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Test
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25.10.2018

Praxis

Zunächst einmal gilt es, den logischen Aufbau des Controllers zu verstehen. Der ist zwar konsistent, aber nicht ganz trivial und dürfte gerade Einsteigern ein bisschen Konzentration und Lernwillen abverlangen. Zugegeben: Mir stand zum Zeitpunkt des Tests auch noch nicht die offizielle Dokumentation zur Verfügung. Stattdessen musste ich mich durch fragmentierte Notizen der Entwickler arbeiten. Festzuhalten ist zunächst einmal, dass die oberste Hierarchie-Ebene im SL MkIII eine Session ist. Davon kann es maximal 64 geben und man ruft sie über die Pads auf. Diese beinhaltet dann sowohl Sequenzen, wie auch die Adressierung von „Templates“ (MIDI-Zuweisungen) verteilt auf acht mögliche Parts. Eine Sammlung von Templates und Sessions nennt sich „Pack“, das in der Management-Software „Components“ dann umfassend verwaltet und gesichert werden kann.

Components ist eine kostenlose Zusatzsoftware (PC/Mac), in der sich für jedes Bedienelement des SL MkIII (und auch für Circuit, Peak und die Mono Station) der zu steuernde CC-Wert (oder Midi-Note-Nummer) und das Verhalten (bspw. inkrementell/absolut) im Detail editieren lässt. Noch interessanter als für Plug-ins, die ja häufiger selber anpassbar sind, ist das für das für MIDI-Hardware, die mit festen CC-Werten arbeitet: Ein paar Stunden Arbeit und Blättern in der MIDI-Implementierung des entsprechenden Geräts und fertig ist das externe Editor-Mapping.

Möchte man die gesamte Steuermächtigkeit des Controllers nutzen, gilt es zunächst den acht Parts, die praktischerweise durch unterschiedliche (wählbare) Farben repräsentiert werden, mitzuteilen, welches Template sie benutzen und über welchen Ausgang sie ihre Daten senden sollen (USB/MIDI/CV). Man muss kurz innehalten, um sich klar zu machen, welche Möglichkeiten allein dadurch eröffnet werden: Denkbar wäre beispielsweise ein Setup bei dem zwei MIDI-Instrumente von Ableton Live durch Sequenzer-Spuren des SL MkIII gesteuert, gleichzeitig zwei separate Kontrollspannungen an zwei Modularsysteme ausgegeben, dabei noch drei MIDI-Synthesizer im Rack angesprochen werden und zusätzlich eine Handvoll Desktopgeräte dem ausgegebenen Clock-Signal folgen.

Hat man die Parts entsprechend konfiguriert, können über das gleichzeitige Drücken mit der Shift-Taste folgende Funktionen Spielfunktionen aktiviert werden.

Zonen

Der gesamte Tastaturbereich kann in eine, bis maximal acht Zonen gesplittet werden. Jede dieser Zonen kann dann wiederum einen Part ansprechen. Für jede Zone lässt sich festlegen, welchen Tastaturbereich sie umfasst, wobei sich hier die Tasten-LEDs als gute visuelle Hilfe erweisen. Ferner, ob die Zone den globalen Oktaven-Switch und Transpose-Einstellungen folgen sollen, Pitch, Modulation, angeschlossene Pedale und Aftertouch für sie wirksam sind oder nicht.

Sequenzer

Wechselt man mit dem entsprechenden Taster in den Sequenzer-Betrieb verwandeln sich die acht Parts in eigenständige Step-Sequenzer-Einheiten. Die Programmierung ist dabei ausgesprochen elegant gelöst: Einfach die entsprechende Step-Taste gedrückt halten und gleichzeitig die Noten drücken, die man an der gewünschten Stelle hören möchte. Assistiert wird man dabei von den LEDs oberhalb der Tasten, die die gedrückten Noten visualisieren. Parameter-Automationen zeichnet man wahlweise in Echtzeit (bei gedrückter Aufnahme-Taste auf) oder dreht den gewünschten Regler ebenfalls an der entsprechenden Stelle. Besonders ist hier, dass neben Standard-Parametern wie Anschlagsstärke und Gate-Time, natürlich sämtliche Controller-Werte, die man zugewiesen hat, sequenzierbar sind. Damit nicht genug: Sequenzen sind auch in der Länge (1 - 16 Steps), Laufrichtung (vor, zurück, alternierend, zufällig) und der metrischen Quantisierung frei anpassbar. Hier die verschiedenen Abspielmodi als Audiobeispiel:

Bei Bedarf können sogar mehrere Patterns miteinander verkettet werden, um längere Sequenzen zu erzeugen. Ist man mit dem Ergebnis nicht zufrieden, bewirkt gleichzeitiges Drücken der „Clear“-Taste in Verbindung mit dem entsprechenden Event oder Parameter das sofortige Löschen. Hier die basalen Bedienvorgänge im Bewegtbild:

Video: Bedienvorgänge in der Verwendung des Sequenzers

Arbeiten mit dem Sequenzer. (Video: Numinos)

Arpeggiator

Die zweite Tempo-synchrone Spielhilfe an Bord ist der Arpeggiator. Auch bei ihm handelt es sich um einen voll ausgestatteten Vertreter seiner Gattung, denn mit sieben verschiedenen Laufrichtungen, einstellbarer Oktavweite, Gate-Funktion und metrischem Teiler, sollte sich so ziemlich jeder iterierende Skalenlauf realisieren lassen. Besonders schön: Über die Tastenmatrix kann angewählt werden, auf welche Zählzeiten Noten klingen dürfen, wodurch Arpeggien in komplexen rhythmischen Figuren erklingen. 

Hier die Arpeggiator-Typen im Audiobeispiel:

Skalen

Auch den harmonischen Bereich unterstützt das Novation-Keyboard: Im Menüpunkt „Skales“ stehen – mit wählbarem Grundton - insgesamt sechzehn Skalen zur Verfügung und können filternd auf alle der acht Parts geschaltet werden. Dabei kann man sich aussuchen, ob skalenfremde Noten automatisch geradegerückt, ausgelassen oder die skalenbezogenen Noten einfach nur (mit den LEDs über den Tasten) visualisiert werden sollen.

IN-Control

Drückt man den „IN-Control“-Taster verwandelt sich das SL MkIII in einen Software-spezifischen Controller. Im Normalfall sollte hier die DAW (u. a. Cubase, Logic, Pro Tools) einen entsprechenden „HUI-Heartbeat“ senden und den Controller als exklusiven Steuerbefehlsgeber erkennen. Da zum Zeitpunkt des Tests allerdings noch keine der genannten DAWs eine entsprechende Unterstützung implementiert hatte, müssen wir hinter diesem Feature ein Fragezeichen stehen lassen. Ein umfassender HUI-Support ist allerdings zu erwarten, da Novation ja eine feste Größe im Controller-Markt sind.

Besonders schwungvoll funktioniert offenkundig die Kooperation zwischen Novation und Ableton, denn mit dem aktuellen Update (>10.0.4b3) sind die nötigen Skripte in Ableton Live bereits in der Standard-Installation integriert. Hat man das Update gemacht oder die entsprechenden Skripte manuell installiert, erscheint dann auch der typische gelbe Auswahlrahmen um den Bereich, der aktuell von der Trigger-Pad-Matrix abgedeckt ist. Das ist im Fall des SL MkIII natürlich lediglich ein Areal von 2 x 8 Clips – das lässt sich aber über das Zusammenspiel aus den seitlichen Zeilen- und Track-Tasten bei Bedarf verschieben. Clip- und Szenen-Start und Auswahl des aktuellen Tracks sind hier also gut im Griff zu halten. Selbiges gilt auch für die Transportsektion und die spezifischen Spur-Funktionen: Mute, Solo, Arm und Monitor. Sehr schön: Farbige LEDs unterhalb der Spur-Funktionen visualisieren die Spur-Farbe und holfen so bei der Orientierung. Auch die Fader erledigen ihren Job, sind allerdings mit 45 Millimetern Regelweg ein bisschen zu klein geraten, um wirklich feinfühliges Mixen zu ermöglichen.

Ist eine Spur mit einem MIDI-steuerbaren Instrument selektiert, werden basale Parameter inklusive aktuellem Wert und Namen in den Displays angezeigt. Bei externen Plug-ins sind dies zugewiesene Macro-Controlls, bei Ableton-internen Plug-ins sind es jeweils die relevantesten Parameter. Im Fall des tollen neuen Wavetable-Synth beispielsweise die Wave-Position, Filter- Resonanz und Frequenz. Leider ist die Reihenfolge der angezeigten Parameter derzeit noch nicht modifizierbar, weshalb man – will man alle Werte im Griff haben - mit den Page-Tastern durch die Werte scrollen muss. 

Auch was das – im Wortsinn – Zusammenspiel zwischen dem SL MkIII und Ableton angeht, besteht derzeit noch Optimierungspotenzial: So bedient die Transportsektion im Sequenzer-Betrieb zwar den Sequenzer, nicht aber Ableton. Umgekehrt (SL MkIII im „In-Control“-Modus, Ableton als Clock-Master für den Sequenzer) geht es. Dann muss man allerdings für jede Änderung im Sequenzer wieder über den entsprechenden Taster in den Sequenzer wechseln und zum erneuten Einstarten wieder in den „In-Control“-Modus. Probiert man den umgekehrten Weg und macht Ableton zum Slave des SL MkIII muss man mit einem leichten Synchronisations-Wackeln in den ersten paar Takten rechnen. Nach Rückfrage bei Novation war zu erfahren, dass das Problem bekannt ist und man an einer Lösung arbeitet.Nach Rückfrage bei Novation war zu erfahren, dass das Problem bekannt ist und man an einer Lösung arbeitet.

Audiobeispiele

Pro & Contra

  • Viele Spiel- und Kompositionshilfen (Sequenzer, Arpeggiator)
  • Hohe Funktionsdichte
  • Sehr gutes Sequenzer-Konzept
  • Umfassende Kontrollmöglichkeiten von Ableton Live
  • Sehr anpassungsfähig

  • Etwas komplexe Hierarchie
  • Synchronisationsschwierigkeiten beim Start des Sequenzers mit Ableton Live
  • Transportsektion mit dualer Belegung verleitet zu Fehlbedienung

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