Hersteller_Pioneer
Test
5
10.02.2015

Praxis

Die Orientierung auf dem aufgeräumten Bedienfeld fällt auf Anhieb leicht: Bewegen wir uns gegen den Uhrzeigersinn rund um das Jogwheel, findet sich auf 11 Uhr der USB-Port samt Stopp-Taster ein. Eine Besonderheit bildet die „multikolore“ Randbeleuchtung, denn im Standard-Modus changiert sie fast unmerklich, wohingegen ich innerhalb von Rekordbox eine spezielle Farbe für jede meiner Playlisten festlegen kann, die dann von der Buchse angezeigt wird. Auf 10 Uhr residieren dann die beiden Loop-In/Out-Taster nebst Reloop/Exit, gefolgt von der Laufrichtungsumkehrung „Reverse“. Daran schließen sich die Taster Track-Search (Titelsuche) und Search (Suche innerhalb eines Titels) sowie das Play/Pause und Cue-Duo an. Spiegelbildlich auf der rechten Seite sitzt dann der lange Pitchfader zusammen mit dem Master Tempo und der Pitch-Bereichsumschaltung (+/- 6, 10, 16, 100%). Ist Master Tempo aktiviert, tritt der Pitchshifting- respektive Timestretching-Algorithmus aus dem Hause Pioneer in Aktion, der ganz klar im vorderen Bereich dessen rangiert, was derzeit technisch machbar ist. Hören wir mal rein:

Weiter oben kommt dann der Vinyl/Jog-Mode-Umschalter zusammen mit einem Poti, das die virtuelle Anlauf- und Abbremsgeschwindigkeit (Trägheit) reguliert, zum Vorschein. Den Abschluss nach oben bilden ein Push-Encoder zur Dateinavigation sowie ein Zurück-Taster und Remove/Tag-Track. Das zentrale Interaktions- und Informationselement ist aber zweifellos das Touch-Display, dessen oberste Zeile die fünf Menüpunkte „Browse, Tag List, Info, Menu und Perform“ anzeigt. Die linke Flanke ist den virtuellen Quellwahl-Tastern „Rekordbox, Link und USB“ sowie den Umschaltern für den Loop-Betrieb und Slip-Modus (die Audiodatei wird im Hintergrund aktiver Loops oder Scratches weiter gespielt) reserviert. Die Mitte des Bildschirms füllt eine aussagekräftige, mehrfarbige Wellenformansicht des aktuell geladenen Titels aus. Darüber sehe ich eine Takt/Beatdrift-Anzeige, darunter diverse Titelinformationen wie aktuelle Track-Nummer, verstrichene/verbleibende Zeit und aktueller Pitch- und BPM-Wert. Rechts daneben sind die Cuepoint-Verwaltung, die Quantisierung sowie Sync- und Master-Funktionen platziert.

Die Arbeit innerhalb der verschiedenen Modi geht auf Anhieb und ohne einen Blick ins Handbuch problemlos und zielführend von der Hand. Das Display selbst besitzt eine gute Ablesbarkeit und ist im Kontrast regelbar. Die darauf erscheinenden Menüs sind durch die Bank übersichtlich und logisch designt und auch die Benutzerführung ist praxistauglich gelöst. Sehr hilfreich ist zum Beispiel die aufklappende On-Screen-Tastatur im Browse-Modus. Eine Sonderstellung nimmt der Performance-Modus ein, da hier zeitkritische Kommandos wie Beat-Jumps, Hotcues und Auto-Loops abgefeuert werden. Dabei war für mich im Test keine wahrnehmbare Latenz zu verzeichnen. Allein die Fingerabdruck-Anfälligkeit erschien mir etwas hoch. Club-Betreiber dürfen dem künftigen XDJ-DJ also gerne eine Packung Brillenputztücher mit in die Booth stellen.

Apropos zeitkritische Kommandos: Als volldigitaler Mediaplayer und da er die BPM-Zahl und das Beatgrid gewissermaßen kennt, beherrscht der XDJ-1000 einige Tricks, die seinen Artgenossen mit optischem Laufwerk verschlossen sind. Dazu zählt, dass die meisten Sprung- und Loop-Aktionen wie etwa „Beat Jump, Loop Move (1, 2, 4 Takte) und Hotcue Jump“ bei aktivierter Quantize-Funktion im metrischen Raster ausgeführt werden.

Und wo wir schon bei den Audiodateien sind: Hier zeigt sich der Player quasi als dankbarer „Allesverwerter“, denn die abspielbaren Dateiformate sind: MP3, AAC, WAV und AIFF. Wähle ich die Füllmethode über den integrierten USB-Port, akzeptiert der Pioneer Zuliefermedien in FAT, FAT32 und HFS+. Der nächste Weg, den XDJ-1000 mit Daten zu beschicken, ist der Ethernet-Verbund mit anderen Pioneer-Laufwerken. Das dürfen derzeit alle Pioneer-Geräte mit Netzwerkanschluss sein, also CDJ-2000, CDJ-2000nxs, CDJ-900, CDJ-900nxs und XDJs. Hierzu benötigt man natürlich einen Ethernet-Hub.

Noch spannender wird die Sache, wenn der Hub gleichzeitig auch noch ein WLan-Router ist, denn dann kann und darf auch die Mobilgeräte-Rekordbox (Android und iOS) jeden der Pioneer-Player im Netzwerkverbund mit Audiodateien versorgen. Oder sagen wir mal „soll es dürfen können“, denn der Datentransfer zwischen meinem im Testaufbau verwendeten iPad, einer Fritzbox und dem XDJ-1000 funktionierte leider in Bezug auf die Stabilität nur unzureichend. Sprich, es kam zu Aussetzern in der Wiedergabe. Hier möchte ich allerdings keinen Punktabzug geben, da ich davon ausgehe, dass sich das Problem auf meinen spezifischen Testaufbau beschränkt und man es mit ein bisschen Experimentieren mit verschiedenen Routern und WiFi-Einstellungen in den Griff bekommen kann.

Apropos Sicherheit: Entzieht man dem XDJ im laufenden Betrieb das Quellmedium, wechselt er in den so genannten „Emergency Loop Modus“, bei dem er aus dem aktuellen Abspiel-Cache heraus noch eine rettende Audioschleife generiert – klasse. Ganz begeistert wäre ich gewesen, wenn er das Abspielen nach erneutem Zuführen des Datenträgers am Punkt der Unterbrechung fortsetzen würde. Das macht er aber in der aktuellen Firmware noch nicht. Bitte bei einem künftigen Update nachreichen. Wer auf eine hochverfügbare Anbindung angewiesen ist, wählt im Zweifel den kabelgebundenen Weg über einen stationären Rechner mit Rekordbox, der im selben Netzwerk hängt. Auch wenn sich die Version für Mobilgeräte (iOS/Android) und stationäre Rechner (PC/MAC) von ihrem Funktionsumfang sehr unterscheiden, ist es mit beiden Varianten möglich, mehrere Pioneer-Laufwerke im Netzwerkverbund mit Audiodaten zu beschicken.

Audiobeispiele

Pro & Contra

  • Zukunftsweisendes Konzept
  • Großzügiges Display mit schneller Reaktionszeit
  • Perfekte Integration von Rekordbox
  • Serato HID-Integration
  • Durchdachte Benutzerführung
  • Hervorragende Audioqualität

  • Kein Kopfhörerausgang
  • Keine Traktor HID-Integration
  • WiFi-Datentransfer (im Test) nicht stabil

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