Gitarre Hersteller_PRS
Test
1
13.11.2014

Praxis

Beim Einschalten fallen die beiden eingebauten Lüfter zwar sofort auf, allerdings verrichten sie ihren Dienst sehr leise und keinesfalls störend. Sie halten die Temperatur der Glaskolben auf einem kühlen Niveau, was deren Lebenserwartung entgegenkommt. Klanglich befindet sich der Amp in einer Zwischenwelt von Fender Hiwatt und Marshall. Der Sound ist extrem dynamisch und das gesamte Frequenzspektrum ausgewogen vertreten. Der leichte Einbruch bei 1 KHZ ist nicht so stark ausgeprägt, wie man es vom berühmten britischen Rockklassiker her kennt. Hier reagiert der Amp leicht mittig unterfüttert, wodurch sich der Sound im Bandkontext noch besser durchsetzt. Bei meinen ersten akustischen Annäherungsversuchen an den Amp habe ich mich zuerst dem cleanen Kanal gewidmet. Die klangliche Bandbreite übersteigt den eines klassischen cleanen Kanals bei weitem, denn man bekommt sowohl klare Fendersounds als auch rotzige Hiwatt/Marshall-Klänge problemlos hin. Im Vergleich zum Fender Twin Reverb als Referenzamp bietet der cleane Kanal weitaus weniger Eierschneider-Höhen, selbst dann, wenn der Bright-Schalter aktiviert ist.

Dreht man den Volume-Regler auf Halbgas, erhält man je nach Ausgangsleistung der verwendeten Tonabnehmer schon einen rotzigen und leicht gesättigten Klang. Die hier verwendete Stratocaster ist mit David Gilmour EMG-Pickups ausgestattet und bietet einen etwas höheren Ausgangspegel als klassische Singlecoils. Deshalb muss man mit schwachen Tonabnehmern den Volume-Regler weiter aufdrehen, aber die Tendenz ist klar erkennbar. Im nächsten Beispiel habe ich den mittleren Pickup verwendet.

Der PRS 2 Channel "H" reagiert extrem sensibel auf den Anschlag und die verwendete Gitarre. Für die beiden folgenden Audiobeispiele wurde die Stratocaster gegen eine Gibson SG getauscht, die mit Burstbuckern ausgestattet ist. Die Gitarre hat einen knackigen und leicht hölzernen Vintagecharakter, der hier sehr gut zur Geltung kommt. Die Endstufe steht auf 15 Uhr, wobei der Amp eine höllische Lautstärke produziert. Aber eine derart ausgeglichene Endstufenzerre habe ich bei Testverstärkern selten gehört. Klasse! Ähnlich gut hat mir in dieser Disziplin der Chandler GAV 19 T gefallen, der seine Sounds ausschließlich mittels Endstufenverzerrung realisiert. Um den Ton nicht schon in der Vorstufe anzuzerren, habe ich den Volume-Regler auf 9 Uhr zurückgedreht.

Der Lead Kanal knüpft sowohl klanglich als auch in Bezug auf seinen Dynamik nahtlos an den cleanen Kanal an. Man gelangt hier also nicht, wie bei vielen anderen Gitarrenamps, plötzlich in eine komplett andere Brat-Welt. Allerdings ist hier Schluss mit cleanen oder leicht angezerrten Sounds. Ab 10-Uhr-Gain kommt der Amp aus den Puschen, vorher klingt der Leadkanal schlapp und unmotiviert. Aber ab dort beginnt das Topteil klanglich aufzublühen und die Endstufenzerre zeigt sich mit einem stabilen, dynamischen Fundament. Die verwendete Gitarre ist eine Customshop Les Paul, die mit mittelkräftigen Dommenget-Humbuckern bestückt ist. Hier kommt ebenfalls die exzellente Ansprache der ausgefuchsten Röhrenschaltung gut zur Geltung.

Auch mit sehr viel Gain klingt der Verstärker immer noch differenziert und ausgeglichen. Die Dynamik und die Charaktereigenschaften der verwendeten Gitarre bleiben erhalten, kein Anflug von Gleichmacherei. Wegen der etwas mittigeren Klangstruktur erinnert mich der Sound tendenziell leicht an Hiwatt-Verstärker. Ob das an den verwendeten Heyboer-Boutique Trafos liegt, kann ich nicht sagen, aber das typische Marshall-Mittenloch ist hier weniger ausgeprägt. Der Sound eignet sich gut für Classic Blues/Rock und tendiert nie in Metallregionen.

Audiobeispiele

Pro & Contra

  • Verarbeitung
  • Sound
  • Vielseitigkeit
  • Dynamik
  • Interaktion mit dem jeweiligen Gitarrentypen

  • Keins

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