Test
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02.09.2019

Roland DJ-707M Test

DJ-Controller

M wie mega-mobil?

Es ist gar nicht so leicht, ein gelungenes Konzept für einen kompakten, gut zu transportierenden DJ-Controller zu entwickeln, ohne dabei etliche Zugeständnisse machen zu müssen. Nun hat sich Roland dieser Aufgabe gewidmet und präsentiert uns den DJ-707M: eine Kommandozentrale für den mobilen DJ, die weder auf adäquate Anschlüsse für das externe Equipment und die Beschallungsanlage, noch auf eine angemessene Anzahl an Bedienelementen für den Mix und die Live-Remix-Action und das eine oder andere Spezial-Feature verzichten möchte.

Nehmen wir zum Beispiel einmal die Möglichkeit, sich auf bis zu vier Serato-Decks austoben und dabei jedem Mischer-Kanal einen von 16 integrierten Roland-FX zuzuweisen. Toll auch die Option, ein iOS-Device via USB einzubinden oder externe Klangerzeuger, Synths und Grooveboxen direkt an der Front über Klinke anzudocken und letztgenannte via MIDI-Schnittstelle zu synchronisieren. Oder was haltet ihr davon, bis zu 4 Mikrofone anschließen zu können und dabei die integrierten VT4 Voice FX zu nutzen. Reicht noch nicht? Wie wäre es, dazu noch 909- und 808-Drumsounds zu triggern respektive komplette Pattern für Re-Beating abzuspielen. Oder den Mixer in bis zu 10 Setup-Presets „en detail“ zu konfigurieren, inklusive deklarierbarem Zone-Playout eines Serato Decks (!) und der Abstimmung der einzelnen Playouts an die lokalen Anforderungen. Schlussendlich können Plattenspieler dank Standalone-Mixer ebenfalls integriert und DVS-Timecodes genutzt werden. Zwei USB-Buchsen ermöglichen dabei nahtlose DJ-Wechsel. Serato DJ Pro gehört zum Lieferumfang.

Klingt wie der Wolf im Schafspelz? Absolut, so viel vorweg, aber nicht für jedermann gleichermaßen. Im nachfolgenden Artikel fühlen wir dem DJ-707M auf den Zahn und verraten, was gefällt und wo noch Luft nach oben auszumachen ist.

Details

Aus dem Karton befreit, fällt das Gerät mit 474 x 331 x 73 mm nicht sonderlich breit aus und dürfte so sein Plätzchen auch in der kleinsten Location finden. 3,5 kg Gewicht bringt das gute Stück dabei lediglich auf die Waage. Transportfreundlich für (semi-) professionelle Mobilisten aller Art. Aber ich denke auch Bedroomer mit dem nötigen „Kleingeld“ (999 Euro, um genau zu sein) dürften mit dem 707M ihre Freude haben, so ihnen die gebotenen Features, auf die ich gleich zu sprechen komme, zusagen. Der passt auch definitiv in die Kategorie „Weggefährte für den urbanen Wander-DJ“. Mit dem Maß einher geht, dass man statt eines 21:9 Super-Widescreen Layouts eher mit einem 4:3-Format klarkommen muss. Erinnerungen an „good ole Vestax“ werden wach.

Jedoch ist das Chassis des Roland aus Kunststoff gefertigt und nur teilweise mit Metall-Overlays besetzt. Das spart unterwegs dann natürlich Gewicht ein, besonders wenn man sich dazu noch eine vergleichsweise leichte Kunststofftasche für die S/U-Bahn-Fahrt besorgt. Im metallverstärkten Birkenmultiplex-Kugeleck-Butterfly-Case, das ohnehin im Transporter mit der eigenen PA landen muss, spielt dies mitunter nicht so eine große Rolle. Was die Verarbeitung angeht, gibt es für mich nichts zu bemängeln und optisch kommt das Teil auch gut rüber, wie ich finde. So viel zum ersten Eindruck.

Ein- und Ausgänge

Vorn befinden sich die beiden Kopfhörerausgänge wieder (3,5 / 6,3 mm). Im Schlepptau haben diese Cuemix-, Level- und Split-Cue-Regelung. Daneben folgen die Crossfader-Kurvenanpassung und Zuweisungstasten. Last but not least eine Stereoklinke für einen Aux-Zuspieler wie ein Smartphone bzw. zwei Klinkeneingänge (L/R), die für Synths, Grooveboxen und Co. genutzt werden können. Danke Roland, ich wünschte, da würde sich mancher ein Beispiel dran nehmen. Und ihr könnt sogar die Serato-FX darauf loslassen, dazu später mehr. Zwei zusätzliche Mikrofone andocken geht natürlich auch. Was uns zum Backpanel führt.

Hier befinden sich

  • 2x XLR-Mike-Inputs
  • 4x Cinch-Line-L/R-In,
  • 2x mit Phono-Option an Kanal 1 und 2
  • 2x USB-Computer-Anschluss
  • 1x DIN MIDI (Out) Buchse
  • 2x Master-Out, XLR und Cinch
  • 1x Booth-Out, Klinke symmetrisch
  • 1x Zone-Out, Cinch

Ob man den Zone-Out für einen anderen Raum hätte symmetrisch auslegen sollen, darf diskutiert werden, zumal es den Master bereits als gespiegelten Cinch-Out gibt. Die frontalen Potis fallen, wie ihre Volume- und FX-Pendants auf der Bedienoberfläche, etwas klein aus und an vorderster Front wäre eine „Option auf versenken“ nicht schlecht gewesen. „Jammern auf hohem Niveau“ tönt es mir aus dem Off entgegen. Ja, kann sein, aber es ist mir halt aufgefallen.

Aufbau

Das Gerät legt einen typischen Dual-Deck Aufbau an den Tag, wobei die Player-Sektionen nicht spiegelsymmetrisch, sondern weitgehend identisch aufgebaut sind und mitbringen, was so zum guten Ton eines Controllers in 2019 gehört. Dazu zählen dedizierte Navigationselemente, Loop-Encoder, Performance-Pads, Effektregler, PC-Auswahltasten und nicht zu vergessen natürlich die Jogwheels. Sie werden jedoch aufgrund ihrer Größe und der resultierenden Haptik für manchen den Showstopper darstellen. Und das ist überhaupt nicht kritisch gemeint. Es ist einfach dem Kompakt-Konzept geschuldet. Ebenso wie die Anordnung und Ausführung einzelner Bedienelemente und Sektionen, beispielsweise der Multi-FX-Knob, der Push-Encoder und der kleine Pitchfader auf VCI-300/380 Oldschool-Position. Und es ist natürlich entsprechend enger zwischen den Reglern im Mixer und den FX-Sektionen, sodass man – wie sagt es sich doch gleich so schön – „mit Fingerspitzengefühl zu Werke gehen“ muss. Darauf muss man sich einstellen, wenn man mit den neuen Roland aufzulegen gedenkt.

Audiobeispiele

Pro & Contra

  • strukturierteres Layout
  • integrierter TR-Modus und Voice-Transformer
  • analoge Mischpultfunktion
  • zusätzliche, frontale Mikrofon/Line-Inputs
  • 16 Standalone-FX pro Kanal nutzbar
  • umfangreiche Konfigurationsmöglichkeiten
  • 10 Gerätekonfigurationen speicherbar (intern/extern)
  • solide Verarbeitung
  • gute Soundqualität
  • Zone-Playout, auch für dediziertes Serato Deck
  • vielseitige Live-Remix-Möglichkeiten
  • Serato DJ Pro im Lieferumfang

  • Serato FX-Abteilung und Loop-Abteilung mager
  • kein (Step-) Sequencing möglich
  • keine PC/MAC Editor-Software
  • Preis

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