Hersteller_Rode
Test
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08.12.2015

Rode iXY-L Test

Stereo-Mikrofon für iPhones

Solides von Down Under

Spätestens als die Firma Rode vor etwa 15 Jahren mit dem NT2 ein Studio-Mikrofon auf den Markt gebracht hat, das die Neumänner sogar mehr als hellhörig gemacht hat, wurde klar, dass die Australier mit den ganz großen mitmischen können. Über die Jahre haben sie es geschafft, eine ganze Reihe Mikros zu entwickeln, die nicht nur phantastisch klingen, sondern dazu auch noch den Geldbeutel schonen. Wenn nun also ein Mikrofon wie das iXY präsentiert wird, horchen meine Tontechnik-Lauscher neugierig auf.

Details

Was wird geliefert?

In der schön aufgemachten Verpackung sieht man unter einem Plastikfenster thronend zu aller erst das Herzstück, nämlich das Mikrofon selbst, mit seinen beiden um 90 Grad versetzten Mikrofon-Kapseln. Das Rode iXY ist ca. 3x4x5 Zentimeter klein, sieht umwerfend schick aus und fühlt sich dank der Metallkonstruktion sehr hochwertig an, da es im Verhältnis zu seiner Größe ordentlich Gewicht mitbringt; könnte glatt ein Verwandter von mir sein. Man hat direkt das Vorurteil, ein solides Stück High-Tech in den Händen zu halten. Im schnieken Karton befinden sich außerdem ein großer, aufsetzbarer Schaumstoff-Windschutz, drei verschiedene Adapter für die unterschiedlichen iPhone-Modelle (5, 5s, 5c, 6 und 6plus) sowie eine kleine, versteifte Transporttasche mit Reißverschluss und Karabinerhaken. Das kleine Täschchen ist gerade groß genug, dass das Mikro inklusive Windschutz hinein passt. Das fängt ja schon mal gut an. Sofort wird klar, dass Rode hier auf die Zielgruppe der Fortgeschrittenen oder Profis zielt, denn alles macht einen hochwertigen, soliden Eindruck. Der große Karabinerhaken an der Transporttasche lässt mich unweigerlich an die Rigger auf den Konzertbühnen dieser Welt denken, die meistens auch diverses Karabiner-Equipment gegürtelt haben. Dies sind absolute Profis, also dürfte dieses Mikro auch Profiansprüchen gewachsen sein? Wir werden sehen.

Das Mikrofon

Das sogenannte X/Y-Mikrofon besteht aus zwei um 90 Grad zueinander versetzten 1/2“-Kondensatorkapseln mit Nierencharakteristik. Die beiden Kapseln sind fest verbaut, können also nicht versetzt, verdreht oder gekippt werden. Aufgesteckt auf ein i-Gerät bildet es einen festen Verbund und hält so gut, dass man selbst bei schnellen Schwenkbewegungen nicht befürchten muss, dass das Teil aus Versehen abfällt. Am Sockel befindet sich übrigens eine Gummikappe, die bei korrektem Sitz des iXY exakt über dem Homebutton des iPhone liegt, so dass man selbigen dadurch leichter bedienen kann, da die Metallzangen der Halterung relativ massiv sind und man ohne diese Button-Verlängerung nur mit Nicht-Wurstfingern bis zum Homebutton durchkäme. Das robuste Metallgehäuse fühlt sich nicht nur stabil an und suggeriert somit Langlebigkeit, sondern soll laut Herstellerangaben außerdem besonders gut vor Funkinterferenzen schützen.

Das iXY steckt mit fester Ausrichtung auf dem iDevice

Ein entscheidender Nachteil des iXY gegenüber manch anderen iOS-Mikrofonen ist, dass man die Einsprechrichtung am Body selbst nicht verändern kann. Steckt es erst einmal auf dem iGerät, so zielt die X/Y-Mitte immer im senkrecht vom Home-Button weg. Wenn man eine Videoaufnahme macht, und das Handy dabei aufrecht und nach vorne zielend vor sich hält, so ist die Haupteinsprechrichtung des Stereomikros senkrecht von oben kommend. Dies entspricht also nicht der Richtung, aus der die Kamera das aufzunehmende Bild bezieht. Im sogenannten Landscape-Mode gefilmt, also waagerecht horizontal ausgerichtet, zielt das Mikro dann sogar im rechten Winkel zur Seite versetzt weg vom Bild. Hören werde ich mit Sicherheit all das, was ich beim um 10 cm versetzten Zielen nach vorne auch hören würde, aber das Stereobild dürfte dabei ein wenig in Mitleidenschaft geraten, was die korrekten Links-Rechts-Bewegungen der Tonereignisses betrifft. Will man die Kombination iPhone/iXY als Mikrofon-Einheit für Aufnahmen mit einer Extra-Kamera nutzen, so bietet Rode als Sonderzubehör eine entsprechende Halterung an, damit man die korrekte Ausrichtung zum Videobild hat. Nutzt man allerdings ausschließlich die interne Kamera, so wird man mit dem iXY stets ein unstimmiges oder zumindest ein diffuses Stereobild haben.

Windschutz

Der Wind- oder auch Poppschutz, der dem Mikrofon beiliegt, ist im Vergleich zum Mikrofongehäuse selbst ziemlich groß. Das muss er aber auch sein, wenn das Teil effektiv gegen Luftbewegungen helfen soll. Im Außeneinsatz sollte man niemals ohne dieses Zubehör aufnehmen, da die Kondensator-Kapseln ohne diese Abschirmung selbst aus quasi unspürbaren Luftbewegungen massivste Störgeräusche mit Maximalpegel erzeugen können. Das gilt für Interview-Aufnahmen mit geringem Einsprechabstand. Die Luftbewegungen von Sprache könnte ohne diesen Filter genauso störend klingen wie der Livemitschnitt eines Sturmes. Apropos Sturm: Sollte der mitgelieferte Schaumstoff-Stopfen nicht ausreichen, gibt es von Rode dazu passend noch einen Windschutz aus Synthetikfell namens „Deadkitten“, den man zusätzlich über die Schaumstoffkugel überstülpen kann, und somit die stärksten Böen den Wind aus den Segeln nehmen dürfte.

Die Adapterklammern sind leicht zu montieren

Der aufmerksame Auspacker stößt beim Auspacken irgendwann auf kleine, schwarze Klumpen, die zunächst so aussehen, als hätte Rode noch ein paar Haribo-Lakritz-Goodies mitgeschickt. Nach genauer Recherche werde ich jäh aus diesem Traum gerissen und stelle fest, dass es sich dabei um Adapterstücke handelt, die den Anschluss des iXY an die verschiedenen iPhones ermöglichen. Die Plastikteile sind trotz ihrer Stabilität auch minimal weich, so dass sie dem Mikrofon auf dem iPhone solidem Halt geben, ohne dass etwas wackelt, was eine wichtige Rolle bei der Störgeräusch-Dämpfung spielt.

Kurz und schmerzlos: eine LED

Unterhalb der beiden Kapseln hat Rode dem iXY eine Betriebsleuchte spendiert, die durch dezentes, grünes Leuchten die Einsatzbereitschaft des Mikrofons proklamiert. Dies dient bestenfalls dem kategorischen Ausschluss eine symptomatischen Fehlers in der Signalkette, bei der gerne Sätze fallen wie: „Hm, eigentlich müsste es doch funktionieren...“ Mit der Vollversion der hauseigenen App „ Rode Rec“ kann man diese Anzeige ausschalten, wahrscheinlich um – wie das fliegende Auge – auch mal im Stealth Mode unterwegs sein zu können.

Die inneren Werte

Das Stereomikrofon in X/Y-Technik lässt Aufnahmen in 16 oder 24 Bit und Samplingraten von 11 bis sagenhaften 96 Kilohertz zu! Das muss man sich mal auf dem Trommelfell zergehen lassen: 96-Kilohertz-Aufnahmen mit einem iPhone! Nicht, dass mir das persönlich wichtig wäre ,mit 96 Kilohertz aufnehmen zu können, aber alleine die Möglichkeit, gibt mir das Gefühl, mit den 179,– Euro eine zukunftssichere Investition zu tätigen. Man könnte es ja doch mal brauchen. Und selbst wenn Apple in ein oder zwei Jahren den Lightning-Anschluss aus dem Programm nimmt, so hätte man mit einem der aktuellen iPhones bis in alle Ewigkeit einen grandiosen Field-Recorder, vorrausgesetzt, man hält jenes Smartphone zumindest für diesen Zweck am Leben. Als maximalen Schalldruck gibt der Hersteller 139 dB SPL an. Das Mikrofon verträgt also theoretisch ein ordentliches Pfund Schalldruck. Als Eigenrauschen verspricht Rode 17 dB(A), was nach Adam Riese einen Dynamikumfang von 122 dB entspricht. Wahnwitzig viel, wenn man überlegt, dass ein Großteil der Audioproduktionen längst nur noch einen Dynamikumfang von maximal 6 dB hat… aber das ist eine andere Geschichte.

Die Hersteller-App ist nicht zwingend notwendig

Rode hat eine passende App, mit der man das iXY bestens nutzen kann. Das Rode iXY ist nicht auf eine spezifische Aufnahme-App limitiert und lässt sich prinzipiell mit jedweder App nutzen, die Tonaufnahmen zulässt. Allerdings ist man bei Drittanbieter-Software davon abhängig, welche Aufnahmequalitäten dort einstellbar sind, vor allem, ob überhaupt eine Aufnahmepegel-Regelung innerhalb der Apps existiert. Ist dies nicht der Fall, muss man hören was dabei heraus kommt. Möchte man unbedingt mit 96 Kiloherz Samplingrate aufnehmen, muss man zur Rode-eigenen App „Rode Rec“ greifen. Es gibt sie in einer kostenlosen LE-Version oder als Vollversion ohne Einschränkungen für 5,99 Euro. Aber auch bereits mit der kostenlosen LE-Variante lässt sich prima leben. 96-Kilohertz-Aufnahmen sind hier auch bereits möglich, die wichtigsten Dinge wie das Einstellen des Aufnahme-Pegels oder das Verwalten und Versenden der Aufnahmen lassen sie hier auch bereits nutzen. Die kostenpflichtige Version beinhaltet eine größere Auswahl an Abtastraten, MP3-Export, einen nicht-linearen Editor für Schnitte und Loops, Dropbox-Unterstützung, iZotope-DSP-Effekte, und einiges mehr. 

Audiobeispiele

Pro & Contra

  • klein, und hochwertige, massive Verarbeitung
  • gute Soundqualität
  • hervorragendes Stereo-Bild mit präziser Ortbarkeit dank X/Y-Technik
  • für laute Signale wie zum Beispiel Konzertmitschnitte geeignet
  • funktioniert auch mit Drittanbieter-Software

  • unflexibel in der Ausrichtung beim Videofilmen

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