Test
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05.07.2016

Praxis

Handling

Der J33 ist wirklich ein praktisches, wenn auch nicht ganz leichtes Tool, mit dem es Spaß macht zu arbeiten. Mit Sicherheit zudem auf Tour ein zuverlässiger Vertreter seiner Zunft. Die gummierte Unterseite sorgt für enorme Bodenhaftung, so dass der J33 auch auf glattem Untergrund nicht wegwandert, wenn man die XLR-Stecker in die dazugehörigen Buchsen befördern möchte. Hinsichtlich der Pegel gibt es keine visuelle Kontrolle, was aber der Praktikabilität keineswegs im Wege steht, schließlich ist die Vorverstärkung ja fest eingestellt und nicht manipulierbar. Nähern wir uns also der klanglichen Beurteilung.

Sound

Als Vergleichsobjekte bringe ich mal wieder meine persönliche Referenz, einen Dynavox TPR-2 Röhrenvorverstärker sowie eine Redbox von Sonifex ins Spiel. Beim TPR-2 handelt es sich um eine audiophile Hi-Fi-Lösung für etwa 150 Euro Ladenpreis, während der RB-PA2 für den Broadcast-Sektor konzipiert ist, zwei Phonosignale verarbeiten kann und mit 380 Euro zu Buche schlägt, pro Stereokanal also 190 Euro kostet. Beide Modelle kommen zwar preislich mit unserem Testprobanden nicht ganz mit, soll aber für eine Einordnung reichen.

Hörtest

Unser erster Vergleich führt uns zu Sades Smooth Operator aus den 80er Jahren und hier legt der J33 bereits gut los. Das erste Mal habe ich das Gefühl, mit meiner Signalkette Sades Gesangsstimme einigermaßen gerecht zu werden. Der Testproband von Radial Engineering komplettiert die Kette wirklich famos. Das Klangbild ist ruhig, das Spektrum ausgewogen, der Bass knurrt ordentlich, ohne sich unten herum aufzudrängen, das Schlagzeug ist in der Phantommitte festgenagelt und klingt total tight und präzise.

Zum ersten Mal hör ich Sades Stimme ein wenig perlen. Der Sound ist transparent und dennoch ist kein hoher Ton zu laut, kein Becken zu harsch. Der Sonifex klingt ebenfalls recht homogen, verliert aber an Boden, weil er die Durchsicht des J33 nicht bieten kann. Die Redbox wirkt im direkten A/B-Vergleich ein wenig verhangen und zurückhaltender, aber dennoch ganz ordentlich. Und das erste Mal finde ich den Dynavox bei Sades Stimme ein wenig billig, aber nur an einer Stelle, das war mir bislang noch nicht aufgefallen.

An der nächsten Teststation wartet Lemmy bereits auf uns und auch er ächzt bei seinem Whorehouseblues von Motörhead sehr authentisch aus meinem AKG-Kopfhörer. Auch dieses Blues-Stück klingt über den J33 sehr ausgewogen, nichts dran über! Die Präzision, mit der der Radial zu Werke geht, ist beeindruckend. Bei diesem Stück und auch bei den folgenden wird mir klar, dass wir hier sehr wahrscheinlich die Grenzen meines Ortofon-Tonabnehmers ausgelotet haben.

Im Prinzip verhält es sich bei Deodatos Interpretation von Wagner hinsichtlich der klanglichen Ausprägungen ähnlich wie bei Sade. Der Sonifex wirkt solide, aber auch ein wenig bedeckt, der Röhren-Preamp von Dynavox klingt alles andere als bedeckt, vielmehr quicklebendig und sehr agil, wenn auch etwas die Präzision fehlt, zieht man für den Vergleich zum J33 die perkussiven Instrumente heran. Der TPR-2 entwickelt aber im Gegensatz zu den anderen beiden Genossen eine unglaubliche Strahlkraft bei den Bläsern und zum ersten Mal fällt mir beim Vergleichshören auf, dass die Bläser an ein, zwei Stellen zu spitz werden, was dem J33 nicht passiert. Dennoch arbeitet keiner der beiden „Profis“ den Schellenkranz so gut heraus wie die Röhre. Ich würde mal sagen, hier sollte der persönliche Geschmack entscheiden. Der eine mag es gerne etwas lebendiger und nimmt vereinzelte Spitzen in Kauf, ein anderer legt großen Wert auf die völlige Kontrolle und Homogenität eines Wiedergabesystems und kann überspitze Bläser und Stimmen gar nicht leiden. Wie im echten Leben...

Auch DeLaSoul zusammen mit Chaka Khan „kommen gut rüber“. Die Gesangstimme ist fetzig, die Drums präzise wie ein Uhrwerk und der Bass erklingt bestimmt, aber mit Kontur. Die Redbox ist mir hier ein bisschen fade, während der TPR-2 sich als Dancefloor-Preamp entpuppt. Die Hi-Hats schmatzen, die Snare peitscht, Chaka presst sich vorwiegend aus dem Hochtöner, dennoch klingt’s nie übertrieben. Auch hier entscheidet der Geschmack, wer es etwas zurückhaltender möchte und dafür präzise, ist nach wie vor bei Radial Engineering goldrichtig.

„Ein jeder klingt anders, aber keiner klingt schlecht“ könnte das Fazit beim fünften Hörbeispiel lauten, so sehe ich das bei Grauzones „Film2“.

DJ Kozes „XTC“ bereitet beim Hören über alle drei Vorverstärker Spaß. Die Redbox klingt mal wieder okay, mir aber nicht durchsichtig genug. Der Dynavox klingt nach mehr Drive im Bass und die Synthieflächen setzen sich besser durch als bei den beiden anderen Kollegen. Dafür legt der J33 wieder eine 1-A-Präzision an den Tag, gepaart mit einem sehr homogenen Klangbild.

Test-Setup

Playback & Verstärkung

Plattenspieler: Vestax PDX 2300 Pro MKII Tonabnehmer: Ortofon OM Serato S-120

Mixer & Preamp: Denon DN-X1600

Externer Phono-Preamp: Dynavox TPR-2

Aufzeichnung AD-Wandlung: RME HDSPe AIO

Aufzeichnung: SONY SoundForge 11, PCM-Audio, WAV mit 176,4 kHz und 32 Bit

Abhörkette

DA-Wandlung: Denon 300-USB/Benchmark

Kopfhörerverstärker: Dynavox CSM12/ SPL Phonitor

Kopfhörer: AKG K702

Pro & Contra

  • auf MM-Tonabnehmer spezialisiert
  • symmetrische XLR-Ausgänge mit Mic-Level an 600 Ohm
  • je zwei Cinch- und Stereoklinkenausgänge
  • massives, starkes Stahlgehäuse
  • +48 Volt Phantomspeisung möglich
  • guter Ausgangspegel
  • präziser Klang
  • homogenes Klangbild
  • gute Stereoabbildung
  • gute Räumlichkeit

  • Rumpelfilter greift zu früh (bei 200 Hz mit 3 dB/Oktave)

Gehört zu dieser Serie

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