Gitarre Ukulele Hersteller_Ortega
Test
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16.03.2020

Ortega Hydra-ZS Test

Doppelhals-Tenorukulele

Doppelt klingt besser

Die Ortega Hydra-ZS Doppelhals-Ukulele zeigt, dass das Kultinstrument nicht nur in den typischen Bauformen auf dem Vormarsch ist, sondern sich bei verschiedenen Herstellern regelmäßig auch in kreativen Weiterentwicklungen bestaunen lässt.
Ortega legt mit der zweiten Generation der doppelhalsigen Hydra-Ukulele einen absoluten Eye-Catcher vor, der alles andere als ein mystisches Ungeheuer ist, sondern vielmehr eine Inspiration für die eigene Kreativität. Das Modell hat nun eine andere Holzauswahl und ein schickes "Tree of Life"-Inlay auf dem Griffbrett und stellt momentan das Aushängeschild für die Innovation und die Vielfalt des Ortega-Ukulele-Sortiments dar.

Details

Erster Eindruck

In den letzten Monaten zog Ortega auf Messen und Ukulele-Festivals das Interesse des Publikums dank der neuen Hydra-Ukulele sehr erfolgreich auf sich. Auch mir fiel sie bei diversen Veranstaltungen immer wieder ins Auge, ich hatte aber kaum Gelegenheit, sie auszuprobieren, da sich ständig ein Pulk von Ukulelefans um das Instrument scharte. Nun endlich ist sie bei mir angekommen und die erste positive Überraschung gibt es direkt nach dem Auspacken: Da es für diese Bauform kein Gigbag oder Koffer von der Stange gibt, liefert Ortega gleich die passende Transporttasche mit. Diese ist perfekt auf die Größe der Ukulele abgestimmt und ordentlich gepolstert. Innen gibt es eine Arretierung für den Hals und die aufgesetzte Außentasche bietet genug Platz für Zubehör. Eine Saitenkurbel zum Beispiel wäre bei diesem Modell keine schlechte Wahl, immerhin kommen wir auf insgesamt 12 einzelne Mechaniken. Auf die genaue Besaitung gehen wir aber später noch im Detail ein. Vorher entzückt dieses außergewöhnliche Modell erst einmal mit einer tollen Verarbeitung und schönen Details. Dazu gehört beispielsweise eine abgerundete Kante, damit der Unterarm beim Spielen bequem auf dem Instrument ruhen kann. Das Ganze nennt man "Beveled Armrest", was nicht nur für ein angenehmeres Spielgefühl sorgt, sondern auch noch sehr schick aussieht. Das tolle Tortoise-Style-Binding passt sehr gut zum Ziricote-Holz, das mit der schönen Maserung von Decke und Zarge den exotischen Touch dieses Instrumentes unterstreicht. Auch die Rosetten sind schön gemacht und die goldene Hardware auf den Kopfplatten passt super zum Farbton der ausgewählten Hölzer.

Materialien und Verarbeitung

Bei der zweiten Generation der Hydra-Serie setzt Ortega dieses Mal auf Ziricote in Schichtbauweise für die Decke und den Korpus. Der Boden ist gewölbt und beim vorliegenden Testmodell ist die Ästhetik der Holzauswahl nicht zu übertreffen. Der Hals besteht aus Mahagoni und Griffbrett sowie Brücke sind aus Ahorn, die Armauflage an der Zarge und das Griffbrettbinding aus Walnuss. Für den Sattel und die Stegeinlage setzt Ortega auf Knochen und dabei auf das optimale Material, um Bearbeitung und einen guten Saitendurchlauf zu gewährleisten. Die Bundkantenenden sind leicht spürbar und hätten noch besser abgerundet sein können, fallen aber angesichts des Preisrahmens nicht aus der Reihe. Die Mechaniken sind leicht hakelig und laufen nicht sehr rund, sodass ich zuerst einmal mit Schmiermittel nachgeholfen habe. Hier könnte bei der dritten Generation noch nachgebessert werden. Ansonsten glänzt das Modell mit einem tollen Finish, sehr sauber eingefassten Griffbretteinlagen, dem gewölbten Boden und der tollen Holzauswahl. Es sind auch keine Verarbeitungsrückstände zu erkennen und das matte Finish an den Hälsen vermittelt einen angenehmen Griff.

Besaitung und Bespielbarkeit

Während ein Hals der Ukulele die typische Besaitung aufweist, kommt der andere mit einer doppelchörigen Bestückung: A- und E-Saite sind zweimal in der gleichen Stärke aufgezogen, C- und G-Saite sind jeweils mit einer Oktavsaite ausgestattet, wobei beim vorliegenden Testmodell die tiefe G-Saite umwickelt ist. Diese doppelte Besaitung kennen wir schon von 12-saitigen Gitarren und sie verleiht dem Instrument einen ganz eigenen Klangcharakter. Das Volumen nimmt zu und tendenziell geht der Klang dieses Modells etwas in Richtung Mandoline. Bereits nach kurzer Eingewöhnung ist auch der doppelt besaitete Hals ohne Schwierigkeiten zu bespielen. Die Greifhand muss zwar etwas mehr Druck auf die Saiten bringen, die Handstellung und das Auflegen der Finger ist aber genau wie bei einer normal besaiteten Ukulele. Auch die Schlaghand kann in gewohnter Manier agieren. Beim Zupfen allerdings hat man ein ganz anderes Spielgefühl. Da durch die doppelte Besaitung der Zwischenraum zwischen den Saiten viel geringer ist, benötigt man etwas Übung, um Melodien sauber zupfen zu können.

Tonabnehmersystem

Das Modell kommt mit dem hauseigenen MagusUke-Vorverstärker mit eingebautem Stimmgerät und Regler für Lautstärke und einer Tonblende. Auf der Decke findet sich ein kleiner Dreiwegschalter, mit dem der jeweilige Tonabnehmer ausgewählt werden kann. So sind in der Mittelstellung beide Tonabnehmer aktiv, in der oberen wird ausschließlich das Signal des 8-saitigen Halses an den Verstärker gesendet und in der unteren Stellung hört man lediglich den Sound des viersaitigen aus dem Verstärker tönen. Das ist natürlich mehr als sinnvoll, da der Hals, der gerade nicht bespielt wird, immer mitschwingt und die frei schwingenden Saiten nach kurzer Zeit das Spielen über einen Verstärker unmöglich machen. Auf der anderen Seite kann man bei geschicktem Spielen natürlich auch beide Tonabnehmer gleichzeitig verwenden, wenn man zum Beispiel zwischen den Hälsen hin- und her wechselt (Soundbeispiel 3 und 4). Zeitweise entstand beim Test in der unteren Stellung ein Rauschen, das allerdings nur sporadisch auftrat und wahrscheinlich dem Testmodell geschuldet ist. Der Klang des Tonabnehmersystems ist insgesamt gut. Die Charakteristika der unterschiedlichen Besaitung werden recht authentisch dargestellt und der Ausgangspegel ist dank des aktiven Vorverstärkers auch hoch genug, um sowohl über einen Akustikverstärker wie auch direkt über eine PA eine glänzende Figur zu machen.

Audiobeispiele

Pro & Contra

  • große Spielfreude
  • extreme Klangvielfalt
  • Holzauswahl mit toller Optik

  • leicht hakelige Mechaniken
  • manchmal Nebengeräusche beim Tonabnehmersystem

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