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12.03.2020

Radial Engineering Catapult RX4, TX4, Mini TX und RX Test

Audio Snake

Die Idee ist nicht ganz neu und im Grunde ist es erstaunlich, dass die Firma Radial Engineering mit ihrer Catapult-Serie erst jetzt auf der Party erscheint. Immerhin gilt die kanadische Firma mit Sitz in Vancouver als äußerst innovativ, was das Produktportfolio betrifft. Das ist so richtig aus dem Leben, denn die interessantesten Gäste erscheinen immer erst später am Abend. Ob das auch für die Catapult-Produktlinie gilt, haben wir für euch untersucht.

Das Konzept hinter den kleinen Helfern ist so simpel wie genial. Ein geschirmtes Standard-CAT5- oder CAT6-Kabel verfügt über acht Signalleitungen, die es ermöglichen, vier symmetrische Analogsignale zu übertragen. Anstatt also vier einzelne XLR-Kabel für die Verkabelung eines In-Ear-, Amp- und Zuspieler-Racks zu legen, bieten die Catapult Extender eine schnelle, saubere Vierkanal-Verkabelung mit Hilfe nur eines Netzwerkkabels. Zeit, die alten Subcores einzumotten?

Details

Zum Test stehen uns gleich vier Einheiten zur Verfügung. Dabei unterscheidet man die Serien Catapult und Catapult Mini, die unterschiedlich aufgebaut sind. Für jede Serie gibt es zwei Module, die mit den aus der Nachrichtentechnik bekannten Kürzeln „TX und RX“ versehen sind. TX steht dabei für „Transmitter“ und RX demnach für „Receiver“. Was das genau bedeutet, schauen wir uns zunächst am Beispiel der Ausführung Catapult Mini genauer an.

Radial Catapult Mini TX und RX

Hier ist der Unterschied zwischen der TX und RX am einfachsten zu erklären. Bei XLR-Armaturen sind alle Eingänge stets weiblich. Daher ist die RX (Receiver = Empfänger) Version mit XLR-Female-Armaturen versehen. Hier soll also ein Signal empfangen werden. Das Gegenstück, das Radial Catapult Mini TX, ist demnach mit XLR-Male bestückt. Soviel zu den Unterschieden der beiden Einheiten. Der Rest ist absolut identisch.

Das gilt auch für den Lieferumfang. Neben der Radial-Hardware befinden sich in jedem Karton eine Gebrauchsanweisung und ein Radial-Aufkleber. Bei den beiden größeren Catapult Extendern befindet sich zudem noch ein kleiner Katalog der Radial-Produkte im Karton. Zurück zur Mini-Variante. Die Hardware ist wie bei Radial üblich extrem robust und für den harten Bühnenalltag ausgelegt. Das massive Metallgehäuse ist mattblau lackiert und mit einer Neutrik EtherCon-Buchse versehen.

Auf der anderen Seite des Gehäuses ist eine massive Zugentlastung angebracht, aus der die vier symmetrischen Einzelleitungen herausragen. Inklusive Stecker sind die Leitungen circa 63 Zentimeter lang. Somit lassen sich auch entferntere Signalquellen auf der Bühne ohne zusätzliche Verlängerung einstöpseln. Die Signalleitungen sind zum Schutz mit einem harten Mash-Geflecht-Material überzogen. Für die eindeutige Identifizierung ist jede Leitung zudem farbig und mit einer Zahl markiert. Somit fällt die Zuordnung auch auf schlecht beleuchteten Bühnen einfach. Die XLR-Armaturen stammen ausnahmsweise nicht direkt von Neutrik, sondern von Rean, einer Neutrik-Tochterfirma.

Die Idee hinter der Radial-Serie Catapult Mini ist es, mit Hilfe eines einzelnen CAT5- oder CAT6-Kabels ein kompaktes vierfach-Multicore zu ersetzten. Netzwerkkabel sind in der Veranstaltungstechnik mittlerweile fast so häufig anzutreffen wie XLR-Kabel. Dank ihrer acht Innenleitungen plus Abschirmung lassen sich darüber problemlos vier separate analoge Line-Signale übertragen.

Wer außerdem AES/EBU-Signale verschicken möchte, für den hat Radial die großen Brüder im Programm, die wir uns jetzt als nächstes ansehen werden.

Catapult RX4 und TX4

Wow – das sind mal fette Kisten! Und auch nicht gerade leicht. Daher ist der verchromte Griff weniger der Optik, sondern dem Gewicht geschuldet. Im Gegensatz zu den Mini-Varianten, sind die großen Catapult-Testkandidaten mit einer blauen Glanzlackierung versehen. Diese Extender bieten die gleichen Möglichkeiten wie die Mini-Version, haben darüber hinaus aber noch zusätzliche Features im Gepäck. Ein Feature ist die Möglichkeit, auch AES/EBU-Signale zu verteilen.

Da AES/EBU per Default stets stereo angelegt ist, können die großen Catapult-Einheiten somit in der digitalen Domäne gleich acht Signale (vier Mal Stereo-AES/EBU) übertragen. Darüber hinaus lassen sich die großen Catapult-Einheiten auch als Splitter verwenden. Jeder der vier Ein- und Ausgänge wird auf der gegenüberliegenden Seite parallel auf vier XLR-Armaturen wieder ausgegeben.

Die vier Splitter-Ausgänge lassen sich zudem über eine zweite CAT5-Buchse zusätzlich abgreifen und weiterreichen. Dazu steht für die Split-Ausgänge ein schaltbarer Groundlift bereit. Das Ganze funktioniert rein passiv ohne Stromversorgung.

Außerdem lassen sich alle Catapults (auch die Mini-Variante) zusammen betreiben. Daher wird jede Einheit auch separat angeboten. Der Anwender kann sich also selbst nach seinen Bedürfnissen ein passendes Setup zusammenstellen. Beispielsweise könnte man die Split-Ausgänge einer großen Catapult-Einheit über die zweite CAT5-Buchse abgreifen und an ein Catapult Mini weiterleiten. Hier sind der Fantasie kaum Grenzen gesetzt.

Typische Anwendungen

Mal sehen, wie es mit der Fantasie des Autors bestellt ist. Wozu könnte man die Teststellung verwenden? Was mir zuerst einfällt, ist die Verwendung als vierfach Sub-Multicore. Für die Standard-Bandnummer liegen meist vier Monitore auf der Bühnenkante. Sind diese aktiv, dann können wir diese perfekt mit den Catapult-Einheiten mit Signal versorgen.

Gleiches gilt für Gesangsmikrofone auf der Bühnenkante. Statt vier einzelne XLR-Strippen zur Stagebox zu ziehen, nehmen wir die Catapult Mini und ein CAT5-Kabel, um die unnötige Kabelwurst zu vermeiden. Kabelintensiv sind unter anderem auch In-Ear-Racks. Mit den Catapult lassen sich vier oder acht In-Ear-Strecken über ein, zwei CAT-Kabel schnell und unauffällig quer über die Bühne verbinden. Das gleiche Spiel bei der Amprack-Verkabelung, wo vieles in Vierer- oder Achterschritten geschieht. Die Verkabelung von Controllern (z. B. 4 in/8 out) und Endstufen lässt sich ebenfalls mit den Catapults bewerkstelligen.

Besonders praktisch in Festinstallationen, wo die Endstufen aus Lüftungs- und Nebengeräuschgründen vielleicht in einem anderen Raum als die Speaker-Controller stehen. Die größeren Catapults eignen sich zudem als unkomplizierte Lösung, um wichtige Signale zu splitten. Die Presse benötigt einen separaten Split der Podiumsmikrofone? Kein Problem!

Nicht wenige Tonkollegen bevorzugen es, Verstärker oder Speaker-Controller direkt mit einem AES/EBU-Signal anzufahren. Ein 110-Ohm-AES-Signal lässt sich problemlos über ein CAT5e- oder CAT6-Kabel versenden. Dafür bieten sich die größeren Catapult-Einheiten an, da diese für diese Aufgabe zertifiziert sind.

Pro & Contra

  • erstklassige Verarbeitung
  • hochwertige Komponenten
  • Made in Kanada
  • flexibel einsetzbar
  • AES/EBU-tauglich (nicht Catapult Mini)
  • vier separate Signale via CAT5
  • drei Jahre Garantie

  • stolzer Preis

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