktop-Variante – nur eben ohne Computer, also wirklich standalone, basierend auf einem eigenen "Maschine OS", einer Quadcore CPU, 4 GB Ram sowie 32 GB Flash-Speicher. Neu ist eigentlich nur die Clips-Funktion, die das etwas starre alte Raster aufbricht, sowie die Anzeige der Clip-Längen via LED des Touchstrip.

Das geschlossene System fühlte sich jedenfalls recht fix an und Ladezeiten waren nicht anders, als sie bei der Desktop/Controller-Version im Verbund mit einer SSD sind. Verrückt ist, dass NI viele ihrer "nativen" Effekte und auch einige ihrer "Instrumente" hier zum laufen bringt – "richtige VSTs" gibt es allerdings nicht.

Mit FM8, Massive und Reaktor "light" inklusive Monark und Prism sowie den bekannten Drum-Synths stehen jeden Menge "algorithmische Synths" zur Verfügung, hinzukommen Raum und Phasis als weitere Effekte. Die Bedienung wurde an das 8-Encoder-Layout angepasst, sodass "nur" Presets mit entsprechenden relevanten Parametern auf die Pages verteilt wurden. Allzu viele Instanzen virtueller Monster darf man ebenfalls nicht erwarten…

Export Ideas as Audio

Mit der Funktion "Export Ideas as Audio" kann man "virtuelle" und "externe" Erzeugnisse ohne Probleme als Audio fixieren, wieder CPU-Power frei geben und gewohnt mit jeder Menge Sample-Instanzen weiterarbeiten.

Eine explizite Freeze-Funktion gibt es (noch) nicht, aber man sieht der Formulierung "Export Ideas as Audio" an, wo NI die Maschine+ sieht: Als unkomplizierter Starpunkt für die ersten Ideen, losgelöst von Maus und Tastatur. In dem Zusammenhang witzig: Es gibt einen SD-Karten Slot und eine 64 GB Karte standardmäßig dabei. So kann man – ein wenig wie ganz früher – Sessions wie Floppys untereinander tauschen oder eben am Rechner, mit der Maschine Software/Plugin, weiter arbeiten. 

 

 

Die Trennung von Creative-Production und finalem Mischen bzw. dem Ausproduzieren auf zwei getrennten Systemen empfinde ich nicht als Bremsklotz sondern als Boost. Ideen sind an Maschine+ fix und ohne Computer realisiert. Und wenn man sich doch noch tot EQ-en will, kann man das später am Rechner tun. Best of both worlds sozusagen. Selbstverständlich kann man Maschine+ auch im Controller-Modus booten und wie einen stinknormalen Controller verwenden. 

Analoge I/Os & USB upgrades

Standalone arbeitet Maschine+ mit 44,1 kHz, lässt aber verschiedenste Export-Formate zu. Man muss also nicht unbedingt im Maschine-Format weiterarbeiten, auch Stems lassen sich exportieren.

Aufnehmen kann man nicht nur intern, dank des analogen Stereo-Inputs, geht es auch extern. Synths und Drum-Machines, you name it! Nur ein Stereo I/O plus Mic-In mag mit Blick auf MPC Live 2 popelig anmuten. Allerdings seit erwähnt das Maschine über zwei USB-A-Ports verfügt, die nicht nur MIDI-Controller und HDDs akzeptieren, sondern in naher Zukunft auch externe Audiointerfaces unterstützen sollen.

Ein Manko bleibt aber: kein Phono-Preamp! Turntables sind doch aber DER Sample-Lieferant. Man stelle sich nur vor: Akku plus Phono-Amp, und der Besuch beim Vinyl-Kumpel würde ne Menge neues "eigenes Material" liefern! Anschlussmäßig hat da Akai die Nase vorn.

So könnte man sich weitere Audioanschlüsse nach eigenem Gusto umkompliziert nachrüsten. Ob hier auch USB-MIDI oder sogar USB-Audio möglich wird, um Geräte wie Roland Aira, Boutique oder Elektron via USB-Hub anzuklemmen, bleibt abzuwarten – wäre aber ein geiles Feature!

Ähnliches gilt für den etwas spartanischen MIDI I/O sowie die fehlenden CV-Buchsen. Das sollte sich ebenfalls über Class Compliant Gerätschaften nachrüsten lassen. Wenn man Maschine+ übrigens mit USB an den Rechner hängt, fungiert sie als Audiointerface mit bis zu 96 kHz und stellt so bis zu 16 "virtuelle" Kanäle, wie beim Plugin, zur Verfügung. Lässig!

External MIDI, NKS, Wifi und fett Sample-Content

Das man mit der Maschine+ easy selber samplen kann sollte klar sein. Und das man von NI auch reichlich vorbereiteten Content kaufen kann sollte ebenfalls nicht überraschen. Maschine Factory Selection und Kontakt Factory Selection sowie die Expansions Deep Matter, Llilac Glare, Solar Breeze, True School, Velvet Lounge und zwei Voucher gehören von Anfang an dazu. 

Richtig cool ist, dass man per integrierten WiFI auf sein Native Access zugreifen kann und so Inhalte unkompliziert runter und einladen kann. Ein großer Vorteil aller entsprechenden Librarys ist natürlich das vorbereitet Mapping, sodass man mit den acht Macro-Encodern zielführend Expansions anpassen kann.

Gleiches gilt für die Synths, wobei hier NI schon vor geraumer Zeit mit dem NKS-Format seine Hausaufgaben gemacht hat. Noch der Hinweis am Rande, dass NI bestehende Librarys nach und nach anpassen wird und hinsichtlich des CPU-Loads optimieren wird.

Was ich persönlich äußerst nice finde, ist der Umstand, dass man an viele aktuelle Hardware-Synths gedacht hat und fertige Mappings als "External-MIDI" laden kann. Die Encoder sind dann auch in diesem Fall bestens auf entsprechende Synths angepasst und vernünftig beschriftet. Laut NI sind ungefähr alle Mappings der wichtigsten Synths und Drummachines der letzten 5 Jahre on Board. Was ich mir bereits jetzt noch wünschen würde: ein Art Auto-Sampler bzw. Sample-Robot für angeschlossene Klangerzeuger.

Ab 1.10 geht´s jedenfalls los, der Vorverkaufspreis liegt bei 1259,- Euro. Weitere Informationen findet ihr auf der Herstellerseite. Und unseren "richtigen" Test gibt es, sobald wir eine Unit erhalten.

Veröffentlicht am 08.09.2020

Verwandte Artikel

User Kommentare

Zum Seitenanfang
ZUR STANDARD WEB-ANSICHT X