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Test
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11.01.2016

Roli Seaboard Rise Test

USB/MIDI-Controller mit 25 Keywaves Tasten/Pads

Die Revolution aus London

Das Seaboard Rise der Londoner Firma Roli ist ein neuartiger USB/MIDI-Controller. Wie sein großer Bruder Seaboard Grand ist das Roli Seaboard Rise eine Mischung aus einem Silikon-Touchpad und einer Klaviatur. Doch während das Seaboard Grand eher ein Synthesizer mit neuartiger Tastatur war, verlegt sich das Seaboard Rise ganz auf die Steuerung und bietet jetzt nicht nur fünf weitere Controller, sondern kann auch eine weitere Bewegung auf den Keywaves erkennen.

Dafür wurde auf die Klangerzeugung im Gerät selber verzichtet. Der im Keyboard Grand enthaltene Synthesizer wird aber als Software-Instrument zur Installation auf dem Computer mitgeliefert. Das Seaboard Rise bietet also erheblich erweiterte Fähigkeiten und angesichts des genauso erheblich niedrigeren Preises im Vergleich zu den Seaboard Grands stellt sich die Frage: Ist hier wirklich ein MIDI-Controller der neuen Generation am Start und was kann das Roli Seaboard Rise in der Praxis leisten?

Details

Gehäuse

Das Roli Seaboard Rise kommt verpackt in einer schwarzen Styroporschale, die das Gerät ganz umschließt und sich für den fahrenden Musiker durchaus auch mal als Transportverpackung anbietet. Wenn der Verschluss ein bisschen solider wäre und die Schale auch noch einen Transportgriff hätte, bräuchte man kaum ein gesondertes Case. Aber auch so ist das eine vorbildliche Idee. Im Inneren der Schale liegt dann das tiefschwarze Seaboard Rise, dessen Chassis komplett aus Metall mit einer strukturierten Oberfläche besteht. Mit 50 cm Breite, 21 cm Tiefe und keinen 3 cm Höhe (!) ist das Keyboard gut für unterwegs geeignet. Auf der Unterseite sorgen großflächige Gummimatten für den sicheren Stand.

Auf der Oberseite finden sich sämtliche Bedienelemente. Die Keywaves bestehen aus schwarzem Silikon, die Controller auf der linken Seite aus schwarzem Gummi. Akzentuiert wird das Schwarz dann durch ein paar wenige weiße Elemente für das Logo und zur Bezeichnung der schwarzen (!) Tasten. Viele Bedienelemente sind mit LEDs beleuchtet. Man kann es gar nicht anders sagen: Das Roli Seaboard Rise ist eine außergewöhnlich elegante Angelegenheit und mit seiner unkonventionellen „Tastatur“ ein echter Blickfang! Auffällig ist auch das hohe Gewicht: Durch den massiven Metallkörper und die innen liegenden Akkus (dazu später mehr) ist das Seaboard Rise mit seinen 2,8 kg für einen Controller mit 25 Tasten recht schwer und vermittelt ganz klar Wertigkeit und den Anspruch, als „echtes“ Instrument wahrgenommen zu werden. Das Gewicht garantiert zudem zusammen mit den Gummifüßen einen sicheren Stand, wodurch das Seaboard Rise beim Herumdrücken auf den Keywaves nicht verrutscht.

Keywaves und Controller

In den Metallrahmen eingelassen sind in der Hauptsache die 25 Keywaves, außerdem drei Slider, ein X/Y-Pad, Oktav- und Programmwahlschalter sowie der Ein-Aus-Knopf, der auch zur Anwahl des Setup-Menüs dient und durch seine verschiedenfarbige LED-Beleuchtung weitere Informationen anzeigt.

Hauptspielfläche und wichtigstes Alleinstellungsmerkmal des Seaboard Rise sind die vom Seaboard Grand bekannten „Tasten“: die Keywaves. Sie sind eine komplette Neuentwicklung und am besten kann man sich das vielleicht als Klaviertastatur vorstellen, über die ein Tuch gelegt wurde. Das Tuch besteht allerdings aus ziemlich weichem, dickem Silikon und schmeichelt den Fingern recht angenehm. Wer jetzt nicht weiß, wie sich das anfühlt, hier ein Tipp: Besseres Sexspielzeug wird auch oft aus Silikon gefertigt. Die Keywaves des Seaboard Rise fühlen sich an wie eine Mischung aus Haut und Gummi und sind keine starre Oberfläche, sondern warm und weich.

Unter diesem „Silikontuch“ lassen sich die Tasten natürlich nicht mehr so recht ausmachen, weshalb das Ganze auch wirklich nur noch entfernt an eine Klaviatur erinnert. Dabei liegen die Keywaves in der Mitte eines etwa 20 x 40 cm großen Felds und lassen oben, unten und an den Seiten noch Raum für einen Bereich ohne Erhöhungen, der dann quasi als Ribbon Controller funktioniert.

Anders als beim Seaboard Grand ist die Tastatur ein wenig flacher in der Ausführung und fühlt sich zumindest für mich persönlich besser zu spielen an. Ganz wichtig ist an dieser Stelle aber zu betonen, dass wir es hier nicht einfach mit einer anderen Art Keyboard zu tun haben. Das Seaboard Rise ist keineswegs ein Controller explizit für Keyboarder, auch wenn die sicherlich besonders angesprochen werden. Trotzdem ist es wie das Haken Continuum oder die Controller von Keith McMillen eine universelle Angelegenheit und im Prinzip kann es jeder spielen, genauso wie Korgs Kaoss Pad ja auch von jedem bedient werden kann. Tatsächlich kann man das auch ein bisschen vergleichen, denn letztlich stellen die Keywaves so etwas wie ein großes Touchpad dar, allerdings mit dem entscheidenden Unterschied, dass es nachgiebig ist. In die Tiefe geht es so zwischen 0,5 und 1 cm, je nachdem ob sich der Finger gerade auf einer Keywave befindet oder nicht. Die Keywaves registrieren Bewegungen aus allen Richtungen: von oben beim Anschlagen, von unten beim Loslassen, auf Druck in die Tiefe, nach links und nach rechts. Alles in allem sind das also fünf Parameter. Eine Besonderheit ist, dass es augenscheinlich zwar schwarze und weiße Tasten gibt, die schwarzen Tasten aber nicht auf den hinteren Teil der Tastatur beschränkt sind, sondern durchgängig von vorne bis hinten spielbar sind. Aber es wird noch verrückter: Während bei einem herkömmlichen Keyboard die weißen Tasten die unterste Ebene darstellen und die schwarzen Tasten dann eben die erhöhten Tasten sind, ist es bei den Keywaves so, dass sich die weißen Tasten aus dem Silikonbett heraus drücken und infolgedessen schon mal erhöht sind. Und die schwarzen Tasten sind dann im hinteren Bereich noch höher als die weißen, im vorderen Bereich liegen sie aber auf der gleichen Höhe wie das Silikonbett, also tiefer als die weißen Tasten. Oder kurz gesagt: Bei den Keywaves sind die weißen Tasten erhöht und die schwarzen Tasten liegen teilweise tiefer als die weißen. Das ist ungefähr so, als würde man einem Gitarristen sagen: Manchmal sind die tiefen Saiten vorne, manchmal aber auch hinten und teilweise wechselt das auch. Aber um kurz mal Beruhigung einkehren zu lassen: Eine Oktave Keywaves ist nicht ganz zufällig genauso breit wie eine Normoktave auf einer Klaviertastatur. Die Keyboarder werden also nicht ganz allein gelassen.

Auf der linken Seite der Keywaves sind dann die weiteren Controller angelegt, als da wären: ein X/Y-Touchpad, drei Fader sowie Oktav- und Programmwahlschalter. Diese haben eine gummierte Oberfläche und sind dezent beleuchtet. Die Oktav- und Programmwahlschalter bieten einen sehr diskreten, aber gut zu fühlenden Druckpunkt, auch wenn man bei herausstehenden Knöpfen die Schalter natürlich viel besser erfühlen kann. Man kann sich aber trotzdem ganz gut an dem strukturierten Metallrahmen orientieren und wenn man dann mit den Fingern auf dem Gummi landet, ist die Oktavierung nicht mehr weit. Bei den drei Slidern bietet sich der Vergleich mit den LED-Slidern etwa der AKAI Max Keyboards oder des Livid Instruments Base an, allerdings mit dem großen Unterschied, dass man auch hier wieder nicht auf einer harten Plastikoberfläche spielt, sondern auf etwas Weichem. Die Fader sind dabei leicht v-förmig in die Oberfläche eingekerbt und die Fingerkuppe sitzt ganz automatisch in der Laufrille. Und auch hier wieder Eleganz: Wo sich bei den anderen Controllern die LEDs der Anzeige wie Klötzchen aufeinander stapeln, wird hier der gerade aktuelle Wert durch eine durchlaufende Lichtleiste angezeigt. Indirekte Beleuchtung also, sehr schick!

Anschlüsse

Die physischen Anschlüsse befinden sich allesamt auf der linken Seite, als da wären: ein Pedalanschluss, wahlweise für ein Sustain- oder ein Expressionpedal, ein USB-Anschluss Typ B zur Verbindung mit dem Computer, ein USB-Anschluss Typ A zum Aufladen anderer Geräte über den Akku und schließlich ein Stromanschluss, falls man das Seaboard Rise nicht über USB oder Akku laufen lassen will oder es schneller aufladen möchte, als das über den USB Port eines Computers funktioniert. Beigelegt sind allerdings nur ein USB-Kabel und eine Kurzanleitung, außerdem eine Seriennummer.

An einen Computer anschließen lässt sich das Seaboard Rise aber nicht nur kabelgebunden, sondern auch über MIDI per Bluetooth. Das ist eine spezielle Bluetooth-Verbindung, die im Prinzip ganz ähnlich funktioniert wie MIDI über WIFI. Roli gibt die Bluetooth-Latenz mit 5 ms an, was doch einiges mehr ist als über Kabel und dann eine recht flotte Audiomaschine braucht, um nicht bemerkbar zu werden. Eigene Treiber braucht das Seaboard Rise nicht, es wird direkt als generischer MIDI Controller erkannt.

Wenn das Seaboard Rise aber nicht am Kabel hängt, woher bekommt es dann Strom? Ganz einfach, aus den eingebauten Akkus. Nach Angaben des Herstellers halten die Akkus 11-12 Stunden kontinuierliches Spielen durch, aufgeladen sind sie in drei Stunden mit einem gesondert zu erwerbenden Netzgerät, über den USB-Port dauert das ungefähr doppelt so lange.

Software

Die Seriennummer braucht man, um sich die Software herunterzuladen, die aus zwei Programmen besteht: zum einen ist das der Editor, der von Roli „Dashboard“ (auf Deutsch: Armaturenbrett) genannt wird, zum anderen ein Software-Synthesizer namens "Equator", der standalone oder als VST- oder AU-Plug-in funktioniert. Um die Software herunterzuladen, muss sich einen Account bei Roli erstellen. Danach registriert man sich noch einmal mit einer Seriennummer und der Hardware-Seriennummer und erst dann kann man die Software herunterladen. Leider kann man Editor und Synthesizer nicht getrennt laden und weil der Synthesizer teilweise auf Sample-Basis läuft, müssen insgesamt etwa 1,6 GB heruntergeladen werden.

Audiobeispiele

Pro & Contra

  • neuartiges Konzept, das funktioniert
  • erweiterte Steuerungsmöglichkeiten gegenüber dem Seaboard Grand
  • sehr guter Editor
  • toller mitgelieferter Software-Synthesizer mit sehr guten Presets gerade im Zusammenspiel mit dem Seaboard Rise
  • gute Website mit vielen Erklärungen
  • sehr stabiles Metallgehäuse mit perfektem Stand
  • schnurloser Betrieb über Akku und MIDI per Bluetooth

  • hohe Prozessorbelastung durch Editor und Synthesizer
  • erfordert komplexe mehrkanalige Setups auf Seiten der gesteuerten Klangerzeuger
  • Silikon ist empfindlicher als Plastik

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