Workshop_Thema Workshop_Folge WS_Piano WS_Piano_Theorie
Feature
3
27.04.2018

Notenlesen verständlich erklärt

Wie lernt man eigentlich Notenlesen?

Hier lernst du in kurzer Zeit Notenlesen, für fast jedes Instrument!

Man hört immer wieder von Musikern, die ihr Instrument toll spielen, aber trotzdem keine Noten lesen können. Theoretisch ist das absolut möglich, denn schließlich geht es bei der Musik immer nur um den Klang, also um das Zusammenspiel möglichst harmonischer Klanggebilde, die man mit den Händen greift. Getroffen habe ich persönlich aber ehrlich gesagt noch nie einen dieser sagenumwobenen Musiker. Im Gegenteil waren die Musiker, die mich musikalisch beeindruckt haben alle samt auch Meister im Fach der Musiktheorie, zu dem ja auch die Notenlehre gehört.

Quick Facts: Note

Was bedeutet der Begriff Note in der Musik?

In der Musik ist eine Note ein grafisches Zeichen zur schriftlichen Aufzeichnung eines Tones oder eines Schlages in einem System von Linien, dem Notensystem. Die Platzierung der Note im Notensystem zeigt im Zusammenhang mit einem Notenschlüssel den Ton an, der gespielt werden soll. In ihrer äußeren Gestalt bezeichnet sie den Notenwert, aus dem sich, in Abhängigkeit des gewählten Tempos, die Dauer des Tons ergibt.

Woraus besteht eine Note?

Jede Note besitzt mindestens einen Notenkopf. Ein hohler Notenkopf (schwarzer Rand, innen weiße Fläche) wird für ganze und halbe Noten verwendet. Ein ausgefüllter Notenkopf (komplett schwarz) wird für kleinere Notenwerte verwendet, wie Viertelnoten, Achtelnoten usw. Eine ganze Note besteht nur aus einem einzigen Notenkopf, der auch etwas größer und fetter gedruckt ist.

Alle Notenwerte kleiner als ganze Noten verfügen über einen Notenhals, ein senkrechter Strich, der seitlich am Notenkopf ansetzt. Bei Notenköpfen im höheren Bereich, in der Regel ab der dritten Notenlinie, setzt der Hals links am Kopf an und führt nach unten. Bei tiefer stehenden Notenköpfen setzt der Hals rechts am Kopf an und führt nach oben. Ausnahmen ergeben sich, wenn mehrere Stimmen im selben Notensystem notiert werden: Dann zeigen die Hälse der höheren Stimme nach oben und die der tieferen nach unten. Auch im Fall einer Stimmkreuzung lässt sich somit die Stimmführung in der Regel deutlich ablesen.

Kurze Noten ab der Achtelnote zeigen, wenn sie als einzelne Noten geschrieben werden, zusätzlich ein oder mehrere Fähnchen seitlich am Hals, die immer nach rechts weisen: Achtelnoten haben ein Fähnchen, Sechzehntelnoten haben zwei Fähnchen etc. Häufig stehen jedoch mehrere kurze Noten mit demselben Notenwert hintereinander. Dann werden die Notenhälse in der Regel nicht einzeln mit Fähnchen versehen, sondern zu Gruppen mit entsprechend vielen Balken verbunden. Dadurch erspart man dem Musiker das Erkennen zahlreicher einzelner Fähnchen.

Was bedeutet der Punkt hinter einer Note?

Ein Punkt rechts hinter einem beliebigen Notenkopf verlängert den Notenwert um die Hälfte des eigenen Wertes.

Was bedeuten grafische Zeichen über oder unter dem Notenkopf?

Grafische Zeichen über oder unter dem Notenkopf können die gewünschte Artikulation oder die Lautstärke eines Tons angeben.

Wie stellt man Pausen in der Musik in der Notenschreibweise dar?

Jedem Notenwert stehen entsprechende Pausenwerte zur Verfügung, die mit besonders geformten Pausensymbolen notiert werden. Selbst Pausen können durch einen Punkt um die Hälfte ihres eigenen Wertes verlängert werden.

Lesen und Schreiben in der Musik

Nehmen wir als Beispiel den noch recht jungen Jacob Collier. Er gehört zu den besten Musikern, die ich je gehört habe und bewegt sich in traumwandlerischer Sicherheit durch komplizierteste Harmonien, die gesamte Musiktheorie und kann dies auch noch verständlich erklären. Das scheint undenkbar, wenn man nicht Noten lesen und schreiben kann, oder seine liebe Mühe damit hat. Zumindest wird dadurch alles viel schwieriger und anstrengender.

Hier ein Video zu Jacob Collier am Piano.

 

In anderen Bereichen ist klar, dass zum Schreiben eben auch Lesen gehört. Die beiden Dinge sind untrennbar miteinander verbunden. Oder kannst du dir einen guten Schriftsteller vorstellen, der nicht lesen kann? Klingt irgendwie komisch, oder? Woher bezieht er seine Ideen und Informationen? Woher weiß er über Satzbau und Grammatik Bescheid? Vielleicht gibt es irgendwo einen solchen Schriftsteller, trotzdem solltest du dir das nicht zum Vorbild nehmen, besonders, wenn du ein Instrument spielst.

Musik ist eine Sprache, die Töne sind das Alphabet. Damit sind die Töne die Basis jeglicher musikalischen Kommunikation. Wenn du im Urlaub in einem fremden Land und in einer fremden Sprache schon mal versucht hast, mit Hilfe von Passanten den Bahnhof zu finden, sie dich aber nur fragend angeschaut haben, weißt du, wie schwer es ist, eine Sprache zu sprechen, die du nicht lesen kannst.

Jacob Collier spricht über Musik.

 

Ich sehe bei neuen Schülern oft, wie schwer sie sich beim Notenlesen tun. Das ist absolut nicht nötig! Tue dir das nicht an, wirklich schwer ist das Ganze nämlich nicht, schließlich gibt es nur zwölf verschiedene Töne, und nur sieben davon können auf den Notenlinien dargestellt werden. Aber wie immer im Leben sind die Dinge schwer, die man nicht versteht oder nicht ausreichend eingeübt hat. Dabei kann ich dir helfen. Ich erkläre dir genau, wie Noten lesen funktioniert und was du tun musst. Mit etwas Übung schaffst auch du es. Legen wir los.

Notenschlüssel und ihre Bedeutung

Hast du dich je gefragt, wozu es Notenschlüssel gibt? Verschönern sie einfach das Notenbild oder zeigen sie dir, was beim Klavier mit rechter und linker Hand gespielt wird? Sowas höre ich oft im Unterricht und beides ist natürlich auch richtig. Allerdings machen Notenschlüssel noch viel mehr und das muss zuvor klar sein, damit du richtig und irgendwann auch schnell Noten lesen kannst.

Jeder Notenschlüssel hat seine Basis oder Referenz auf einem bestimmten Ton im Notensystem, das ist seine spezifische Aufgabe. Deshalb heißt er auch so, wie der Ton, den er anzeigt. Ähnlich wie bei einem Berechnungsschlüssel in anderen Bereichen, macht dieser Schlüssel das tatsächliche Festlegen einer Sache erst möglich. Und genau so ist das in der Musik auch. Nur weil der Notenschlüssel den Namen eines bestimmten Tones benennt und auch konkret zeigt, wo dieser liegt, bekommen alle anderen Töne erst ihren Namen und ihre Lage. Deshalb musst du, auch wenn du nur einen Ton notierst, immer einen Notenschlüssel am Zeilenanfang schreiben. Es ist also sehr wichtig, dass du alle bei deinem Instrument verwendeten Schlüssel sehr gut kennst. Die beiden in Klaviernoten verwendeten Schlüssel schauen wir uns jetzt genau an.

Der Violinschlüssel

Der wohl bekannteste Schlüssel ist der Violinschlüssel. Der Name leitet sich von der Geige, auch Violine genannt, ab. Sie ist das höchste Instrument aus der Streicher Familie. Und da im Violinschlüssel die hohen und sehr hohen Töne notiert werden, ging der Name des Instruments auf den Schlüssel über. Da aber, wie eben erklärt, jeder Schlüssel einen bestimmten (Referenz) Ton anzeigt, heißt er auch immer genau wie dieser Ton. Im Falle des Violinschlüssels ist der zweite Name „G-Schlüssel“, denn er zeigt das G an. In der Mitte des Schlüssels siehst du einen Kreis, dort beginnt der Schlüssel. Dieser Kreis befindet sich zwischen der untersten und der mittleren Notenlinie und schließt somit mittig die zweite Linie von unten ein. Es entsteht ein Kreuz aus der Linie und dem Schlüssel selbst, fast wie ein Fadenkreuz. Und genau an dieser Stelle liegt das G.

Notenbeispiel: Violinschlüssel mit Ton „G“

Der Bassschlüssel

Im Gegensatz zum Violinschlüssel sieht der Bassschlüssel völlig anders aus. Auch sein Name leitet sich von einem Streichinstrument ab, dem Kontrabass. Im Bassschlüssel werden die tiefen und sehr tiefen Töne notiert. Aber auch er zeigt einen bestimmten Ton an, in seinem Fall das F. Hinter dem Bassschlüssel befindet sich ein Doppelpunkt, der die zweite Linie von oben markiert. Diese Linie zeigt das F an. Deshalb heißt der Bassschlüssel auch „F-Schlüssel“.

Notenbeispiel: Bassschlüssel mit Ton „F“

Es gibt noch andere Notenschlüssel, allerdings sind für das Klavier und für die meisten anderen Instrumente nur diese beiden von Bedeutung. Pianisten haben es immer mit zwei Schlüsseln zu tun, weil die linke Hand anatomisch immer im tieferen Bereich auf der Tastatur liegt als die rechte, darum bekommt die linke Hand einen anderen Notenschlüssel. Vielen Anfängern ist das nicht klar, aber dadurch wird das Lesen der Noten tatsächlich einfacher, schon das „kleine c“ hätte im Violinschlüssel bereits vier Hilfslinien. Und wie der Namen schon sagt, lesen sich Töne über die Hilfslinien nicht so angenehm und leicht wie bei den großen Linien.

Notenbeispiel: "Kleines c" im Violinschlüssel notiert

Mit der Erweiterung des Klangspektrums des Klaviers durch die Hammermechanik und vor allem durch den gusseisernen Rahmen (ca. 1840), kamen immer mehr spielbare Töne hinzu, bis zu den 88 Tasten, die wir heute kennen. Spielst du romantische Literatur, wirst du es oft mit Tönen zu tun haben, die jenseits der Notenlinien liegen, entweder besonders hoch darüber oder tief darunter. Durch die Hilfslinien wird die Position einer Note aber auch dann genau angezeigt, wenn diese nicht innerhalb der vorgegebenen fünf Notenlinien liegt. Das konkrete Vorgehen des Lesens bleibt in diesem Fall auf jeden Fall exakt gleich. Und wie genau das funktioniert, lernst du jetzt.

Tonnamen und ihre Reihenfolge

Zuerst machen wir uns noch einmal die Töne selbst, ihre Namen und ihre Reihenfolge klar. Wir beginnen beim C. Wie im Alphabet kommen danach das D, das E, das F und dann das G. Vor das H drängt sich dann allerdings noch das A, schließlich kommt dann das H. Dann folgt wieder das C und alles beginnt von vorne. Das sind gleichzeitig auch die Töne der C-Dur Tonleiter.

Notenbeispiel: Tonleiter "C" bis zum nächsten "C" mit Tonnamen für die linke und die rechte Hand.

Audiobeispiel: Die C-Dur Tonleiter gleichzeitig mit linker und rechter Hand gespielt.

Die Linien funktionieren dabei wie eine Art Leiter, allerdings kann man in der Musik auch zwischen den Sprossen stehen. Ein Ton kann also auf einer Linie liegen, das heißt, die Linie geht durch ihn durch, oder er liegt zwischen zwei Linien. Um von einer Linie zur nächsten Linie zu kommen bedarf es also zwei Tonschritten. Wie bereits erwähnt, wird der Umfang der eigentlichen Notenlinien durch die Hilfslinien erweitert, um besonders hohe und tiefe Töne anzeigen und aufschreiben zu können. 

Kommen wir nun zum eigentlichen Prozess des Notenlesens.

Wie lernt man ein sicheres Notenlesen?

Die Vorgehensweise zu einem sicheren Notenlesen ist recht einfach. Als erstes schaust du dir den Notenschlüssel an, der am Zeilenanfang steht und benennst ihn. Dann zählst du als zweites einfach die Entfernung vom durch den Notenschlüssel angezeigten, bis zum zu lesenden Ton in Tonschritten. Jetzt kannst in Ruhe überlegen, wie der Ton heißt. Lass uns das am folgendem Beispiel einmal durchgehen.

Notenbeispiel: Rechte Hand – notierter Ton E'' (das "zweigestrichene" E)

Hier haben wir einen Violinschlüssel auch G-Schlüssel genannt. Er zeigt das G mit dem Kreis an, den er bildet. An der Stelle des entstehenden Kreuzes liegt das G. Der notierte Ton liegt fünf Schritte höher. Ein Schritt über dem G liegt das A, dann folgen das H, C und D mit den Schritten zwei, drei und vier. Jetzt kommt noch der fünfte Schritt und wir landen beim E. Der Ton heißt also E.  

Zum Schluss solltest du dir die Lage des gelesenen Tons noch einmal genau anschauen und einprägen. Mit der Zeit entsteht so eine Orientierung - mit Hilfe der Linien - die dich die Töne irgendwann sehr schnell lesen lässt. Auf diese Weise kannst du dir im Laufe der Zeit die Positionen der Töne einfach merken.

Tipp:

Lass dir beim Notenlesen üben Zeit und finde in Ruhe heraus, wie der Ton  heißt. In meinem Unterricht höre ich oft falsche Tonnamen, obwohl meine Schüler wissen, wie man Töne liest. Sie wollen sich jedoch die Arbeit ersparen und raten einfach schnell, bevor sie den korrekten Ton durch Abzählen im Notensystem bestimmen. Das Problem dabei ist, dass du damit keinen Lerneffekt erzielst, da du ja nicht zum richtigen Ergebnis gekommen bist. Darüber hinaus dauert das Notenlesen lernen so viel länger, weil du dich ständig mit falschen Tonnamen verwirrst. Also, rate niemals, lies den Ton richtig. Dann lernst du am schnellsten.

Tricks zur Schnellbestimmung von Noten

zum Abschluss noch zwei kurze Tipps, oder Eselbrücken, die dir das Notenlesen weiter erleichtern. Im zweiten Zwischenraum von oben in der rechten Hand und im zweiten Zwischenraum von unten in der linken Hand befindet sich jeweils ein C. 

 Notenbeispiel: C‘‘ (zweigestrichenes C) und kleines C  

Und wenn du einen Ton oben auf die Linien der rechten Hand legst, heißt dieser Ton G, genau wie der Schlüssel der rechten Hand. Legst du wiederum einen Ton unten an die Linien der linken Hand, heißt dieser F, genau wie der Schlüssel der linken Hand.

Notenbeispiel: G‘‘ (zweigestrichenes G) und großes F

Steht vor dem zu lesenden Ton oder am Anfang der Zeile ein Vorzeichen, gehst du am besten genau wie oben beschrieben vor. Finde zuerst heraus, wie der Ton ohne Vorzeichen heißt. Im Anschluss wendest du das Vorzeichen auf den gelesenen Ton an.

Schlusswort

Jetzt hast du einen großen Überblick erhalten, was es über das Notenlesen zu wissen gibt. Wenn du Noten lesen lernen, oder deine Fähigkeiten in diesem Bereich verbessern willst, hilft nur eines - üben, üben, üben.

In diesem Zusammenhang solltest nicht Verstehen mit Können verwechseln. Hier empfehle ich dir als Lektüre den Artikel „8 Tipps zum Üben wie die Profis“. Nur die Übung macht bekanntlich den Meister. Wie es geht, weißt du jetzt. 

Um Notenlesen zu lernen, brauchst du auch nicht immer dein Instrument. Notenlesen kann man überall üben, auf dem Sofa, in der Bahn, im Wartezimmer oder am Strand. Mittlerweile sind auch sehr viele Noten online zu finden, sodass man auch unterwegs am Handy, Laptop und Tablet sein tägliches Übungspensum absolvieren kann. Wenn du jeden Tag nur fünf bis zehn Minuten intensiv übst, gehörst du sehr schnell zu den Profis. 

Viel Erfolg!

Tipp:  Weitere interessante Themen rund um das Klavier lernen und spielen findet ihr in unserem Artikel: Klavier lernen – Tipps für Anfänger und Profis

Veröffentlicht am 27.04.2018

Verwandte Artikel

User Kommentare

Zum Seitenanfang
ZUR STANDARD WEB-ANSICHT X