Gitarre
Test
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06.12.2017

Revv Generator 7-40 MK II Test

Röhrentopteil

Edel-Allrounder

Das Revv Generator 7-40 MK II Röhrentopteil nimmt für sich in Anspruch, aus der Masse der Gitarrenverstärker herauszuragen und in einer ganz eigenen Liga zu spielen. Dass Röhrenamps trotz der immer stärker werdenden Konkurrenz aus dem digitalen Lager nichts an ihrer Faszination verloren haben, liegt nicht nur daran, dass sie in puncto Dynamik immer noch die Nase vorne haben. Auch das Know-how der Analogschrauber hat in den letzten Jahren einen gewaltigen Innovationsschub erfahren, sodass man sich mittlerweile nicht mehr zwischen Flexibilität und Sound entscheiden muss.

Beides auf höchstem Niveau miteinander zu kombinieren, ist die Philosophie der jungen kanadischen Ampschmiede Revv Amplification, die ihre Verstärker-Kreationen in Handarbeit herstellen. Auch unser Testobjekt, der Revv Generator 7-40 MK II, wird von seinen Machern als ultimatives Tool von clean bis brachial angepriesen, das in Handarbeit aus besten und sorgfältig ausgesuchten Komponenten hergestellt wird. Ob der Amp seine Vorschusslorbeeren zu Recht trägt, sagt euch unser Test.

Details

Konzept und Aufbau

Der Revv Generator 7-40 MK II ist ein reinrassiger Vollröhren-Gitarrenverstärker mit zwei unabhängigen Kanälen. Da beide Bereiche mit separat anwählbaren Zusatzfunktionen ausgestattet sind, hat man es hier im Grunde genommen aber mit einem dreikanaligen Amp zu tun. Bevor wir ans Eingemachte gehen, sehen wir uns zuerst einmal die beiden Eingänge des Amps an. Der aktive Input ist auf Tonabnehmer mit niedriger Impedanz geeicht und eignet sich besonders für EMG-Liebhaber. Der passive Eingang kommt dagegen mit ganz "normalen" Gitarren klar und holt auch aus schwachen Singlecoils den optimalen Pegel. Kommen wir zum cleanen Kanal.

Ebenso wie der zweite Kanal hat auch er seine eigene Dreiband-Klangregelung an Bord, bestehend aus Treble, Mid und Bass. Ein Volume-Regler, der als Master des ersten Kanals fungiert, steuert die Endlautstärke dieses Bereichs. Des Weiteren befindet sich hier ein Gainregler, der jedoch nur im Crunch-Modus greift. Clean und Crunch finden sich also zusammengefasst im ersten Kanal. Um zwischen Clean- und Crunch-Modus hin- und herzuschalten, gibt es zwei Möglichkeiten. Zuhause oder im Studio lässt sich dieser Vorgang direkt am Frontpaneel mittels eines Mini-Schalters vornehmen, in der Live-Situation übernimmt diese Aufgabe der beigelegte Fußschalter, auf den ich später noch genauer eingehen werde.

Im Crunch-Modus kann man den Sound dank des Gain-Reglers anzerren. Klanglich kommt man hier durchaus in klassische Old-School-Blues/Rock-Bereiche. Der Sound lässt sich mit dem Brightswitch weiter tweaken, der zusätzliche Höhen aktiviert. Außerdem liefert die Endstufe wahlweise 7 oder 40 Watt, was sich besonders zum Üben in den heimischen vier Wänden anbietet. Kommen wir zum zweiten Kanal des Topteils.

Auch hier gibt es wieder eine komplette Dreiband-Klangregelung und einen Gain- sowie einen Volume-Regler. Das Besondere sind dabei mehrere Miniswitches, mit denen man den Sound zusätzlich beeinflussen kann. Mittig liegt der Contour/Aggression-Taster. Er wirkt zwar auf den ersten Blick wie ein ganz normaler Miniswitch, bietet jedoch in beide Richtungen eine Tasterfunktion. Drückt man ihn nach unten, erhöht es den sogenannten Aggressionsgrad. Hier erhält der Ton nicht nur eine dichtere Verzerrung, sondern auch ein reicheres Obertonspektrum. Das Ganze geschieht in drei Stufen und ist an der Farbe der dazugehörigen LED abzulesen. Bleibt die LED dunkel, ist der Aggressionsmodus deaktiviert. Nach einmaligem Herunterdrücken leuchtet die LED blau und nach einem zweiten Drücken rot. Ein erneutes Drücken deaktiviert den Aggressionsmodus wieder. Ein Druck nach oben aktiviert den Contour-Modus, bei dem sich der Ton insgesamt nach oben öffnet und einen etwas luftigeren Charakter erhält. Bright und Fat erklären sich von selbst und bieten eine zusätzliche Möglichkeit der persönlichen Soundgestaltung. Ebenso wie im ersten Kanal bietet sich auch hier die Möglichkeit, die Endstufenleistung bei Bedarf von 40 auf 7 Watt zu reduzieren. Das Powermanagement übernehmen die beiden mächtigen Standby- und On/Off-Schalter.

Die Rückseite

Das Topteil bietet insgesamt fünf Lautsprecheranschlüsse für 4, 8 oder 16 Ohm Boxen. Daneben befindet sich der FX-Einschleifweg in Form einer Send- und Returnbuchse sowie dem dazugehörigen Level-Control-Regler. Der beigelegte Fußschalter wird mittels des dazugehörigen Netzwerkkabels angeschlossen. Wem das nicht reicht, kann den Amp dank der MIDI-IN-Buchse auch problemlos in ein größeres Setup einbinden. Beim Umschalten der Kanäle ändern nicht nur die LEDs die Farbe. Auch die beleuchtete Frontplatte des Amps leuchtet je nach angewähltem Kanal anders, im ersten Kanal in der cleansten Einstellung grün und im Crunch-Modus blau, während sie im High-Gain-Modus rötlich funkelt. Damit auch das Plexiglas-Logo der hauseigenen Gitarrenboxen weiß, wann es die Farbe wechseln muss, lassen sich Amp und Box neben dem Lautsprecherkabel noch mit einem speziellen vierpoligen DIN-Kabel verbinden. Die entsprechende Buchse, an der das Steuerungssignal anliegt, trägt die Bezeichnung "Speaker Cab Lighting". Beim Generator 7-40 kann man den Bias der Endstufenröhren beim Wechsel auch ohne Ausbau des Chassis vornehmen. Zu diesem Zweck gibt es zwei Anschlüsse für ein Messgerät, die dazugehörigen Bias-Trimmer befinden sich rechts neben den Endstufenröhren. Bliebe noch die Schukobuchse und insgesamt vier Sicherungen zu erwähnen.

Der Fußschalter

Mit zum Lieferumfang gehört ein Fußschalter samt Kabel. Der Schalter ist mit insgesamt vier Tastern ausgestattet und kann nicht nur zwischen den beiden Kanälen hin - und herschalten, sondern auch den FX-Loop aktivieren sowie den Amp komplett muten. Drückt man die beiden Kanalschalter mehrmals, lassen sich weitere Änderungen vornehmen, beispielsweise im ersten Kanal zwischen Clean und Crunch wählen. Im zweiten Kanal lassen sich durch erneutes Drücken die Aggressions-Stufen hinzuschalten. Der Fußschalter ist aber auch als Preset-Schalter verwendbar, was mir persönlich sehr viel besser gefällt, denn hier können auch die Schalterstellungen für Contour, Bright und Fat abgespeichert werden. Um in den Preset-Modus zu gelangen, muss man den Taster 1 für zwei Sekunden gedrückt halten, was meiner Ansicht nach zu kurz ist. Lässt man im Eifer des Gefechts den Fuß nämlich versehentlich zu lange auf dem Taster liegen, hat man, ohne es zu bemerken, den Modus gewechselt, was beim Gig schnell zu Irritationen führen kann. Hier wäre eine Tastenkombination aus rechtem und linkem Taster sicher die bessere Wahl, weil man diese auf der Bühne nicht so einfach versehentlich auslöst.

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Audiobeispiele

Pro & Contra

  • tadellose Verarbeitung
  • klanglich extrem flexibel
  • fenderartige, klassische Cleansounds
  • amtliche angezerrte Sounds
  • vielseitige High-Gain-Sounds

  • keins
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