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Test
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22.06.2016

Peavey Dark Matter DM 112 und DM 115 Sub Test

Aktive PA-Boxen

Die laute Seite der Macht

Peavey Dark Matter DM 112 und DM 115 Sub, zwei Aktivboxen mit verheißungsvollem Namen. Bei „Dark Matter“, dunkle Materie, muss der Autor spontan an diese dunkle Ecke im Proberaum denken, in der leere Bierflaschen, Pizzakartons und überquellende Aschenbecher eine unheilige Allianz bilden. Die aktive Dark Matter Boxenserie aus dem Hause Peavey ist dagegen bestens ausgestattet, um jeden Proberaum mit gehörig Frischluft durchzupusten. Zur Beweisaufnahme treten zwei DM-112-Topteile und ein DM-115-Subwoofer zum Praxistest an.

Details

Schon die Kartons lassen die kompakten Abmessungen unserer Testobjekte erkennen. Das ist in der günstigen Preisklasse der Dark-Matter-Serie eher die Ausnahme. Das DM-112-Topteil besitzt ein Kunststoffgehäuse, der DM-115-Subwoofer ist aus Holz gebaut. Beschallungsboxen mit Kunststoffgehäuse fallen oft eine Nummer größer aus, nicht selten besitzt so ein 12-Zoll-Topteil die Abmessungen eines 15-Zoll-Pedants aus Holz. Warum ist das so? Kunststoffgehäuse benötigen in der Regel reichlich Verstrebungen, um Gehäuseresonanzen wirksam zu unterdrücken. Die Streben fordern allerdings ihren Platz, was eine großzügige Dimensionierung bedingt. Peavey geht beim DM 112 einen anderen Weg. Statt einiger großer kommen viele kleine Streben zum Einsatz und das Gehäuse ist an kritischen Punkten drei Zentimeter dick. Respekt!

Der DM 115 Sub präsentiert sich ebenfalls in schlanker Form. Es ist kein großes Geheimnis, dass in dieser Preisklasse weniger performante Treiber und Aktivmodule gerne durch massive Gehäuse (z. B. Bandpass-Konstruktionen) kompensiert werden. Das scheint Peavey nicht nötig zu haben. Der kleine Bassreflex-Subwoofer lässt sich mühelos alleine verladen und passt garantiert in jeden PKW. Bei der Farbgestaltung zollt Peavey dem Produktnamen Tribut: Dark-Matter-Produkte gibt es ausnahmslos in Schwarz. Neben unserem Testsystem umfasst die Serie zwei weitere Modelle, ein 15/1-Zoll-Aktivtopteil mit Kunststoffgehäuse (DM 115) und den DM 118 Sub, mit 18-Zoll-Treiber für die fette Hose.

Oben

Schauen wir uns zunächst das Topteil DM 112 an. Optisch trifft die Box den Geschmack des Autors. Die meisten Kunststoffboxen besitzen kein durchgängiges Lautsprechergitter, was keine Meisterleistung gelungenen Industriedesigns darstellt. Das Gitter des DM 112 deckt dagegen die gesamte Front ab, was einen deutlich seriöseren Eindruck macht. Man muss schon genau hinschauen, um die DM 112 als Kunststoffbox zu identifizieren. Schade, dass das Gitter nicht mit Akustikschaumstoff hinterlegt wurde. Somit ist die Box weniger gut gegen Regen und Flugbier-Attacken gerüstet. Akustikschaum lässt sich allerdings problemlos nachrüsten.

Die Bestückung ist der Preisklasse angemessen. Ein 12-Zoll-Ferrit-Tieftöner mit Blechkorb wird von einem 1-Zoll-Hochtontreiber ergänzt. Angetrieben werden die Lautsprecher von einem Aktivmodul (660 Watt Peak), das über ein konventionelles Netzteil samt Ringkerntrafo versorgt wird. Ein Lüfter bläst frischen Wind in die Elektronik.

Die Platinen sind sauber aufgebaut und an kritischen Stellen mit Heißkleber und Kabelbindern gesichert. Trotz der konventionellen Endstufe wiegt das Topteil nur 15,9 Kilogramm und besitzt gleich drei Griffe. Die DM 112 auf eine Distanzstange oder ein Lautsprecherstativ wuchten? Bei dem Gewicht kinderleicht. Wer die Box direkt auf eine Bühne oder einen Subwoofer stellen möchte, wird die rutschfesten Gummifüße auf der Unterseite zu schätzen wissen. Gleiches gilt für die eingebaute Schräge des Gehäuses. Durch diese kann der Kandidat auch als Bühnenmonitor an den Start gehen. Allerdings leidet die DM 112 (wie in dieser Preisklasse üblich) unter ausgeprägter Flugangst. Flugpunkte findet man unter den Ausstattungsmerkmalen nicht. Dafür punktet der Kandidat mit einem Onboard-DSP.

DSP for the win

Das Frequenzmanagement der Dark-Matter-Tops übernimmt ein DSP, der über einen Push-Encoder bedient wird. Die Elektronik verarbeitet Audiodaten mit einer professionellen Auflösung von 24Bit/96kHz und arbeitet in Kombination mit einem beleuchteten, alphanumerischen Display. Es gibt 32 Speicherplätze, wovon die ersten zehn mit Werkpreset gefüttert wurden. Sie werden zwar im Manual nicht näher erklärt, sind aufgrund der Namensgebung aber selbsterklärend. Presets wie Live-Music, DJ oder Floor Monitor bieten passende Voreinstellungen für nahezu jede Aufgabe. Darüber hinaus kann der Anwender eigene Konfigurationen erstellen und speichern. Dazu bietet der DSP eine EQ-Sektion, eine Delay-Funktion (maximal 7 ms) und die Möglichkeit, die Polarität des Audiosignals umzukehren. Die Bedienung über den Push-Encoder ist denkbar einfach und geht mit etwas Übung schnell von der Hand.

Die Stromversorgung der DM 112 wird über eine Kaltgerätebuchse sichergestellt. Einmal unter Strom, zeigt eine blaue LED auf der Frontseite, dass die Box einsatzbereit ist. Nähert sich die Box der Auslastungsgrenze, wechselt die Farbe des Lämpchens von Blau auf Rot. Gute Sache, denn der Anwender kann so auch aus größerer Entfernung erkennen, wann pegeltechnisch „Schicht im Schacht“ ist.

Eine Combobuchse dient zur Signalaufnahme und per XLR-Thru lässt sich das Eingangssignal an weitere Boxen durchschleifen. Über einen Mic/Line-Taster wechselt man von Line- auf Mikrofonpegel; in der „Mic“-Position verfügt der Eingang über 20 dB mehr Gain. Für die kurze Durchsage stöpselt der Anwender einfach ein dynamisches Mikrofon ein und kann loslegen. Phantompower stellt die Box allerdings nicht zur Verfügung. Sollte die Wiedergabe durch nerviges Netzbrummen gestört sein, hilft der schaltbare Groundlift.

Der DM 115 Sub ist ein kompakter Bassreflex-Subwoofer mit großem Rechteck-Port auf der Front. Als Anbauteile notieren wir zwei Griffe (links/rechts) und einen Hochständerflansch mit M20-Gewinde. Peavey gibt sich großzügig und legt jedem Dark-Matter-Subwoofer eine Distanzstange bei. Dazu später mehr. Die Aktivelektronik wurde versenkt angebracht und nutzt ebenfalls ein konventionelles Netzteil und eine analoge Endstufe samt Lüfter. Außerdem gibt es die gleiche Power-LED (Front- und Rückseite) wie beim Top.

Als erstes fällt auf, dass der Subwoofer ohne DSP-Unterstützung auskommt. Ansonsten kann sich die Ausstattung durchaus sehen lassen. Ein schaltbarer Groundlift, ein Polaritätstaster und das obligatorische Gain-Poti bilden mit zwei weiteren Potis die Bedienelemente des Moduls. Anstatt nur ein oder zwei feste Trennfrequenzen anzubieten, kann der Anwender die X-Over-Frequenz über ein Poti stufenlos zwischen 90 und 180 Hz einstellen. Mal amtlich auf dicke Hose machen? Bitteschön! Mit dem Kosmos-Poti soll sich der Bass durch einen psychoakustischen Effekt andicken lassen, ohne dass Endstufe und Treiber über Gebühr belastet werden. Um das Eingangssignal durchzuschleifen, stehen gleich drei XLR-Ausgangsbuchsen bereit. Zwei Ausgänge spielen das frequenzoptimierte Eingangssignal nach dem X-Over-Poti aus, die XLR-Thru-Buchse leitet das Eingangssignal in unbearbeiteter Form weiter. Was allerdings schade ist: Das Aktivmodul besitzt lediglich einen Combobuchsen-Eingang. Nutzt man nur einen Subwoofer und zwei Topteile, so muss das zweite Topteil separat verkabelt werden, wenn man das Setup stereo betreiben möchte. Ein zweiter Eingang wäre wünschenswert. 

Pro & Contra

  • guter Sound
  • niedriges Gewicht
  • massives Gehäuse
  • kompakte Bauform
  • ansprechendes Design
  • Onboard-DSP
  • durchstimmbare Trennfrequenz
  • günstiger Preis

  • proprietärer Hochständerflansch (DM 115 Sub)
  • mitgelieferte Distanzstange recht kurz

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