Hersteller_PRS
Test
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08.11.2013

PRS 513 Test

E-Gitarre

Wilde Dreizehn?

Die PRS 513 im bonedo-Test - 1976 war es Carlos Santana, der sich für die Instrumente von Paul Reed Smith entschied und damit dem aufstrebenden Gitarrenbauer half, sich weltweit einen Namen  zu machen. Die Gitarren aus den Anfangsjahren besitzen mittlerweile Sammlerwert, wurden sie doch in kleinen Stückzahlen und in einer relativ bescheidenen Werkstatt in Handarbeit aus allerfeinsten Zutaten zu hochwertigen Instrument zusammengesetzt. Im Laufe der Jahre zu einem renommierten und auch in seiner Größe imposanten Hersteller gewachsen, hat PRS sich in der von den Giganten Fender und Gibson beherrschten Gitarrenwelt einen festen Platz erobert.

Nach wie vor setzt Chef und Mastermind Paul Reed Smith auf hochwertige Materialien und erstklassige Verarbeitung, und auch unser heutiges Testobjekt legt davon Zeugnis ab. Der bescheidene Name, der lediglich aus der Zahl 513 besteht, soll darauf hinweisen, dass wir es bei ihr mit fünf Tonabnehmern und 13 verschiedenen Sounds zu tun haben.

Details

Konzept und Aufbau

Gleich nach dem Öffnen des Koffers strahlt die Edelgitarre dem potentiellen Käufer förmlich entgegen. Ja, so sieht eine echte Paul Reed Smith Gitarre aus! Die typische Kopfplatte und der Body, der sowohl Strat- als auch Les Paul-Gene hat, sind die Markenzeichen dieser Firma. Diese unverwechselbare Gitarrenform, die hier mit einer eher schlichten und klassischen Lackierung daherkommt, hat einen ganz eigenen Charme. Im Gegensatz zu Strats oder Les Pauls gelten sichtlich gebrauchte und vom langen Bühnenleben gezeichnete Instrumente bei dieser Marke nicht unbedingt zum Schönheitsideal. Ganz im Gegenteil möchte der Sammler alter PRS-Gitarren ein möglichst jungfräuliches Instrument ergattern. Neben der typischen Silhouette fällt bei der 513 zunächst die ungewöhnliche Pickupbestückung auf, die aus fünf einzelnen Tonabnehmern besteht. Wie schon erwähnt, ergibt sich der Name zusätzlich aus den 13 Klangvarianten, die aus den möglichen Kombinationen aller Schalt- und Splitmöglichkeiten hervorgehen. Dank zweier sogenannter Blade Switches, einem 3-Wege- und einem 5-Wege-Schalter, ist es möglich, neben den typischen Humbuckersounds auch die klassischen Singlecoilsound zu erzeugen.

Der Korpus

Der Korpus ist etwas dicker als der meiner alten Custom 22 aus den 80ern, die ich bei PRS-Tests immer gerne als Referenz hernehme. Dank des größeren Holzvolumens entlässt die 513 schon unverstärkt einen etwas fleischigeren Ton als mein altes Schätzchen. Der Body besteht wie bei einer klassischen Gibson Les Paul Custom aus Mahagoni mit aufgeleimter und bei diesem Modell sogar einteiliger Ahorndecke. Diese Mixtur steht für einen warmen und fetten Sound mit knackigem Anschlag und einem wohldosierten Obertonspektrum. Außerdem kommen nur erstklassige Hölzer zum Einsatz, wodurch das Instrument über enorme Resonanzeigenschaften verfügt und gleichzeitig mit einem komfortablen Gewicht punktet. Die Testgitarre ist mit einer Antique Natural Lackierung versehen, die mir persönlich besser gefällt als viele der knallbunten Farbvarianten, die sich auf der PRS-Homepage tummeln.

Das PRS-Tremolo ist durch sechs Schrauben mit dem Korpus verbunden, und seine Arbeitsweise ähnelt im Grunde genommen dem der Stratocaster. Das Teil arbeitet leichtgängig, nahezu verstimmungsfrei und klingt sehr gut. Ich habe mein altes PRS-Gusstremolo aus den 80ern irgendwann gegen ein neues Modell mit separater Bridge-Plate und Tremoloblock getauscht und war erstaunt, wie viel besser meine Gitarre plötzlich klang. Diese Maßnahme kann ich übrigens auch allen Besitzern von 70er-Jahre Strats empfehlen, weil man damals bei Fender ebenfalls Gusstremolos verwendete, die bei weitem nicht so gut klingen wie Customshop-Tremolos oder die Teile von Callaham.

Aber zurück zur 513. Wenn man das gute Stück umdreht, fällt die farblich dunklere Rückseite auf, die mir durchaus gefällt. Das kennt man auch von Les Pauls, die rückseitig anders lackiert sind - eine Frage des Geschmacks. Hier liegen hinter zwei Kunststoffabdeckungen auch die Kammern für die Federn des Tremolos und die Elektronik.

Der Hals

Der aus Mahagoni gefertigte Hals besitzt ein aufgeleimtes Palisandergriffbrett, also die klassische Holzauswahl für eine anständige Rockgitarre. Eingelassene Bird-Inlays und kleine Punkte an der Halskante dienen der Orientierung auf dem Griffbrett. Der Hals liegt angenehm in der Hand und lässt sich klasse bespielen. Wie erwartet, kommt auch diese Gitarre nahezu perfekt eingestellt aus dem PRS-Werk. Lediglich die Bundreinheit musste ich nachträglich korrigieren, eine Maßnahme, die man bei einer neuen Gitarre immer zuerst durchführen sollte, da man das Instrument sonst einfach nicht sauber gestimmt bekommt. iPhone und iPad Benutzern kann ich an dieser Stelle übrigens die iStroboSoft App von Peterson empfehlen, die wesentlich genauer  arbeitet als viele Wald- und Wiesenstimmgeräte.

Die 22 Bünde der PRS 513 sind hervorragend abgerichtet und man hat das Gefühl, ein bereits eingespieltes Instrument in den Händen zu halten. Der Korpus-Hals-Übergang beginnt in Höhe des siebzehnten Bundes. Hier werden sich Spieler, die ultraflache Flitzefingerklampfen mit hauchdünnen Hälsen gewohnt sind, eventuell nicht sofort zu Hause fühlen. Wer aber mit Strats und Les Pauls klarkommt, sollte auch hier keine Probleme haben. Die charakteristische Kopfplatte mit dem unsymmetrischen Ende beherbergt Klemm-Mechaniken aus eigener Fertigung. PRS war hier seiner Zeit immer schon voraus und verbaute bereits Locking-Tuner, als diese für viele Puristen noch aus dem Reich des Bösen kamen. Bei den Phase III Klemm-Mechaniken werden die Saiten ähnlich wie bei den gängigen Modellen von Schaller oder Sperzel durch den Schaft gesteckt und mit einer Schraube fixiert. Und die Gitarre hält die Stimmung tatsächlich exzellent. Selbst bei massivem Tremologebrauch verstimmt sie sich höchstens in unwesentlichen Nuancen,  wobei ich hier nicht von Divebombs rede, die man mit dem eher klassischen Tremolo ohnehin nicht wirklich hinbekommt.

Die Schaltung

Hurra, endlich richtige Stratsounds mit einer PRS! Das war mein erster Gedanke, als ich die Gitarre sah. Der Grund ist der mittlere Tonabnehmer, der für die Realisierung authentischer Stratocastersounds unerlässlich ist. Bei einigen PRS-Modellen, wie auch bei meiner alten Custom 22 aus den 80ern, gibt es einen „Stratfake-Sound“, der durch das Splitten der beiden Humbucker und die Aktivierung der beiden inneren Spulen erzeugt wird. Mit den silbrigen Zwischenstellungen des Originals hat das jedoch nicht viel zu tun. Bei der 513 ist das anders, aber dazu später mehr. Sie ist im Grunde mit fünf Singlecoils bestückt, die in drei Gruppen zusammengefasst sind. Steg und Hals bestehen aus je zwei Einzelspulern, die entweder alleine oder als Humbucker geschaltet werden können, während in der Mitte ein einzelner Singlecoil sein Dasein fristet. Angewählt werden die Pickups mittels eines 5-Wege-Schalters, dessen Positionen denen der Stratocaster entsprechen.

Oberhalb der beiden Potis befindet sich der sogenannte Mode-Switch. In der vorderen Position, die bei einem Pickupwahlschalter den Halstonabnehmer aktivieren würde, arbeiten die Tonabnehmer im Singlecoilmodus, in mittler Position befinden sich die beiden Doppelspuler im sogenannten Clear Humbucker Modus, der wie eine Mischung aus Humbucker und Singlecoil klingt. Und schließlich schaltet die dritte Position Hals- und Bridge-Pickups jeweils zu Humbuckern zusammen und nennt sich Heavy Humbucking. Der mittlere Tonabnehmer ist von diesen Schaltaktionen nicht betroffen und fungiert immer als Singlecoil.

Auch deswegen bietet die Schaltung eine Reihe sehr guter Gitarrensounds. So erhält man in den Zwischenpositionen auch im Humbuckermodus sehr fette und leicht silbrige High-Gain-Sounds. Wenn die Pickups im Singlecoilmodus arbeiten, brummt es übrigens erwartungsgemäß. Ausgenommen sind in diesem Fall die brummfreien Zwischenstellungen wegen des reverse gewickelten Mittelpickups. Die Schaltung arbeitet passiv und bietet jeweils einen Master-Volume- und einen Master-Tone-Regler.

Audiobeispiele

Pro & Contra

  • Verarbeitung
  • Bespielbarkeit
  • Vielseitigkeit
  • Optik

  • Hoher Preis
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