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Test
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17.10.2014

Samson Concert 88 Mic G Test

Wireless-System mit dynamischem Handsender

Funktionale Funkstrecke zum Kampfpreis

Samson Concert 88 Mic G im bonedo.de-Test: Samson Technologies ist ein Unternehmen aus den USA, das schon seit 1980 reichlich Erfahrung mit Funkstrecken und drahtlosen Übertragungswegen sammeln konnte. Zu dem Gruppenverbund Samson Technologies gehören sowohl Samson Wireless und Samson Audio mit ihrem reichhaltigen Mikrofon-, Mischpult- und PA-Angebot als auch Hartke, die seit Ende der 70er eine große Reihe von Bass-Speakern, -Amps und -Combos herstellen.

Mit dem Concert 88 und einer Preisempfehlung von 159 Euro greift Samson nun den heiß umkämpften Einsteigermarkt an, nicht ohne ganz konkurrenzlos zu sein, versteht sich. Daher hat man sich kurzerhand des True-Diversity-Prinzips des Samson Concert 77 bedient, sich auf die wesentlichen Features, die eine gute Funkstrecke ausmachen, beschränkt und den Betrieb von mehreren Geräten über bis zu 16 Kanäle gleichzeitig ermöglicht. Wenn ich bedenke, dass Samson für die komplette Funkanlage einen Preis abruft, der normalerweise gerade für ein gutes Live-Mikrofon reicht, muss ich zugeben, dass ich schon sehr gespannt bin, was die Drahtloskombination zu leisten imstande ist.

Details

Samsons Concert 88 Mic G besteht aus einem dynamischen Mikrofon inklusive Funktransmitter als Handsender und einem Funkempfänger mit zwei Antennen für den True-Diversity-Betrieb. Das Kürzel „G“ steht für die Sendegruppe G, die dem EU-weiten „Harmonized Frequency Band“ entspricht, für den „privaten Gebrauch“ bestimmt und nicht anmeldepflichtig ist. Im Lieferumfang enthalten sind neben dem Sendemikrofon und dem Empfänger auch das passende Netzteil für den Receiver, die 19-Zoll-Einbauwinkel, eine Einbauklammer, ein nicht symmetrisches Klinkenkabel und die englische Bedienungsanleitung. Die Gehäuse der Gerätschaften sind aus Kunststoff gefertigt, der Mikrofonkorb hingegen besteht aus einem soliden Drahtgeflecht. Bevor ich nun weiter auf die einzelnen Komponenten eingehe, möchte ich einige Worte zur Neuregelung der Funkfrequenzen verlieren: In den letzten Jahren hat die Benutzung von drahtlosen Geräten in der Consumer-Welt ungemein zugenommen und die digitale Telefonie, die Radio- und Fernsehfrequenzen und der professionelle Funkverkehr haben eine Neuverteilung der Sendefrequenzen nach sich gezogen. Dies hat die Benutzung einiger älterer Funkmikrofonanlagen in einen Status der Illegalität getrieben, sofern diese nicht auf die neu zugeteilten Frequenzen umrüstbar sind. Hier könnte das Samson Concert 88 eine preisgünstige Alternative darstellen, falls das Altgerät nicht mehr verwendet werden darf.

Sender – Mikrofon CH88

Samson Audio stellt eine Reihe von günstigen Mikrofonen her, angefangen mit der CS-Serie und ihren austauschbaren Kapseln bis hin zum Q1, einem der ersten USB-Mikrofone. Des Weiteren hat Samson noch die Modelle Q2, Q4, Q6, Q7 und Q8 sowie R11, R21 und R31S im Programm, ihres Zeichens allesamt dynamische Mikrofone für den Vocal-Einsatz, beinahe alle mit On/Off-Schaltern bestückt und zudem in einem Preissegment zwischen 25 und 50 Euro angesiedelt. Im CH88-Funkmikrofon arbeitet die Kapsel des Samson Q6, welches das Mittelfeld der eigenen Produktreihe darstellt und bereits in der Standard-Version über einen Mute-Taster verfügt.

Der Q6-Kapsel hat Samson einen Sender, eine Gain-Trimmung und eine Infrarot-Schnittstelle spendiert und nun heißt das gute Stück CH88: Concert Handheld 88. Der Mikrofonsender hat eine Strahlungsleistung (EIRP) von 10 mW, soll laut Herstellerangaben eine Strecke von rund 90 Metern überbrücken und mit zwei AA-Batterien bis zu acht Stunden durchhalten. Zum Einlegen/Austauschen der Batterien muss das Mikrofon am Griffstück aufgeschraubt werden, was auch das vorderseitige Trim-Poti für die Eingangsempfindlichkeit der Kapsel freigibt. Damit man die Trimmung auch bequem regulieren kann, gibt Samson dem Mikrofon einen kleinen Kunststoff-Schraubendreher mit auf den Weg, der praktischerweise in das Mikro integriert ist. Neben dem Gain ist das IR-Fenster der Infrarot-Schnittstelle zu sehen. Das Batteriefach liegt auf der Rückseite.

Empfänger – Receiver CR88

Der Empfänger ist als halbes 19-Zoll-Gerät ausgelegt und erreicht unseren Testparcours in Begleitung der passenden Montage-Blenden zum Einbau ins Rack. Für den Betrieb von zwei identischen Receivern nebeneinander hat Samson mit einer Klammer vorgesorgt. Die Verbindungselemente und das Gehäuse sind aus Dur-Kunststoff gefertigt, der zwar einen widerstandsfähigen Eindruck macht, aber ein solides Metallgehäuse hält erfahrungsgemäß einen härteren Road-Betrieb aus. Speziell die Arretierungen am Empfänger, wo die 19-Zoll-Winkel einrasten, sehen und fühlen sich keinesfalls an, als wären sie für die Ewigkeit konzipiert. Zugegeben, wenn man das Gerät einmal ins Rack eingebaut hat, wird man es wohl so schnell nicht mehr rausnehmen. Für den professionellen Einsatz halte ich aber ein Metallgehäuse für unerlässlich. Davon abgesehen rasten die Winkel gut ein, die Klammer „matcht“ zwei Empfänger auf Augenhöhe, wobei nichts wackelt oder durchhängt. Soweit es der Kunststoff erlaubt, ist dies also eine gangbare Lösung.

Gegenüber dem Concert 77 hat Samson unter anderem auf einige Display-Features verzichtet und somit die Kostenschraube weiter nach unten gedreht, jedoch arbeiten nach wie vor zwei getrennte Antennen den zugewiesenen Frequenzbereich ab und gewährleisten somit True Diversity. Das bedeutet, je nachdem wo der Sender sich befindet, wird immer das empfangsstärkere Signal der jeweiligen Antenne an den Empfänger durchgereicht. Drop-Outs und reflektierende Funkechos von Wänden oder anderen Hindernissen werden dabei sauber vom System herausgesiebt. Auf der Front befinden sich neben den frei schwenkbaren Antennen noch der Betriebsschalter, ein Gain-Poti, der Kanalwahlschalter mit seiner einstelligen LED-Anzeige, das Bereitschaftslämpchen, eine Peak-Anzeige und der Infrarotsender.

Das Bereitschaftslicht zeigt an, ob auf dem ausgewählten Kanal das passende Mikrofon aktiv und sendebereit ist. Die Peak-Anzeige leuchtet bei Übersteuerungen auf und der verantwortliche „Tonmann“ kann die Eingangsempfindlichkeit bei Bedarf adäquat mit dem Gain-Poti zurückregeln. Auf der Rückseite befindet sich der symmetrische Ausgang (+4 dBu) als XLR-Buchse, die mit dem Gehäuse fest verschraubt ist. Daneben sitzt der alternative, nicht symmetrische Ausgang (-10 dBV) in Form einer Klinkenbuchse. Die Stromversorgung übernimmt ein 15V-Gleichstromnetzteil.

Infrarot-Schnittstelle des Samson Concert 88

Wie bereits erwähnt, befinden sich sowohl am Mikrofon als auch am Empfänger je eine Infrarot-Schnittstelle, die dazu dienen, dem Mikrofon einen bestimmten Kanal und damit eine bestimmte Sendefrequenz zuzuweisen, was ich im Praxisteil näher erläutern werde. Theoretisch sind mit dem Concert 88 bis zu 16 parallele Kanäle möglich, das heißt, es dürfen 16 Mikrofone und 16 Empfänger gleichzeitig betrieben werden, ohne dass sich die einzelnen Sendefrequenzen in die Quere kommen. Hier auch gleich noch ein Tipp: Sollen mehrere Mikrofone neu eingestellt werden, empfiehlt es sich, nur das aktuell betroffene Mike ein- und alle anderen auszuschalten, da es ansonsten zu unbeabsichtigten Doppelbelegungen eines Kanals kommen kann.

Sendefrequenzen – Frequenzbänder

Der Kanalplan des Concert-88-Systems gliedert sich in vier Gruppen, denen folgende Frequenzen zugewiesen sind:

Leider befinden sich die ersten drei Gruppen in den für Deutschland anmeldepflichtigen Frequenzbereichen. Zwar dürfen seit dem 07.07.2014 die Frequenzen von 470 – 790 MHz für die professionelle "Funkmikrofonie" genutzt werden, aber für uns zählen nun mal die anmeldefreien Frequenzen von 823 – 832 MHz und 863 – 865 MHz zu den privaten Anwendungsbereichen. Merkwürdigerweise liegen auch die Kanäle 2 bis 5 der Gruppe F in den weltweit für Astrofunk reservierten Frequenzbändern, eine Tatsache, die vielleicht bei Freischaltung noch zu nachhaltigen Problemen für den User führen könnte, falls diese irgendwo mal genutzt werden.

Unser Testmikrofon und Empfänger sind gemäß Gruppe G eingepegelt, dem EU-weiten „Harmonized Frequency Band“, einem Frequenzband mit einer Breite von gerade mal zwei Megahertz. Andere Hersteller packen da vielleicht gerade mal zwei bis vier Kanäle rein, Samson hingegen traut sich, ganze acht Channels in dieses schmale Band zu installieren und garantiert obendrein absolute Störfreiheit. Ich hätte das gern überprüft, hatte aber zum Testzeitpunkt leider nur ein System zur Verfügung.

Bedauerlich ist nur, dass der Hersteller nicht noch eine weitere Gruppe mit den (für Deutschland) noch frei nutzbaren Frequenzen von 823 – 832 MHz implementiert hat. Damit hätten die Funkstrecken-Gurus von Samson bestimmt 16 Kanäle programmieren können. Und Achtung: Die Frequenzgruppe ist dem erworbenen Gerät fest zugewiesen und kann nicht eigenständig geändert werden. Bei Fragen zu möglichen Erweiterungen oder zur Nutzung anderer Sendegruppen sollte demnach der Support kontaktiert werden.

Optionales Add-On: Belt Pack CB88

„On-Top“ bietet Samson noch einen Hosentaschen-/Gürtelsender an, der mit Headsets, kabelgebundenen Mikrofonen oder Instrumentenkabeln über einen Mini-XLR-Anschluss gespeist wird. Auch das CB88 ist frei zuweisbar und kann in einer größeren Sende-Peripherie eingesetzt werden, gehört jedoch nicht zum Lieferumfang des Samson Concert 88 Mic G, sondern ist optional erhältlich. In der Bedienungsanleitung findet dieses Gerät allerdings bereits mit all seinen Funktionen Beachtung. Ein Marketing-Clou?

Audiobeispiele

Pro & Contra

  • Mute-Schalter am Mikrofon
  • Sehr geringes Eigenrauschen
  • 12 Stunden Sendezeit
  • 19-Zoll einbaufähig
  • Betrieb von bis zu acht Geräten gleichzeitig
  • 90 Meter Reichweite und mehr
  • True Diversity
  • Symmetrische und nicht symmetrische Outputs
  • Einfache Bedienung

  • Kunststoffgehäuse beim Empfänger
  • Tastgeräusche beim Anfassen des Mikrofons
  • Mumpfiger Klang des Mikrofons
  • Unausgewogene Mikrofonhandhabung
  • Mikrofonkorb nicht wartbar
  • Übersprechung zwischen den Kanälen

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