Gitarre Hersteller_Ovation
Test
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14.08.2019

Ovation 1771 VL-1GC Test

Glen Campbell Signature Westerngitarre

Runde Sache

Die Ovation 1771 VL-1GC ist eine modifizierte Version der Ovation 1627 VL-4GC, die sich wiederum an das Design des 1627er Originals anlehnt. Die 1771 VL-1GC unterscheidet sich von der Ovation 1627 VL in einigen Details, angefangen mit einem Cutaway, der 3-Tone-Sunburst-Lackierung und einer voluminöseren Schale.

Auch wenn Country-Superstar Glen Campbell, der mit Hits wie Gentle On My Mind, Rhinestone Cowboy oder Galveston weltweit bekannt wurde, wohl häufiger zur 1627er griff, lohnt es sich, einen Blick auf die 1771 VL-1GC zu werfen, die einen vergleichsweise satten Naturton generiert. Wer beide Gitarren quasi "nebeneinander" vergleichen möchte, der hat die Gelegenheit dazu, denn den Test der Ovation 1627 VL-4GC gibt es hier:

Testbericht Ovation 1627VL-4GC

Glen Campbell Signature Westerngitarre

Details

Mit der Glen Campbell Deluxe Balladeer und der Glen Campbell 12-String erschienen 1969 die ersten Signature-Gitarren des Künstlers, und mit der 1627 sollte die Ära der Instrumente enden, die er noch selbst mit auf den Weg bringen konnte. Glen Campbell verstarb 2017, nicht ohne sich den Wunsch einer preiswerteren Version seiner Gitarre für kleinere Budgets erfüllt zu haben. Auch unsere in Korea gefertigte Ovation 1771 VL-1GC gehört dazu. Wer mehr über die Geschichte der Glen Campbell Signature-Gitarren erfahren möchte, findet im Test der Ovation 1627 VL-4GC weitere Details.

Bei unserer 1771 wurde der Roundback mit einer Decke aus massivem Fichtenholz der Güteklasse AA bestückt, die sie erheblich aufwertet, denn das Deckenholz leistet einen nicht zu unterschätzenden Beitrag zur Klangentfaltung der Gitarre. Die Decken der Ovation-Gitarren unterscheiden sich eigentlich nur durch Farbe, Material und Ausstattung, aber weniger durch ihre Form voneinander. Die Decke unserer Probandin erinnert mit einer Breite von 40,2 cm (28,8 cm) am Unterbug (Oberbug) und einer Länge von 51,3 cm an eine zu groß geratene Konzertgitarre.

Insgesamt blendet sie mit einer unwiderstehlichen Edel-Optik, wobei vor allem die Decke den Blick auf sich zieht. Drei Lackschichten, ein durchscheinendes transparentes Honiggelb im Zentrum und ein deckendes Braun-Schwarz am Rand, das fließend in ein transparentes Dunkelrot übergeht, sind kunstvoll übereinandergelegt und abschließend mit einem hochglänzenden Klarlack poliert. Im Zentrum schimmern die lebhaften Maserungen der Sitkafichte durch, die vergleichsweise grob strukturiert sind. Die Nahtstelle in der Mitte verrät, dass die Decke aus zwei spiegelbildlich angeordneten Hälften zusammengesetzt wurde. In jedem Fall sollte man sie mit einem selbstklebenden Deckenschoner nachrüsten, vor allem, wenn ein Plektrum ins Spiel kommt. Um das Schallloch wurde kunstvoll eine mit stilisierten Eichenblättern verzierte und relativ breite Rosette eingelegt. Die glänzenden Perlmutteinlagen setzen sich auf schwarzem Grund optisch gut ab. Den Deckenrand säumt eine schwarzweiß gestreifte Einlage und die Kante der Korpusschale wird rundherum von einem weißen ABS-Binding geschützt.

Leider können die meisten Signature-Gitarren aus den Sechzigerjahren (und später) nicht mehr authentisch reproduziert werden, weil die Hersteller sich an die Auflagen des Washingtoner Artenschutzübereinkommens (CITES) halten müssen. Der Saitenhalter der neuen 1771 jedenfalls wurde aus einem Stück Walnuss geschnitzt, da das in den 60er Jahren verarbeitete Rio-Palisander schon länger ganz oben auf der Liste der vom Aussterben bedrohten Hölzer steht. Wie damals werden die sechs Saiten am "Unterbauch" des Saitenhalters durch Führungen eingefädelt und mit den Ball-Ends arretiert - um den Verlust eines Pins muss sich der Spieler so keine Sorgen machen. Die Saiten werden über eine längenkompensierte Stegeinlage geführt, wobei die sechs Reiter nicht in Länge oder Höhe verstellt werden können. Aber um die Stimmstabilität zu optimieren, wurden die Auflagen für die beiden E-Saiten individuell befeilt. Schön, dass man mit dieser Konstruktion auch komfortabel die Saiten dämpfen kann (Palm-Mute).

Ein Alleinstellungsmerkmal sämtlicher Ovation-Gitarren ist der obligatorische, parabolisch geformte Resonanzkörper, auch "Roundback" oder "Bowl" genannt, der an einen Lautenkorpus erinnert. Der Hersteller geht logischerweise davon aus, dass ein Klangkörper mit einer semiparabolischen Form ideale Projektionen generieren kann. Die mitteltiefe Schale (Mid Depth Bowl) besteht aus einem Fiberglas-ähnlichen Verbundstoff, der den Produktnamen Lyrachord trägt. Wie stark sich das Material in den Klang einmischt, werden wir noch prüfen. Jedenfalls wurde die Schale für den europäischen Markt "vintage brown", d.h. schokoladenbraun eingefärbt statt im sonst üblichen Schwarz. Diese Färbung kam früher auch bei den Natur- und Sunburst-Lackierungen zum Einsatz und darf natürlich bei diesem Retro-Modell nicht fehlen, wobei meines Erachtens auch Rottöne das Erscheinungsbild mitbestimmen. Unserer Kandidatin wurde, wie schon erwähnt, ein rundgeschwungener Cutaway implantiert, den es in den 60er und 70er Jahren aber noch nicht gab. Glen Campbell jedenfalls spielte seine 1627 ohne.

Interieur

Ovation bekennt sich, zumindest bei den Modellen mit rundem Schallloch, zum altbewährten X-Bracing, das auch bei unserem Modell für stabile Verhältnisse sorgt. Die Decke ist 0,5 mm stark und hat damit genug Substanz, sich auch auf Dauer nicht zu verformen. Einen echten Halsblock benötigt die Konstruktion aus stabilem Lyrachord nicht. In der Regel wird der Halsfuß bei Ovation mit der Schale verschraubt. Allerdings sind Schrauben bei einem Blick ins Innere nicht zu entdecken. Was definitiv mit der Schale verschraubt ist, ist das Batteriefach.

Hals, Halsfuß und Griffbrett

Diese drei Bestandteile bestehen in der Hauptsache aus verwindungssteifem Mahagoni. In der Mitte der Hals-Unterseite findet man durchgängig einen dreiteiligen Streifen aus Walnuss-Mahagoni-Walnuss. Dieser sieht nicht nur edel aus, sondern trägt auch zur Stabilität der Halskonstruktion bei. Der eingelegte Halsstab verleiht dem dünnen Hals (mit einem Umfang von 11,3 cm am Sattel) noch mehr Festigkeit. Das eine Ende des Stahlstabs befindet sich am Übergang zur Kopfplatte und das andere schließt mit einer Stellschraube ab, die sich unsichtbar im Innenraum unter dem Griffbrett versteckt hält. Mit einem Inbus kann die Halskrümmung (vor allem im unteren Drittel) justiert werden. Da das Instrument werkseitig gut eingestellt ist, können Eingriffe unterbleiben.

Das aufgeleimte Griffbrett besteht aus feinporigem dunklem Holz, das sich Pao Ferro nennt. Pao Ferro (auch Santos Palisander), ein südamerikanisches Tonholz mit einer glatten Oberfläche, soll nicht nur optisch, sondern auch klanglich an Palisander erinnern.

Auf dem Griffbrett befinden sich 20 kräftige Bünde, die an den Seiten nicht austreten. Die Kronen wurden ordentlich abgerichtet, poliert und rundgefeilt. Das Griffbrett ist reichlich mit Griffbrettmarkierern (Diamonds) gesegnet und schwarze Punkte auf der weißen Griffbretteinbindung aus ABS setzen sich kontrastreich ab. Mit einem Kreisausschnitt von 30 cm ist das Griffbrett vergleichsweise sanft gewölbt. Die Wölbung des Griffbretts entspricht im Prinzip auch der des Sattels, der mit einer Breite von 4,3 cm normal dimensioniert und passgenau eingesetzt ist.

Kopfplatte

Die pilzförmige Kopfplatte wurde nach funktionalen Kriterien gestaltet. Dabei werden die Saiten, insbesondere die innenliegenden, mit einem deutlich geringeren Reibungswiderstand durch die Kerben am Sattel geführt. Sechs verchromte, geschlossene Ovation-Mechaniken halten das Instrument "in tune". Gestimmt wird mit griffigen großen Buttons, die sich leichtgängig bedienen lassen. Die Oberseite der Kopfplatte mit dem Ovation Logo wurde hochglänzend poliert, aber die Aufschrift "Glen Campbell" aus unbekannten Gründen bei der europäischen Version "vergessen".

Elektronik

Das Tonabnehmersystem, ein Vintage SKM (Preamp), der seine elektroakustischen Informationen von einem OCP-1K (Pickup) erhält, bildet die Herzkammer der 1771. Der SKM war der zweite Preamp in der Entwicklungsgeschichte der elektroakustischen Ovation-Gitarren. Er sollte in den späten Sechzigerjahren offenbar auch die Ovation 1627 "Balladeer" verstärken und so für den typischen Campbell-Sound sorgen. Bis Ovation ihn nun wieder reaktiviert hat, lag er jahrzehntelang im Dornröschenschlaf. Er klingt warm, fett und satt (durch den analogen Aufbau) und ist ultra-einfach zu bedienen. Dazu später mehr. Das einzige Bedienelement besteht aus einem doppelstöckigen Poti mit Ton- und Volume-Regler - integrierte Equalizer und Stimmgeräte gab es in den 60er und 70er Jahren noch nicht. Der erste Preamp von Ovation war übrigens mit einem einzigen Volume-Regler noch einfacher ausgelegt. Ein Piezo, ein OCP-1K, der sich unsichtbar für den Betrachter unter der Stegeinlage versteckt hält, nimmt von oben die Vibrationen der Saiten und von unten die der Gitarrendecke auf.

Das Batteriefach ist im Inneren mit einer Schraube befestigt, die sich leicht lösen kann, und der Wechsel der Batterie ist zeitraubend, da man die tiefen Saiten lockern muss, um die Einheit aus dem Schallloch "herauszufingern". Retro hat nicht immer Vorteile.

Video

Audiobeispiele

Pro & Contra

  • attraktive Optik
  • ausgewogener Natursound mit viel Sustain
  • ausgewogener elektroakustischer Sound
  • gute Saitenlage
  • saubere Intonation

  • keins

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