Test
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06.06.2017

Praxis

Aufstellung / Testumgebung

Zum Praxistest habe ich ein Paar Neumann KH 80 DSP Monitore in meinem Studio freistehend und akustisch entkoppelt auf Boxendrehtellern meines Studiotisches positioniert, auf denen sonst meine Neumann KH 120 Monitore beheimatet sind. Aufgrund des überraschend kompakten Gehäuses habe ich die Höhe meines Studiostuhls etwas verringert, damit die Hochtöner auf gleicher Höhe zu meinen Ohren stehen, wie es bei mir auch beim größeren Modell der Fall ist.

Als Audiomaterial habe ich eine stilübergreifende Mischung vetrauter Fremd- und Eigenproduktionen verwendet sowie diverse Hörproben mit Rauschgeneratoren und Sweeps durchgeführt. Als D/A-Wandler kam das Apollo 8 von Universal Audio zum Einsatz. Zum Anschluss der Monitore habe ich ausschließlich Vovox-Kabel (link direct S XLR) verwendet und mehrmals KH 80 DSP gegen KH 120 ausgewechselt. Was hat der Hörtest ergeben?  

Der erste Eindruck

Die Familienähnlichkeit ist erstaunlich – nicht nur optisch! Die KH 80 DSP klingen ab dem ersten Moment vertraut und vertrauenserweckend. Erstaunlich ist die Klangfülle trotz des kompakten Gehäuses. Überraschend ist der volle Bass der kleinen Neumänner!

Frequenzgang

Der angegebene Übertragungsverlauf des KH 80 DSP ist mit 57 Hz bis 21 kHz auf dem Papier nur im Bassbereich gegenüber dem größeren Bruder (52 Hz) etwas eingeschränkt. Beim Abhören basslastiger Musik offenbart sich bei genauerem Hinhören dann aber doch, dass der 4-Zoll-Tieftöner des KH 80 DSP Monitors nicht ganz so souverän abliefert und etwas eher komprimiert als der 5,25-Zoll-Tieftöner des KH 120. Das ist keine Kritik, sondern eine wenig überraschende und bauartbedingte Abgrenzung: Wer den Bassbereich besonders im Auge behalten muss, ist bei Nahfeld-Monitoren mit einem zusätzlichen Subwoofer immer gut beraten. Mittlere und hohe Frequenzen werden lebendig und hochaufgelöst wiedergegeben, allerdings habe ich beim KH 80 DSP ein etwas stärkeres Bestreben, das Desktop-Filter zur Absenkung der Tiefmitten einzusetzen, aber dafür ist er ja schliesslich da. Die hohen Frequenzen werden recht prominent und crisp in Szene gesetzt, was für einige Anwendungen durchaus sinnvoll ist. Beim meinen KH 120 habe ich die Höhen etwas abgesenkt, was beim neuen DSP-Modell aufgrund der noch nicht erhältlichen Software leider momentan nicht möglich ist. Dies ist kein Beinbruch, da es sich um Nuancen handelt, dennoch wären weitere manuelle Zugriffsmöglichkeiten zur Klangregelung nicht unbedingt ein Nachteil. 

Laut Bedienungsanleitung „merkt“ sich der Monitor die (in der Zukunft) per Netzwerk zuletzt erfolgten Einstellungen zur Klanganpassung auch ohne Stromzufuhr. Im mobilen Einsatz kann man jederzeit zwischen Local- und Network-Control wechseln, was praktisch ist (beziehungsweise sein wird, wenn die Software vorhanden ist).

Impulsverhalten

Die Transientenwiedergabe erfolgt auf hohem professionellen Niveau. Gegenüber dem Neumann KH 120 Monitor muss man keine Kompromisse in Kauf nehmen.

Räumliche Abbildung

Gleiches gilt in diesem Punkt: Die räumliche Abbildung und präzise Tiefenstaffelung sollte auch kritische professionelle Ansprüche befriedigen, was in dieser Preiskategorie äußerst bemerkenswert, wenn nicht sogar beispiellos ist.

Sonstiges

Neben meinem persönlichen Hauptaugenmerk der Musikproduktion punktet der KH 80 DSP Monitor durch vielfältige, demnächst verfügbare DSP-Funktionen in unterschiedlichen Einsatzszenarien wie Synchronisation (Delay 0-70 ms) und komplexe Mehrkanal-Setups.

Pro & Contra

  • beeindruckende Auflösung und Tiefenstaffelung
  • professionelle Wiedergabeeigenschaften
  • sehr kompaktes und leichtes Gehäuse, daher auch mobiltauglich
  • gute Basswiedergabe für die Gehäuse- und Membrangröße des Basstreibers
  • flexible Anwendungs- und Anpassungsmöglichkeiten, sobald die Software verfügbar ist
  • umfangreiches Zubehörsortiment für zahlreiche Montage-Optionen

  • begrenzte Anpassungsmöglichkeit ohne Software

Gehört zu dieser Serie

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