Software
Test
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16.01.2019

Plugin Alliance Elysia Phil's Cascade Test

Saturation-Plugin

Exciter & Harmonic-Distortion Esoterik in-the-box

Man nehme seltene NOS-Bauteile, packe sie in eine Gain-Box, versehe diese mit reichlich Kontrolle – und modelliere anschließend das Ganze aufwendig mit einem Plugin. Gesagt, getan: Elysia Phil's Cascade.

Das neuste Plugin der Plugin Alliance bietet ausgefallenere Optionen „analoge“ Obertöne zu erzeugen und möchte zum Experimentieren einladen. Es werden dabei „New Old Stock“- Bauteile emuliert, die man in einem Neugerät aufgrund seltener Stückzahlen, stolzer Preise und nicht mehr zulässiger Inhaltsstoffe so eher nicht mehr verbauen würde. Klingt esoterisch? Ist es auch – und so soll es sein.

Details

Hardware first

Elysia steht für hochwertige analoge 19-Zoll-Technik, darunter Preamps, Kompressoren, Saturator und natürlich auch EQs. Plugin Alliance wiederum kennt man für hochwertige Plugins mit detaillierten Emulationen teurer Hardware. Erst kommt die Idee, dann Hardware – und dann die Emulation. So war es bisher.

Shanti Shanti!

Bei Phil's Cascade scheint die Situation etwas anders. Zunächst hat man einen Prototypen ohne Blick auf Kosten und Vernunft gebaut, mit dem alleinigen Wissen, die Schaltung anschließend zu emulieren.

Und so kamen reichlich seltene, teure und nicht mehr EU-verkehrsfähige NOS-Bauteile zum Einsatz, darunter 75er Philips NE und NX Übertrager, Phillips ECC91, EF183 und EF86 Röhren, Roederstein Caps sowie weitere Sprague, Erdmet, Wima und PSW Bauteile – und das alles wurde von Roger Schulte höchstpersönlich Point-to-Point verkabelt. Die Legende besagt, der Mann hat nur bei Vollmond mit Atom-Strom gelötet und sogar Jungfrauen-Spucke ins Lötzinn gerührt …

Am Ende ist es für mich dennoch ein Exciter-Plugin einer Drive- bzw. Saturation-Box geworden. Ein Tool für Harmonic Distortions, zum experimentellen „Anfetten“ – und nicht um irgendeine spezielle technische Aufgabe zu bewerkstelligen. Ein Schöngeist, um interessante Farben zu zaubern.

Kurzer GUI-Überblick

Das wichtigste Bedienelement der fotorealistischen GUI ist der zentrale „Rotary Capacitor“ des GAIN. Dabei handelt es sich um einen Drehkondensator mit hinterleuchteter Drehanzeige zur Steuerung der Vorverstärkung. Je heißer man die Kiste fährt, umso mehr Harmonische gibt es – logisch. 

Das Ganze kann man links noch mehr verstärken, wozu ein weiterer BOOST-Schalter mit drei Stufen angedacht ist. Außerdem kann man mit BIAS andicken oder ausdünnen sowie mit GRID noch die Struktur der „Zerre“ manipulieren. Beide Funktionen stehen in starker Abhängigkeit zueinander. Hinzukommt links ein Mid/High-Filter, das mit PEAK und RESSONACE (off; 1,5 kHz; 2,4 kHz; 3,6 kHz; 4,4 kHz; 4,6 kHz; 5,7 kHz; 6,2 kHz; 8 kHz; 8,4 kHz;) justiert wird. Auf der rechten Seite wird somit „angedickt“.

Die linke Seite wiederum bietet Elemente, um das Ergebnis wieder zu zähmen. Dazu gehören ein klangneutraler LEVEL-Regler, um „zu heiße“ Pegel abzufangen, der obligatorische MIX Dry/Wet-Regler sowie ein weiteres neunstufiges FILTER mit folgendem variablen High-Roll-Off: 18 kHz; 16 kHz; 12 kHz; 10 kHz; 8 kHz; 6 kHz; 4 kHz; 2 kHz; 1 kHz.

Natürlich gibt es auch noch einen Bypass, hier nennt er sich jedoch STATUS. Nicht zu vergessen ist das in der Helligkeit veränderbare Power-Lämpchen, das einem Atom-Zeichen ähnelt, allerdings keinerlei praktische Funktion erfüllt – außer gut auszusehen und etwas zu verwirren. Die typischen A, B, C, D Speicherplätze, die sogar automatisierbar sind, Clipboard-Copy/Paste und eine aktivierbare L/R-Toleranzabweichung der Bauteile sowie eine Zoom-Funktionen (yes!) und ein paar Presets kommen hinzu. 

Audiobeispiele

Pro & Contra

  • reichlich Sweetspots
  • experimentelles Konzept
  • vielfältige Klangmöglichkeiten

  • verhältnismäßig teuer

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