Test
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02.10.2017

Praxis

Mobilität

Zwar sprechen Maße und Gewicht für den Plattenspieler als portablen Wegbegleiter, jedoch erweisen sich Griff und Mulde bei längeren Wegstrecken auf Dauer als etwas unbequem. Es geht in der Griffschale recht eng zu, meine eher kleinen Hände finden kaum Platz. Durch die asymmetrische Position des Griffs in der unteren Hälfte des Gehäuses und der damit einhergehenden ungleichmäßigen Gewichtsverteilung, verkantet der Plattenspieler beim Tragen und das Gehäuse schlägt häufig gegen den Handrücken. Auf Dauer nervt und schmerzt das. Hier sollte beim Nachfolgermodell bitte nachgebessert werden.

Klang

Ist das Netzteil verbunden und der Turntable eingeschaltet, leuchtet die Power-LED auf. Der Plattenteller startet automatisch, sobald ich den Tonarm in Richtung Schallplatte bewege. Die Nadel aufgesetzt, klingt Vinyl über den eingebauten Lautsprecher ähnlich wie bei einem Kofferradio. Von der Lautstärke her ist dies für die eigenen Ohren und die Ohren derer, die daneben sitzen, vollkommen ausreichend. Voll aufgedreht verzerrt der Speaker zwar nicht, richtig laut wird’s aber auch nicht. Die Klangregelung mischt wahlweise etwas mehr Tiefen oder Höhen dazu, kann aber die Dominanz der Mitten nicht komplett maskieren.

Mit zunehmenden Tiefen wirkt das Klangbild nur dumpfer, aber nicht voller. Die Höhenmodulation fällt dagegen über den Lautsprecher fast gar nicht auf. Für das Hören „just for fun“ langt der Sound aber allemal. Der Klang des PT01-Scratch definiert sich aber nicht allein über seinen Lautsprecher, sondern auch über den fest verwurzelten Tonabnehmer. Höre ich mir die Vinyl über einen Kopfhörer oder via Cinch-Ausgang an einem Mixer oder Verstärker nebst besser bestücktem Lautsprecher an, macht der PT01 Scratch einen durchaus ordentlichen Klang.

Vinyl digitalisieren

Die im PT01-Scratch integrierte 16 Bit Soundkarte arbeitet mit einer Samplingrate von 44,1 kHz wird sofort vom Rechner erkannt. Numark spendiert den EZ Vinyl/Tape Converter von MixMeister, der bereits im Test des Numark TT250USB vorgestellt wurde. Die Funktionen des Tools sind allerdings überschaubar: Level-Aussteuerung per Gain automatisches Teilen von eingespielten LP-Seiten in ihre einzelnen Tracks dank Pausenerkennung Beschriften der Tracks Abspeicherung in den gängigen von iTunes unterstützten Dateiformaten Das Vinyl-Signal wird „naturell“ ohne die Klangregelung abgegriffen.

Extern zugespielte Playbacks über den Klinkeneingang tauchen in der Aufnahme leider nicht auf. Ein Schönheitskratzer für Scratching-Sessions im Zusammenspiel mit untergemischten Drum-Loops. Das Aufnahmeergebnis ist ansonsten recht überzeugend, wobei die Höhen ein wenig spitz klingen. Anspruchsvolle Ohren sollten daher einem professionellen Plattenspieler samt elliptischen System den Vorzug geben.

Spurtreue

Ein portabler Plattenspieler sollte selbst unter erschwerten Bedingungen Herr der Lage bleiben. Stöße an die linke und rechte Chassis-Seite kann das Gehäuse leider nicht absorbieren und bringt damit die Nadel schnell aus der Vinylbahn. Schlagartige Anraunzer an der Frontseite federt das Gehäuse besser ab, das System springt seltener.

Da unterwegs die Unterlage für den PT01 Scratch nicht immer eben sein dürfte, muss er auch in der Schieflage der Spur die Treue halten. Es ist sehr verblüffend, in welchem Winkel der Tonarm samt System nach wie vor in der Rille bleibt. 45 Grad Neigung sind kein Problem, selbst schätzungsweise 70 Grad schafft er noch. Schaut euch mal das Video an.

Mixing

Den mixenden DJ mit dem PT01 Scratch heraushängen lassen, ist dank dem sehr gut gedämpften, aber sehr klein ausgefallenen Pitch-Drehpoti mit einem Umfang von +/-10 Prozent auch möglich. Allerdings setzt das Geschwindigkeitsreglement auf diesen kleinen Radius extremes Fingerspitzengefühl und Geduld zur korrekten Einstellung des Tempos voraus. Das notwendige Pitch-Bending meistert man am besten an dem sehr langen und damit griffigen Dorn.

Scratching

Wer lieber harten Cuts den Vorzug gibt, kommt dank fest montiertem sphärischen System und Scratch-Switch auf seine Kosten. Mit der beigelegten Slipmat rutscht die Platte ordentlich über den sich drehenden Teller. Obwohl das Drehmoment nicht mit dem üblichen DJ-Plattenspieler-Standard mithält, gelingen Drops, also der Start der Platte aus einem Scratch heraus, ohne nennenswerte Anlaufschwierigkeiten. Der Plattenteller zieht mit! Und beim rhythmischen Kratzen zahlt sich die sehr gute Spurtreue des Systems aus.

Trotz nur sieben Zoll Durchmessers beim Plattenteller ist man nicht auf dieses Format beschränkt, da auch mit 10- und 12-Inches Scratches gelingen, solange die Hand im Bereich des Tellers auf der Platte aufliegt.

Der Scratch-Kippschalter mit seiner schmalen Kappe liegt echt gut zwischen den Fingern, reagiert sehr leicht und ohne Widerstand oder Einrasten. Die Cuts können dadurch wirklich schnell abgefeuert werden, sofern man sich an den Schalter gewöhnt. Man kann es nicht leugnen: Eine Umstellung vom Fader auf den Scratch-Switch ist es schon, die gelingt aber schnell. Auch der Ausbau des Schalters, um die Richtung des Cuts umzukehren, bedarf keiner großen Handgriffe. Zwei Schrauben lösen, umdrehen, verschrauben – fertig!

Externe Crossfader

Wer dennoch lieber auf einen Crossfader schwört, über den Cinch-Out und Klinken-Input des PT01 Scratch lässt sich auch ein externer Crossfader, wie der Raiden Portable Fader mit verbautem innoFADER mini einschleifen. Es gibt dazu passende Halterungen, die durch Ausbau des Switches an dessen Stelle platziert werden. Oder ihr tauscht gleich den Switch gegen den von Jesse Dean designten Crossfader mit 45 Millimetern Länge aus. Der Kabelsalat bleibt aus, jedoch muss dabei ein Transistor auf der Platine entfernt werden, sodass nach diesem Eingriff der Garantieanspruch erlöscht.

DVS

Nicht über Kabel, dafür aber via Bluetooth, lässt sich der Mixfader verbinden. Dann benötigt ihr noch ein Tablet oder Smartphone mit installierter Mixfader DJ-App und eine Serato 7-Inch fürs DVS. In diesem Bonedo-Workshop findet ihr ausführliche Details zum Thema.

Pro & Contra

  • robustes, handliches Gehäuse
  • Ein- und Ausgänge
  • auch für 12-Inches geeignet
  • gutes Drehmoment
  • sehr gute Spurtreue
  • justierbarer Scratch-Switch

  • Griffschale recht eng
  • mittenlastiger Lautsprecherklang

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