Gitarre Bass 2012_Jahresrueckblick 2013_Jahresrueckblick Workshop_Thema GuitarFX_Pedalboard_DIY
Workshop
1
10.06.2017

Pedalboard Eigenbau-Workshop für Gitarristen

Der einfache Weg zum maßgeschneiderten Effekt-Pedalboard

Schritt für Schritt dokumentiert!

In meinem Proberaum hängt eine Jutetasche. Wenn ich fertig geprobt habe und zum Gig muss, packe ich dort meine Effektgeräte hinein. Da ich meistens etwas spät dran bin, stopfe ich alle Kabel dazu, die ich auf dem Boden finden kann und renne los. Im Club angekommen, leere ich meinen beigen Beutel auf dem Bühnenboden aus und versuche mich daran zu erinnern, wie das Ganze vor dem Einpacken noch gleich ausgesehen hat. Nach einer Weile bin ich dann soweit, dem örtlichen Tontechniker etwas vorspielen zu können. Der ist aber leider schon zum Essen. Genau wie meine Bandkollegen. Mir tun die Knie weh. Ich habe Hunger. Ich möchte so nicht mehr leben.

Ich habe einfach keine Lust mehr, mir während des ersten Songs eines Gigs Gedanken über eventuell falsch gesteckte Kabel zu machen. Ich möchte keine halbe Rolle Tape auf dem Bühnenboden verkleben, damit meine Effektgeräte dort bleiben, wo sie hingehören. Und wer bekommt schon gerne einen Einlauf vom Chef, weil man im Intro der aktuellen Single nicht das gewünschte stimmungsvolle Picking gespielt hat, sondern stattdessen den Bassisten nach einem frischen 9-Volt-Block fragen musste?

Es ist wirklich an der Zeit, dass ich mir ein paar Gedanken darüber mache, wie ich all die abgefahrenen Geräte und Kabel, die ich gerne zwischen Gitarre und Amp hänge, so organisieren kann, dass sie langfristig und zuverlässig funktionieren.

Ich brauche also etwas, das üblicherweise mit dem englischen Begriff „Pedalboard“ umschrieben wird. Eine solide und individuelle Vorrichtung, die die fehlerfreie Funktion von Effektgeräten garantiert, ist schließlich ein essenzieller (leider aber oft unterschätzter!) Bestandteil des Handwerkszeugs eines Musikers – egal, ob Profi oder Beginner, egal, ob live oder im Studio.

Seit einiger Zeit haben diverse Hersteller das Bedürfnis vieler Musiker nach einer praktischen Pedalboard-Lösung erkannt und bieten in diesem Marktsegment verschiedene Produkte an –teilweise auch recht gelungene. Da ein solcher „Geräteträger“ aber optimal auf die individuellen Bedürfnisse des jeweiligen Musikers zugeschnitten sein sollte, empfehle ich wärmstens, einen Eigenbau in Betracht zu ziehen.

Custom-Boards, also vom Spezialisten für euch konzipierte Systeme, sind zwar sehr schön, aber selbst für Profis selten bezahlbar und im Detail leider oft auch nicht so richtig durchdacht. Alternativ ist es jedoch möglich, mit ein wenig Eigenleistung selbst ein Floorboard herzustellen, das ohne weiteres den Anforderungen des harten Touralltags gewachsen ist.

Wie ihr ohne allzu großen finanziellen, handwerklichen und zeitlichen Aufwand die lose Effektesammlung oder euer „Stressbrett“ durch Eigenleistung in ein reines „Spaßbrett“ verwandeln könnt, soll dieser Workshop zeigen. Wir gehen also zusammen einmal den Weg von den ersten Vorüberlegungen bis zum fertigen Brett mit einem Standard-Setup. Viel Spaß dabei!

Planungen

Zunächst einmal macht es in der Regel Sinn, sich drei zentrale Fragen zu stellen, auf deren Beantwortung die restliche Planung aufbaut:

  • Welche Geräte möchte ich integrieren?
  • In welcher Reihenfolge soll das Instrumentensignal die Effekte durchlaufen, wie verläuft also der Signalweg?
  • Wie sieht die perfekt auf meine Bedürfnisse zugeschnittene Anordnung der verschiedenen Geräte auf dem Brett aus?

Dabei ist wichtig zu bedenken, dass die Anordnung der Effektgeräte auf dem Board nicht zwingend ihrer jeweiligen Positionierung im Signalweg entsprechen muss. Dies ermöglicht beispielsweise das gleichzeitige aktivieren von Verzerrer und Delay für Soli, obwohl sie in der Effektkette an unterschiedlichen Stellen eingeschliffen sind. Auch ist es meistens sinnvoll, Stimmgeräte räumlich in die zweite Ebene zu setzen, sie im Signalweg aber direkt hinter dem Instrument unterzubringen, um ihnen die Arbeit durch eventuell noch aktive Effekte nicht zusätzlich zu erschweren.

Sobald ihr also alle eure Lieblingstreter zusammengekratzt und musikalisch wertvoll verkettet habt, empfiehlt es sich, erst einmal alle Geräte auf einem Bogen Pappe auszulegen und zu verschieben, bis das für euch passende „User-Interface“ gefunden ist. So kann man verschiedene Anordnungen ausprobieren, markieren und später auch leichter ausmessen. In einem weiteren Schritt simuliert ihr dann eventuelle Höhenunterschiede, die geschaffen oder ausgeglichen werden müssen.

Wenn dann alles erst mal passt, könnt ihr mit ein paar Klinkensteckern und Stromkabeln schon einmal sicherstellen, dass die Steckverbindungen auch überall genug Platz haben. Es sollten dabei weder Teile direkt aneinanderstoßen, noch sollten Kabel zu sehr geknickt oder gespannt sein, um die mechanische Belastung in der Spielsituation und beim Transport zu minimieren.

Nachdem jetzt die architektonische Grundstruktur steht, ermittelt ihr daraus einfach die Anzahl, Länge und Beschaffenheit der benötigten Kabel. Auch die Grundfläche des Boards und die Dimensionen „der zweiten Etage“ sind nun messbar.

Als Nächstes kümmert ihr euch am Besten um einen geeigneten Transportbehälter. Das Minimum des benötigten Innenmaßes ergibt sich aus den eben ermittelten Abmessungen (Breite/Höhe/Tiefe).

Man findet auf dem Gebrauchtmarkt häufig relativ günstige, brauchbare Cases in professioneller Ausführung. Es werden darüber hinaus auch etliche bezahlbare Varianten als Neuware angeboten. Abhängig von der gewünschten Größe empfiehlt es sich zum Beispiel, nach Flightcases für Plattenspieler, Keyboards oder kleine Ton- oder Lichtpulte zu suchen. Falls ihr eine Kiste findet, die etwas zu groß ist, nutzt den Platz, um ein Fach für lange Kabel und Ersatzteile zu integrieren. Es ist außerdem hilfreich, wenn innen schon alles mit Schaumstoff ausgekleidet ist.

Grundsätzlich ist es ratsam, beim Sondieren des Case-Marktes auf eine solide, professionelle Bauweise zu achten. Es sollten also mindestens 7 Millimeter starkes, beschichtetes Birkenmultiplex, Aluprofile, Kugelecken und sogenannte „Butterfly“-Verschlüsse verbaut sein. Wie so ein Transportkoffer aussehen sollte, zeigen auch die Abbildungen zur Bauanleitung in diesem Workshop.

Hier noch ein Hinweis zum Thema Netzteile:

Ich empfehle unbedingt die Anschaffung einer zentralen Stromversorgung mit ausreichend galvanisch getrennten Outputs in jeweils zu euren Geräten passender Spannung. Mit 9-Volt-Blöcken zu arbeiten, ist nicht besonders sicher, sondern unpraktisch, langfristig teuer und umwelttechnisch suboptimal. Auch von günstigen Universalnetzteilen mit Daisy-Chain-Kabeln rate ich ausdrücklich ab, da sie oft Quelle für Störgeräusche sind und aufgrund ihrer Bauweise im Tourgeschäft nur eine äußerst begrenzte Lebensdauer haben. Außerdem sind diese schwarzen Klötze häufig mit der von den angeschlossenen Geräten benötigten Stromstärke überfordert, was auch soundmäßig zu - sagen wir – “unerwünschten” Ergebnissen führt. Kauft euch lieber einmal etwas Vernünftiges, auf das ihr euch dann dauerhaft verlassen könnt.

So, jetzt aber ab in den Baumarkt...

Bauanleitung

Der Anfang ist gemacht. Ihr sitzt also vor einem günstigen, aber soliden Case, das euch der freundliche Paketfahrer sicher an die Tür gebracht hat. Ihr habt eben noch mal das genaue Innenmaß genommen, um bösen Überraschungen kurz vor der Ziellinie vorzubeugen („Äh, das Teil geht irgendwie nicht zu.“). Auch seid ihr bereits stolzer Besitzer einer vertrauenswürdigen Stromversorgung. Es gilt also nur noch, die folgenden Zutaten und etwas Kleinkram zu besorgen, den ihr auch in den Abbildungen wiederfindet:

  • Bodenplatte und Platten für Aufbauten / Trennwand aus Birken-Multiplex (Schichtholz), 15 bis 18 mm stark, alle schon im Baumarkt exakt zugeschnitten
  • mindestens vier Gummifüße zur Montage an der Unterseite, 10 mm hoch
  • ein Meter Gurtband, 20 mm breit, alternativ zwei Griffe eurer Wahl
  • Schleifpapier,  Schrauben, Unterlegscheiben, Lack, Sekundenkleber, Gaffa-Tape
  • ausreichend Klinkenstecker und unsymmetrisches Kabel (Meterware) zur Herstellung passender Patchkabel (Wer nicht Löten will oder kann, greift eben auf fertig konfektionierte Ware zurück. Wenn es aber irgendwie geht, würde ich immer selber löten! Es ist meistens ratsam, gewinkelte Klinkenstecker zu verwenden, um Platz zu sparen.)
  • Befestigungsband Duallock der Marke 3M , ca. 20 mm breit – oder vergleichbares Material in ausreichender Menge 

Die Liste der mindestens benötigten Werkzeuge ist dann erfreulich überschaubar:

  • Akkuschrauber mit 4 mm Holz- und Stahlbohrer, Krauskopf- (Versenker) und Kreutzschlitz-Bit
  • Metermaß
  • 90° Winkel
  • Bleistift, Filzmarker
  • Teppichmesser

Sind alle Einzelteile in euren heiligen Hallen eingetroffen, besteht der nächste Schritt im Zusammenschrauben der Holzplatten. Die Trägerkonstruktion für die später erhöht liegenden Effektgeräte wird idealerweise als erstes fertig gestellt und dann mit der Bodenplatte verbunden. Achtet darauf, jeweils die Platte, in die sich der Schraubenkopf senkt,  vorzubohren und die Bohrung mit einem sogenannten „Krauskopf“ nachzufräsen, damit eine solide Verbindung garantiert ist und das Holz nicht ausbricht oder splittert.

Sobald das Chassis dann fertig ist, schleift ihr noch alle äußeren Kanten. Dazu benötigt ihr nur einen Schleifklotz und Sandpapier. Falls vorhanden, ist es natürlich komfortabler, mit der Maschine zu schleifen. Es geht aber immer auch „old school“. Auch das Schleifen beugt einem späteren Ausreißen von Holzfasern beim Gebrauch vor. 

Nachdem der Rohbau fertig und staubfrei ist, geht es mit dem Lackieren weiter. Dabei ist es wichtig, einen wasserabweisenden („Außen“-)Lack zu verwenden und auch schwer zugängliche Stellen damit zu überziehen. So vermeidet ihr, dass Feuchtigkeit ins Holz dringt. Außerdem sieht eine komplett schief zusammen gezimmerte Konstruktion gar nicht mehr so schlimm aus, wenn ihr sie mattschwarz gerollt (oder gesprüht) habt – zumindest auf den ersten Blick.

Während der Lack auf eurem Board trocknet, ist Zeit, um das Flightcase an den neuen Verwendungszweck anzupassen. In unserem konkreten Beispiel war die Kiste ursprünglich einmal für einen Groove-Sampler vorgesehen gewesen. Deshalb bietet sie etwas mehr Grundfläche, als das Tretbrett eigentlich benötigt. Es ist somit Platz für ein praktisches Kabel- oder Ersatzteilfach. Man zieht den Schaumstoff am Boden etwas ab, schneidet ihn an den Seiten ein und verschraubt eine vorher zugeschnittene und ebenfalls lackierte Trennwand.

Außen am Case sind in unserem Fall vier hohe Gummifüße angebracht. Da solche einem erfahrungsgemäß beim Laden andauernd auf die Nerven gehen (bevor sie dann sowieso irgendwann abbrechen), werdet die Dinger am Besten sofort los: Einfach die Nieten von innen herausbohren oder die Füße abschrauben und die Kiste ist außen wieder schön plan.

Weiter geht es mit der Vorbereitung der Effektgeräte. Egal, welche Pedale ihr auf das Brett setzen wollt, ich empfehle ausschließlich leistungsstarkes, selbstklebendes Haftband aus Hartplastik zu verwenden. Ein Druckverschlussband mit Namen „Duallock“ der Marke 3M ist diesbezüglich wirklich ungeschlagen. Da dieses Produkt patentrechtlich geschützt ist, ist das Material leider relativ teuer und die Alternativen rar. Es bietet sehr guten Halt während des Spielens und beim Transport. Zudem bleibt ihr flexibel in der Anordnung eurer Geräte und im Havariefall. Wer seine Bodentreter stattdessen fest mit dem Board verschraubt, setzt sie dauerhaft zu hohen mechanischen Belastungen aus und braucht oft zu lange, um ein defektes Kabel zu tauschen.

Um das oben beschriebene Tape vernünftig auf die Bodenplatte der jeweiligen Effekteinheit aufzubringen, sollte sie natürlich möglichst eben sein. Gummifüße und eventuell herausstehende Batteriefächer, die ihr ja wegen der neuen Stromversorgung nicht mehr braucht, müssen also weichen. Sollten durch das Entfernen von Teilen Öffnungen in der Bodenplatte bleiben, klebt sie von innen mit etwas Gewebeband zu, um die Elektronik zu schützen. Anschließend drückt das Haftband in Längsrichtung möglichst fest an. Ab und zu kommt es vor, dass sich das Band später unter Belastung löst. In diesem Fall hilft ein wenig Sekundenkleber. Danach bewegt sich erfahrungsgemäß nichts mehr.

Nachdem der Lack auf eurer Holzkonstruktion mittlerweile getrocknet sein dürfte, geht es auf der Unterseite des Pedalboards weiter: Die Gummifüße, die einen festen Stand auch auf noch so kaputten Bühnen gewährleisten sollen, sind schnell verschraubt. Besonders die Barfuß-Künstler unter euch sollten darauf achten, dass die verwendeten Schrauben nicht nach oben durchstoßen. Da das Schichtholz extrem starr ist und sich deswegen kaum durchbiegt, sind bis zu einer Breite von etwa 60 Zentimeter vier Füße völlig ausreichend.

Jetzt fehlt natürlich noch eine Vorrichtung, die es erlaubt, das fertige Board entspannt in das Case und wieder heraus zu heben. Zu diesem Zweck schneidet ihr zwei Schlaufen aus Gurtband und befestigt sie links und rechts am Brett. Dazu setzt man einfach pro Ende jeweils eine Schraube mit Unterlegscheibe von unten durch das Gurtband ins Holz. Nach dem Zuschnitt der Schlaufen solltet ihr die Enden kurz mit einer Flamme anschmelzen, damit diese nicht ausfransen. Der entscheidende Vorteil gegenüber einer – ebenfalls möglichen – Lösung mittels Schubladengriffen ist hier die Platzersparnis.

Weil ihr ja eure Effektgeräte in Längsrichtung mit Haftband versehen habt, braucht ihr jetzt nur noch ein paar Bahnen quer auf das Brett zu kleben. Grundsätzlich sind – WahWah- und Volumenpedale ausgenommen – zwei Streifen „Duallock“ pro Reihe genug. Spezielle Geräte wie etwa das zentrale Netzteil, das in unserem Beispiel unter der zweiten Ebene positioniert ist, sollte man jedoch mit extra zugeschnittenen Streifen anbringen. Eben dieses Netzteil wird sinnvollerweise als erstes Gerät fixiert. In der Folge verseht ihr dann die Outputs mit passenden DC-Kabeln in angemessener Länge.

Die Audiokabel müssen hergestellt werden, ich möchte hier aber nicht den Rahmen sprengen und einen kompletten Lötworkshop mit hineinquetschen. Zum Löten von Klinkenkabeln gibt es Informationen wie Sand am Meer.

Nun ist also der große Moment gekommen und ihr dürft endlich eure treuen Blechbegleiterchen auf dem neuen Schlachtschiff platzieren. Ich gehe zu diesem Zweck in der Regel von rechts nach links vor und stecke sowohl Strom- als auch Audiokabel, bevor ich die Effekte in den Druckverschluss „einklicke“.

Es ist beim endgültigen Anordnen und Befestigen der Pedale wichtig, darauf zu achten, dass nie Geräte oder Stecker über das Chassis hinausragen und die verbauten Kabel nicht Gefahr laufen, gespannt oder geknickt zu werden. Auch wählt ihr die Positionen des Eingangs- und Ausgangsgerätes eures Pedalboards möglichst so, dass die Kabel vom Instrument und zum Verstärker an der Hinterseite herausgeführt werden können. So geht ihr im Live-Betrieb Unfällen von vornherein aus dem Weg.

Und jetzt klemmt das Ding mal an und gebt ordentlich Gas!

Unser konkretes Beispiel-Board

An dieser Stelle möchte ich auf unser konkretes Beispiel-Brett eingehen. Um es nicht zu kompliziert zu machen, handelt es sich hier um ein relativ abgespecktes Setup, das einem aber so durchaus in der freien Wildbahn begegnen könnte. Die verbauten Geräte ergeben also folgende Signalkette zwischen Instrument und Verstärker:

  • Stimmgerät mit hartem Bypass, Mute-Funktion und gut lesbarer LED-Anzeige (t.c. electronic, polytune)
  • WahWah-Pedal (das gute Crybaby aus dem Hause Dunlop)
  • Modulation (Small Clone von Electro Harmonix)
  • Overdrive-Pedal (Boss Blues Driver)
  • Delay-Effekt (Boss DD-7)
  • A/B-Box (hier eine Little Lehle, beispielsweise zum Umschalten zwischen zwei Verstärkern)


Als Stromversorger habe ich einen Fuel Tank Chameleon der Firma T-Rex gewählt, weil dieser sehr flexibel ist, vor allem, was die möglichen Ausgangsspannungen angeht. Den Platz der A/B-Box könnte in eurer Realität natürlich auch der Kanal-Umschalter eines Verstärkers einnehmen. Was die Positionierung der Pedale angeht, ist es oft praktisch, sowohl das Eingangs- als auch das Ausgangsgerät des Pedalboards auf der von euch abgewandten Seite anzubringen. Dadurch – und durch das Einplanen ausreichenden Platzes zum Stecken der Input- und Outputkabel – seid ihr zur Not flexibel und schnell bei der Fehlersuche. Außerdem vermeidet ihr Kabelsalat unter euren Füssen und damit unnötige Belastung für Material und Nerven.

Die Dimensionen der zweiten Etage sind in unserem Beispiel-Paddelboot so gewählt, dass zum Einen der Fueltank samt Netzkabel darunter komfortabel Platz finden, zum Anderen verhindert der so geschaffene Höhenunterschied ein versehentliches Verdrehen der Einstellungen in der ersten Reihe. Umgekehrt läuft man nicht Gefahr, unbeabsichtigt das Stimmgerät zu aktivieren und dadurch die Signalkette stumm zu schalten. Das Brett ist zudem so geplant, dass alle Verbindungskabel an einer Stelle austreten können und keine intern verbauten Stecker, Kabel oder sonstige Teile über die Kanten herausragen. Auch dieser Umstand minimiert Stolperfallen und schützt vor defekten Steckern und Buchsen. Im Unterschied zum Signalfluss liegt der recht große Small Clone auf dem Floorboard links außen, um in der Mitte Raum für die DC-Kabel der Stromversorgung zu schaffen. Außerdem ermöglichen die benachbarten Boss-Pedale (Verzerrer und Delay) unserem fiktiven Gitarristen, durch gleichzeitiges Aktivieren mit einem Tritt seinen Solosound abzurufen. Das Wah-Wah-Pedal auf der rechten Seite hat ausreichend Abstand vom restlichen Aufbau. Als das mechanisch wohl am meisten beanspruchte Gerät bekommt es auch eine Extraportion Haftband. 

Die Henkel aus Gurtband sind lang genug, um das Board mit einem Handgriff im Case zu verstauen. Die Polsterung innen verhindert ein Aneinanderstoßen von harten Teilen beim Transport - Saiten, Kabel, Ersatzteile oder Ähnliches beherbergt das im Koffer geschaffene Fach. Insgesamt bringt einen so ein Eigenbau also in die Lage, schnell und sicher auf- und abbauen und alle Einzelteile komfortabel und zerstörungsfrei transportieren zu können. Maße und Nettogewicht dieses Floorboards erlauben sogar die Mitnahme als Handgepäck im Flieger (sofern man eine halbwegs vernünftige Airline bucht). 

Ab und zu sieht man Effektbretter, die fest mit der Unterseite des jeweiligen Cases verbunden sind. Das sieht auf den ersten Blick praktisch aus, nach dem Motto „Deckel ab und los geht`s!“ Da aber bei einer solchen Bauweise sämtliche Schläge von außen direkt auf die im Inneren montierten Geräte wirken, rate ich dazu, Brett und Koffer voneinander zu trennen.

Und nun noch ein Wort zum finanziellen und arbeitszeitlichen Aufwand: Angenommen ihr besitzt schon alle Effekte, Patchkabel und eine gute Stromversorgung, stehen euch für alle zum Bau benötigten Zutaten Kosten von etwa € 125,00 ins Haus. Dabei ist leider das von mir empfohlene Druckverschlussband mit ca. € 5,00 pro Meter kein geringer Faktor. Wir gehen sicherheitshalber von einem Bedarf von 6 Metern aus, das macht also €30,00. Weiter geht es mit dem zugeschnittenen Holz für € 13,00 und einem Meter Gurtband zum Preis von € 1,00. Für Verbrauchsmaterial wie zum Beispiel Schrauben, Unterlegscheiben, Kabelbinder, Lack und Schleifpapier setzen wir großzügigerweise mal einen Betrag von € 30,00 an. Ein Flightcase auf dem Second-Hand-Markt gibt es für ungefähr € 50,00.  

Zusammengefasst solltet ihr euch als passionierte und ambitionierte Musikschaffende dann Folgendes klar machen: Ihr investiert einen vergleichsweise geringen Geldbetrag und ein paar  Stunden eurer Zeit. In der Folge gewinnt ihr aber in beiderlei Hinsicht ein Vielfaches zurück. Ihr werdet euch weniger ärgern. Ihr werdet weniger reparieren. Ihr seid schneller mit dem Aufbau fertig. Eure Knie tun nicht so schnell weh. Ihr bekommt noch was vom Catering. Ihr habt insgesamt hoffentlich einfach mehr Spaß.

Fazit

Unser exemplarisches Pedalboard ist aus Gründen der Übersichtlichkeit recht einfach und allgemein gehalten. Im Einzelfall sind eurer Kreativität jedoch keine Grenzen gesetzt. Es gibt, abhängig von euren persönlichen Anforderungen und der Spielanlage, eine Vielzahl von denkbaren Erweiterungen und Details, die euch auf der Bühne helfen können. Gängige Beispiele hierfür sind neben weitaus mehr und abgefahreneren Effekten etwa das Integrieren von Kanalumschaltern für Verstärker, Sendeanlagen, D.I.-Boxen für Akustikgitarren, LED-Beleuchtung, Bufferamps zu Kompensierung langer unsymmetrischer Kabelwege, und vieles mehr.

Die Gefahr, sich mehr Schaltkreise aufzuladen, als man zu beherrschen vermag, ist also auch nicht zu unterschätzen. Die Technik ist hier kein Selbstzweck. Sie soll euch helfen, euch so auszudrücken, wie ihr es möchtet. Die ganze Aufmerksamkeit gehört im Optimalfall dem Song, den ihr gerade spielt und den Leuten, für die und mit denen ihr Musik macht. Die Blechdosen sollen es einfach tun, wenn ihr sie tretet.

1 / 1

Verwandte Artikel

Gitarren-Effektgeräte richtig einsetzen

Wir zeigen euch, welche Effektgeräte es gibt, wie man sie anschließt und was ihr dabei beachten müsst. Außerdem erfahrt ihr, wie ihr die Effekte optimal einstellt. Jetzt reinschauen!

User Kommentare

Zum Seitenanfang
Impressum
ZUR STANDARD WEB-ANSICHT X