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15.09.2020

Schallplatten überholen CD-Verkäufe erstmals seit 1980ern

Die Zahlen aus den USA könnten sich auch bald in Deutschland wiederfinden

Zwanzig Jahre lang dominierten CDs den Musikmarkt nach Belieben. Die glänzende Silberscheibe hat seine besten Tage allerdings hinter sich. Streaming und MP3 wirbelten die ganze Industrie auf und machen einen Großteil der Umsätze aus. Ein unvorhersehbares Comeback schaffte allerdings die Schallplatte, die in den USA erstmals seit über 30 Jahren wieder höhere Umsätze als bei CDs verzeichnen konnte. 

Der US-Brancehnverband RIAA (Recording Industry Association of America) veröffentlichte seinen Halbjahresbericht für 2020 und sorgte für eine große Überraschung. Der Umsatz von Vinyl-Tonträgern lag bei 232 Millionen USD, bei CDs nur noch bei 129 Millionen USD. Damit halbierte sich der Umsatz bei CDs fast (-47,6 Prozent im Vergleich zum Vorjahr), während Vinyl-Platten einen Anstieg von 3,6 Prozent verzeichnen konnten. Bei den verkauften Einheiten lagen CDs mit 10,2 Millionen noch knapp vor Schallplatten mit 8,8 Millionen. 

Aufgrund der Corona-Pandemie musste der Markt für physische Musikträger Umsatzrückgänge verzeichnen. Durch das Ausfallen von Veranstaltungen und den Schließungen von Geschäften war diese Entwicklung vorhersehbar. Im Vergleich zum ersten Halbjahr 2019 erlebten physische Tonträger einen Rückgang um 23 Prozent auf 376 Millionen USD. Der Streaming-Markt profitierte allerdings von den aktuellen Umständen und konnte seinen Vorsprung an der Spitze weiter ausbauen. Der Umsatzanstieg von 11 Prozent auf 4,8 Milliarden USD ist vor allem der höheren Anzahl an zahlenden Abonnenten bei Spotify und Apple Music zu verdanken. Hier gab es einen Anstieg um 24 Prozent. 

Ähnlicher Trend bald in Deutschland? 

Die USA gelten oft als Vorbote für Trends, die mit etwas Verzögerung in Europa ankommen. Erst 2018 übertrafen digitale Umsätze in Deutschland die von physischen Tonträgern. Dem Halbjahresbericht des BVMI zufolge erkennt man jedoch eine ähnliche Entwicklung wie in den USA. Audio-Streaming konnte um 20,7 Prozent zulegen, CD-Verkäufe gingen um 22,9 Prozent zurück. Auch in Deutschland holten Schallplatten gegenüber CDs auf. Mit Vinyl-Zuwächsen von 4,6 Prozent gegenüber dem Vorjahr liegt man aber insgesamt noch weit hinter CDs. Am Gesamtumsatz machen CDs immer noch 20 Prozent aus, Vinyl-Platten nur 4,5 Prozent. Weiter an Bedeutung verlieren MP3-Verkäufe. Obwohl das Digitalgeschäft um 16,4 Prozent gestiegen ist, mussten Downloads einen Rückgang von 22,5 Prozent verzeichnen. Der Trend geht also auch in Deutschland in Richtung Streaming und Vinyl.

Veröffentlicht am 15.09.2020

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