Hersteller_Roland
Test
3
09.12.2015

Praxis

Geliefert wird der JP-08 in einer schicken Verpackung mit einer kleinen internationalen Faltanleitung. Mehr ist leider nicht enthalten. Ein Micro-USB-Kabel solltet ihr euch für den Anschluss an einen Rechner oder zur externen Stromversorgung bereitlegen. Insgesamt wirkt die gesamte Boutique Reihe sehr viel kleiner, als ich es erwartet hatte. Der Jupiter-8 war seinerzeit nicht nur teuer, sondern auch enorm groß und schwer – nicht so der JP-08! Aufgesteckt auf das optional erhältliche Minikeyboard wirkt der Synthie nicht mehr so klein, aber trotzdem eher wie ein Spielzeug. Der kleine 0,5 Watt Lautsprecher verbessert meinen ersten Eindruck nicht. Für mobile Basteleien ist es ok, aber wann immer es möglich ist, sollte man den Synthesizer definitiv an andere Lautsprecher anschließen.

Aber nun ab ins Studio. Dort benötige ich ein Kabel von Stereo-Miniklinke auf zweimal 6,3 Millimeter Monoklinke, um den JP-08 an meine Soundkarte oder mein Mischpult anschließen zu können. Über den MIDI-Anschluss funktioniert der JP-08 wie erwartet sofort mit jeder DAW. Nicht so über den USB-Anschluss. Denn auch für MIDI-over-USB muss vorher der auf der Roland Webseite erhältliche Boutique Series Treiber installiert sein.

Optional besteht die Möglichkeit, den Synthesizer über den USB-Anschluss als Audio Interface zu nutzen. Dann wird der Sound direkt in den Rechner gestreamt und kann aufgenommen und/oder – je nach Interface-Konfiguration – an einen anderen Ausgang weitergeleitet werden. Auf meinem Mac müsste ich hierzu ein Aggregated Device aus mehreren Interfaces erstellen, um die Ausgabe auf meine Hauptsoundkarte zu routen. Auf Wunsch lassen sich die analogen Ausgänge des Synths zur Wiedergabe von Audiosignalen aus der DAW verwenden. Ich musste dabei den Master-Volume-Regler des öfteren nachjustieren, da es ab einer bestimmten Ausgabelautstärke zu leichten Verzerrungen kam. Leider gibt es keine Clip-Anzeige für Übersteuerungen am Gerät selbst. 

Sound

Die Presets des JP-08 klingen wirklich erstaunlich authentisch nach dem Jupiter-8 und die Emulation per ACB-Technik kann erneut mit einem guten Sound punkten. Hier eine kleine Auswahl:

Sounddesigner, die mit ruhigen Fingern an den winzigen Reglern arbeiten, kommen beim JP-08 nicht so schnell an die Grenzen, da das Angebot an Schwingungsformen und der Frequenzbereich des LFOs im Vergleich zum Vorbild erweitert wurden. Das macht richtig Spaß und trotz des Vintage-Konzepts lassen sich sehr gut auch moderne Sounds realisieren. Insgesamt kann ich über den Sound des JP-08 wirklich nur positives schreiben! Die Presets sind sehr vintagelastig, aber sobald ich selbst Hand anlege und an den Presets schraube, endet es meist in einem wirklich sehr guten Ergebnis.

Wie in den anderen Boutique Synthesizern schenkt Roland auch dem JP-08 ein Delay Effekt mit einer regelbaren 16-stufigen Intensität, einem 16-stufigen Zeitwert und ebenfalls 16-stufigem Feedback.

Ein wichtiges Feature der Jupiter-Reihe ist das Layern zweier Presets. Bei Aktivierung der Dual-Funktion stehen die beiden Bereiche Upper und Lower zur Verfügung. Der JP-08 verteilt die beiden Sounds im Panorama, einen ganz nach links und den zweiten ganz nach rechts. Leider gibt es keine Option zum Regeln des Panoramas – schade! Nur der neue Delay-Effekt wird auf beide Sounds gelegt und lässt sie somit ein wenig verschmelzen.

Zum Vergleich habe ich meinen Roland Jupiter-4 Compuphonic Synthesizer gegen das kleine Boutique-Modul antreten lassen. Aber auch die gut gelungene VST-Emulation des Jupiter-8 von Arturia (Jupiter-8 V2) muss zeigen, wie sie gegen die analogen und digitalen Schaltkreise ankommt. Hier hört ihr einen Soundvergleich:

Sequencer und MIDI

Ist der interne Sequencer programmiert oder ein Sequencer-Preset geladen, startet dieser, sobald ich in der DAW das Playback starte. Alles spielt tight zum Metronom, so soll das sein. Der Funktionsumfang des Sequencers ist überschaubar und beschränkt sich auf Note On, Note Off, Gate Time und Legato. Auf Spielereien wurde verzichtet. Leider auch auf einen polyphonen Sequencer, also eine Eingabe von Akkorden anstatt Einzelnoten in die Patterns, was den Sequencer bei diesem polyphonen Synthesizer stark aufgewertet hätte. Rolands Shuffle Engine bringt trotzdem den richtigen Groove in die Sequenzen, die in der Länge zwischen einem und sechzehn Steps variieren können.

Und nun das größte Manko: Wie bei den anderen Synthesizern der Roland Boutique Serie senden und empfangen die Bedienelemente des JP-08 leider keine MIDI-CC-Befehle. Damit entfällt die Möglichkeit Parameter in der DAW zu automatisieren. Auch die Fernbedienung mit einem externen MIDI Controller ist nicht möglich, was bei den kurzen Faderwegen manchmal durchaus wünschenswert wäre. Mit den kleinen Fadern schaffe ich es kaum einen sprungfreien Verlauf aufzunehmen (das hört ihr bei einigen Soundbeispielen). Leichte Veränderungen des Filters zum Beispiel, also Nuancen, sind nur schwer richtig einzustellen. Hier würde ich mir auf jeden Fall wünschen, die Regler mit der DAW oder einem externen Controller fernsteuern zu können. Gerade im Zusammenhang dieser ja ohnehin digital umgesetzten Emulation erscheint das Fehlen von MIDI CC nicht zeitgemäß und schränkt den praktischen Nutzen stark ein.

Audiobeispiele

Pro & Contra

  • Klangähnlichkeit zum Jupiter-8
  • robuste Verarbeitung
  • 16-Step Sequencer
  • Ribbon-Controller
  • mehr Oszillator-Schwingungsformen als das Original
  • Delay-Effekt
  • integriertes USB Audiointerface
  • Kaskadierung möglich

  • nur vierstimmig
  • keine Steuerung von Klangparametern per MIDI CC möglich
  • wenig Abstand zwischen den kleinen Fadern, Reglern und Tasten, kurze Faderwege
  • fehlender Arpeggiator des Jupiter-8
  • Miniklinken-Anschlüsse

Gehört zu dieser Serie

Verwandte Artikel

User Kommentare

Zum Seitenanfang
ZUR STANDARD WEB-ANSICHT X