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13.02.2019

Notfallhilfe: Backup-Lösungen für digitale DJs

Workshop für DJs

Software, Controller, Interface, USB-Sticks: Wie lassen sich technische Ausfälle kompensieren?

In den letzten Jahren haben digitale DJ-Setups, DJ-Komplettsets weltweit die DJ-Kanzeln erobert und werden von Einsteigern und Profis genreübergreifend genutzt. Die Digitalisierung bringt viele Annehmlichkeiten mit sich und erlaubt neben der Ausführung traditioneller DJ-Techniken auch viele neue kreative Betätigungen.

Doch diese schöne neue Welt hat auch Schwachstellen, die ganz schnell zu einem Showstopper werden können. DJ-Software, Audiointerface, Zuspieler, DJ-Controller oder Computer können, wie jedes andere elektronische Gerät unangekündigt ausfallen und für ein jähes Ende sorgen.

Um dieses abzufangen, gibt es verschiedene technische Lösungen, die exemplarisch nachfolgend vorgestellt werden.

Überblick Backup-Lösungen

Die im Folgenden beschriebenen Lösungen verfolgen unterschiedliche Ansätze. Manche beheben ein spezielles Problem, andere funktionieren universell. Die genannten Geräte oder Programme dienen zudem nur als Beispiel zum besseren Verständnis und lassen sich oft durch andere ersetzen.

Zu den universellen Lösungen zählt eine Tastatursteuerung, die zum Beispiel beim Ausfall der Bedienelemente eines Controllers oder des ganzen Geräts oder beim Abbrechen einer Plattenspielernadel genutzt werden kann. Fällt hingegen die Soundkarte des Controllers aus, hilft ein passendes Ersatz-Audiointerface – eine Laptop-interne Soundkarte eignet sich aufgrund fehlender Multiausgänge und schneller Treiber sowie oft nicht wirklich überzeugender Audioqualität hierzu eher nicht.

Das Mitführen eines kompakten Ersatz-Controllers kann ebenfalls einen Abend retten, wobei dieser je nach Modell nicht 1:1 den gleichen Bedienkomfort bietet wie das gewohnte DJ-Werkzeug und zur verwendeten Software passen muss.

Recht kostengünstige Universallösungen lassen sich mit Audio-CDs oder USB-Sticks generieren, hiermit können die oft in einer DJ-Kanzel vorhandenen Zuspieler genutzt werden. Vinyls wären sicherlich auch eine Alternative, diese müsste man sich als digitaler DJ dann aber zusätzlich anschaffen, was sehr kostenintensiv und zeitaufwändig ist, es sei denn, man greift auf bereits vorhandene Schallplatten mit Klassikern zurück. Eine weitere Lösung lässt sich mit einem iPad/Android Tablet oder zur Not auch mit einem Smartphone und einer DJ-App realisieren. Hier gibt es verschiedene Bedienoptionen und auch das Anschließen von Soundkarten und Controllern ist möglich.

Backup-Lösungen im Detail

Nachfolgend finden sich Detailbeschreibungen der unterschiedlichen Backup-Lösungen. Durch die Kombination mehrerer Lösungen kann man sich gegen verschiedene Ausfallarten absichern.

Tastatursteuerung

Viele DJ-Programme bieten eine Steuerung per Computer-Tastatur, die sich in den meisten Fällen individuell belegen lässt. Mit den Tastaturkommandos sind sehr viele Funktionen und Standardaufgaben kontrollierbar. Etwas unkomfortabler gestalten sich Funktionskontrollen, die per Drehregler, Jogwheel oder Fader gesteuert werden. Eine eigene Belegung ist sinnvoll, da man die Funktionszuweisungen auf seine eigenen Bedürfnisse abstimmen kann (hier unser Workshop zum Thema Traktor Keyboard-Mapping).

Nachfolgend einige Beispiele, was man programmieren kann:

  • Navigation in der Songsammlung (hoch/runter, Ordner)
  • Ladebefehle
  • Transportfunktionen (Start, Stopp, Cue) inklusive Sync
  • Pitchbend
  • Loops aktivieren
  • Hotcue-Punkte setzen/triggern
  • usw.

Audiointerface

Bei der Anschaffung eines Ersatz-Audiointerfaces müssen verschiedene Gesichtspunkte berücksichtigt werden. Als minimale Anforderung sollte es zwei separate Stereoausgänge besitzen, damit Master- und Cue-Signale separat ausgeben werden können oder ein Zweideck-Betrieb im externen Modus mit einem nachgeschalteten Mixer möglich ist. Wer mit bis zu vier Decks arbeitet, benötigt für den externen Modus ein achtkanaliges Interface. Etwas anders sieht es beim Einsatz von Timecode-gesteuerten Systemen aus, hier können in den meisten Fällen nur spezielle Interfaces verwendet werden, die mit der verwendeten Software kompatibel sind.

Unsere Empfehlungen

Interface für Serato-DVS

Kompaktes Interface für´s Traktor Laptop

Interface für Pioneer rekordbox dj

Controller

Soll ein Controller als Backup-Lösung zum Einsatz kommen, gibt es ebenfalls sehr viele Auswahlmöglichkeiten. Angefangen von kleinen Pocket-Controllern mit oder ohne Audiointerface, aber auch größere ältere Modelle, die durch eine Neuanschaffung ersetzt wurden, können hier genutzt werden (zum Testmarathon DJ-Controller).

Wichtig ist natürlich, dass ein passendes Controller-Mapping vorhanden und man mit dem Controller vertraut ist, damit der Workflow beim Gerätewechsel nicht ins Stocken gerät. Die meisten Programme lassen sich mit einem beliebigen MIDI-Controller steuern, sodass hier eine große Geräteauswahl zur Verfügung steht. Ausnahme: Serato DJ/Intro ist aktuell noch ein Sonderfall, da hier nur ausgewählte Modelle nutzbar sind, die als eine Art „Dongle“ agieren.

Unsere Empfehlungen

Audio-CDs und Timecode-Medien

Audio-CDs lassen sich am heimischen Computer schnell und einfach brennen und können in der Regel mit dem vorhandenen Club-Equipment wiedergegeben werden. Um schnell auf einen Computerausfall oder ähnliches reagieren zu können, ist es ratsam, sich zu Beginn eines Gigs mit den Zuspielern vertraut zu machen und eventuell auch schon eine CD einzulegen. Damit sich inhaltlich keine allzu großen Differenzen ergeben, sollten zudem immer die neusten Playlisten auf CD gebrannt und gegebenenfalls die Beatmatching-Skills noch einmal aufgefrischt werden.

Aktuelle DJ-CD-Player bieten zwar einen großen Bedienkomfort und auch kreative Funktionen, aber diese reichen nicht immer an Software-/Controller-Lösungen heran. Viele Bedienschritte müssen manuell ausgeführt werden. Wer mit Timecode-CDs auflegt, sollte diese ebenfalls in Kopie mitnehmen, die entsprechenden Dateien lassen sich bei manchen Herstellern von der Website herunterladen. Gleiches gilt für Timecode-Vinyls, auch hier ist es empfehlenswert, Ersatztonträger zu erwerben, da diese zudem einem permanenten Abnutzungsprozess unterliegen.

USB-Sticks

Als Alternative zu Audio-CDs können USB-Sticks oder andere USB-Medien genutzt werden. Diese haben den Vorteil, dass sich viel Musik mit wenig Aufwand transportieren lässt und eine Neubefüllung mit Songs jederzeit möglich ist.

In den letzten Jahren sind immer mehr Player in den DJ-Kanzeln installiert worden, die diesen Medientyp unterstützen oder gar ausschließlich damit nutzbar sind. Die Multimedia-Player verfügen teilweise über eine sehr umfassende Kreativausstattung, große Displays und bieten damit einen großen Bedienkomfort. Vieles, was mit einem computerbasierten, digitalen DJ-System möglich ist, steht auch hier zur Verfügung. Einziger Haken bei einigen Lösungen ist, dass man die Songs nicht einfach auf den USB-Stick kopieren und dann mit allem gebotenen Komfort spielen kann, sondern eine Vorbereitung erfolgen muss.

iPad, Android Tablet

Zur Durchführung von DJ-Sets lassen sich auch mobile Tablet-Computer nutzen, falls das digitale DJ-Equipment versagen sollte. Es gibt zahlreiche sehr gute Apps von Native Instruments, Algoriddim oder Mixvibes, aber auch anderen Anbietern. Die Apps sind ähnlich umfangreich ausgestattet wie die computerbasierten Programme und lassen sich auf unterschiedliche Weise kontrollieren. Naheliegend ist die Steuerung per Touchscreen, aber auch MIDI-Controller und Audiointerfaces werden unterstützt und darüber hinaus gibt es sogar Apps, die eine Timecode-Steuerung erlauben.

Der Anschluss der externen Geräte gelingt per „Camera Connection Kit“ oder „Lightning to USB Adapter“ und einem aktiven USB-Hub, der die nötige Stromspannung liefert. Einige Controller besitzen aber auch spezielle Kabel, die einen direkten Anschluss ermöglichen.

Resümee

Die vorgestellten Lösungen zur Rettung eines digitalen DJ-Gigs unterscheiden sich zum Teil erheblich bezüglich ihres Funktionsumfangs und ihrer Kosten. Man sollte daher genau prüfen, welche Methoden am praktikabelsten sind und eventuell mehrere kombinieren. CDs und USB-Sticks lassen sich beispielsweise sehr einfach handhaben und sind kostengünstig. Klar ist man aber hier auf ein entsprechendes Equipment vor Ort angewiesen und sollte dieses auch bedienen können.

Ein Ersatz-Controller ist sicherlich am einfachsten zu verwenden, da man hier keine Einschränkung bei der Musikauswahl hinnehmen muss und die Funktionen der Software wie gewohnt nutzen kann. Das Gerät muss aber gegebenenfalls noch angeschafft und zu den Gigs transportieren werden. Da es keine universelle Lösung gibt und ein besser/schlechter Vergleich ebenfalls schwierig ist, sollte jeder die Methode wählen, die für ihn am besten funktioniert.

Veröffentlicht am 13.02.2019

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