Hersteller_Novation
Test
3
09.10.2013

Praxis

Sound

Ja! Nach dem ersten Anschließen und völliger Abwesenheit von Rauschen oder anderen Hintergrundgeräuschen fragt man sich fast, ob irgendetwas falsch geroutet oder die Lautstärke zu niedrig eingestellt ist, um dann bei der ersten Betätigung der Keyboardtasten mit einer Mischung aus Presslufthammer, Bruce Lee und Bud Spencer Bekanntschaft zu machen. Der Sound gefällt mir definitiv! Top Rauschabstand, volle tiefe Bässe und definiert-plakative Synth-Sounds – die neue Bass Station bietet eine große Klangpalette.

Die folgenden Audiobeispiele sind mit Ausnahme eines kaum eingreifenden Limiters unbearbeitet, lediglich bei einem Beispiel kam zusätzlich etwas Hall zum Einsatz. Ich habe die Bass Station II mit einem Apogee Duet und großzügigem Headroom ohne Soft-Limit aufgenommen. Der präsente und teilweise im positiven Sinne komprimiert wirkende Sound resultiert aus der subtilen bis beherzten Verwendung von Overdrive und Distortion.

Im ersten Beispiel habe ich eine tonale Bassdrum, eine Hihat und eine Snaredrum programmiert, um im Overdubverfahren ein kleines Drum-Arrangement zu gestalten, ein für meinen Geschmack nicht unterzubewertender Einsatzzweck analoger Synthesizer.

In den nächsten beiden Beispielen werden Bass-Sequenzen dezent von Apple Loops begleitet. Während ich in Beispiel 2 mehrere Preset-Sounds angespielt und teilweise Filter-moduliert habe, werden in Beispiel 3 Overdrive, Distortion und Osc Filter Mod großzügig verwendet.

In Audiobeispiel 4 durchläuft eine „Ostwestfalen-funkige“ Phrase verschiedene Lead Sound Presets und erstirbt jedes mal im Vollanschlag des Modulationsrades. Den internen Arpeggiator der Bass Station II hören wir in Audiobeispiel 5, hier habe ich es mir dann doch nicht nehmen lassen, ab etwa der Hälfte etwas Hall automatisiert „reinzufahren“. In Audiobeispiel 6 hört man verschiedene kurze Effektsounds der Bass Station II.

Die Schwingungsformen von Oszillator 1 (440 Hz), Sub-Oszillator (55 Hz) und dem Rauschgenerator bei offenem Filter (Classic Low Pass 12dB/Okt.) sind in Audiobeispiel 7 in dieser Reihenfolge zu hören: Osc1 (Sinus, Dreieck, Sägezahn, Rechteck mit anschließendem Pulsbreiten-Sweep), Sub Osc (Sinus, schmalbandige Pulsschwingung, Rechteck), Noise

In Audiobeispiel 8 hört man, wie LFO2 das Filter (Acid Low Pass 24dB/Okt.) moduliert. Overdrive und Distortion sind auf 9 Uhr-Stellung. Während der Aufnahme verändere ich die Resonanz und die Osc Filter Mod.

In den folgenden drei Audiobeispielen wird das Rauschsignal durch verschiedene Filtereinstellungen bearbeitet.

In Audiobeispiel 9 geschieht dies nach folgender Choreographie:

1.) Filter (Classic Low Pass 24dB/Okt. Geöffnet, Resonanz auf Minimum)
2.) Resonanz auf Maximum mit anschließendem Sweep der Filterfrequenz
3.) Distortion auf Maximum mit anschließendem Sweep der Filterfrequenz

Dieser Ablauf wiederholt sich in den Filter Modi Classic Low Pass 12dB/Okt. und dem Acid Filter.

In Audiobeispiel 10 verwende ich den Bandpass bei einer Overdrive-Einstellung auf 9 Uhr mit folgender Abfolge:

1.) Sweep der Filterfrequenz bei 24dB/Okt. und Resonanz auf 12 Uhr
2.) Sweep der Filterfrequenz bei 12dB/Okt. und Resonanz auf 12 Uhr
3.) Sweep der Filterfrequenz bei 24dB/Okt. und Resonanz auf Maximalwert
4.) Sweep der Filterfrequenz bei 12dB/Okt. und Resonanz auf Maximalwert

Audiobeispiel 11 folgt dem gleichen Prinzip, lediglich mit High Pass statt Band Pass.

Die Verwendung des externen Audioeingangs zum Verfremden eines Drum Pattern vom Teenage Engineering OP-1 hören wir in Audiobeispiel 12. Hier kommen neben Osc Filter Mod diverse Verzerrungen und weitere Filterbearbeitungen zum Einsatz.

Ich denke, man hört anhand der Audiobeispiele, dass der Name „Bass Station“ dem klanglichen Potential des Synthesizer-Sprösslings überhaupt nicht gerecht wird. Das Erstellen durchsetzungsfähiger und tiefer Bass Sounds erfüllt der Novation Synthesizer mit Bravour, doch darüber hinaus können nicht zuletzt durch die verschiedenen Möglichkeiten der An- bzw. Verzerrung präzise wie brachial obertonreiche Sounds geschaffen werden, die jedem modernen musikalischen Kontext standhalten. Bei Nichtverwendung dieser Möglichkeiten kann die Bass Station II aber auch einfach ganz nett „vintage“ klingen. Die Hüllkurven sind schnell, die Oszillatoren absolut stimmstabil und die LFOs synchronisieren sich anstandslos zur MIDI Clock. Ich finde einfach nichts zu meckern und bin begeistert!

Bedienung

Nachdem ich mich nun einige Tage mit der Bass Station II beschäftigt habe, kann ich ihr neben den tollen klanglichen Eigenschaften auch eine hervorragende Bedienfreundlichkeit attestieren. Die Bedienlogik ist angesichts der kleinen Abmessungen gut gelöst und es gibt auch haptisch nichts auszusetzen. Selbst im Eifer des Gefechts kommt es praktisch nicht vor, dass man unbeabsichtigt Werte verändert, weil die Regler zu klein wären, wie es beim Vorgänger schon mal der Fall war. Ein Editor-Programm bzw. -Plug-in ist nicht verfügbar und auch absolut nicht notwendig, da alle Parameter problemlos am Gerät ersichtlich und zu bearbeiten sind.

Studiotauglichkeit

Alle klangverändernden Bedienelemente können per MIDI aufgezeichnet und automatisiert werden, was für die Arbeit im Studio von hohem Wert ist und die Bass Station II von Konkurrenzprodukten wie beispielsweise dem Arturia MiniBrute positiv abhebt. Gleiches gilt für die 128 Speicherplätze für Patches, weil man im Produktionsverlauf definitiv nicht immer die Muße hat, Sounds neu zu programmieren. Die mittlerweile wieder schwer in Mode gekommenen CV-Anschlüsse dagegen hat die Bass Station II nicht im Angebot. Da ich kein Gerät besitze, das auf einen derartigen Anschluss angewiesen ist und man sich im Bedarfsfall mit einem MIDI-to-CV-Interface behelfen kann, sehe ich darin kein Manko.

Video

Audiobeispiele

Pro & Contra

  • Soundqualität
  • vielseitige Klangmöglichkeiten
  • stimmstabil
  • umfassende MIDI-Steuerung
  • sinnvolles Bedienkonzept
  • monophoner Aftertouch
  • Arpeggiator und Step-Sequencer
  • Stromversorgung über USB möglich
  • fairer Preis

  • kein Contra

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