Software
Test
10
22.08.2019

Plugin Alliance DS Thorn 1.2 Test

Software-Synthesizer

Jetzt auch im PA-Universum!

DS Thorn ist ist schon gute zwei Jahre alt, wurde aber nun auf Version 1.2 geupdatet und in das Repertoire von Plugin Alliance mitaufgenommen. Von beißenden Leads über brodelnde Bässe bis hin zu bittersüßen Pad-Sounds bringt das Plugin eine umfangreiche Preset-Bibliothek, eine sehr aufgeräumte Oberfläche und einige Besonderheiten mit, die es von bekannten Softwaresynthesizern wie Serum, Massive oder Sylenth1 abhebt. 

Als Dmitry Sches Ende 2017 DS Thorn veröffentlichte, sorgte der Softwaresynthesizer für Aufsehen. Sches war als Programmierer des Softsynth Diversion und des Multi-Effekts Tantra bereits ein echter Geheimtipp in der Pluginszene, als er sich mit Thorn ein Denkmal setzte. Thorn ist nicht nur einfach zu bedienen und erzeugt einen großartigen Sound, sondern er hat auch einige Besonderheiten an Bord, die zeigen, dass Sches sowohl kreativ ist als auch den Workflow berücksichtigt.

Details

Je höher der Beliebtheitsgrad einer Softwarefirma ist, desto größer ist meist auch der Arbeitsaufwand, der für Updates, den Support und den Onlineshop betrieben werden muss. Da kommt eine Ein-Mann-Firma wie Dmitry Sches schnell an ihre Grenzen. „Warum dann nicht eine Plattform finden, die vieles davon übernimmt?“, dachte sich Dmitry Sches deshalb und stellt den DS Thorn seit Januar 2019 nur noch exklusiv auf der Plattform Plugin Alliance zur Verfügung. Die Seite ist vor allem für die hochwertigen Mixing-Plugins von Brainworx, den von uns getesteten Soft-Synth Bx_oberhausen und für Edel-Analog-Emulation wie EQ4SPL Iron sowie Shadow Hills Mastering Compressor bekannt.

Game of Thorns – Was macht DS Thorn so einzigartig?

Wer als Softsynth-Hersteller nicht mit der 371. Analogsynthesizer-Emulation daherkommen will, braucht schon ein paar ganz besondere Programmierkniffe, um in der Masse noch irgendwie aufzufallen. Warum also nicht „in-the-box“ denken? Welche Synthesearten sind so komplex, dass sie auf Hardware kaum, als Software hingegen sehr gut umsetzbar sind? Wie muss moduliert und gefiltert werden, dass auch hier neue Möglichkeiten entstehen?

DS Thorn erzeugt Sounds durch die sogenannte Spektralsynthese. Grundsätzlich bedeutet das eine viel genauere Kontrolle der von den drei Oszillatoren erzeugten Obertöne. Dazu gibt es ein „Harmonic Filter“, mit dem sich vor zwei normalen Filtermodulen gezielt an der Zusammensetzung und dem zeitlichen Verlauf der Obertöne herumschrauben lässt. Außerdem ist ein Glitch-Sequencer für besonders drastische Soundeffekte mit an Bord.

DS Thorn gibt es bei Plugin Alliance (PA). Dort könnt ihr das Plugin für Windows oder Mac  herunterladen. Wie alle Plugins bei PA könnt ihr auch DS Thorn 14 Tage lang in vollem Funktionsumfang testen, vorausgesetzt ihr habt einen Account bei PA. Falls ihr bereits andere PA-Plugins besitzt und diese über den Installationsmanager installiert habt, könnt ihr das Plugin auch direkt im Programm laden und installieren lassen.

Der Softsynth existiert in allen gängigen Pluginformaten, läuft auf Macs mit OSX 10.9 bis 10.15 und Windows-Rechnern mit Windows 7 bis 10 und setzt eine SSE3-fähige CPU voraus.  

Dornig, praktisch, gut – Die Oberfläche von DS Thorn 

Beim ersten Öffnen fällt sofort ins Auge, wie einfach die Benutzeroberfläche (GUI) gehalten ist. Links findet ihr die drei Oszillatoren sowie das Harmonic Filter und zwei normale Filter und rechts findet ihr die Amp-Sektion mit eingebautem Limiter. Oben wählt man die Presets und bestimmt die Glide-Dauer, die Mehrstimmigkeit und die Verstimmbarkeit durch den Pitchbend-Regler. In der Mitte sitzen die Effekte, der Glitch-Sequencer, ein Arpeggiator, die Effektsektion mit neun Effekten und die Modulationsmatrix. Unten sind farblich abgegrenzt die sieben Modulatoren untergebracht: drei Hüllkurven, zwei LFOs und zwei MSEGs (Multi-Stage-Envelope-Generator), wo sich komplexe Hüllkurven und Rhythmen erzeugen lassen.

Die drei Oszillatoren sind eine Kreuzung aus denen in Serum und denen in Operator in Ableton Live. Eigene Wellenformen und lassen sich, anders als im Flaggschiff von Ableton, importieren. Im Harmonic Editor, der in jedem Oszillator zur Verfügung steht, reicht ein Rechtsklick auf die Welle. Per „Import All Frames“ kann man eigenes Material laden. Wie in Operator kann man dann ganz beliebig in den Obertönen – 128 hat jedes Frame – herumzeichnen und, genau wie in Serum, auch die Phase jedes Obertons verändern. Jeder der drei Oszillatoren hat dazu einen eigenen Sub-Oszillator und bis zu acht Unison-Instanzen, die sich über die Parameter „Detune“ und „Spread“ beeinflussen lassen. Außerdem besitzt jeder von ihnen einen eigenen Vibrato-Regler und acht „Spektraleffekte“. 

In den Obertönen liegt der Hase begraben, dass wussten schon die FM-Frickler in den 80er Jahren. Je mehr davon und je variantenreicher sie sind, desto besser und genauer kann man mit den Filtern die Signale formen. Für Obertöne bis zum Mond sind eben jene Spektraleffekte zuständig. Mit Effekten wie „Screamer“, „Notch“ oder „Comb“ lassen sich die Obertöne der generierten Sounds beeinflussen, bevor breitbandig von den Filtern abgeschnitten wird. Zusammen mit bekannten Echtzeiteffekten wie FM, RM, Sync und PWM lassen sich selbst aus einfachen Square-Wave komplexe Sounds erzeugen. 

Einmal Synth, alles drin – Die Standardausrüstung von DS Thorn

Neben dieser Besonderheit bringt DS Thorn viel mit, was zu jedem guten Synthesizer gehört: neun Effekte (Von Reverb über Distortion hin zu Delay, Flanger und Chorus), sieben Modulatoren (ADSR, LFO und MultiStage-Envelopes), eine kleine Modulationsmatrix und einen Arpeggiator. Dazu gibt es zwei Filter, die sich über Schaltflächen an den Oszillatoren einzeln, parallel oder in Reihe ansteuern lassen und die die standardmäßigen LP-, HP-, und BP-Filtertypen in verschiedenen Ausführungen mitbringen. Nicht außer Acht zu lassen ist der Noise-Oszillator, der bereits einige Rausch- und Klicksounds mitbringt und in den sich jede beliebige WAV-Datei importieren lässt. 

Zwei Besonderheiten bringt DS Thorn aber noch mit: Zum einen ist da das Harmonic Filter, ein Filter, das Spektralkurven auf die der Oszillatoren anwendet und so die Obertöne formt und dämpft. Anders als ein normales Filter, bei dem die HP/LP/BP-Bänder relativ starre Kurven mitbringen, kann man im Harmonic Filter seine eigene, sehr genaue und bei Bedarf auch schön chaotische Filterkurve zeichnen und auf das Signal anwenden. Die zweite Besonderheit ist der Glitch-Sequencer. Dmitry Sches hat hier in eigenen Gefilden gewildert und quasi eine Miniversion seines hervorragenden Multi-Effekt-Plugins Tantra in DS Thorn eingebaut. Vom klassischen Trancegate über stolpernde Stutter-Pads hin zum Skrillex-Bass ist hier mit wenigen Mausklicks schnell ein Pattern gebaut.

Audiobeispiele

Pro & Contra

  • Alle Sounds sehr druckvoll und professionell
  • Sehr intuitive und übersichtliche Oberfläche
  • „Declicker“, der Klicksounds bei zu kurzen Attackzeiten vermeiden lässt
  • Harmonic Filter erlaubt besonders genauen und mit normalen Filtern nicht möglichen Eingriff in die Obertöne
  • Durch Glitch-Sequencer endlos interessante Effekte jedes Sounds möglich
  • Parameter-Lock: Gewünschte Parameter ändern sich nicht bei Presetwechsel

  • Modulationsmöglichkeiten etwas eingeschränkt

  • Kein echter Presetbrowser

Verwandte Artikel

User Kommentare

Zum Seitenanfang
ZUR STANDARD WEB-ANSICHT X