Test
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26.09.2017

Praxis

Dank seiner soliden Gummifüße mit 7,5 Zentimetern Durchmesser ruhen die knapp zehn Kilo des Numark relativ unerschütterlich auf der Arbeitsfläche des DJs und parieren auch leichte Erschütterungen des Untergrunds. Nicht so positiv stellt sich dann das Verkabeln dar, denn die Eingangsport-Sektion ist acht (!) Zentimeter tief im Gehäuse versenkt. Es ist also schlicht unmöglich, ein Kabel einzustecken, wenn der Plattenspieler steht – man muss ihn zwingend anheben. Und selbst dann stößt der beim Stöpseln von Kabeln in der Regel führende Zeigefinger am Gehäuseboden an. Für diese, in meinen Augen völlig unnötig ungünstige Positionierung (es hätte doch nichts dagegengesprochen, die Ports einfach ein bisschen näher am Gehäuserand zu platzieren), gebe ich einen klaren Kontrapunkt. Denn wenn ich schon im gut ausgeleuchteten Teststudio an einem ruhigen Nachmittag darüber fluchen muss, kann ich mir gut vorstellen, wie sich Umbauten um halb vier morgens im Club bei Disco-Licht und mit schwitzigen Fingern anfühlen.

Viel erfreulicher dann die Justage und Inbetriebnahme des Tonarms. Egal ob man ihn mit einem Headshell- oder Concorde-System bestückt, die Einstellmöglichkeiten, die das Zusammenspiel aus Tonarm-Höhenverstellung, Gegengewicht und Anti-Skating bieten, sind ausreichend und flexibel genug, um so ziemlich jedes System, egal ob leicht oder schwer, im optimalen Bereich zu betreiben.

Herausragend ist die „Tightness“, mit der der Tonarm in der Kreuzachse sitzt. Hier war – im Gegensatz zu anderen Plattenspielern der unter fünfhundert Euro-Klasse – nicht das geringste Spiel zu verspüren – top!

Auch der Tonarm-Lift macht einen ordentlichen Job, allerdings ist lediglich seine Abwärtsbewegung bedämpft, nicht aber die Elevation. Kippt man den Hebel also zu schwungvoll, „hoppelt“ der Tonarm ein bisschen. Beim Auf- und Absetzen der Nadel in schummerigen Umgebungen hilft die ausfahrbare Nadelbeleuchtung. Warum hier eine Glühbirne verbaut wurde, deren eher warmes Spektrum sich zudem noch mit dem kaltweißen Licht des Pitch-Lock „beißt“, ist mir ein Rätsel.

Vielleicht wollten die Entwickler es als eine Art „oldschooliger“ Reminiszenz an frühere Tage bei einer Glühbirne belassen. Eine moderne LED wäre allerdings sowohl in Bezug auf die Wartungsunempfindlichkeit wie auch die Lichtausbeute und die Farbtemperatur sinnvoller gewesen.

Kommen wir zur Umdrehungssteuerung. Der Numark beherrscht die 33 und die 45, die sich mit den entsprechenden hintergrundbeleuchteten Tastern auswählen lassen. Ob die aktuell gewählte Rotationsgeschwindigkeit konstant gehalten wird, ist an der Riffelung des Plattentellers ablesbar: Steht sie optisch, ist auch die Umdrehungszahl stabil. Numark verwenden hier schon seit Ewigkeiten ihr eigenes, einfaches System und nicht die – vom Technics bekannten – vierzeilige Umrandung. Das halte ich für vertretbar, da eine solche Anzeige bei einem Laufwerk wie dem Numark, das über einen Pitch-Bereich von +/- 50 Prozent verfügt, völlig nutzlos wäre (welche Werte sollte man denn aufdrucken, wenn alles zwischen Null und Fünfzig möglich ist).

Das war (wenn überhaupt) wirklich nur sinnvoll, als die Pitch Range noch im Bereich von +/- 8 Prozent lag. Viel schöner ist eigentlich, dass beim Numark-System auf einen Blick immer ersichtlich ist, ob man nun gerade hoch oder runter gepitcht hat und das in allen Tempobereichen: Dreht die Riffelung „vor“, ist der Pitch im Plus und andersrum. Den Pitch-Bereich (+/- 8, 16, 50 Prozent) wählt man über den Range-Taster aus, eine LED signalisiert dabei den aktuellen Zustand. Ein Reset-Taster bringt einen zügig wieder zum Neutralwert.

Der 100-Millimeter Pitchfader mit seiner leichten Mittenrasterung bedient sich sehr gut: Nicht zu leicht, nicht zu zäh, sondern so, dass zielsicheres Anfahren des gewünschten Tempos gut von der Hand geht. Stichwort „Anfahren“: Mit zwei separaten Potis bestimmt man das Beschleunigungs- und Auslaufverhalten des Motors zwischen Minimum und Maximum. Numark schweigen sich hier über spezifische Daten aus, der Test mit dem Steuersignalton von Traktor-Scratch und die anschließende Analyse im Audioeditor zeigen aber, dass der Minimalwert bei ca. 255 Millisekunden (Starten) und 1 Sekunde (Stoppen) liegt und der Maximalwert bei knapp sechs Sekunden (Starten) und 7,2 Sekunden (Stoppen).

Auch das Anspringen des Maximal-Pitch aus der Neutralstellung heraus (bei Betätigen der Reset-Taste) erledigt der Numark zügig: 121 Millisekunden bei 16 Prozent und 193 Millisekunden bei 50 Prozent – der Motor hat offenkundig Zug.

Auch klanglich kann das Laufwerk – natürlich immer maßgeblich abhängig vom verwendeten System – überzeugen: Über sämtliche drei Ausgänge (Line, Phono, USB) liefert der Plattenspieler ein pegelstarkes und vollfrequentes Signal, das sowohl im Club, als auch im Heimbereich funktioniert. Im Direktvergleich schien mit das Signal des Phono-Ausgangs noch ein winziges Stück brillanter als das des Line-Ausgangs.

Music: Liquid Sky Music / Jungle Sky

Pro & Contra

  • drei Pitch-Bereiche
  • präzise Lagerung des Tonarms
  • zugstarker Motor
  • regelbare Start- und Stoppzeit
  • mitgelieferter Deckel

  • Soundkarte nur 16-Bit
  • Anschlüsse schwer zugänglich

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