Gitarre Workshop_Folge
Workshop
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04.12.2014

Open Tuning / Altered Tuning - Gitarren-Workshop - DADGAD-Tuning

Offene Stimmungen für die Gitarre lernen

Teil 3: Das legendäre DADGAD Tuning

Ein herzliches Willkommen zum dritten und letzten Teil meines Open/Altered-Tuning-Workshops. In diesem Teil geht es um die berühmte DADGAD-Stimmung und um einige ihrer Varianten. Zusätzlich wollen wir uns diverse Moll-Tunings etwas näher anschauen.

Den Einstieg machen wir mit der "Grande Dame" des Open-Tunings, DADGAD. Ich bin davon überzeugt, dass viele Gitarristen schon einmal von dieser Stimmung gehört, sie aber niemals ausprobiert haben. Dazu werdet ihr jetzt die Chance bekommen.

WORKSHOP

DADGAD-Tuning

Laut Wikipedia wurde die DADGAD-Stimmung in den 1960ern von dem englischen Folkgitarristen Davey Graham entwickelt. Überprüfen kann ich das nicht, es steht aber fest, dass dieses Tuning gerade im irischen, englischen und bretonischen Folk sehr verbreitet ist und dort teilweise sogar das Standardtuning (EADGHE) verdrängt hat. Auch moderne Fingerstylegitarristen schätzen es wegen des offenen Klangs und der für ein Open- bzw. genauer gesagt Altered-Tuning hohen Flexibilität.

Den Name DADGAD trägt das Tuning, wie man sich fast denken kann, wegen der entsprechend gestimmten Saiten (von tief zu hoch). Vielleicht ist es auch deshalb so weit verbreitet, weil man sich nur den Namen merken muss, um zu wissen, wie die Gitarre gestimmt wird. Wer weiß?

Für diese Stimmung muss man also die beiden standardmäßigen E- und die H-Saite um jeweils einen Ganzton herunterstimmen, die anderen bleiben im Standard-Tuning. DADGAD ist keine echte offene Stimmung, da die leer gespielten Saiten zusammen angeschlagen keinen Dur- oder Molldreiklang, sondern einen Dsus4 Vierklang ergeben. Das ist übrigens auch gleich eine andere gängige Bezeichnung für dieses Tuning.

So handelt es sich bei DADGAD also um eine D-Stimmung, die sich vom Open-D tatsächlich nur darin unterscheidet, dass die vierte Saite auf G (also der Quarte von D), und nicht, wie bei Open-D, auf Fis (Durterz von D) gestimmt wird. Durch diese Quarte als offene Saite ist das Tuning flexibler, was das Tongeschlecht angeht, und eignet sich genauso gut für Stücke in Moll wie in Dur oder anderen Modes.

Wie in den beiden vorangegangen Workshops habe ich auch diesmal zu jedem Tuning wieder eine kleine Akkordbeispielsammlung sowie die Dur- und Mollskala in der ersten Lage zusammengestellt. Diese Beispielsammlungen sollen dabei helfen, bereits zu Beginn der Übungsphase ein paar entsprechende Akkorde parat zu haben, auch wenn sie keinesfalls einen Anspruch auf Vollständigkeit erheben wollen.

Damit wir die DADGAD-Stimmung auch in der Praxis ausprobieren können, habe ich mir zwei kleine Stücke ausgedacht und ein irisches Traditional für unser Thema arrangiert. Das erste Stück ist eine melodiöse Strummingbegleitung mit einigen typischen Akkorden im 6/8 Takt. Bei vielen Akkorden habe ich durch Pull-Offs und Hammer-Ons mit Leersaiten versucht, typische DADGAD-eigene Sounds zu zeigen. Viel Spaß dabei.

DADGAD Chord Progression

Das nächste Stück ist ein sologitarrenmäßiges Pickingstück. Als ich es aufgeschrieben habe, ist mir tatsächlich erst aufgefallen, dass es sich dabei um eine 7/4 Pickingfigur handelt, die ich da die ganze Zeit spiele.

Spieltechnisch wechseln sich bei diesem Stück zwei Pickingarten ab. Im ersten Teil des Stücks kommt die folkmäßige Daumen- und Zeige-Mittelfinger-Kombination zum Einsatz, der Ringfinger wird hier nur ab und zu eingesetzt. In der Mitte benutzt man für die Akkordbrechungen eher die klassischere Variante: Der Daumen ist für die tiefen drei Saiten verantwortlich, Zeige-, Mittel und Ringfinger für die hohen. Den Fingersatz für die rechte Hand findet ihr im jeweils ersten Takt des Pickingwechsels in den Noten über der Tabulatur.

Da diese Stimmung in der irischen, englischen und bretonischen Folkmusik sehr verbreitet ist, habe ich in ihr eine traditionelle Melodie namens "Road to Lisdoonvarna" arrangiert. Am einfachsten zu spielen ist Version 1. Ich fand allerdings, dass es sich viel besser anhört, wenn man die Töne ineinanderklingen lässt, wie man es zum Beispiel auf dem Klavier machen würde bzw. könnte. Um dies zu realisieren, habe ich, immer wenn es ging, Töne und Tonwiederholungen auf benachbarte Saiten gelegt. Dadurch sind einige Griffe zwar etwas unhandlicher, aber der Aufwand lohnt sich. Die Noten gibt es zu beiden Versionen, aufgenommen habe ich allerdings nur die zweite Variante.

Auch im Rock wird diese Stimmung gerne eingesetzt, Jimmy Page von Led Zeppelin war einer der ersten großen Rockgitarristen, der sie in seinem Genre bekanntgemacht hat. Eines der bekanntesten Rockriffs von Led Zeppelin wird zum Beispiel in dieser Stimmung gespielt, gemeint ist "Kashmir":

Variationen

Kommen wir nun zu einigen Varianten des Dsus4-Tunings. Eine Spielart der DADGAD Stimmung ist DADEAD. Auch hier hat sich nur die Stimmung der G-Saite (in Standardstimmung gesprochen) verändert, die auf E heruntergestimmt wird. Die offenen Saiten bilden so einen Dsus2-Akkord, und das ist auch der gebräuchliche Name für diese Stimmung.

Das Tuning ist der DADGAD-Stimmung ähnlich, es handelt sich dabei ebenfalls um eine offene D-Stimmung, die einen sus-Klang erzeugt und daher sowohl für Dur- als auch für Molltonarten gut zu gebrauchen ist. Da diese Variante nicht so oft verwendet wird, habe ich mich auf ein Anwendungsbeispiel beschränkt. Zugrunde liegt der Song "I won't be found" des Folkgitarristen und Sängers "The Tallest Man Alive". Ich habe ihn vor einiger Zeit einmal live gesehen und war unter anderem von seinen Pickingkünsten sehr beeindruckt. Er spielt in vielen unterschiedlichen Tunings und benutzt meist einen Daumenpick. Dadurch bekommt er einen kräftigen Bass mit "Attack", wobei er gern und oft die tiefen Saiten zusätzlich etwas mit dem Handballen der Pickinghand abdämpft. Um das Ganze möglichst authentisch rüberzubringen, habe ich mir für die Aufnahmen ebenfalls einen Daumenpick besorgt und muss zugeben, dass man sich an diese Art zu Spielen erst einmal gewöhnen muss. Anfangs fühlt es sich etwas merkwürdig an und man hört auch auf der Aufnahme hin und wieder, dass ich mich damit erst noch anfreunden muss.

Moll-Tunings

Natürlich gibt es auch offene Molltunings. Aus Open-G, Open-C und Open-D lassen sich die jeweiligen offenen Mollstimmungen erzeugen, indem man die Durterz einen Halbton herunterstimmt und so die Mollterz erhält. Am konkreten Beispiel sieht das folgendermaßen aus:

Open-C (CGCGCE) wird Open-Cm (CGCGCEb)

Open-G (DGDGHD) wird Open-Gm (DGDGBbD)

Open-D (DADF#AD) wird Open-Dm (DADFAD)

Da unsere Gitarre in diesem Teil des Workshops bereits in einer D-Stimmung sein sollte, wollen wir auch in der vorhandenen tonalen Umgebung bleiben und uns mit einem Open-Dm-Tuning vergnügen. Das wars dann aber auch in Sachen Moll, denn jedes einzelne Molltuning zu besprechen, würde hier deutlich den Rahmen sprengen.

Um aus DADGAD oder Dsus2 ein Open-Dm-Tuning zu machen, müssen wir nur die standardmäßige G-Saite auf F umstimmen. Der Vollständigkeit halber habe ich in dem dazugehörigen Skalen- und Akkordbeispieleblatt auch die D-Durskala und einige Akkorde aus D-Dur notiert, prädestiniert sind die Molltunings allerdings logischerweise für Stücke in der jeweiligen Molltonart.

Nun geht es aber an die praktische Seite, und weil es mit dem "Tallest Man" gerade so schön war, machen wir doch gleich mit einem Ausschnitt aus dem Song "Into The Stream" weiter. Wenn man dem Originalsound nahekommen will, muss man den Kapo in den 8. Bund klemmen und den Daumenpick anschnallen.

Das nächste Stück ist wieder eine kleine Pickingstudie aus meiner Feder. Hier liegt die Melodie zur Abwechslung mal im Bass.

Neben den bereits besprochenen Stimmungen gibt es natürlich noch unzählige weitere, die zwar nicht so verbreitet sind, bei denen es sich aber vielfach um Abwandlungen bekannterer Tunings handelt.

Wie wir bei Open-D und DADGAD sehen und hören konnten, macht es einen großen Unterschied, ob man eine Saite innerhalb eines Tunings um einen Halbton nach oben oder unten stimmt. Auf die gleiche Art lässt sich aus jedem echten offenen Tuning eine sus-Stimmung (wie DADGAD) machen.

Das Rezept: Man nehme die Terz und erhöhe sie zur Quarte (4) und schon klingt ein sus-Akkord. Open Gsus4 ist zum Beispiel ein solches Tuning: Aus Open-G (DGDGHD) wird durch das Hochstimmen der B-Saite Open-Gsus4 (DGDGCD). Man kann sich natürlich auch ganz von den offenen Stimmungen lösen und sich komplett eigene Tunings ausdenken, vielleicht eines, in dem zwei oder mehrere Saiten auf den gleichen Ton gestimmt sind. Auf diese Art lassen sich auch sehr neue und fremdartig klingende Sounds und Klangfarben erzeugen. Dem Experimentieren mit Stimmungen sind keine Grenzen gesetzt!

Ja, und das war es dann auch mit meinem kleinen Workshop in Sachen Open-Tunings, aus dem ihr hoffentlich einige Anregungen und neue Ideen mitnehmen konntet. Auch ich selbst fand es sehr interessant und aufschlussreich, einmal tiefer in diese Materie einzusteigen und bewege mich seit diesem Workshop immer öfters abseits der Standardstimmung. Vor allem bei Aufnahmen machen sie eine gute Figur, und einfache und oft gehörte Akkordverbindungen lassen sich durch den Einsatz unterschiedlicher Tunings mit offenen Saiten sehr schön auffrischen und klingen spannender. Probiert es aus!

Veröffentlicht am 04.12.2014

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