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Test
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27.01.2016

Roland E-A7 Test

Entertainer-Keyboard

Die E-Serie ist zurück

Mit dem E-A7 Professional Arranger hat Roland ein neues Entertainer-Keyboard der Mittelklasse herausgebracht. Der Roland E-A7 belebt die ehrwürdige E-Serie wieder, mit der Roland in den Neunzigern eine feste Größe auf dem Keyboardmarkt war. Äußerlich ist aber die Nähe zur jüngeren BK-Reihe unverkennbar, so besitzt der E-A7 zwei Displays wie das BK-9. Kann Roland mit dem E-A7 an alte Erfolge anknüpfen und zu den Konkurrenten Yamaha und Korg aufschließen? Dieser Test soll es ans Licht bringen.

Mit einem Verkaufspreis von rund 1190 Euro wendet sich der Roland E-A7 gleichermaßen an ambitionierte Hobbymusiker und preisbewusste Profis. Der Funktionsumfang sieht zu diesem Preis recht attraktiv aus, so besitzt der E-A7 neben den obligatorischen, zahlreichen Styles und Sounds unter anderem eine Sampling-Funktion, mit der man eigene Sounds und Drumkits erstellen kann und eine Scale-Tuning-Option für exotische Tonleitern. Wir haben den Roland E-A7 getestet und herausgefunden, was der Neuling zu bieten hat.

Gehäuse

Der Roland E-A7 bewohnt ein kantiges, schnörkelloses Kunststoffgehäuse, das einen stabilen Eindruck macht. Die Verarbeitungsqualität bewegt sich Roland-typisch auf hohem Niveau. Nichts wackelt oder klappert und die zahlreichen Bedienelemente fühlen sich straff und langlebig an. Wegen des Kunststoffgehäuses bleibt das Gewicht mit knapp 8 kg in einem sehr erträglichen Bereich. Die einzigen Metallteile sind die Schutzgitter über den Lautsprechern. Gleich auf den ersten Blick fallen natürlich die beiden Displays auf, die Roland im E-A7 anstatt eines einzelnen großen Bildschirms verbaut. Ein weiterer Blickfang sind die roten Farbakzente am Pitchhebel und an den drei Drehreglern.

Ein Notenhalter zum Aufstecken wird mitgeliefert, und hier muss ich Roland ein Kompliment aussprechen: Anders als bei den anderen „großen“ Herstellern, die auch höherpreisigen Keyboards oftmals nur wabbelige und wenig elegante Plastikteile beilegen, kommt der E-A7 mit einem durchaus ansehnlichen, festen Notenpult aus transparentem Kunststoff. Natürlich ist auch ein Netzteil dabei, aber kein Sustainpedal. Eine mehrsprachige Bedienungsanleitung für die wesentlichen Funktionen liegt dem Keyboard bei. Das weiterführende Referenzhandbuch kann man sich auf der Roland-Website als PDF herunterladen, allerdings leider nur in englischer Sprache.

Anschlüsse

Alle Anschlüsse des E-A7 befinden sich an der Rückseite, das gilt leider auch für die Kopfhörerbuchse und den USB-Port für einen Speicherstick. Lobenswerterweise sind die Anschlüsse nicht nur hinten, sondern auch oben an der Gehäusekante beschriftet, was die Übersicht aus der Spielerperspektive verbessert. Neben dem Kopfhörerausgang findet man einen Stereoausgang (2x Klinke) und einen Eingang für eine externe Audioquelle wie zum Beispiel einen Audioplayer (Stereo-Miniklinke). Weiterhin gibt es einen weiteren Stereoeingang mit zwei Klinkenbuchsen, der sich mit einem kleinen Schalter zwischen Mic- und Line-Pegel umschalten lässt. Dieser Eingang dient auch als Quelle für die integrierte Sampling-Funktion. In der Stellung Mic ist nur die linke Buchse aktiv, hier kann ein dynamisches Mikrofon angeschlossen werden. Eine XLR-Kombibuchse wäre dafür natürlich noch etwas eleganter gewesen. Der Anschluss für das externe Netzteil befindet sich ausgerechnet genau in der Mitte, was ich etwas ungünstig finde. Immerhin ist aber ein Haken zur Kabelsicherung vorhanden. Weiter links folgen nun die beiden MIDI-Buchsen In und Out sowie drei Pedalanschlüsse für Hold, Expression und Control. Ganz links findet man schließlich zwei USB-Anschlüsse. Einer davon ist für die Verbindung mit einem Computer vorgesehen und überträgt USB-MIDI, an den anderen kann ein Speichermedium angeschlossen werden. Einen Anschluss für einen externen Bildschirm bietet der E-A7 nicht.

Zwei Displays – das Konzept

Im Gegensatz zu fast allen anderen Keyboards besitzt der Roland E-A7 kein zentrales, großes Display, sondern zwei kleinere LCD-Anzeigen. Mir ist derzeit nur das hauseigene BK-9 bekannt, das ein ähnliches Konzept verfolgt. Beim E-A7 liegen die beiden Displays aber weiter auseinander und sind in die jeweiligen Bedienfeld-Bereiche für Begleitung und Sounds eingegliedert. Das linke Display kümmert sich um die Hauptübersicht und die Auswahl von Styles und Songs, während man rechts die Soundlisten durchforsten kann. Auch das Global-Menü und die Mikrofon-Einstellungen findet man rechts. Anders als beim BK-9 gruppiert sich um jedes Display jeweils ein komplettes Set aus Soft-Buttons sowie Value- und Cursor-Tastern, mit denen man die angezeigten Informationen schnell aufrufen und bearbeiten kann. Das ist dann auch der größte Vorteil dieses Konzepts: Man kann auf einem Display die Informationen über Style, Song, Tempo etc. im Blick behalten, während man sich auf dem anderen auf Sound-Suche begibt oder in einem Menü etwas einstellt.

Allerdings gehören die beiden LC-Displays des E-A7 für mein Gefühl leider nicht zum Besten, was der Teilemarkt zu bieten hat. Nicht nur sind sie monochrom, während alle anderen Keyboards in dieser Klasse inzwischen zumindest mit Farbdisplays, wenn nicht sogar mit Touchscreens aufwarten können. Nein, die Anzeigen des E-A7 bieten auch nur eine recht geringe Auflösung von jeweils 160 x 160 Punkten und lassen darüber hinaus auch durch einen ziemlich schmalen Ablesewinkel und eine deutliche Streifigkeit wenig Freude aufkommen. Zwar lässt sich der Kontrast einstellen (auch getrennt für links und rechts), aber in Sachen Auflösung und Lesbarkeit gibt es inzwischen einfach viel bessere Displays. Das trübt leider ein wenig die Freude beim Bedienen des Keyboards.

Bedienfeld und Funktionen

Das Bedienpanel des E-A7 ist durch die beiden Displays etwas durcheinander gewürfelt und wirkt vielleicht auch etwas überfrachtet, aber man findet sich trotzdem schnell zurecht. Die allermeisten Bedienelemente sind beleuchtet, was nicht nur auf dunklen Bühnen hilfreich ist. Links oben wartet wenig überraschend der Regler für die Gesamtlautstärke auf seinen Einsatz, daneben findet man einen praktischen Drehregler zum schnellen Justieren der Balance zwischen Keyboard-Parts und der Style- bzw. Song-Begleitung. Drückt man auf diesen Encoder, so wird er zum Value-Rad zur Einstellung von Werten. Rechts davon wählt man mit den beiden Tastern STYLE und SONG den Begleitungs-Modus aus. Für die Style-Auswahl gibt es einen Zehner-Ziffernblock, über den man die Kategorien wie Rock, Dance oder Latin anwählen oder (durch Druck auf den Taster NUMERIC) Nummern direkt eingeben kann.

Ebenfalls im linken Bereich ist die Scale-Tuning-Funktion des E-A7 zu finden. Alleinunterhaltende Keyboarder gibt es ja nicht nur in deutschen Festsälen, sondern in großer Zahl auch in den Genres der türkischen, arabischen und orientalischen Musik. Mit dem Scale Tuning trägt der E-A7 dem Rechnung. Im Handumdrehen hat man über die 13 Taster der „Minitastatur“ einzelne Noten um einen Viertelton abgesenkt und orientalische Skalen erstellt. Ein längerer Druck ruft ein Scale-Tuning-Menü mit weiteren Einstellungen auf, hier kann man die Verstimmung auch pro Note Cent-genau einstellen. Drei erstellte Skalen lassen sich auf Tastern ablegen, um sie schnell zur Verfügung zu haben. Durch Druck auf EQUAL kommt man zurück zur vertrauten temperierten Stimmung. Damit könnte der Roland E-A7 zu einer ernsthaften Alternative zu Oriental-Keyboards wie der Yamaha PSR-A-Serie werden, zumal er auch eine große Zahl entsprechender Styles enthält.

Alternativ lassen sich sechs der Scale-Tune-Taster als Pads zum „Abfeuern“ von Phrasen, Loops oder Samples nutzen. Die Erstellung eigener Phrasen ist selbstverständlich möglich, ebenso wie das Abspielen eigener Samples – dazu später mehr.

Oberhalb der Tastatur findet man im linken Bereich die üblichen Knöpfe zur Steuerung der Begleitautomatik: vier Intros, vier Variationen, zwei kleinere Taster für Break und Auto-Fill, vier Endings, Sync Stop, Sync Start, Start/Stop und Fade In/Out. Einige davon dienen im Song-Modus als Transporttasten.

 

In der Mitte zwischen den Displays hat der Mixer Platz gefunden. Mit je sechs Fadern und Buttons lassen sich die Komponenten der Begleitung und die bis zu vier Live-Parts komfortabel und schnell in der Lautstärke anpassen und ein- bzw. ausschalten. Die Fader und Buttons sind doppelt belegt, mit einem Taster wird zwischen den beiden Reihen umgeschaltet. Darunter ist die Tempo-Abteilung mit Tap, Plus/Minus und einem Lock-Taster zu finden. Letzterer verhindert bei Bedarf, dass beim Umschalten von Styles das Tempo wechselt.

Auf der rechten Seite werden Sounds ausgewählt. Dafür gibt es hier ebenfalls einen Ziffernblock mit Kategorien, der genauso funktioniert wie bei den Styles. Rechts davon findet man den Regler für die Eingangslautstärke des Mic/Line-Inputs mitsamt einem Taster zur Aktivierung, einem für die Input-Effekte und einem für das Sampling. Für den Mikrofoneingang steht ein eigener Effektprozessor mit sechs Reverbs und zwei Delays bereit. Mit einem weiteren Taster lässt sich die Ausgangscharakteristik wählen: Hier kann man umschalten zwischen einer auf die internen Lautsprecher abgestimmten Einstellung und einem für die Benutzung des Line-Ausgangs optimierten Setting, in letzterem Fall stehen ein Mastering-EQ und ein Kompressor mit jeweils sechs Presets und einem User-Setting zur Verfügung.

Im rechten Bereich oberhalb der Tastatur findet man die Buttons zum Aufrufen von Registrationen. Ein einzelnes Setting, bestehend aus den Style-, Song-, Sound- und sonstigen Einstellungen für einen Song, heißt im Roland-Jargon „User Program“. Bis zu 100 solche Registrationen sind in einem „User Program Set“ zusammengefasst, von denen man wiederum beliebig viele speichern kann. Eine Speicher-Obergrenze gibt es nicht, zumal bei Bedarf auch der USB-Stick als Speicherort dienen kann. Mit dem Knopf „My Setup“ lässt sich eine Einstellung definieren, die nach dem Starten des Keyboards automatisch geladen wird.

Links von der Tastatur ist der typische Roland-Hebel für Pitch Bend und Modulation zu finden, der bei Bedarf auch mit anderen Funktionen belegt werden kann. Darüber besitzt der E-A7 sieben programmierbare Taster, die einer Vielzahl von Funktionen zugewiesen werden können. Auch die Knöpfe für Oktave und Transposition sind hier zu finden.

Audiobeispiele

Pro & Contra

  • sehr guter Grundsound
  • sehr gute Klänge und Styles
  • gute Effekte
  • Sampling-Funktion
  • Scale Tuning
  • gutes Preis-Leistungs-Verhältnis
  • geringes Gewicht

  • kleine, einfarbige Displays mit eingeschränktem Blickwinkel und Streifen
  • kein MIDI-Recorder

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