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Workshop
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24.06.2019

Play-Alike Pino Palladino - Bass Workshop

Pino Palladinos beste Riffs und Lines in Noten und Tabs

Bass spielen wie Pino Palladino - Stil, Sound, Biografie

Pino Palladino ist ohne Zweifel einer der bestbeschäftigsten Bassisten im Business - und das seit mittlerweile fast vier Jahrzehnten! Die etwas älteren Semester unter euch (zu denen ich mich inzwischen auch zählen muss!) erinnern sich bestimmt noch an die markanten Basslinien, mit denen sich der 1957 in Wales geborene Bassist in den 1980er-Jahren in den Pop-Olymp katapultiert hat. Damals verewigte sich Palladino auf Alben von Gary Numan, Peter Gabriel, Phil Collins oder Chaka Khan. Am nachhaltigsten aber dürften sich seine markanten Fretless-Linien auf den Welthits von Paul Young eingeprägt haben. In den 90ern tauschte Palladino den Fretless immer häufiger gegen bundierte Bässe und untermauerte damit seinen Ruf als wahres Klang- und Stilchamäleon. Zu seinen Arbeitgebern zählten Künstler wie The Who, Paul Simon, Adele, Nine Inch Nails oder der Ausnahmegitarrist John Mayer. In diesem Workshop versorgen wir euch mit allen wichtigen Infos zu Palladinos Equipment und ihr bekommt einen Einblick in die fantastischen Grooves aus unterschiedliches Epochen der Karriere des nach wie vor höchst umtriebigen Walisers.

Pino Palladino - Biografie

Kaum ein Bassist erwies sich während der der letzten Jahrzehnte als derart vielseitiges Klangchamäleon wie Pino Palladino. Die stilistische Bandbreite des Sohnes eines Italieners und einer Waliserin erstreckt sich von Fretless-Schmachtballaden über fette Neo-Soul-Grooves, Blues oder Jazz bis ... ja, wohin eigentlich? Stilistische Grenzen scheinen ein Fremdwort für Palladino zu sein, der am 17. Oktober 1957 das Licht der Welt erblickte.

Schon früh begann Palladino auf der katholischen Schule, die er besuchte, klassische Gitarre zu erlernen. Mit 14 erfolgte der Griff zur E-Gitarre. Zum Bass kam Palladino zwar erst mit 17, doch kaufte er sich bereits ein Jahr später seinen erste Fretless-Bass.

Quick Facts: Was ist ein Fretless-Bass?

Der Fretless-Bass ("bundloser Bass") ist ein E-Bass bzw. seltener ein Akustikbass, in dessen Griffbrett keine Bundstäbchen ("frets") zur Verbesserung der Intonation eingelassen wurden. Der Klang eines Fretless-Basses wird häufig als besonders "singend" und "klagend" bezeichnet, sodass er z.B. gerne in Balladen eingesetzt wird.

Aufgrund des Fehlens der Bundstäbchen muss die Intonation seitens des Spielers absolut "punktgenau" erfolgen, wie es auch bei klassischen Streichinstrumenten der Fall ist (Violine, Bratsche, Cello, Kontrabass ...). Aus diesem Grund wird Anfängern nicht selten davon abgeraten, direkt mit einem Fretless-Bass das Bassspiel zu beginnen. Aber auch für fortgeschrittene "Umsteiger" ist das Thema "Intonation" ein ständiger Begleiter und verlangt nicht selten lebenslanges Lernen und Üben.

In seiner Jugend spielte Palladino in einer lokalen Rockband und hatte Anfang der 1980er-Jahre seine ersten ernstzunehmenden Engagements. Rückblickend ist es kaum zu glauben, dass dies der Grundstein einer ganz erstaunlichen Karriere werden sollte, denn nur kurze Zeit später konnte sich der Waliser vor Aufträgen kaum retten.

Hier nur ein kurzer Überblick über die lange Liste der musikalischen Arbeitgeber Palladinos: Elton John, Phil Collins, Eric Clapton, The Who, Paul Young, David Gilmore, Steve Lukather, Jeff Beck, Don Henley, Go West, D'Angelo, Erykah Badu, John Mayer, Chris de Burgh, Nine Inch Nails, Oleta Adams, Zucchero, Melissa Etheridge, John Legend, Ed Sheeran ... the list goes on and on!

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Pino Palladino - Equipment und Sound

Zu Beginn der 1980er-Jahre entwickelte Pino Palladino einen sehr bemerkenswerten Signature-Sound: In dieser Zeit spielte er hauptsächlich einen Music Man Stingray Fretless, den er bei Bedarf auch gerne mal durch einen Boss OC-2 Octaver jagte, wie man beispielsweise sehr eindrucksvoll auf Paul Youngs  „I’m Gonna Tear Your Playhouse Down“ hören kann.

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Für diesen Fretless-Trademark-Sound verwendete Palladino einen 1979er Music Man Stingray Fretless-Viersaiter in Sunburst, den er bei Sam Ash gekauft hatte, einem der bekanntesten Musikläden in New York City. "Der Rest ist Geschichte", wie man so schön sagt - zahllose Produzenten und Superstars aus den 1980er- und 1990er-Jahren rissen sich um Pinos geschmackvolle Lines und wollten diesen singenden Sound auf ihren Hits haben!

Aber Trends kommen und gehen - irgendwann wurden die Nachfragen nach dem klangenden Fretless-Sound weniger. Es spricht für das enorme Talent, ein gutes Ohr und nicht zuletzt für ein gutes Gespür für eben diese musikalischen Trends und Entwicklungen, dass Palladino nicht an seinem Signature-Sound der 80er festgehalten hat, sondern kurzerhand einfach häufiger zum bundierten Bass griff, wo er eine nicht weniger gute Figur machte.

Pino Palladinos Sound auf Tracks von D’Angelo, John Mayer oder Erykah Badu aus den 1990er-Jahren ist auffallend dick und rund. Kein Wunder, denn am häufigsten war er seither mit seinem roten 61er Fender Precision Bass und einer großen Ampeg-Bassanlage zu sehen - ein waschechter Vintage-Sound also, ohne Frage beeinflusst von Vorbildern wie James Jamerson aus der Soul-Ära bzw. Motown-Ära.

>>>Hier gibt es weiterführende Tipps zum legendären Sound von Motown- bzw. James Jamerson!<<<

Am besten erreicht ihr einen solchen Sound mit dem vorderen Pickup eures Basses (falls euer Instrument über zwei Pickups verfügt) und einer ordentlichen Höhenabsenkung an der Klangregelung, damit es nicht zu drahtig klingt.

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Workshopteil - die besten Bassgrooves von Pino Palladino

Kommen wir nun zum praktischen Teil dieses Workshops. Die ersten vier Beispielgrooves, die ich für euch vorbereitet habe, stammen aus der Zeit zwischen 1999 und 2009, also aus der "Bundbass-Phase" von Pino Palladino. Die letzten beiden Beispiele hingegen habe ich der glorreichen Fretless-Zeit des Meisters entnommen. Dabei handelt es sich (natürlich) um zwei Welthits von Paul Young, denen Pino Palladino mit seinen unglaublich musikalischen und melodiösen Fretless-Spiel seinen ganz ureigenen Stempel aufgedrückt hat.

Ich habe euch Versionen mit Bass sowie basslose Playbacks zum Mitjammen produziert. Außerdem gibt es Noten und TABs. Achtung: Dort, wo die Noten mehr als eine Zeile umfassen, findet ihr kein eingebettetes Bild, sondern aus Gründen der Übersichtlichkeit einen gesonderten Downloadlink, auf den ihr klicken könnt.

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1.) "Vultures" - John Mayer

Der erste Groove, den ich Euch vorstellen möchte, stammt von einem John-Mayer-Titel mit dem Namen "Vultures" - ein Track mit einem flockigen Achtel-Popgroove. Das Stück gibt es gleich auf drei Alben von Mayer, und zwar auf dem Studioalbum „Continuum“ und auf den Live-Alben „Try!“ und „Where The Light Is“. Das Gute daran ist, dass Pino Palladino den Titel auf allen drei Versionen spielt, sodass man sehr gut die verschiedenen Variationen des Grooves vergleichen kann.

Ich habe von "Vultures" mit dem Strophengroove ein zweitaktiges Pattern vorbereitet. Der erste Takt ist immer gleich, während im zweiten Takt in der zweiten Hälfte stets leicht variiert wird. Ich habe dafür vier typische Variationen genommen, die Pino Palladino immer wieder auf allen drei Albumversionen spielt, sodass unser erstes Beispiel acht Takte besinhaltet.

Die Tonart ist F#-Moll, aber keine Angst - alle Töne, die ihr benötigt, sind in der F#-Moll-Pentatonik zu finden, also gerade einmal fünf:

Hier findet ihr die Klangbeispiele zum Song sowie die Noten als PDF zum Download:

Etwas kniffliger ist der kleine Sechzehntel-Lauf im achten Takt im Originaltempo. Kleiner Tipp: Übt ihn mit Pull-Offs! Das bedeutet, dass ihr das H mit der rechten Hand anschlagt und den Finger so abzieht, dass das A als Leersaite klingt. Genau so macht ihr es auch mit F# und E. Auf diese Art klingt der Lauf auch flüssiger.

Pino Palladino spielt den gesamten Track mit einer Dämpftechnik der rechten Anschlagshand, dem sogenannten "Palm-Muting". Dabei wird die Handkante kurz vor der Brücke auf die Saiten gelegt und die Töne mit dem Daumen oder bei schnelleren Passagen abwechselnd mit Daumen und Zeigefinger angeschlagen.

>>>Welche wichtigen Bassmodelle gibt es eigentlich? Alle Infos gibt es hier!<<<

Für unseren Groove würde ich vorschlagen, dass ihr immer die Achtelnoten auf den Zählzeiten 3+ und 4+ mit dem Zeigefinger spielt und die anderen Noten mit dem Daumen. Wenn ihr es dann noch schafft, den ersten Ton des Taktes etwas weniger gedämpft zu spielen als die nachfolgenden, klingt ihr schon fast wie Pino.

Diese Spieltechnik zu üben lohnt sich durchaus, denn man damkit wunderbare Dynamikwechsel erzeugen, wenn man beispielsweise in der Strophe eines Songs gedämpft und im Refrain normalen Fingerstyle spielt.

Als besonderes Schmankerl habe ich euch hier zuletzt noch eine sehr schöne Variation des Pino-Grooves vom Live-Album "Where The Light Is" aufgeschrieben.

Die ersten zwei Takte kennt Ihr schon, sie unterscheiden sich nicht vom vorherigen Beispiel. Interessant wird es dann aber im dritten und vierten Takt, wo Ihr beim Üben besonders auf die zweistimmigen Stellen achten solltet. Im dritten Takt auf Zählzeit 3 klingt das H, während eine Oktave darüber das C# hinzukommt; im vierten Takt lasst Ihr das C# klingen, wenn das E angeschlagen wird. Die Sechzehntelnoten klingen am entspanntesten mit der Hammer-On-Technik, also dem Gegenteil des oben angewendeten Pull-Offs.

Im Klartext: Ihr schlagt im dritten Takt das E normal mit der rechten Hand an, das nachfolgende F# wird aber nur mit dem Finger der Greifhand „aufgehämmert“. Dasselbe macht Ihr mit den anderen Sechzehntelnoten, nämlich immer die erste anschlagen, die zweite aufhämmern. Die betreffenden Stellen habe ich im Notenteil mit Bindebögen versehen. Übt diese Variation am besten erst einmal langsam und ohne Playback, bis Ihr sicher seid.

>>>Cooler Bass-Workshop: Hier findest du "20 Rock-Bassgrooves, die jeder kennen sollte"!<<<

2.) "Good Love Is On The Way" - John Mayer

Der nächste Groove ist aus dem Intro des John-Mayer-Tracks "Good Love Is On The Way", der ebenfalls auf beiden Live-Alben zu finden ist. Die erste Version, die ich für euch aufgeschrieben habe, ist vom "Where The Light Is"-Album.

Als Tonmaterial kommt hier A-Mixolydisch zum Einsatz - eine Skala, die auf der fünften Stufe der Durtonleiter steht:

Dieser Groove ist zwar zweitaktig, der zweite Takt ist jedoch lediglich eine nach unten transponierte Version des ersten. Übt die zweite Hälfte der beiden Takte auch erst einmal gesondert, weil der Bewegungsablauf doch eher gewöhnungsbedürftig ist. Wenn ihr die Passage sicher beherrscht, könnt ihr euch mit dem Playback einen Loop machen und den Groove im Originaltempo endlos üben.

Auch hiervon gibt es eine zweite Variation, die ich vom „Try“-Album abgehört habe. Dort spielt Pino Palladino nämlich im zweiten Takt nicht die transponierte Version des ersten, sondern eine leicht veränderte Linie mit E-Leersaite am Schluss. Achtet beim Üben auch darauf, dass die Sechzehntellinie sehr flüssig und entspannt klingt - also auch hier besser mal gesondert üben!

3.) "Penitentiary Philosophy" - Erykah Badu

Weiter geht es mit dem Erykah-Badu-Track „Penitentiary Philosophy“. Auch bei diesem Titel habe ich den Strophengroove aufgeschrieben, weil der rhythmisch interessanter ist als der Chorus. Pino Palladino variiert dabei natürlich sehr viel in kleinen Details, weshalb ich einfach exemplarisch acht Takte mit einigen Variationen herausgehört habe.

Hier kommt ausnahmsweise nicht der rote Precision-Bass zum Einsatz, sondern ein Jazz Bass vom japanischen Hersteller Moon. Der Sound ist aber dennoch eher bassig und dumpf. Ich bin mir ziemlich sicher, dass Pinos Jazz Bass ein Viersaiter ist, er hat ihn also vermutlich nach unten gestimmt, um bis zum C# zu kommen - die Strophe ist nämlich in C#-Moll und das tiefe C# wird häufig benutzt. Das Tonmaterial ist auch hier eher reduziert und beschränkt sich auf fünf Töne aus der dorischen Skala, die auf der zweiten Stufe der Durtonleiter gebildet wird.

Hier könnt ihr den Groove hören, in der PDF nachverfolgen und zum Playback mitjammen:

Für diejenigen unter euch, die keinen Fünfsaiter besitzen oder den Bass nicht nach unten stimmen wollen, habe ich sowohl das Playback als auch die Noten in E-Moll vorbereitet. Man kann den Groove auch sehr gut eine kleine Terz höher spielen, und manche werden es sogar angenehmer finden, weil man als tiefsten Ton dann die Leersaite hat.

Hier bekommt ihr von mir die Töne der Skala, das Playback und den aufgeschriebenen Groove als PDF.

Der Groove ist ziemlich Sechzehntel-lastig, das Tempo aber zum Glück relativ gemütlich. Solltet ihr trotzdem Probleme haben, die acht Takte entspannt zu spielen, gilt auch hier: Erst einmal langsam und exakt mit dem Metronom üben, die Bewegungsablaufe prägen sich dann ein und man kann das Tempo später beschleunigen.

Experimentiert auch hier mit der Phrasierung, denn die Lines klingen gleich entspannter, wenn man an den richtigen Stellen die oben erwähnten Hammer-Ons und Pull-Offs einsetzt und nicht jeden Ton mit der rechten Hand anschlägt. Dafür bieten sich immer die Sechzehntel an, die nur einen Ganz- oder Halbtonschritt voneinander entfernt liegen, also zum Beispiel das hohe C# und H oder im siebten Takt das H und C#.

4.) "Playa, Playa" - D'Angelo

Hier habe ich einen etwas spezielleren Groove ausgesucht, der auf dem Album „Vodoo“ von D'Angelo zu finden ist. Der Titel heißt „Playa, Playa“ und illustriert sehr deutlich die Fähigkeiten von Pino Palladino. Er spielt sehr sparsam, ungeheuer groovend und geschmackvoll.

Ich habe einen viertaktigen Grundgroove vorbeitet, der von Pino natürlich immer wieder variiert wird. Das Tonmaterial ist auch hier übersichtlich und wird bis auf zwei chromatische Durchgangstöne von B-Dorisch abgedeckt. Das A auf der letzten Sechzehntel im dritten Takt und das E auf dem vierten Schlag im letzten Takt sind die zwei Durchgangstöne, die zum nächsten Grundton leiten.

Nach der Pflicht kommt die Kür - hier sind der Groove, der Jam-Track und die Noten im 3er-Pack:

Da der Groove ein tiefes Eb enthält, das auf einem handelsüblichen Viersaiter nicht zu finden ist, habe ich die Noten und das Playback auch hier wieder einen Ganzton höher vorbereitet, also in Cm:

Spieltechnisch gibt es bei dem Groove keine besonderen Schwierigkeiten. Experimentiert auch hier mit Hammer-Ons, damit es geschmeidig groovt und nicht hakelig klingt. Ich habe euch im Notenteil an den betreffenden Stellen Bindebögen eingezeichnet.

Beim Pattern kommt es sehr auf das Timing an, was aber nicht bedeutet, dass es unheimlich präzise genagelt werden sollte: Pino Palladino spielt auf dem Track ultra-laid-back, dennoch läuft die Rhythmussektion nicht aus dem Ruder, sondern groovt wie verrückt. Nehmt einfach das Playback und experimentiert damit, es macht einfach ungemein viel Spaß mit diesem Groove!

>>>Noch einen coolen Groove von Pino Palladino gibt es in diesem sehr akribischen Workshop, der sich dem Song "Call Me" von Go West widmet!<<<

5.) "Wherever I Lay My Hat" - Paul Young

Nun schauen wir uns einmal zwei Beispiels aus der Fretless-Ära von Pino Palladino an. Dabei ist mir natürlich klar, dass längst nicht jeder von euch einen Fretless-Bass in seiner Sammlung hat. Das sollte allerdings kein Grund sein, sich nicht mit den tollen Fretless-Lines von Pino Palladino zu beschäftigen, denn sie klingen auch auf einem normalen Bass klasse und der Lerneffekt ist natürlich unabhängig vom Instrument sehr groß.

Um zu zeigen, dass das funktionieren kann, habe ich für die Audios tatsächlich auch zu einem normalen Bundbass gegriffen und den Sound mit einem langsam modulierenden Chorus versehen. Den sustainreichen singenden Fretless-Charakter habe ich dann noch mit einer relativ starken Komprimierung herausgearbeitet.

Damit der Sound weich und schwebend klingt, solltet ihr am Kompressor ein kurze Attackzeit und eine lange Releasezeit einstellen - die Kompression setzt dann sofort nach dem Anschlagen der Töne ein und verlängert den Ausklang derselben.

>>>Welche Tools solltest du als Bassist unbedingt immer dabeihaben? Alle Tipps gibt es hier!<<<

So, genug Tech-Talk, jetzt beginnen wir mit einer kleinen Melodie, die der Meister als Intro zu Paul Young's "Wherever I Lay My Hat" beigesteuert hat. Aus technischer Sicht ist die Melodie nicht allzu schwer, den Anfang solltet ihr euch allerdings ein paarmal in Zeitlupe vorknöpfen, damit ihr die Terz wirklich sauber spielen könnt!

Palladino greift das C im Auftakt mit dem Ringfinger und macht einen Slide zum D, für den zweistimmigen Part mit den Tönen B und D verwendet er dann den Ringfinger und den Mittelfinger. Der Fingersatz fühlt sich anfangs etwas gewöhnungsbedürftigt an, die Passage kann aber auf diese Art am besten gebunden, als ohne Pausen zwischen den Tönen, gespielt werden. Ihr solltet natürlich auch den Rest der Melodie möglichst gebunden, oder wie es im Fachchinesisch heißt: "legato" spielen, damit die Tonfolge möglichst flüssig und geschmeidig klingt.

Übrigens: Palladino selbst gibt in Interviews an, dass einige Passagen dieser Melodie nicht von ihm, sondern von dem russischen Komponisten Igor Strawinsky (1882 - 1971) stammen. Man kann sich also durchaus auch von den alten Musik-Großmeistern für coole Bass-Parts inspirieren lassen!

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6.) "Everytime You Go Away" - Paul Young

Im Song "Evertime You Go Away" von Paul Young zeigt Pino Palladino, wie man eine simple Bassbegleitung mit spektakulären Fills interessant und abwechslungsreich gestalten kann. Ich habe für euch die intro, den ersten Vers und den ersten Chorus aufgeschrieben und aufgenommen, denn bereits diese Passage ist mit tollen Melodien und Fills gespickt.

Der Song steht in der Tonart F-Dur und Pino Palladino spielt eine sehr songdienliche und einfache Bassbegleitung, die sich rhythmisch kaum verändert. Zum Kontrast feuert er aber alle paar Takte wirklich tolle Fills ab, die es in sich haben. Die meisten davon bestehen aus Sechzehntelnoten und sind dementsprechend eher schnell - dreht also ruhig erst einmal das Tempo runter und schaut euch die einzelnen Fills gesondert an.

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Besondere Aufmerksamkeit erfordert auf jeden Fall die Passage von Takt 17 bis 19, denn hier ist die Fill-Dichte besonders hoch. Palladino spielt in Takt 17 Doublestops mit Quarten, im nächsten Takt ein schnelles D-Moll-Lick mit einer Sechzehnteltriole, und in Takt 19 direkt wieder zwei Doublestops. Die Doublestops spielt Pino Palladino alle als Slides, er schleift also immer die erste Quarte von unten an und rutscht dann zur nächsten - hört euch für sämtliche Phrasierungsfeinheiten auf jeden Fall das Original auf YouTube an! 

Die Triole in Takt 18 wird mit der sogenannten Pull-Off-Technik gespielt. Ihr schlagt also nur das G mit der rechten Hand an, die Töne F und E erzeugt ihr durch abziehen der Greiffinger nach unten. Schnelle Läufe klingen mit der Legato-Technik deutlich enspannter und flüssiger. Für das Audiobeispiel habe ich abermals einen normalen Bundbass verwendet und den Sound mit einem langsamen Chorus und einer starken Komprimierung in Richtung Fretless getrimmt - es klappt wirklich gut!

Viel Spaß mit den tollen Grooves und Fills von Pino Palladino und bis zum nächsten Mal,

euer Rainer Wind

Veröffentlicht am 24.06.2019

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