Gear_DJ-Controller Controllerism
Test
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08.05.2019

Pioneer DJ DDJ-800 Test

DJ-Controller

Rekordbox-Controller Galore

Mit der Einführung des DDJ-1000 und später dem DDJ-400 zeichnete sich ab, dass Pioneer in ein neues Controller-Zeitalter für die Rekordbox DDJ-Serie aufbricht. Nun kommt der DDJ-800 zum Test und setzt das Bestreben konsequent fort. Die neue Flotte wirft das seit fast einem Jahrzehnt respektive schon zu frühen Zeiten des Controllerism durch Traktor und Co. „gesetzte“ Layout mit den FX-Bataillonen über den Jogwheels über Bord, der Hersteller passt seine Kommandozentralen mehr und mehr der CDJ-DJM-Flotte an und möchte es ambitionierten DJs so etwas leichter machen, wenn sie im Club oder on-stage auf ein Pioneer-Flaggschiff-Setup treffen.

Ausgestattet mit zwei Kanälen für vier Software-Decks, einem Standalone-Mixer mit neuen Effekten und DVS-Support sowie allerlei „Sonderausstattung“ in Form von Display-Jogwheels, konfigurierbaren Performance-Pads oder neuen FX kostet der DDJ-800 aktuell 879 Euro. Das sind gut 300 Euro weniger, als sein großer Bruder DDJ-1000 (zum Testbericht) aufruft. Eine Lizenz für rekordbox dj liegt bei, der Controller funktioniert plug´n´play.

Details

Zum Lieferumfang des mir für einen Test zugestellten DDJ-800 gehören: ein Manual, eine Lizenzkarte, ein USB-Kabel und das externe Netzteil. Wie beim DDJ-1000 setzt Pioneer teils auf das Clubstyle-Layout der CDJ- und DJM-Produkte. Das anthrazitfarbene Finish gefällt mir, das Design wirkt edel. Jedoch hätte ich persönlich auf die Hochglanzsektion im Zentrum verzichten können – hat der DJM-900NXS2 auch nicht und so gibt es weniger Fettfingerabdrücke. Aber das ist sicher Geschmackssache.

Die Verarbeitung gibt keinen Anlass zur Kritik, die Bedienelemente erwecken ein vertrautes Gefühl bei der Handhabung. Ganz und gar Pioneer eben. Das Gerät kommt auf Maße von 632 x 69,7 x 334,5 mm und wiegt 4,7 kg. Es ist also ein gutes Kilo leichter und nicht zuletzt aufgrund zweier Kanäle weniger und etwas kleinerer Jogwheels schmaler als der 1000er.

Für mobile DJ-Einsätze jedweder Art lohnt es sich – auch vor dem Hintergrund, dass der DDJ-800 mit 879 Euro wahrlich kein Wühltischangebot ist – noch ein paar Euro zum Schutz der wertvollen DJ-Gear in eine Transporttasche oder ein Flightcase mit Laptop-Ablage zu investieren. Denn der Rechner ist ja gesetzt, auch wenn sich Externa anschließen lassen. Wenn es einen noch nicht auf die DJ-Piste verschlagen hat (Stichwort Bedroom, Partykeller, etc.), sind auch eine Schutzhülle oder ein Decksaver keine schlechte Wahl gegen den gemeinen Staubbefall (zum Testmarathon DJ-Zubehör).

Anschlüsse

Von der Vorderseite gibt es nicht viel zu berichten, außer dass hier links und rechts die Pioneer und Rekordbox-Logos sowie zwei Kopfhöreranschlüsse in Standard- und Miniklinke vorzufinden sind, deren Regelwerk Pioneer-Mischpult-typisch unten im linken Mixerzentrum zu finden ist.

Etwas belebter geht es auf der Rückseite zu: Der DDJ-800 bietet getrennt regelbare Master- (XLR, Cinch) und Booth-Ausgänge für PA und Monitorboxen. Externe Zuspieler finden Anschluss über drei paar Stereo-Cinch Line-Eingänge, derer zwei auf Phono oder Line schaltbar und den Kanälen 1 und 2 zugeordnet sind. Das dritte Pärchen ist ein AUX-IN, der auf die Summe gemischt werden kann. Den hatte ich mir schon beim 1000er gewünscht und er hat auch noch einen 0dB/12dB-Schalter spendiert bekommen, mit dem sich die Eingangsempfindlichkeit anpassen lässt. Somit ist dieser Input gleichsam für den Smartphone-Warm-Up ohne DJ eine Option wie auch zum Anschluss eines Sample-Players, einer Drum-Maschine usw.

Mikrofone finden über je eine symmetrische Klinken- und Combobuchse Anschluss und dürfen via rückseitigem Drehregler gedämpft werden. Eine USB-Buchse für den Rechner (beim 1000er sind es zwei an der Zahl), eine Rändelschraube für Massekabel, die Kensington-Lock-Aussparung sowie die Anschlussbuchse für das externe 12V-Netzteil nebst Einschaltknopf und Zugentlastung runden das Backpanel ab.

Konzeptionell ist der DDJ-800 – auch wenn er natürlich analoge Eingänge und Standalone-FX hat – als Controller für Pioneers hauseigene Software rekordbox dj konfektioniert und bietet euch somit Funktionalität für zwei Welten. Einhergeht, dass das Layout in meinen Augen als suboptimal für Dritthersteller-Software bezeichnet werden kann.

Nächster Stopp auf der Liste: das Mischpult. Wer jemals an einem DJM gearbeitet hat, fühlt sich direkt heimisch, immerhin bleibt Pioneer DJ der grundsätzlichen Anordnung (Mikro/Headphone links – Kanäle/ EQs mittig – Master/Effekte rechts) seiner Clubmixer nun schon über 20 Jahre lang treu (Info dazu: Das Release-Date des DJM-500 war 1996, dazu nachstehend ein Foto Vergleich vom DJM-600/DJM900NXS2/DDJ-1000).

In diesem Fall wurde das Gerät gegenüber dem großen Bruder allerdings auf den Zwei-Kanal-Betrieb optimiert, also mit Switches für Phono/Line/Deck1/Deck3 an Kanal 1 und Phono/Line/Deck2/Deck4 an Kanal zwei, einer Navigation auf 12-Uhr-Position über dem Mischfeld statt in den Decks und dem abgewandelten LED-Meter-Display mit achtschrittigem Pegelmeter, Cue-Option und Clip-LED. Interessant auch in diesem Zusammenhang: Trotz nur zweier Kanäle könnt ihr mit vier Decks arbeiten und in den Preferences darf zusätzlich festgelegt werden, ob die Decks 3 und 4 alternativ zu 1 und 2 oder zusätzlich abgespielt werden können.

Deck-Sektionen

CDJ-like sollen sie sein, und das trifft – sieht man mal von den Jog-Displays und den Performance-Pads ab, die ja mitunter in der nächsten Player-Generation kommen könnten – in einigen Teilen wie Pitch, Transport, Top-Sektion (Loops &Co.) weitgehend zu. Die Funktionsaufrufe und die Anordnung der Bedienelemente ist aber auch hier etwas anders als beim 1000er.

Wir notieren auf der Habenseite:

  • zwei Jogwheels mit Display
  • einen 100-Millimeter-Pitch
  • acht Performance-Pads pro Deck
  • Page/Sample-Bank-Umschalter
  • CDJ-like Transportsektion mit Play/Pause und Cue T
  • rack-Search/Fast-Search
  • Shift (mit Display-Umschaltung und Light-Funktion) (
  • Auto) Loop-Tasten (mit Flankenanpassung via Jogwheel)
  • Reloop/Exit/Active-Funktionstaste
  • Quantisierung (Wake Up)
  • Cue/Loop- Call mit Divider-Funktion via Shift
  • Memory Loop und Delete
  • Slip, Slip Reverse, Reverse, Vinyl-Mode
  • Beatsync, Master-Deck-Funktion
  • Key-Sync für Harmonic Mixing nebst Reset
  • Master-Tempo
  • Pitchrange-Umschalter (6/10/16/ Wide =100 Prozent)  

Shift-Funktionen lassen sich übrigens bei Betätigung der Taste als Popup auf dem Computerbildschirm anzeigen, was den Einstieg in die Materie erleichtert.

Allerhand kreative Bordmittel finden sich also am DDJ-800 ein. Ob und wenn ja wie gut das alles zusammenspielt, verrät der nun folgende Praxisteil. 

Audiobeispiele

Pro & Contra

  • Design, Layout und Verarbeitung
  • Standalone-Mischpult mit vielen DJM-Effekten
  • einstellbare Jogwheels mit integriertem Bildschirm
  • hohe Audio- und Effektqualität
  • frei konfigurierbare Performance-Pads via Pad-Editor
  • 2-Kanal- oder 4-Kanal-Modus selektierbar

  • kein CFX-Parameterregler
  • keine Anzeige der Musikbibliothek im Jogwheel-Display
  • keine Beat-FX für Mikrofone

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