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09.09.2018

Raumakustik im Schlagzeug-Proberaum: 5 Tipps für Drummer

Wie bekomme ich den Proberaum zum klingen?

Wir Schlagzeuger haben es wirklich schwer... Zwar spielen wir das beste Musikinstrument der Welt, gleichzeitig haben wir aber auch am meisten zu schleppen, nerven am häufigsten Nachbarn und Kollegen, brauchen den meisten Platz und müssen uns auch noch die meisten Gedanken darüber machen, warum die edle Snaredrum, die im YouTube-Video so geil klang, bei uns im Raum auf klangliches Keller-Niveau abrutscht.

Das ist bitter, die positive Kehrseite ist allerdings, dass wir mit ein bisschen Verständnis von Raumakustik eine ganz neue Qualität unseres Drumsounds erreichen können. Dabei ist es übrigens überhaupt nicht nötig, physikalische Formeln zu beherrschen, gefragt ist eher gesunder Menschenverstand in Kombination mit ein bisschen Experimentierfreude.  

Auch heute noch glauben viele Drummer, dass die akustische Behandlung ihres Raumes – wenn überhaupt – nicht mehr als das i-Tüpfelchen ist, nachdem man den Großteil seiner Zeit ins Üben und viel Geld in gute Instrumente investiert hat. Gute Akustik wird zunächst als nicht so wichtig oder sogar als Zeitkiller wahrgenommen, manche denken auch, dass erst professionelle Studioarbeit eine Beschäftigung mit den klanglichen Gegebenheiten eines Raumes erfordert. Das mag für jene Drummer zutreffen, die sich alle zwei Wochen eine halbe Stunde am Set abreagieren möchten und den bollerigen Klang vielleicht sogar durchaus mögen. Der eine oder andere mag sich auch in der tollen (und seltenen) Situation wiederfinden, in einem natürlich toll klingenden Raum proben zu können, der tatsächlich keiner weiteren Behandlung bedarf. Bevor es los geht, könnt ihr euch in folgendem Video erst einmal anhören, wie sich der Klang in verschiedenen Räumen verändert:

Tipp 1: Nachhallzeiten reduzieren

Jeder, der sein Drumset schon einmal in einen unbehandelten Raum gestellt und losgetrommelt hat, kennt den Effekt: Es bollert, rumpelt und hallt. Was zunächst – je nach Raumart und -größe – durchaus Spaß machen kann, entwickelt sich spätestens dann zum Nervtöter, wenn konzentriert geübt werden soll oder wenn andere Musiker mitspielen. Aber schon mit wenig Geld und Aufwand lässt sich das Problem beheben. Nachhall entsteht nämlich, weil der Schalldruck zwischen den Wänden eines Raumes solange hin- und herfliegt, bis die Energie abgebaut ist. Teppichböden und weiche Materialien wie dicke Decken, Vorhänge, Matratzen, Schaumstoff oder auch große Möbelstücke wie Sofas bringen meistens eine schnelle Fokussierung des Sounds, denn sie sorgen dafür, dass mittlere und hohe Frequenzen in den Materialien „stecken bleiben“ und dort in Wärme umgewandelt werden. Was hingegen nicht hilft: Eierpappen. Bei der Installation lohnt es sich auch, darauf zu achten, dass die verbauten Teile wieder abnehmbar und woanders genutzt werden können, schließlich bleibt man in den meisten Räumen nicht für immer. 

Vorsicht: Achtet immer darauf, dass eure Maßnahmen die Brandschutz-Kriterien erfüllen. Manche (Schaum-) Stoffe sind leicht entflammbar, darum ist, besonders wenn im Raum geraucht wird, Achtsamkeit angesagt. 

Tipp 2: Stellt euer Drumset um

Die Position eures Schlagzeuges im Raum kann einen enormen Einfluss auf den Sound haben. An der einen Stelle klingt die Snare extrem fett, die Bassdrum dafür komisch hohl, an einer anderen schneiden einem die Becken die Ohren ab, während die Toms fast Albumqualität haben. Hier gilt es – im Rahmen der Möglichkeiten natürlich – den besten Kompromiss zu finden. Achtet beispielsweise mal darauf, wie der Klang eurer Bassdrum sich mit zunehmendem Abstand zu Wänden verändert. Wenn ihr eine Band habt, solltet ihr euch natürlich mit den anderen abstimmen, denn was dem Bassisten super gefällt, kann gleichzeitig dem Gitarristen mächtig auf die Nerven gehen. 

Tipp 3: Wummer-Frequenzen durch Bassfallen entschärfen

In praktisch allen Räumen, in denen man Schlagzeug oder andere bassintensive Instrumente spielt, entsteht das Problem sich aufstauender Bassfrequenzen. Die beste Möglichkeit, dieses Gewummers Herr zu werden, sind Bassfallen, aufgestellt in möglichst allen Ecken. Denn genau dort türmen sich die bollernden Bass- und Tiefmittenfrequenzen auf, die den berüchtigten Sound-Matsch erzeugen. Hier findet ihr eine Anleitung zum Bau professionell einsetzbarer Teile.

Wer keine Zeit, Lust oder das nötige Händchen dafür hat, findet natürlich auch fertige Bassfallen in den Studioabteilungen der Musikalienhändler, beispielsweise von Hofa oder Auralex.

Wenn euch das zu aufwendig oder zu teuer ist, könnt ihr auch dicke Teppichrollen in die Ecken stellen. Wichtig ist, dass viel absorbierend wirkende Masse in den Ecken steht, welche den energiereichen Basswellen Paroli bieten und sie in Wärme umwandeln kann. Fest steht: Der Effekt von Bassfallen ist erstaunlich, speziell für Aufnahmesituationen sind diese Teile sehr empfehlenswert, denn sie nehmen beispielsweise der Bassdrum und den tieferen Toms die Dröhnfrequenzen und eröffnen im Mix ganz neue Möglichkeiten. 

Tipp 4: Gezielte Dämpfung der Trommeln

Bestimmt kennt ihr die Videos professioneller Aufnahmen, in denen die Drums unglaublich fett klingen, aber keinerlei Dämpfung auf den Trommeln zu sehen ist. Der Grund dafür ist nicht nur die Nachbearbeitung der Signale in der Produktion, sondern auch die Tatsache, dass in professionell aufbereiteten Räumen aufgenommen wurde und die Drummer wissen, wie sie spielen müssen, damit es gut klingt. Je nach eurem Spielvermögen und euren Räumen könnt ihr diese Voraussetzungen womöglich nicht mal eben aus dem Hut zaubern. Hier kann gezielte Dämpfung eurer Trommeln den Sound deutlich verbessern und auch zu besserer Hörbarkeit aller Instrumente im Kontext führen. Eine mit kleinem Loch versehene Bassdrum und eine kleine Decke im Inneren der Trommel reduzieren das Geboller bereits an der Quelle und erleichtern darüber hinaus die Spielbarkeit. Toms und Snaredrums profitieren fast immer von einem kleinen Stückchen Gewebeband oder Moongel, stärkere Dämpfungen werden mit Dämpfringen erzielt. 

Tipp 5: „Spielt den Raum“

Auf die Frage, wie sie sich auf unterschiedliche akustische Verhältnisse einstellen, sprechen viele Profis davon, dass sie den „Raum spielen“. Das bedeutet, dass sie darauf hören, wie der Raum klingt und dann ihr Spiel entsprechend anpassen. Eine große Stadionbühne verträgt ordentlich Power, in einem kleinen Club würde das Schlagzeug bei gleicher Spielweise unerträglich laut sein. Das liegt daran, dass sich die Schallwellen auf einer offenen Bühnen oder in einem großen, akustisch behandelten Raum besser verteilen und es zu einem trockeneren Klangergebnis kommt. Laut spielen macht Spaß, aber oft ist eine maximal laut „geprügelte“ Snare oder das Rock Crash einfach zu viel des Guten und nervt nicht nur Mitmusiker oder Zuhörer, sondern lässt auch eine Aufnahme schlechter klingen. Spitzt mal die Ohren, wie sich der Klang eures Sets in verschiedenen Lautstärken anhört. Und wenn sich eure Mitmusiker beklagen, dass ihre Verstärker nicht gegen euer Spiel ankommen, ist das ein klares Signal, euch Gedanken über eure Dynamik zu machen. 

Fazit

Nichts verändert den Sound und das Spielgefühl so nachhaltig wie eine wirkungsvoll gestaltete Raumakustik. Gleichzeitig ist es schwer bis unmöglich, in einem schlecht oder gar nicht behandelten Raum einen guten Schlagzeugklang hin zu bekommen. Besonders Bassfallen, Wand- und Deckenabsorber können hier Wunder wirken und nicht nur die Zufriedenheit beim persönlichen Üben erhöhen, auch bei der Bandprobe und in Aufnahmesituationen zahlt sich die Bändigung des berüchtigten „Mumpfes“ extrem aus. 

Hier gibt es weitere interessante Artikel:

Drum Recording - Basics und Tipps - Video-Workshop

Der kleine Beckenguide - alles zum Thema Schlagzeug-Becken

Eine Bassdrum - 8 verschiedene Sounds - Video-Workshop

Warm-up am Schlagzeug - muss das sein?

 

 

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