Software
Test
10
11.08.2020

Praxis

Rack 'n' Roll – Reason Racks als Plugin in anderen DAWs

Thor in Ableton Live, Kong Drums in Logic Pro-X, Dr. Octo in Bitwig – ab jetzt ist all das möglich. Was nicht möglich ist, bei genauer Überlegung aber auch selten bis nie zur Anwendung kommt, ist die Möglichkeit, innerhalb eines Reason-Racks ein VST-Plugin laden zu können, quasi ein VST in einem VST. Die Reason-Racks gibt es als Instrument- und als Effektversion. In beiden bekommt man eine Vorauswahl der bekanntesten Reason-Geräte und über den „Browse“-Button lassen sich dann auch noch alle anderen Devices aus Reason in das Rack einbinden.

Man lädt also beispielsweise das Reason-Rack-Instrument-Plugin in Ableton Live auf eine MIDI-Spur und wählt dann im Rack die Drum Machine „Kong“. Die Drum-Samples liegen auf den üblichen MIDI-Noten. Einmal C1 gespielt und schon erklingt eine wohlig-analog klingende Kickdrum. Wir gehen einen Schritt weiter und wählen eines der vier MIDI-Plugins aus Reason, nämlich den neuen Drum-Sequencer „Beat Map“. Mit einem Rechtsklick unter „Kong“ gehen wir in die Kategorie „Players“ und wählen „Beat Map“ aus. 

Noch ist nichts zu hören, die automatisch generierten MIDI-Rhythmen gehen ins Leere, „Kong“ gibt keinen Ton von sich. Per Drag-and-drop ziehen wir „Beat Map“ (ohne das „MIDI Out“-Gerät) über „Kong“, damit es in der Kette davor liegt. Und schon ertönt, sobald wir das Ganze in der DAW abspielen, ein Beat. Ein sehr simpler Workflow. Und so lassen sich in Windeseile verschiedene Racks bauen, in denen man nach Herzenslust verschiedene „Player“, Instrumente und Effekte aus Reason zu sehr eindrucksvoll klingenden Instrumenten kombinieren kann. Selbst Modulatoren wie LFOs lassen sich in die Racks einbinden und über die Rückseite per Klick auf „Flip Rack“ mit verschiedenen Stellen der Geräte verkabeln. 

Die Workflowverbesserungen 

Bei den Verbesserungen in Reason selbst geht der Hersteller konsequent mit der Zeit und den aktuellen Produktionsworkflows. Mal schnell zwanzig Sechzehntelnoten einzuzeichnen mit zwei Zweiunddreißigstel-Trills in der Mitte gehört zu jedem Trapbeat. Müsste man diese Noten alle einzeln einzeichnen, wäre das extrem mühselig. Mit dem neuen Zeichentool in Reason ist genau das aber blitzschnell möglich. Tool ausgewählt, Maus an die gewünschte Stelle im Raster bewegt, halten, ziehen – fertig. Außerdem ist es jetzt möglich, einzelne MIDI-Noten zu muten.

Automationskurven können in Reason 11.3 jetzt nicht mehr nur linear, sondern progressiv in Kurven verlaufen. Das hilft bei eingezeichneten Automationen sehr. Falls eine Spur oder der ganze Song an einer Stelle ausfaden soll, sind nichtlineare Fades oft viel musikalischer, als eine gleichmäßig abfallende Lautstärke. Denkt man an den klassischen Radio-Fade-Out, beginnt dieser erst schnell und wird am Ende langsamer leise. Stichwort Fades: Reason erzeugt jetzt per Knopfdruck (X) Crossfades, wenn man zwei Audioclips übereinanderlegt – nerviges Knacken, ade.

Auch beim Zoomverhalten hat man nachgelegt. Was banal klingen mag, macht im Arbeitsalltag einen gewaltigen Unterschied. Nun lassen sich im Sequencer die Höhen jeder Spur individuell einstellen. Um also mal eben nur bei einer Spur die Audioclips in Großansicht zu begutachten oder nachzusehen, ob die MIDI-Noten ausreichend quantisiert sind, ist das ein sehr nützliches Feature. Apropos nützlich, seit 11.2 ist es nun auch endlich möglich, als MP3 zu exportieren. Das ist im Producer:innen-Alltag, wo man Ideen schnell mal an Freund:innen schicken möchte, unumgänglich. 

Die neuen Effekte und Module 

Acht neue Devices sind an Bord in Reason 11: Drei Module für das Mixer Rack, ein Instrument, zwei MIDI-Devices und zwei Effekte. Die Audioeffekte „Quartet Chorus Ensemble“ und „Sweeper Modulation Effect“ schlagen, was die Art der Effektierung betrifft, in eine ähnliche Kerbe. Alles bewegt sich im Bereich von Modulationseffekten wie Phaser, Flanger und Chorus – Reason-typisch aber eigentlich untypisch. So beherrscht der „Quartet Chorus Ensemble“ neben analog klingenden Chorusvarianten aus den 70ern auch einen Granularmodus, der Audiomaterial funkeln lässt. Der „Sweeper Modulation Effect“ bringt Besonderheiten wie einen Envelope Follower und einen Phaser mit bis zu 40 Stages mit – der ist wohl aus der Spectral Filter Engine von Reason-Synthesizer Europa entliehen.

„Scenic“ ist seinem Namen entsprechend ein Sample/Granular-Instrument, das sich hervorragend für cineastische Untermalungen eignet. Es reiht sich in die Granular-Synth-Instrumenten-Kette in Reason perfekt ein. Das neue Instrument ist allerdings nur in der Suite-Version enthalten. Die drei Mixer-Rack-Module „Channel Dynamics“, „Channel EQ“ und „Master Bus Compressor“ waren bisher nur fest in Reasons Mixer nutzbar und können mit dem neuesten Update jetzt auch als eigene Module in den Racks integriert werden. Alle drei, rein optisch übrigens den legendären SSL-900+-Konsolen nachempfunden, klingen hervorragend. 

In 11.2 sind zwei MIDI-Geräte hinzugekommen. Neu ist die „Beat Map“. Das ist ein etwas esoterisch anmutender Rhythmuserzeuger, bei dem sich die Rhythmen verändern, indem man den Cursor auf einer Karte (=Map) platziert, die sich in der Mitte des Plugins befindet. Bewegt man den Cursor nun innerhalb der Karte, verändern sich die Rhythmen, die an ein Drum-Plugin, wie Kong oder Battery, geschickt werden. Die Beats klingen natürlich und vielfältig. Mit einem „Shuffle“- und verschiedenen „Density“-Reglern lassen sie sich zusätzlich variieren. Dafür braucht es dann das zweite neue MIDI-Gerät: „MIDI-Out“. Wie bei so vielem in Reason, muss aber oft noch ein Kabel mehr oder ein zusätzliches Gerät bzw. Plugin hinzugezogen werden, damit möglich wird, was bei anderen DAWs nicht mehr als ein Mausklick ist.

Audiobeispiele

Pro & Contra

  • Reason Racks als Plugin machen sämtliche Reason-Effekte und Instrumente in allen DAWs nutzbar
  • Workflowverbesserungen beschleunigen Arbeit in Reason
  • MP3-Export
  • Neue Effekte bieten komplexe Modulationsmöglichkeiten

  • Plugin-Version sorgt in Ableton Live für Abstütze
  • DAW unterstützt nur VST2
  • Bei großen Projekten wird es schnell unübersichtlich

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