Test
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22.03.2017

Praxis

Durch meine zusätzlich aufgebrachten Auflagen trägt der leichtfüßige Aluminimum-Platter nun relativ viel Gewicht, was ihn hinsichtlich seines Start- und Stoppverhaltens ein wenig träger werden lässt. Dem Motor fehlt hierfür nun einfach das Drehmoment, welches seitens des Herstellers auch nur mit 1 kgf/cm angegeben wird. Professionelles Auflegen ist mit einem so schwachen Motor nur schwer bzw. gar nicht möglich. Plattendrehen im heimischen DJ-Wohnzimmer hingegen schon eher.

Belassen wir es bei der mitgelieferten Slipmat, die mir nicht nur wegen ihres Designs, sondern auch aufgrund ihrer Festigkeit wirklich gut gefällt, fällt der Eindruck weitaus positiver aus. Die Performance ist dann akzeptabel, wenn auch noch längst nicht ideal. Denn die Materialauswahl für das Chassis und auch die Bedienelemente, die allesamt relativ laute Geräusche verursachen (ich denke dabei auch an das bisher noch nicht erwähnte Nadellicht, das mit einem lauten Schnack aus dem Chassis schnellt), sorgen nicht unbedingt dafür, dass man den Eindruck gewinnt, man hätte einen ausgereiften DJ-Plattenspieler vor sich stehen, der gewellten Vinylscheiben mit zu engem Mittelloch ebenso gekonnt trotzt wie meinem Alkohol-enthemmten DJ-Kollegen, der dann erst recht zu eindeutig talentfreien Scratch-Einlagen neigt.

Das Chassis erfährt durch seine höhenverstellbaren Gerätefüße eine durchaus effektive Abkopplung vom Untergrund, ist selbst jedoch relativ anfällig für direkte Stöße und überträgt diese auch auf den Platter. Lege ich meine Auflagen wieder auf den Roland-Teller, reduziert sich das Ausmaß dieses Verhaltens deutlich.

Der Plattenteller ist halt relativ leicht und dient somit als effizienter „Übertrager“. „Weniger ist mehr“ gilt in vielen Lebenslagen, aber nicht in dieser Disziplin. Mehr Gewicht führt in diesem Fall immer zu besseren Ergebnissen. Doch schwere Platter mit Gummierung kann man von einem Plattenspieler für 350 Euro natürlich nicht verlangen. Das, was man aber in diesem Preissegment erwarten darf, ist eine solide Performance daheim, sprich ein gutes Tracking bereits bei mittlerem Auflagegewicht, genauso wie einen transparenten und druckvollen Sound, was uns zum nächsten Thema führt.

Phono Preamp

Roland hat unserem Testprobanden einen integrierten, schaltbaren Phono-Preamp mit auf den Weg gegeben. Eine Maßnahme, die ich sehr begrüße, schließlich wurde fast eine Dekade lang auf eine Bestückung vieler Hi-Fi-Verstärker mit Phono-Vorverstärkern verzichtet. Der verbaute Preamp kann gut mit Konkurrenzprodukten mithalten. Sein Sound ist druckvoll und durchaus transparent. Einzig die Hochtonauflösung könnte ein wenig feiner sein.

Auch der mitgelieferte Audio Technica Tonabnehmer weiß zu überzeugen. Zwar geht hier auch erheblich mehr, vor allem hinsichtlich der Auflösung, dennoch klingt er durchweg homogen und ausgewogen. Wenn auch kein Feuerwerk aufkommen will, nervt hier nix, weil sich kein Sound aufdrängt. „Unaufgeregt“ trifft es wohl auch ganz gut.

Einordnung am Markt

Die Konkurrenz ist groß – und kann zukünftig noch größer werden, insbesondere vor dem Hintergrund der nun schon länger anhaltenden Vinyl-Renaissance. Unfassbar viele Hersteller bieten mittlerweile wieder Turntables an. Aktuell sind auch Deejay-Plattenspieler wieder gefragt, was so manchen Hersteller, der bislang seine Füße still hielt, noch aus der Reserve locken kann. Doch das ist bloß Mutmaßung.

Fakt ist, dass Rolands TT-99 direkte Konkurrenz aus dem Hause Numark hat. Der TT-250 USB ist mit einem USB-Audiointerface on top nahezu gleich ausgestattet und auch die Ausführung der Bedienelemente und die Materialauswahl beim Chassis ähneln stark der des TT-99 und das bei einer UVP von 299 Euro. Das einzige, was dem TT-250 im Vergleich natürlich fehlt, ist Rolands Retro-Design.

Die größte Konkurrenz kommt allerdings vom DJ-Platzhirschen Pioneer, der mit dem PLX-500 ein DJ-Turntable im Rennen hat, der mit höhenverstellbarem Tonarm, einem wesentlich stärkeren Motor, USB-Interface und einem solideren Chassis eine umfangreichere Ausstattung, eine bessere Haptik und eine solidere DJ-Performance bietet. Und das für 20 Euro weniger (329 Euro UVP).

Pro & Contra

  • TR-909 Design
  • Acryl-Abdeckhaube
  • auf Headshell vormontiertes audio-technica AT 3600 L
  • höhenverstellbare Füße mit guter Abkopplung
  • solider Phono Preamp

  • keine Gummimatte im Lieferumfang
  • kein Plug & Play Setup (Tonarmhöhe)
  • Schalter verursachen recht laute Geräusche
  • relativ hoher Preis

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