Bass Hersteller_Rickenbacker
Test
7
24.02.2020

Praxis

Der Rickenbacker 4003AC fühlt sich grundsätzlich zunächst wie ein normaler Ric 4003 an und bietet den gewohnten Spielkomfort. Mit seinem schlanken Jazz-Bass-ähnlichen Hals und der etwas kürzeren 33,25-Zoll-Mensur lässt sich der Viersaiter wirklich überaus angenehm spielen – selbst virtuose Lines und Akkorde in den tieferen Lagen gehen auf dem Signature-Bass leicht von der Hand.

Zur Leichtgewichtsklasse kann man den limitierten Rickbacker allerdings nicht zählen, denn er bringt alles in allem 4,25kg auf die Waage. Das Gewicht ist sicherlich dem Walnuss-Korpus geschuldet, denn hier handelt es sich eben um eine in der Regel eher schwere Holzsorte. Der Walnuss-Korpus besitzt allerdings auch einen positiven Effekt auf die Ergonomie, denn der 4003 AC ist dank des leicht erhöhten Kopusgewichts überhaupt nicht kopflastig. Er hängt perfekt balanciert am Gurt und fühlt sich deshalb sogar eine Spur leichter an, als er in Wirklichkeit ist.

Soweit so gut, in einem nicht unwesentlichen Punkt ist die Handhabung des Signature-Rickenbackers aber dann doch recht speziell und ihr werdet sicherlich bereits ahnen, was ich meine: Na klar, ich spreche von der Position der rechten Anschlagshand, die aufgrund der zurückgesetzten Position des Halstonabnehmers natürlich angepasst werden muss. Zwischen den beiden riesigen mit Bügeln bestückten Pickups ist gerade so ausreichend Platz für den Zeige- und Mittelfinger, sodass die anderen Finger der rechten Hand irgendwie auf den Bügeln platziert werden müssen, das Spielgefühl ist schon sehr gewöhnungsbedürftig!

Oder aber man schlägt die Saiten eben kurz hinter dem Griffbrett an und nutzt dafür die praktische Daumenstütze. So macht es Al Cisnero und deshalb ist der Bass logischerweise auch so konzipiert. Wer mit der Position der rechten Hand noch mehr Sounds aus dem Bass locken will, muss sich aber unweigerlich die recht spezielle Handhabung gewöhnen oder einfach die chromfarbenen Bügel abschrauben, so wie es viele Rick-Spieler beim Bridge-Pickup ihrer 4003er schon lange machen. Rickenbacker bietet inzwischen sogar sogenannte “Treble Bezels“ aus Kunststoff an, die den Tonabnehmer umschließen und obendrein noch eine Daumenstütze besitzen. Das ist eine schöne Lösung, allerdings sieht der 4003 Al Cisneros ohne die fetten Chrombügel vermutlich nicht mehr ganz so cool aus.

Aber wie dem auch sei, wichtiger als die Optik ist der Sound und deshalb wollen wir anhand einiger Klangbeispiele feststellen, was der Rickenbacker 4003AC in dieser Disziplin zu bieten hat. 

Im ersten Clip hört ihr den 4003AC mit beiden Tonabnehmern und beiden Tonblenden komplett auf – also quasi den Grundklang des Signature-Basses. Der Sound ist grundsätzlich sehr muskulös und punchy, so wie man es von einem Rickenbacker mit Walnuss-Korpus erwartet. Beide Treble-Pickups des 4003AC sind allerdings „Overwound“ und liefern sehr satte Bässe und starke Mitten. Al Cisneros Rick klingt in meinen Ohren deshalb noch fetter als ein normaler 4003, obwohl der Halstonabnehmer ein Stück weiter hinten sitzt und eigentlich weniger Bassfrequenzen abgreift. 

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Der „etwas andere“ Rick kann aber auch drahtiger und knochiger klingen, wie man im nächsten Beispiel hören kann. Für die Aufnahme habe ich die Lautstärke des Halstonabnehmers etwas reduziert (Verhältnis 70/100) und die Höhen mit beiden Tonblenden etwas abgesenkt. Das Resultat ist ein ziemlich cooler Fingerstyle-Sound mit jeder Menge Durchsetzungskraft. 

Nun nehmen wir den Halstonabnehmer komplett aus dem Rennen und hören uns den Stegtonabnehmer im Solomodus an. „Jazz Bass on Steroids!“, würde ich mal sagen. Sehr positiv finde ich, dass der Bridge-Pickup alleine bereits ein tragfähiges Fundament zu liefern vermag – für den Bandeinsatz ist wirklich kein EQ-Schub nötig!

Wer auf kehlige Sounds im Preci-Stil steht, kommt beim 4003AC natürlich ebenfalls auf seine Kosten. Mächtige offene Bässe dominieren den Sound, wenn man nur den Halstonabnehmer des 4003AC aufdreht. Durch die Mittenstärke des Overwound-Pickups bleibt der Sound aber dennoch jederzeit definiert. Mit einer Höhenabsenkung mittels Tonblende lässt sich der Preci-ähnliche Sound außerdem sehr schön auf „vintage“ trimmen, wie ich finde.

Audiobeispiele

Pro & Contra

  • kräftige Sounds in vielen Variationen
  • einzigartige Signature-Optik
  • tadellose Verarbeitung
  • eventuelle Wertsteigerung durch Limitierung

  • Spielkomfort durch Position des Halsonabnehmers eingeschränkt
  • Tonabnehmer empfindlich für Einstreuungen
  • recht stattlicher Preis

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