Gear_DJ-Controller Hersteller_Pioneer
Test
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27.11.2013

Praxis

Serato DJ führt zusammen, was zusammengehört, nämlich Scratch Live und Itch, respektive Serato DJ vor Version 1.4! Das Programm verlangt auf dem Windows-PC (7,8) mindestens 2,0 GHz Core2Duo CPU-Power (2,4 GHz für 64 Bit) sowie zwei/vier Gigabyte RAM-Speicher. Der Apfel muss mit Mac OS X von 10.6.8 bis 10.8.4 betrieben werden (der Test erfolgt unter 10.7), eine 2,0 GHz Core2Duo CPU und ein Gigabyte RAM für 32-Bit-Systeme mitbringen. 64-Bit-Systeme benötigen 2,4 GHz und einen Arbeitsspeicher von vier Gigabyte. Das Serato-Installationsfile ist 32,4 MB groß und enthält zudem 24 Samples aus der Loopmasters-Schmiede, die 18,5 MB Festplattenplatz beanspruchen. Ein Vergleich mit Traktor gefällig? – Nun, der Ordner „Content Import“ meiner „Zweipunktsechs“ enthält bereits direkt nach der Installation 774 Audiodateien für die Sample/Remix-Decks und ist 1,7 Gigabyte groß!  

Gerade schreibe ich an dem Artikel, da bringt Apple sein neues Betriebssystem Maverick kostenlos unters Volk und schon gibt es ein Statement auf Seratos Website:  

We don't anticipate any issues with Serato software and OS X 10.9, but we won't be able to officially support it until we can complete full and proper testing. As we haven't been able to start this testing until the full public version was released, official support will not be immediate. We are unable to give a timeframe for official support at this time.

Freundlicherweise hat uns der deutsche Pioneer-Vertrieb auch gleich einen DJM-900 SRT zur Verfügung gestellt, damit der SP1 mit seinem „Lieblingspartner“ spielen kann. Vielen Dank dafür. Ich habe den SP1 hinter den Mixer platziert, in einem 45-Grad-Winkel auf einem Crane V3 Laptop-Ständer, den ich aufgrund seiner sehr praktischen Höhenverstellung und dem flexiblen Neigungswinkel sehr zu schätzen gelernt habe (Pioneer hat im Übrigen auch einen eigenen Ständer im Programm, und zwar den T-U101) In dieser Formation wäre es mir ehrlich gesagt lieber, wäre das USB-Kabel hinten herausgeführt. Wer jedoch den Controller aus Platzgründen im Club vor den Mixer packen muss, sieht dies sicher anders, denn so kann er ihn ganz nah ans Pult kuscheln - daher ist meines Erachtens nach der Seitenanschluss der einzig richtige „Kompromiss“. Gesagt und verkabelt.

Handling

Nun zum Handling mit Serato. Bekanntlich beginnt alles mit der Track-Auswahl und die erfolgt hier über einen griffigen, großen, zentralen Push-Encoder und eine Taste, die mich durch die „Areas“ (Files, Browse, Prepare, History) manövriert. „Back“ setzt den Fokus zurück auf die Seitenleiste, „Load Prepare“ parkt Titel in der Vorbereitungsliste. Je nachdem, auf welchem Arbeits-Layer ich mich befinde (Tasten „3, 4“), laden „Load“ in Deck 1 und 2 oder eben in die Player 3 und 4, sofern das genutzte Interface oder der Mixer diese Player „freischalten“. Obendrein variiere ich mit „View“ die verschiedenen Serato-Ansichten. Alles da, was man braucht. „Panel-Select“ hingegen blendet die Panels REC, FX und SP6 ein. Das im Aufnahmepegel einstellbare Record-Panel wird ausschließlich in der Software bedient.  

Bei den FX darf ich nach Festlegung des Modus Operandi (Solo, Chain) aus dem Vollen schöpfen und drei Effekttypen in der Reihenschaltung in je einem Parameter justieren sowie das FX-Timing per gerasterten Encoder vorgeben. Entscheide ich mich stattdessen für die detaillierte Steuerung eines Effektes, verbleiben neben Dry/Wet in der Regel zwei Parameter plus Tastenfunktionen und Beats. Die Drehregler müssen an den Anschlägen erstmal um ein paar Grad gedreht werden, bevor eine Werteänderung in der Software stattfindet. Dann arbeiten sie aber mit einer hervorragenden Präzision, ganz anders als beispielsweise die FX-Unit-Encoder an einem Numark Mixtrack mit ihren 20 Abstufungen. Die Anordnung der Units ist Controller-Standard und erfüllt ihren Zweck. Jede der beiden Effekteinheiten kann auf jedes verfügbare Deck abgefeuert werden. Qualitativ habe ich an den iZotope-FX nichts zu beanstanden. Die Firma iZotope im Übrigen sollte gerade auch produzierenden DJs aufgrund ihrer hochwertigen Plugins, zum Beispiel „Stutter Edit“ oder „T-Pain“ und Mastering-Tools wie „Ozone“ ein Begriff sein. Der Kooperation darf man also weiterhin gespannt folgen, zumal bereits die ersten FX-Expansion-Packs für Serato DJ erschienen sind. Nachstehend hört ihr einige Audiobeispiele aus dem (noch) kostenlosen Base- und Wolfpack, sowie der 19 Euro-Erweiterung „Backpack“, dirigiert mit Pioneers Konsole.

Alte Kamellen für den Rest der Welt, jedoch neu für Seratos DVS-User: der Sync-Button, mit dem man zwei Decks auf Knopfdruck im Tempo und Takt abgleicht. Von Hardcore-Turntablisten verpönt, von der anderen Seite des Lagers seit Jahren gefordert, war die Implementierung dieser Funktion sogar Gegenstand in der Pressemeldung von Seratos CEO zur Zusammenlegung der beiden Programme Serato DJ und Scratch Live. Erinnerungen an frühe Foren-Debatten werden wach. Nun gut, hat die Software das Musikstück korrekt analysiert, klappt´s auch mit dem Sync. Ansonsten hilft es, das Grid von Hand anzupassen. Hierbei ist es nicht möglich, einzelne Positionsmarker wie in Ableton zu definieren, sondern das Grid ist zu schieben, stauchen oder strecken.

„Slip“ schaltet den gleichnamigen Modus ein, der die linear fortlaufende Abspielposition eines Titels im Hintergrund puffert, wenn der DJ Loops, die Reverse-Funktion oder Scratch-Manöver ausführt. Beendet er seine Eingaben, dann spielt der Track an der „gepufferten“ Position weiter, als wäre nichts gewesen. Die Censor-Taste schaltet die „Zensur“ ein, was bedeutet, dass auch hier der Rückwärtslauf aktiviert wird, wobei nach dem „Reverse“ wieder „die reale Position“ wie beim „Slip“ angefahren wird. Der Zwischenzeitraum wird übersprungen – so wie bei einer Zensur. Sollte also mal wieder eine Ansammlung von „F“-Wörtern im Track auftauchen, einfach Censor drücken!

Was wäre ein DVS-Controller ohne die „rela-absol-interne“ Tastenansammlung? - Nun, beim SP1 wurde auf eine Taste für den absoluten Modus verzichtet, der ohnehin nur von Bedeutung wäre, wenn der DJ ohne Loops, Samples, Hotcues oder dergleichen arbeiten würde – das Weglassen könnte man also durchaus als konsequent bezeichnen. Stattdessen gibt es hier in Kombination mit Shift den relativen DVS-Mode und das interne Playback, allerdings keine Play-Taste (wie wäre es denn mit der Implementierung beim nächsten Update über Shift-Load?). Der Encoder „Auto Loop“ ruft einen anhand der BPM errechneten taktgenauen Loop auf, den ich mittels Drehung in der Länge verändere. Die Tasten Parameter (1, 2) hingegen übernehmen Funktionen des Slicers (Domain- und Slice-Länge) und des Samplers (Bank-Wechsel). Drücke ich den Loop-Encoder mit gehaltener Shift-Taste, öffnet sich Seratos Video-Plugin. Die Effektsektion übernimmt nun die „Deck FX 1 und 2“ (Auswahl, Intensität, Scharfschalten) sowie die Intensität von Image FX (FX1-Regler 3) und Text-FX (FX2-Regler 3). Beats bestimmt den Crossfader-FX. Die Opazitäts-Fader sind von Haus aus an die jeweilige Hardware gekoppelt. Das sollte für die meisten SDJ-Performer ausreichen. Ein kleiner „Bug“ ist mir hier allerdings aufgefallen, denn die Lade-Buttons schalten hier auch (noch) Crossfader-Effekte durch.

Performance Pads Chamäleon

Das Performance-Chamäleon der Konsole ist die jeweilige Pad-Sektion auf der linken und rechten Außenflanke. Mit diesen Pads übernimmt der DJ die Kontrolle über einen von acht verschiedenen Performance-Modi (Hot Cue, Hot-Loop, Roll, Auto Loop, Manual Loop, Slicer, Sampler, Velocity). Die Auswahl erfolgt mittels der übergeordneten horizontalen Tastenreihe. Die Modi der beiden „Deck-Seiten“ sind unabhängig voneinander und können auch Deck 3 und 4 dirigieren, jedoch ist keine Simultansteuerung von beispielsweise Deck 2 und 4 möglich, wie es beim DDJ-SX der Fall ist. Die Modi im Einzelnen:

Hotcue

Mit der Tastenmatrix lege ich bis zu acht Schnellstartmarkierungen an und lösche diese via Shift-Kombination. Der Hotcue wird unmittelbar an Auslöseposition platziert und weder wie bei Traktor auf den nächstgelegenen Beatmarker verschoben, noch erfolgt der Abspielvorgang beim Triggern eines Pads taktquantisiert. Wer möchte, kann als „Workaround“ jedoch den Slip-Modus aktivieren. Dennoch kann es meiner Meinung nach nicht schaden, sollte man nicht mit dem ultimativen Mix aus Fingerspitzengefühl, Gehör und Reaktionsvermögen gesegnet sein, seine Hotcues in stiller Stunde vor dem Set vorzubereiten. Ein weiterer Verwendungszweck für diese acht Plätze: Scratch-Markierungen.  

Hot Loop

Das wäre dann die Shift-Funktion auf der Hotcue-Taste. In dieser Betriebsart wird aus dem Hotcue ein Loop, dessen Länge, ausgehend von der Markierung selbst, über den Loop-Encoder einzustellen ist (für alle gleich). Besser gefallen hätte mir persönlich stattdessen der direkte Abruf der Loop-Speicher-Positionen 1-8.  

Manual Loop

„In“ und „Out“ setzen bei den manuellen Schleifen die Start- und Endpunkte. Mittels „Exit“ oder „Loop active“ springe ich wieder aus der Schleife, mittels „Reloop“ wieder hinein. „Save“ hält den Loop auf dem nächsten freien Loopspeicher für die Ewigkeit fest, den ich über die Slot-Tasten ansteuere, die ebenfalls per „Reloop“ reaktiviert werden. „Loop active“ schaltet zudem den Loop ein, springt aber nicht direkt an dessen Position. So kann ich also einen vordefinierten Loop, mit dem ich beispielsweise aus dem Track aussteigen will, bereits einschalten, obwohl der „Abspielkopf“ vielleicht noch ein, zwei Minuten entfernt ist.  

Auto Loop

Platziert einen direkten, nahtlosen Loop voreingestellter Länge. Über den Encoder halbiere und verdoppele ich die Größe. Je acht aufeinanderfolgende Taktungen mit Faktor 2 werden ausgehend von der kleinsten Größe von links oben nach rechts unten auf die Matrix gemappt. Über „Parameter“ kann ich die abrufbaren Größen der Wertetabelle in einem Rahmen von 1/32 bis 32 Beats verschieben. Das Versetzen eines ganzen Loops im Takt wie beim DDJ-SX ist nicht möglich. Wieso eigentlich nicht?  

Loop Roll

In der Betriebsart „Loop Roll“ intervenieren die Pads nur kurzzeitig (solange gedrückt) und rufen Schleifen einer spezifischen Taktung auf, wobei der Titel im Hintergrund ungehört weiter läuft und nach Loslassen des Pads wieder spielt, als wäre er nicht „gerollt“ worden. Die Range reicht von 1/32 nach 4/1 bis hin zu ¼ nach 32 und wird über die Parametertasten gesetzt. Rolls dürfen über die Parametertaste auch fixiert werden.  

Slicer

Der „Slicer“ eröffnet mir zwei unterschiedliche Betriebsarten, um kreativ ins musikalische Geschehen einzugreifen. Nummer 1: Im Moment , wo ich ihn aktiviere, wird ein Track-Ausschnitt (Domain) in einer möglichen Länge von entweder 2, 4, 8,16, 32 oder 64 Beats in acht gleich lange Teilabschnitte (Slices) nach vorn unterteilt. Wie lang die Domain sein soll, legen die Parametertasten fest. Nun kann ich eben diese acht „Scheibchen“ über die Pads neu zusammenspielen. Im Hintergrund läuft dabei die ursprüngliche Wiedergabeposition ungehört weiter (roter Marker), bis keine der Tasten mehr gedrückt wird und der Titel zur „Originalposition“ innerhalb der Domain springt. Für den Fall, dass der Positionsmarker das Ende der Domain erreicht, ohne dass eine Aktion erfolgt ist, wird der Endpunkt als neuer Anfangspunkt deklariert und die Domain um ihre voreingestellte Länge verschoben und neu aufgeteilt. Merke: Eine Domain der Länge zwei arbeitet also mit Viertelnoten und im 4/4-Takt landet jedes Scheibchen exakt an einem Beat. Auch die Quantisierung beim Einstarten eines Slices ist justierbar.  

Der zweite Modus kommt zum Vorschein, wenn ich die Slice-Taste noch einmal betätige, und ist daran zu erkennen, dass die Lauflichtdarstellung invertiert. Nun wandert die Domain nicht automatisch weiter, sondern wird geloopt. Hier besteht im Mix mit einem zweiten Titel die Gefahr, dass die Synchronisation der Tracks bei sehr kleinen Slice-Quantisierungen prinzipbedingt aus dem Ruder läuft. Dieser Artikel ist zwar kein Serato-Software-Test, aber ich möchte dennoch anfügen, dass ich Verbesserungspotenzial beim Slicer in folgenden Punkten sehe:  

1.Domains und Slices im Vorfeld frei anlegen und speichern.

2.Domains im laufenden Betrieb in variabler Länge verschieben.

Performance Pads, Sampler und Velocity

Der SDJ Sample-Player zieht mit sechs Slots durch die Datenleitungen, welche auf die ersten sechs Pads der Hardware verteilt sind und die maximal gleichzeitig spielbare Anzahl an Samples darstellt. Je nachdem ob ich mich im Velocity-Modus befinde, spielen die Samples mit voreingestellter fixer oder druckabhängiger Lautstärke ab. Die Sample-Bänke (A, B, C, D) werden über die Parameter-Buttons ausgetauscht, was die Wiedergabe abspielender Samples stoppt. Der Sampler-Volume-Fader bestimmt die globale Lautstärke. Ich hätte hier einem Poti den Vorzug gegeben, aber da hat jeder seine eigene Sichtweise. Über den Utility Modus, der diverse Benutzereinstellungen erlaubt, kann ich vier (!) Kurvenformen für die Anschlagdynamik nebst Aftertouch wählen. Die Pads lassen sich auch im Velocity Modus gut spielen, doch erscheint es mir, dass die Anschlagstärke trotz gleichbleibenden Andrucks meinerseits manchmal ein wenig variiert. Der Schein könnte aber auch trügen, denn mein eigenes Anschlagverhalten einzuschätzen ist schon – ich sag mal „recht subjektiv“.

Ich kann also auf maximal 24 Dateien von der Hardware aus zugreifen, eine Bank von sechs Samples simultan und synchronisiert abfeuern, wobei die Synchronisation für meine Begriffe Potenzial nach oben hat, vor allem in den Disziplinen Quantisierung und Offset, da hierfür keine Optionen gestellt werden. Der „Sync“-Button im Sampler erscheint bei aktiviertem Smart-Sync, der Trigger mittels Pad fällt grundsätzlich in die ersten vier Takte des Samples, es sei denn, ein Hotcue ist bei einem längeren Sample als Startpunkt definiert. Es gibt einen übersichtlichen „Simple Mode“, der lediglich die wichtigsten Bedienelemente auf den Screen zaubert. Volle Kontrolle eröffnet der „Advance Mode“:  

Doch die Hardware hält sich diesbezüglich stark zurück, denn weder dem Abspielmodus, Pitch, Sync, Keylock oder andere Parameter werden haptische Bedienelemente zur Seite gestellt. Dass so etwas geht, ohne den Anwender mit Bauteilen zu erschlagen, zeigt der Kontrol F1 von Native-Instruments. Aber offensichtlich hat Serato hier entweder noch kein übermäßiges Interesse oder es kommt doch irgendwann eine Sample-Unit auf den Markt. Es gab ja mal ein Numark-Mockup vor einigen Jahren … Warten wir es also ab – die Mausbedienung des Samplewerks jedenfalls ist nicht besonders ergonomisch, doch wer mag, kann natürlich einen weiteren MIDI-Controllers hinzunehmen. Ohnehin ist das Konzept beim SP6 anders, als bei den überlegenen Remix-Decks, insofern ist Pioneers anschlagdynamische Abspielvariante hier schon mal ein „Hauptgewinn“.

MIDI Controller unter sich

Damit haben wir nun die wesentlichen Funktionen des SP1 einem Praxistest unterworfen. Bevor es nun gleich ans Fazit geht, möchte ich noch erwähnen, dass sich der SP1 auch als Add-on für einen MIDI-Controller verwenden lässt. So seltsam, wie dies vielleicht auf den ersten Blick erscheinen mag, ist es aber bei genauerer Betrachtung eigentlich nicht. Zwar wird wohl kaum die Gesamtheit der Itch/SDJ-Controlleristen bei einem Abgabepreis von 399 Euro pro SP1 nun auf die Idee kommen, tagelang vorm Store auszuharren, bis die nächste Pioneer-Lieferung eintrifft, um dann den eigenen, minderbemittelten Controller „nachzurüsten“. Schließlich kostet ein DDJ-SR (UVP 599 Euro) „nur“ 200 Bucks mehr. Wer jedoch eine All-in-One-DJ-Station mit CD-Laufwerken und USB-Sticks einsetzt, die zielgruppenbedingt in der Regel ja „karger“ mit Remix-Werkzeugen ausgestattet sind, könnte eventuell durchaus nachrüsten.  

Ein wenig schade finde ich auf jeden Fall, dass der DDJ-SP1 keine Start/Pause- und Cueback-Buttons zum Auslösen des Abspielvorgangs an Bord hat. Das würde ihm in meinen Augen noch einen Vorteil verschaffen, denn dann muss man nicht unbedingt gleich immer das „schwere Geschütz“ auffahren, nur wenn man mal schnell ein paar Dinge ausprobieren will. Zudem ließen sich damit auch die Decks 3 und 4 bedienen, selbst wenn nur zwei Turntables am Start sind. Erschwerend kommt hinzu, dass der DDJ-SP1 sich ja als nativ unterstützte Konsole weder rekonfigurieren lässt (Serato Politik), noch einen kompletten zweiten „MIDI-Layer“ mitbringt, der es ermöglichen würde, eine komplette Befehlsebene nach eigenem Geschmack einzurichten. Stattdessen sind hier zukünftige Sonderfunktionen nur für die Effektsektion angedacht (Regler und Tasten über Shift+Autoloop). Aufgefallen ist mir bei meinem Sample-Modell auch, dass der seitliche LED-Dimmer nach „Dimmung“ erst wieder in voller Intensität leuchtet, wenn ich das USB-Kabel trenne und erneut anstecke. Das dürfte sich bis zum Serienmodell vermutlich legen. In der Summe kosten diese Kleinigkeiten ein Lorbeerblatt, zumal der optionale Modus bei manch anderem MIDI-Controller „gang und gäbe“ ist. Wie gesagt Pioneer kann für die restriktive Rekonfigurationspolitik nativ unterstützter Controller seitens Serato natürlich nichts.

Sei es, wie es will: Der SP1 ist ein gelungenes Stück Hardware und man darf hoffen, dass die Pads in Anbetracht Pioneers Qualitätsbewusstsein ein paar Jahre durchhalten. Es ist unschwer zu erkennen: Pioneer gibt Gas in allen Bereichen und die Chancen stehen nicht schlecht. Im CDJ- und Clubmixer-Segment sind sie seit Jahren quasi „gesetzt“, im Controller-Markt sind sie zum Zeitpunkt der Niederschrift dieser Zeilen mit neun (!) unterschiedlichen Geräten (ohne Farbvariationen) bei meinem Online-Store des Vertrauens gelistet und wie es sich herauszustellen scheint, haben sie mit Serato einen Partner gefunden, mit dem sich so manche Kastanie ins Feuer treten lässt - nun auch im DVS-Segment. Ich würde mich ehrlich gesagt nicht wundern, wenn wir in Kürze auch ein SDJ kompatibles Audiointerface aus dem Hause Pioneer begrüßen dürfen. Doch die Konkurrenz schläft bekanntlich meist nicht lange und wir warten gespannt, was uns in den nächsten Monaten – spätestens mit Traktor Pro 3, so es bei diesem Namen bleibt, erwartet. Im Übrigen würde sich ein DDJ-“TP1“ auch für „Treckerfahrer“ und den sicherlich bald in die Software Einzug haltenden Slicer sowie die FX und Remix-Decks (samt anschlagdynamischem Spiel) empfehlen – aber bitte dann mit RGB-Option.

Audiobeispiele

Pro & Contra

  • Funktionsumfang
  • Bedienergonomie
  • Verarbeitungsqualität
  • Multifunktionale, anschlagdynamische Pad-Sektion
  • Für bis zu vier Decks ausgelegt
  • Umfangreicher Zugriff auf die Library und das Software-Layout
  • Schaltet weitere Funktionen für „einfache“ SDJ-Controller frei
  • Auch für Serato Video zu nutzen
  • Serato Video Lizenz im Lieferumfang

  • Keine mehrfarbige RGB-Beleuchtung für Pad-Modi
  • Keine Transportsektion
  • Kein frei „mappbarer“ vollständiger, alternativer MIDI-Layer
  • Etwas hoher Preis (für Besitzer von Serato Video)

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