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Test
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13.02.2013

Roland INTEGRA-7 Test

Synthesizer-Soundmodul

Der letzte Dinosaurier?

Mit dem Soundmodul INTEGRA-7 knüpft Roland an eine erfolgreiche Tradition an: In den 90er Jahren hatte jedes Studio, das etwas auf sich hielt, einen JV-1080, JV-2080 oder XV-5080 im Rack. Die soundbepackten und erweiterbaren Module prägten eine ganze Ära. Mittlerweile hat sich die Studiowelt jedoch verändert: Vieles von dem, was damals Sache der Expander war, kommt heute aus dem Computer. So verschwanden die meisten multitimbralen Rackmodule sang- und klanglos vom Markt.

Und was macht Roland heute? Man denkt an Fantom-G, Jupiter-80, V-Piano oder den hoch gelobten virtuell-analogen Gaia. Viel solider Mainstream, aber eine gewisse Zurückhaltung in Sachen Innovation. Mit dem INTEGRA-7 haben die Japaner jetzt aber auch wieder ein 19-Zoll-Modul im Programm, vollgepackt mit mehr als 6.000 Sounds. Ist das nur ein Aufguss alter Ideen oder ein Soundpowerhouse mit Blick nach vorne? Wir werden sehen, ob der INTEGRA-7 das Zeug dazu hat, ein ähnlicher Studiostandard wie seine Vorläufer zu werden.

Details

Konzept

Um zu verstehen, was der INTEGRA-7 ist, könnte man sich in das schillernde Reich der Spielkonsolen begeben. Man stelle sich vor: Im Jahre 2025 blickten Millionen leicht angegrauter Damen und Herren mit Wehmut auf die wilde Zeit mit der Playstation 3 zurück, die mittlerweile technisch natürlich links und rechts von neuen Konsolen überholt wurde. Dennoch erbarmt sich Sony der Melancholiker und bringt die Playstation 3000 heraus, einen getreuen Nachbau des Klassikers, allerdings mit ein paar technischen Upgrades (ohne die man das Ding nicht mal an die modernen Netzhautdisplays anschließen könnte) und nicht zuletzt mit allen Spielen, die 2013 so verfügbar waren, auf der 1.000 Terabyte großen Festplatte. Es gäbe Gamer, die schmunzeln müssten über das Gerät mit der in die Jahre gekommenen Technik, und andere, die glückstrunken bekräftigten, dass Gran Turismo 5 immer noch das größte Spiel aller Zeit ist – Technik hin oder her.

Zugegeben, diese kleine Phantasieeskapade ist ein wenig übertrieben, aber ganz an den Haaren herbeigezogen ist der Vergleich nicht. Der INTEGRA-7 liefert mehr als 6.000 Sounds, er hat alle 12 lieferbare SRX-Boards an Bord und ist damit so etwas wie eine Zusammenfassung von Roland-Sounds der letzten 12 Jahre. Hinzu kommt die aus den neuesten Instrumenten des Herstellers bekannte SuperNATURAL-Klangerzeugung. Das ist quantitativ gewaltig, allerdings sind eben viele der Sounds inklusive Klangerzeugung tatsächlich so alt, wie es eine aktuelle Playstation 3 im Jahre 2025 sein wird.

Struktur

Die Struktur des INTEGRA-7 ist weitgehend aus älteren Roland-Instrumenten bekannt. Er ist 16-fach multitimbral, beherbergt also 16 separat spielbare Einheiten (Parts), die jeweils einen eigenen Sound (Tone) produzieren können. Damit leistet der INTEGRA so viel wie 16 unabhängige Synthesizer, was in seinem Fall noch zutreffender ist als bei älteren Roland-Modulen, da beim INTEGRA jeder Part über einen eigenen Multi-Effekt und einen EQ verfügt. Eine Sonderstellung nimmt Part 10 ein, der für Drumsounds gedacht ist und insgesamt sechs EQ-Kompressor-Kombinationen als Effekte bietet. Mit einer maximalen Polyphonie von 128 Stimmen sollte der INTEGRA-7 für die meisten Szenarien gerüstet sein, auch wenn diese Maximalzahl je nach Komplexität der Sounds nicht immer erreicht wird.

Leider lassen sich die Sounds der SRX-Boards nicht völlig flexibel verwenden. Der INTEGRA-7 offeriert vier virtuelle Slots, in die man die Boards lädt. Somit hat man nur Zugriff auf maximal vier verschiedene SRX-Boards gleichzeitig. Ich weiß nicht, ob diese Beschränkung technisch unumgänglich ist, in einem Konzept, das wesentlich auf Umfang und Vielfalt setzt, sorgt sie aber definitiv für Minuspunkte.

Anschlüsse

Bei den Anschlüssen hat Roland jedoch nicht gekleckert. Das Modul bietet Stereoausgänge in solider XLR-Ausführung und weiterhin acht Klinkenausgänge, die je nach Setup als Einzelausgänge oder in einer 5.1-Belegung genutzt werden können. Zwei Klinkeneingänge sorgen dafür, dass man externe Klangquellen anschließen kann, was im Zusammenhang mit dem integrierten Motional-Surround-Prozessor und der Nutzung des INTEGRA-7 als Audiointerface von Bedeutung ist. Während die drei MIDI-Buchsen ziemlich selbstverständlich sind, ist ein digitaler Koaxialausgang nicht so alltäglich. Und über einen USB-Anschluss lässt sich der Klangerzeuger mit einem Computer oder einem iPad verbinden. Die Schnittstelle unterstützt in Zusammenarbeit mit einem Rechner nicht nur USB-MIDI, sondern auch Audiostreaming, sodass Audio vom Integra ohne zusätzliche Verkabelung direkt auf dem Computer aufgenommen werden kann.

Bedienfeld

Die Vorderseite des INTEGRA-7 kommt Roland-typisch aufgeräumt, seriös und recht unfunky daher. Sie wird dominiert von einem mittelgroßen Display und einem großen Eingaberad, das von vier Pfeiltasten umringt wird. Über insgesamt 15 weitere Taster navigiert man durch das Innenleben des INTEGRA. Die beiden Klinkeneingänge finden sich vorne noch einmal, was sehr praktisch ist. Ein Ein- und Ausschaltknopf, ein Kopfhörerausgang, ein Volumepoti und ein USB-Anschluss für ein Speichermedium runden das Ganze ab.

iPad-Verbindung

Aufhorchen lässt die Möglichkeit, den INTEGRA-7 über ein iPad zu steuern. Hierzu bietet Roland im App-Store ein kostenloses Programm an. Dabei wird das iPad entweder über USB oder über WLAN mit dem Soundmodul verbunden. Leider ist für beides Sonderzubehör von Nöten, im ersten Fall das Camera Connection Kit von Apple, im letzteren ein WLAN-USB-Stick von Roland, der mit 50 EUR zu Buche schlägt. Ich weiß nicht, wie es anderen damit geht, aber ich wäre ohne Umstände bereit, ein wenig mehr für den INTEGRA-7 zu bezahlen, wenn WLAN gleich integriert wäre. So besitze ich zwar ein iPad, aber weder das Connection Kit noch den WLAN-Stick, womit ein Antesten der iPad-App flachfällt. Aber auch so scheinen mir die beiden Verbindungsalternativen nicht ganz zu Ende gedacht zu sein. Schließe ich das iPad über USB an, kann ich meinen INTEGRA nicht mehr mit dem Rechner verbinden. Stopfe ich den WLAN-Stick in den Slot auf der Vorderseite, habe ich keinen Zugriff mehr auf ein externes Speichermedium. Das ist nicht clever.

Zumal die Verbindung mit einem iPad – ob bei einem Auto oder einem Klangerzeuger – meist ziemlich gewinnbringend ist. Beim INTEGRA-7 schafft die App, den Beschreibungen nach zu urteilen, einen erheblichen Mehrwert dadurch, dass auf dem Touchdisplay nicht nur Sounds optisch ansprechend ausgewählt und Lautstärken per Fader bestimmt werden können, sondern weil dort insbesondere das Editieren von Sounds ähnlich schön und leichtgängig ist wie bei einem Software Plug-in. Das kann man von den Bedienelementen am INTEGRA selbst nicht gerade behaupten. Sehr schade!

Audiobeispiele

Pro & Contra

  • extrem viele Sounds, guter Grundsound
  • viele Effektprozessoren und Effekte
  • Steuerung via iPad
  • gute Konnektivität
  • Audio über USB

  • Sounderzeugung weitgehend veraltet
  • nur vier SRX-Boards gleichzeitig nutzbar
  • mäßige Qualität der Reverbs
  • Motional-Surround-Prozessor nicht überzeugend

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