Hersteller_PRS
Test
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01.10.2014

PRS Gary Grainger 4 String Bass Test

E-Bass

PRS Low-End

Der PRS Gary Grainger 4 String Bass im bonedo-Test Mit dem Gary Grainger 4 String Bass setzt der ansonsten in erster Linie als Gitarrenbauer bekannte amerikanischen Hersteller Paul Reed Smith eine Tradition fort, die bereits 2003 ihren Anfang nahm. Damals entwickelte man gemeinsam mit dem Bassisten Gary Grainger (John Scofield, George Duke, Dennis Chambers) den hochpreisigen Boutique-Bass „Gary Grainger Private Stock“, blieb aber in der Basswelt-Aufmerksamkeitsskala weit hinter den etablierten Marken zurück.

Elf Jahre vergingen, bis PRS schließlich 2014 mit einer modifizierten Form dieses Modells auf den Markt kam, zu dessen Spezifikationen Gary Grainger weitere Bassisten wie zum Beispiel Wizard (Mother‘s Finest) und Kevin Walker (Justin Timberlake) konsultiert hatte. Ziel war es, einen Bass zu schaffen, der ohne Qualitätsabstriche gegenüber dem Vorbildmodell der Private Stock Serie eine große Bandbreite abdecken kann. Ein hochklassiger Allrounder sozusagen, aber zu einem „erschwinglicheren“ Preis um die 3500-Euro-Marke - immerhin weniger als die Hälfte des großen Vorbilds.

Details

Der „Gary Grainger 4“ Bass wird in einem soliden und deshalb auch ziemlich schweren Rechteckkoffer ausgeliefert, der dem darin enthaltenen Schätzchen ausreichenden Schutz gewährt. Er sitzt passgenau im Formausschnitt des Kofferinneren, kein Wackeln, kein Bewegen, auch nicht bei unsanftem Transport. Das obligatorische Kabelfach ist mit einem Deckel verschlossen, der sich mittels Lederlasche mit Druckknopf arretieren lässt. Drei Schnappverschlüsse sichern den Koffer im geschlossenen Zustand.

Der erste Eindruck beim Öffnen ist sofort „hochwertig“, Deckenfarbe, -maserung und -lackierung sind wunderschön und tadellos. Die Farbe der apart gewölbten und mit Binding eingefassten, geflammten Ahorndecke hört auf den romantischen Namen „Autumn Sky“, weitere Farboptionen sind ebenfalls lieferbar. Der Korpus besteht aus Mahagoni und ist an der oberen Rückseite mit einem Bodyshaping abgeflacht, damit er sich angenehmer an den Körper schmiegt. 24 Bünde beheimatet das Palisandergriffbrett auf dem matt lackierten Ahornhals, die Mensur beträgt Standard 34-Zoll Longscale. 

Eine besondere Eigenschaft der PRS Grainger-Bässe ist die typische Hals-Korpusverleimung, wie man sie auch bei PRS-Gitarren findet. Eingeleimte Hälse gibt  es sonst bei Bässen weitaus seltener als bei Gitarren, vorrangig beliebt sind geschraubte oder durchgehende. Dennoch ist absolut nichts gegen eine solide Verleimung einzuwenden. Der Hals des „PRS Gary Grainger 4“ bleibt im Bereich des Anschlusses an den Korpus relativ schlank, die Leimfläche reicht großzügig in die Korpusaussparung hinein und bezüglich Stabilität und Bruchgefahr braucht man sich keine Gedanken zu machen. Natürlich sollte man den Bass nicht unbedingt mutwillig rücklings auf die angewinkelte Kopfplatte fallen lassen, vielleicht zufällig auch noch auf einen Steinboden. Aber das würde wohl jedem anderen Bass auch den Garaus machen.

Eine weitere PRS-Besonderheit sind die Perlmutteinlagen des Palisandergiffbretts, die aus Vogelmotiven bestehen. Für Ornithologie-interessierten Bassisten folgt hier die Auflistung der Motive nach Bundposition:

3 - Wanderfalke 

5 - Sumpf-Habicht

7 - Kolibri

9 -  Fluss-Seeschwalbe

12 - Habicht

15 - Milan

17 - landender Spatz

19 - Sturmschwalbe

21 - landender Habicht

24 - Käuzchen

Die schon erwähnte schlanke und ästhetisch wirkende Kopfplatte ist angewinkelt und beherbergt vier kleine, geschlossene Mechaniken mit Messingachsen, symmetrisch in Pärchen auf beide Seiten verteilt. Oberhalb des Kunststoffsattels befindet sich der Zugang zur Halsstellschraube, abgedeckt von einer schwarzen Platte mit den Gary Grainger-Initialen „GG“, die mit einer einzelnen Schraube befestigt ist.

Sämtliche Hardware besteht aus Nickel. Die Gurtpins sind flacher als weithin üblich und um einiges größer, sodass der Bassgurt sehr fest sitzt und kaum versehentlich abspringen kann - auf externe Straplocks kann man also verzichten. An der unteren Zarge liegt die plan verschraubte Klinkenbuchse, die wiederum auf einer mit vier Schrauben befestigten Messingplatte angebracht ist, die einen extrem widerstandsfähigen Eindruck macht. Ebenfalls von vier Schrauben wird auf der Rückseite des Korpus die Kunststoff-Abdeckplatte des Elektronikfachs gehalten. Darüber liegen zwei separat installierte Schnellwechsel-Batteriefächer mit Klappverschluss für 9V-Batterien zur Speisung der aktiven 3-Band Klangregelung.

Als Steg kommt eine PRS Gary Grainger Brücke zum Einsatz, bei der die Ballends der Saiten sehr einfach eingehakt werden können, wobei sich allerdings die Verwendung von Taperwound-Saiten empfiehlt, bei denen die äußeren Wicklungen erst hinter der Stegauflage beginnen. Der Platz zwischen Saitenaufhängung und Reiter ist relativ eng, weil die Einstell- und Befestigungsschrauben der Bridge-Reiter nur knapp versetzt über den Saitenaufhängungen verlaufen. Saiten mit dicken Wicklungen drücken dann an die Feder der entsprechenden Stellschraube - kein Drama, aber zumindest eine Erwähnung wert. Die Brücke an sich ist extrem simpel aufgebaut. Hier wurde nicht versucht, das Rad neu zu erfinden, sondern eher Traditionelles mit einem Hauch praxisorientierter Quickchange-Saitenaufhängung zu kombinieren. Die Saiten werden in Öffnungen fixiert, die im Korpus sitzen. Es sieht von weitem so aus, als würden sie an der Brücke durch den Korpus geführt, tatsächlich werden sie aber nur eingehakt.

Herzstück des Sounds bilden die beiden Humbuckertonabnehmer in Verbindung mit der 3-Band Klangregelung. Während die teure Gary Grainger Private Stock noch Schaltoptionen besitzt, bei denen man die Humbucker in Singlecoil splitten kann, begnügt sich der „PRS Gary Grainger 4“ mit den Tonabnehmern in reiner Humbucker-Konfiguration. Die Spulenpaare sind einzeln verschraubt und sitzen sehr passgenau in den Korpus-Ausfräsungen. Die drei Potis des EQ (Bass, Mitten, Höhen) sind mit Mittelraste versehen. Je ein Poti für jeden der beiden Tonabnehmer bestimmt dessen Lautstärke und ist gleichzeitig als Push/Pull-Variante ausgeführt. Zieht man sie heraus, wird der Bass passiv betrieben, wobei die Klangregelung umgangen wird - die Party geht also im Fall des Falles auch ohne Batterien weiter. Dabei ist zu beachten: Zieht man das vordere Poti heraus, klingt ausschließlich der Halstonabnehmer, beim hinteren nur der Stegtonabnehmer. Stehen beide Regler oben, klingen auch beide Tonabnehmer zusammen. Sobald ein Poti herausgezogen ist, funktioniert die Klangregelung nicht mehr, das Tonabnehmersignal geht dann ohne Umwege direkt auf den Ausgang der Klinkenbuchse.

Der Bass hängt sehr gut am Körper, im Stehen wie auch im Sitzen. Bedingt durch den Mahagonikorpus  wiegt er trotz schmaler und flacher Abmessungen aber immer noch knapp vier Kilo. Das Gewicht wirkt aber aufgrund der guten Verteilung nicht so drastisch am Körper, wie bei so manch anderem Bass mit identischem Gewicht.

Audiobeispiele

Pro & Contra

  • sehr gute Verarbeitung
  • aktive Dreiband Elektronik
  • zwei Humbucker Tonabnehmer, getrennt per Push Pull Poti auch passiv schaltbar
  • hoher Spielkomfort
  • auch passiv ohne Batterie zu betreiben

  • keine passive Tonblende im Passivbetrieb

Gehört zu dieser Serie

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