Test
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03.11.2020

Pioneer DJ DJM-S11 Test

Zweikanal-DJ-Mixer für Serato DJ Pro und rekordbox

Jetzt schlägt’s 11!

Mit der Markteinführung des DJM-S9 im Jahr 2015 erkämpfte sich Pioneer DJ auch unter den Battle-Mixern die Beliebtheitskrone. Schließlich führte er als erster zertifizierter Zweikanal-Mischer die von DJ-Controllern abgekupferten Performance-Pads ein. Selbst scratchende und juggelnde DJs pochen mittlerweile auf Fingerdrumming und Controllerism. Die einstige Lieblingswaffe der Turntablisten, der Rane Sixty-Two, musste sich funktionell, aber auch preislich ergeben. Der DJM-S9 galt als der nächste Schritt, aber nicht als Quantensprung in der Battle-Mixer-Evolution: keine Dual-Funktion der Performance-Pads, Serato-Effekte nur im Single-Mode zuschaltbar, zudem fehlte es zumindest den ersten ausgelieferten Chargen an einer nachhaltigen Oberflächenverarbeitung, sodass vor allem im Bereich des Crossfaders recht schnell der Lack ab war. Das ließ genügend Luft nach oben, von der Rane mit ihrem Seventy-Two, Seventy und Reloops Elite zunächst profitierten.

Aber wie in einem Battle schlägt man besser nicht sofort zurück, sondern studiert seinen Gegner, um ihn – nicht nur ­­– mit seinen eigenen Waffen zu schlagen. Fast zeitlich passend zur Auslieferung des Rane Seventy-Two MKII kontert Pioneer DJ mit dem neuen DJM-S11, dessen Highlight, sein 4,3-Zoll großes Touchdisplay, sofort ins Auge fällt. Aber Pioneer DJ kupfert nicht einfach ab, sondern erweitert die Funktionalität des Bildschirms, zum Beispiel mit der Option zum Steuern zweier weiterer Decks. Auch haptisch und technisch wurde geklotzt und nicht gekleckert: mehr On-Board-Effekte, vergrößerte Performance-Pads, verbesserter Magvel Crossfader Pro und Klang in Studioqualität. Das macht neugierig, den DJM-S11 genauer unter die Lupe zu nehmen …

 

 

Details

Den DJM-S11 aus dem ansprechenden Karton ausgepackt und dem kleineren DJ-S9 gegenübergestellt, fällt zunächst seine 452,2 mm und damit um fast 5 cm gewachsene Tiefe auf. Breite und Höhe bleiben dagegen mit 267 mm und 107,9 mm identisch. Mit 5,2 kg wiegt der S11 nicht deutlich mehr.

Beim Finish verlässt sich Pioneer DJ auf einen zweiteiligen Materialmix. Die Mixer-Sektion ist mit einer austauschbaren mattschwarzen Aluplatte versehen, die obere Hälfte des Mixers ziert eine hochwertige Glasoptik. Alternativ bietet Pioneer DJ den Mixer auch in einer limitierten Edition im klassischen DJM-909-Design mit einer grauschwarzen Metallic-Face-Plate an. Welches Material sich allerdings unter dem angeschraubten Plastikbody, der vor Kratzern schützt, verbirgt, darüber schweigt sich Pioneer DJ aus. Zwar wirkt das Gehäuse solide, aber ein offensichtliches Metallgehäuse wie bei den Rane-Mixern oder dem Reloop Elite schenkt in meinen Augen mehr Vertrauen.

 

Sehr übersichtliche Oberfläche

Auf den ersten Blick wirkt der DJM-S11 sehr aufgeräumt. Die einzelne Einheiten sind auffällig und mit viel Spielraum voneinander getrennt. Dafür sorgen auch die durch unterschiedliche Formen, Farben und Größen abgesetzten Buttons und Knobs. Die Mixer-Sektion gleicht dem DJM-S9: Zwei Linefader und der Crossfader umzingeln die zehngliedrige, dreifarbige LED-Kette, dem einzigen Level-Meter des Mixers, um den Ausschlag der beiden Mono-Cue-Signale und des Stereo-Master-Pegels anzuzeigen.

Rechts ordnet sich die Kopfhörer-Unit an, bestehend aus Level- und Cue/Mixing-Regler und Channel-Fader. Auf einen Schalter für Split-Cue zum Trennen von Master- und Cue-Signal verzichtet Pioneer DJ. Links befindet sich der Sample-Knob nebst neuem Smooth-Echo-Button.

Darüber knüpft die Performance-Sektion samt vier Parameter-Tasten an, deren rechteckige Pads 220 mm in der Höhe und 260 mm in der Breite messen. Den dafür erforderlichen Platz gewinnt die Oberfläche aus den vier nun mehr über den Pads angeordneten Modi-Buttons, die sich in drei Ebenen unter anderem um Hotcue, Roll, Saved Loop, Sampler, Pitch Play, Slicer Loop, Transport, Saved Flip und die neue Scratch Bank kümmern.

Auch der obere Teil des Mixers ähnelt seinem kleineren Bruder. Die beiden Effekthebel aus Plastik befinden sich in der Mitte des Top-Panels, dazwischen ein Regler für die Effektintensität, darüber Pads zum Tappen und Verkürzen beziehungsweise Verlängern der Beats.

Jeweils daneben positionieren sich wie gehabt in zwei Dreierreihen die sechs FX-Buttons. Links für die On-Board-Effekte, rechts für die FX der DJ-Software.

Für die Loops spendiert Pioneer DJ eine dedizierte Loop-Sektion inklusive Buttons zum Halbieren und Verdoppeln der Beat-Längen, die auch jüngst bei Ranes Seventy Einzug hielt. Auf beiden Seiten ordnen sich darüber die jeweilige, sehr gut abgesetzten Browse-Sektionen zum Scrollen, Springen zwischen den Crates und Laden der Tracks in die Decks an. Obendrein befinden sich die Kanal-Schalter zum Umschalten zwischen den beiden USB-Anschlüssen und Phono- beziehungsweise Line-Quelle.

Um dem circa 11 cm großen Display genügend Freiraum trotz gleicher Breite einzuräumen, ordnet Pioneer DJ die Dreiband-EQ-Knobs samt Gain- und Filter-Regler neben dem Bildschirm untereinander an. Master- und Booth-Regler rahmen den Bildschirm von oben ein.

Frontpanel

Das frontseitige Regelwerk teilt sich einerseits in das Mikrofon-Management, bestehend aus Level-Regler und Kippschalter, einem Echo-Switch plus Intensitätsregler, dazu eine Zweiband-Klangregelung, andererseits in das Crossfader-Adjustment mit stufenloser Line- und Crossfader-Kurveneinstellung nebst Reverse-Modus auf. Natürlich kann auch der neue Magvel Fader Pro von seinem Gleitwiderstand per Stellschraube den persönlichen Ansprüchen angepasst werden. Aux-Level-Regler und zwei Kopfhörerbuchsen für 6,3 mm und 3,5 mm Klinkenbuchse ergänzen die Front, die zum sicheren Transport links und rechts von zwei Abstandshalter aus Hartgummi geschützt ist.

In- und Outputs

Das Backpanel definiert sich über folgende Anschlüsse: jeweils zwei vergoldete Cinch-Buchsen für Line- und Phono-Quelle nebst Erdungsschraube für den Schallplattenspieler, dazu ein weiterer Cinch-Input für das Aux-Stereosignal. Das Mikrofon wird über eine kombinierte XLR-Klinkenbuchse angesteckt. Zwei USB-Ports sind für Laptops vorgesehen, die damit auch den Back-to-Back-Betrieb unterstützen. Zudem erweitert Pioneer DJ den DJM-S11 um zwei USB-Hubs zum Anschluss und Steuern der Software über CDJs oder Controller, wie Ranes Twelve MKII.

Als Ausspielwege stehen zwei XLR-Buchsen für den Master, zwei Cinch-Outputs für den zweiten Master/Record und zwei 6,3 mm Klinkenbuchsen für den Monitor (Booth) bereit. Damit öffnet sich der DJM-S11 für etliche professionelle Anbindungsmöglichkeiten, wobei ich einen Session-In und -Out zum Einschleifen eines zweiten DJ-Mixers oder externen Effektgeräts und einen zweiten Mikrofon-Anschluss vermisse.

Die Rückseite ergänzen noch eine Kensington-Diebstahlsicherung, der Netzschalter und AC-In zum Anschließen des Kaltgerätekabels, das neben dem USB-Kabel und der wenig aussagekräftigen Kurzanleitung als Poster beziehungsweise den Warnhinweisen, dem Garantiezettel und ein Serato DJ Pro Expansion Pack-Gutschein zu den Beilagen gehört. Da der Mixer als Dongle funktioniert, bedarf es keiner Lizenz zum kostenlosen Download und Aktivieren von Serato DJ Pro und rekordbox 6 in der Standardversion. Leider gehören die für den DVS-Betrieb notwendigen Control-Vinyls nicht zum Lieferumfang.

Bildschirm

Das hochauflösende Display bietet etliche hilfreiche Features in diesen Untermenüs:

  • Browse: Stöbern in der Library
  • FX Settings: Aufrufen einer der vier Effektbänke, Zuweisen von Effekten den FX-Buttons plus Parameteranpassung
  • Touch MIDI: Triggern der gebräuchlichsten MIDI-Funktionen vom Display (wie Umschalten auf Intern, Key Lock, Key- und Beat Sync, Play, Silent Cue, Quantize, Tempo Reset, Record Start und Save)
  • Touch FX: gleichzeitiges Steuern zweier Effekte über das Display als X/Y-Pad
  • Deck 3/Deck4: Controlling der beiden virtuellen Decks per Deck Move, Dual Deck, Mash-up-Mode
  • Waveform: Anzeigen der laufenden mehrfarbigen Wellenformen

Deck Move-Feature

Mit dieser exklusiven Funktion steuert ihr auf dem Zweikanal-Mischer alle vier Decks von Serato DJ Pro, wodurch Tracks der Main-Decks in die beiden virtuellen verschoben werden oder ihr startet via Display die Decks 3 und 4. Dazu bietet das Menü vier Modi:

  • Simple: Das virtuelle Deck lässt sich vom ersten Hotcue triggern, synchronisiert starten, stummschalten, dazu mit Auto-Loop versehen. Auch der Wechsel in den Browse-Modus zum Stöbern und Füttern der Decks mit Tracks ist möglich. 
  • Mash Up: Dies bringt neben Sync, Key Lock und Pitch Bend die Funktionen Deck Move und Dual Deck ins Spiel. 
  • Hotcue: In diesem Fenster könnt ihr alle acht Hotcues des Tracks im jeweiligen Deck  triggern.
  • Mixer: Darunter hört ihr in das jeweilige virtuelle Deck per Kopfhörer, stellt die Lautstärke per Gain und Channel-Fader ein und weist den Ausgangssound dem Crossfader zu.

Damit ihr unabhängig vom gewählten Modus nicht die Spielposition des Tracks außer Acht lasst, stellen alle Modi stets die Wellenform sowohl laufend und in der Übersichtsansicht mit Play Head dar.

Pro & Contra

  • hochwertige Verarbeitung
  • sehr übersichtliches Design
  • ausgezeichneter Sound
  • bis zu vier Decks steuerbar
  • zwei verschiedene Performance-Modi pro Deck kombinierbar
  • individuell anpassbarer Bildschirm
  • innovativer und intuitiver Workflow
  • 22 On-Board-Effekte samt Smooth-Echo
  • Day-Mode im Display
  • Serato DJ Pro- und rekordbox-kompatibel

  • keine verschleißfreien Linefader
  • kein Split-Cue
  • keine Timecode-Vinyls beiliegend

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